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    <title type="text">Veranstaltungen</title>
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    <updated>2011-09-20T09:20:59Z</updated>
    <rights>Copyright (c) 2011, Luise F. Pusch</rights>
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      <title>Orthodoxer Feminismus &#45; Eine Chimäre</title>
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      <id>tag:fembio.org,2012:biographie.php/frau/glossen/5.1666</id>
      <published>2012-02-26T22:15:34Z</published>
      <updated>2012-02-27T10:05:35Z</updated>
      <author>
            <name>Luise F. Pusch</name>
            <email>luise.f.pusch@gmail.com</email>
            <uri>http://www.fembio.org</uri>      </author>

      <content type="html"><![CDATA[
        <p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/4bc58fc0d20f4261b96cf6893ad52cdb" width="1" height="1" alt="">von <a href="http://www.helke-sander.de/" title="Helke Sander">Helke Sander</a></p>

<p>In der Absicht, etwas über die Gewinnerin des Anne-Klein-Preises Dr. Nivedita Prasad zu erfahren, stieß ich im Internet auf Prof. Dr. Birgit Rommelspacher, die am 2.3.12 die Laudatio bei der Verleihung halten wird, und ich las daraufhin mehrere von ihr seit 2008 geschriebene und im Internet zugängliche  Artikel. </p>

<p>Danach war ich allerdings völlig sprachlos darüber, dass die Heinrich Böll-Stiftung und das feministische Institut, das die Preisverleihung ausrichtet, diese Autorin um die Laudatio gebeten hat. </p>

<p>In ihrem Text „Feminismus und kulturelle Dominanz – Kontroversen um die Emanzipation „der“ muslimischen Frau“<br />
(Aus: BAG Mädchenpolitik Info 9/2008) <br />
benutzt B. Rommelspacher  gleich auf der ersten Seite in einem Zwischentitel den Begriff:„Orthodoxer Feminismus“.</p>

<p>Dieser, offenbar von Birgit Rommelspacher (im Folgenden nur: BR) erfundene und von mir vorher nie gehörte  Begriff wird nun nicht etwa erklärt, sondern als bekannt und definiert vorausgesetzt und personell einerseits auf Alice Schwarzer bezogen, die mit zwei in sich unverständlichen und offenbar aus dem Zusammenhang gerissenen Sätzen über den „Männlichkeitswahn des 21.Jh. und faschistischer Männerbündelei im 20. Jh.“ und einem nur ungefähr angegebenem  Herkunftsbeleg zitiert wird, sowie auf Halina Bendkowski, deren „orthodoxer Feminismus“ sich darin äußern soll, dass sie in der Kopftuchfrage „die Durchsetzung der Menschenrechte ohne Wenn und Aber“ fordert. (Dies ganz ohne Herkunfts-Beleg, was für eine Frau Prof. Dr. BR mit Schwerpunkt „Interkulturalität und Geschlechterstudien“ geradezu Guttenbergsche Qualität hat). Andere Menschenrechte wie das Recht auf kulturelle Selbstbestimmung und Religionsfreiheit würden von Bendkowski nicht berücksichtigt, wird als Merkmal des orthodoxen Feminismus angeführt.</p>

<p>Ich möchte hier nicht auf die inhaltlichen Auseinandersetzungen in der Kopftuchfrage eingehen, zu denen sich in wirklich vielen und differenzierten Texten auch Schwarzer und Bendkowski geäußert haben, sondern mich darauf beschränken, was mit der Worterfindung <em>Orthodoxer Feminismus</em> offenbar erreicht werden soll, den BR bestimmten Leuten ohne weitere Begründung unterstellt und von dem sie sich selbst kategorisch absetzt. Diese Distanzierung von dem Begriff ist gewissermaßen schon das erste Ziel. Wer zu den orthodoxen Feministen gehört, ist nicht nur altmodisch, sondern, wie im späteren Text suggeriert wird, vor allem rechtslastig, dogmatisch, konservativ, auf die eigene Herkunft fixiert und unfähig, fremde Kulturen in ihrer Eigenart zu akzeptieren. </p>

<p>Nun könnte jemand, die 1945 geboren ist und bei der Entstehung der Frauenbewegung im Januar 1968 schon erwachsen war und sich in ihrem Berufsleben mit der Geschlechterfrage befasst, etwas mehr von den inhaltlichen Kontroversen wissen, die die immer äußerst heterogene Frauenbewegung wie jede andere neu entstehende Bewegung von Anfang an begleitet haben. Richtig ist allerdings, dass - anders als bei den verschiedenen kommunistischen Parteien, den verschiedenen Flügeln in der SPD, den Abspaltungen bei den Grünen usw. usw. - diese Kontroversen aus Desinteresse an der Frauenbewegung jenseits von Latzhose, Provokation und unterstelltem Männerhass kaum in den Mainstreammedien und d.h. in der breiteren Öffentlichkeit diskutiert wurden. Später, ab Mitte der 70-er Jahre, wurde die Zeitschrift EMMA zu DEM Sprachrohr DER Frauenbewegung von den gleichen Medien erklärt, die bis auf sporadische Ausnahmen nicht wahrhaben wollten, dass die Frauenbewegung von Anfang an vielfältig war. Das spiegelte sich dann allerdings auch kaum in der EMMA, auf die und hauptsächlich auf deren Herausgeberin sich die Öffentlichkeit allein mehrheitlich bezog. In der EMMA gab es keine kontinuierlichen und seriösen Auseinandersetzungen mit Themenfeldern, zu denen die Herausgeberin eine andere Meinung hatte. Was sich jenseits einfacher Zuschreibungen abspielte, wurde also mehr oder weniger von allen Medien ignoriert. (Man denke nur an die Auseinandersetzungen schon 1969 zwischen dem <em>Aktionsrat zur Befreiung der Frauen</em> und dem sozialistischen Frauenbund). Schon deshalb verbietet sich ein so pauschaler Begrifft wie „orthodoxer Feminismus“. </p>

<p>Bei allem Vorbehalt, den ich gegenüber der Rolle von Alice Schwarzer in den Medien habe, die weitgehend als Repräsentantin DES Feminismus gilt, werde ich doch nicht vergessen, dass sie am Anfang der iranischen Revolution mit einigen Feministinnen den Iran besuchte und (zwar nicht als einzige, aber doch als eine von vielen Frauen in der alten BRD und der ganzen Welt) über die Verbrechen an Frauen berichtete, die massenhaft hingerichtet wurden, u.a. deswegen, weil sie KEIN Kopftuch trugen und tragen wollten. Darauf aufmerksam gemacht zu haben und weiterhin auf die Verbrechen hinzuweisen, die immer noch geschehen, wenn Frauen sich in Widerspruch zu bestimmten Traditionen befinden, wird also von BR als engstirniger orthodoxer Feminismus beschrieben. Dazu gehört die Diskriminierung solcher Frauen durch BR, die selber schon wegen ihrer Ansichten schlimme Gewalterfahrungen gemacht haben (Seyran Ates, Ayaan Hirsi, Necla Kelek, um nur die hier bekanntesten zu nennen) und die sich in die Anonymität zurückziehen müssen, um nicht Opfer religiöser Krimineller oder sich auf die Religion berufender Chauvinisten zu werden. Ich will ja gar nicht bestreiten, dass das Kopftuch auch ein Vehikel zur Identitätsfindung junger Mädchen sein kann und für viele unterschiedliche Konfliktlösungen herhalten muss. Es ist aber je nach Gesellschaft und Stand für viele  lebensgefährlich, es nicht zu tragen und eine Ungeheuerlichkeit, den KritikerInnen  dieser Verhältnisse faschistische Tendenzen zu unterstellen. </p>

<p><em>Orthodoxer Feminismu</em>s, nach BR ein monolithischer Block aus den sechziger und siebziger Jahren -&nbsp; soll also auf einen anderen, neueren, aufgeklärteren, intelligenteren Feminismus verweisen, der vor allem kulturelle Unterschiede anerkennt.</p>

<p>Offenbar weiß BR nichts über die Auseinandersetzungen aus dieser Zeit über: Frauen als Patriarchalinnen, d.h. Unterstützerinnen patriarchaler Ideologien, über Opfer und Täterinnen, über die Schwerpunkte feministischer Politik, über Lohn für Hausarbeit versus gesellschaftlicher Versorgung der Kinder, über die Kampagne „Frauen in die Bundeswehr“ gegen diese Forderung, über Feminismus als politische Kategorie (was z.B. hieß, dass auch Männer feministische Positionen politisch vertreten können und sollen) gegen einen hauptsächlich kulturellen und identitätsstiftenden Feminismus ohne Männer, usw.</p>

<p>Nichts davon wird bei BR auch nur erwähnt, auch nicht die feministischen Frauengruppen, die damals von den heute so genannten „Frauen mit Migrationshintergrund“ gegründet wurden, Arbeiterfrauen meist, mit bäuerlichen oder keinen  Kopftüchern. Alle diese Frauen, so unterschiedlich sie auch waren und so kontrovers sie auch diskutierten, wollten tatsächlich Menschenrechte auch für Frauen durchsetzen, wollten die Ursachen für Diskriminierungen untersuchen und dagegen ankämpfen und werden heute pauschal von BR als altmodische, orthodoxe Feministinnen bezeichnet.</p>

<p>Nun gibt es natürlich wie bei jeder Bewegung auch in der feministischen, immer dumme Leute mit Sehnsucht nach einfachen Lösungen, die dann Ideologinnen werden und für die dann vereinzelt auch die Unterstellungen von BR zutreffen mögen. Dies aber zu verallgemeinern ist einfach unzulässig.</p>

<p>BR soll den Begriff Dominanzkultur entwickelt haben. Angehörige dieser Dominanzkultur, die  orthodoxen Feministinnen, würden diese eigene Kultur nun den anderen aufzwingen. Die von BR geschmähte Halina Bendkowski hat vor vielen Jahren den Begriff der Geschlechterdemokratie eingeführt, die durchzusetzen sich die Heinrich-Böll-Stiftung in ihrer Eigenaussage bemüht. Ich hoffe, dass diese Institution fähig ist, die wirklichen Widersprüche zu analysieren, sonst unterstützt sie nichts weiter als Denunziation. </p>

<p>Helke Sander  © 2-12</p>



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      <title>Lena Vandrey: Sancta Etcetera &#45; Abschluss mit Maria</title>
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      <id>tag:fembio.org,2011:biographie.php/frau/glossen/5.1587</id>
      <published>2011-08-14T22:53:08Z</published>
      <updated>2011-08-18T07:16:10Z</updated>
      <author>
            <name>Luise F. Pusch</name>
            <email>luise.f.pusch@gmail.com</email>
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      <content type="html"><![CDATA[
        <p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/28c2f4143ff34dd1b38210dec6d41fe8" width="1" height="1" alt="">Sancta Etcetera: Abschluss mit Maria<br />
Maria schwebt über uns auf ihren Knien</p>

<p>Anekdotenbiographie</p>

<p>Es gibt in der Provence ein berühmtes – nur in selbiger berühmtes – Gemälde des Malers Enguerrand Quarton, nämlich „Die Krönung der Jungfrau“ (1454) – Museum Pierre du Luxembourg in Villeneuve-les-Avignon. <br />
<a href="http://www.fembio.org/images/uploads/Enguerrand_Quarton_1454.jpg" onclick="window.open('http://www.fembio.org/images/uploads/Enguerrand_Quarton_1454.jpg','popup','width=652,height=538,scrollbars=no,resizable=yes,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false"><img src="http://www.fembio.org/images/uploads/Enguerrand_Quarton_1454_thumb.jpg" alt="Frauenbild" title="Frauenbild" style="padding:5px;" width="390" height="320" /></a></p>

<p><strong>(Klicken Sie auf die Bilder, um sie zu vergrößern.)</strong></p>

<p>Auftragsarbeit von Äbten und Mönchen, welche ihre Göttin virtuell einkleideten, rührender-weise Anzieh-Puppe spielten, obwohl sie doch, in weiblicher Bekleidung unerfahren, es gar nicht hätten tun dürfen. Wie viele Meter von weißem feinen Linnen verwandt werden sollen, und was an purpurnen und lapislazuliblauen Wollstoffen von feinster Webart, und welche Spitzen und &nbsp; welchen Schmuck und überhaupt, welche Tücher, das edel Stoffliche, alles ist im Vertrag genannt  und auf das Genaueste fein säuberlich festgehalten. Das Ganze heißt : der Mach-Preis und mutet an, als ob der Maler diese Ware wirklich kaufen sollte zum Zwecke des Konterfeis. Was gut möglich ist. Eine Auflage hieß, dass die zwei Figuren, welche Maria krönen, identisch sein sollen, Vater und Sohn als Zwillinge. Der Vater wird von links auf rechts transponiert in einer kompletten Computer-Kopie. Gottvater und Sohn sehen wir als bärtige Jünglinge mit genüsslich halb-geschlossenen Augen nach gotischer Fassung und genauso genüsslichen Lippen. Die Krone halten sie ein wenig über Mariens Kopf, um ihr nicht gleich wehzutun. Beide tragen gleiche Sandalen auf gleichen Füßen, die Nägel sind soigniert, die Bärte wollig und sauber.<br />
Sancta Maria ora pro nobis ! Was macht sie ? Ein verdrossenes Gesicht !<br />
Auch halb-gotische Augen, wie alles, was von Ferne gesehen wird. Drumherum und darunter allerhand Leute mit runden Augen, was wohl ihr Staunen ausdrücken soll. Damit ist die Auftragsarbeit beendet; der Künstler nimmt sich ein wenig Platz für eigene Ideen ein wenig darunter. Auf blauer Leinwand Christus-im-Kreuze und Engel, die da die Seelen retten.<br />
<a href="http://www.fembio.org/images/uploads/Maria_Sancta_3.jpg" onclick="window.open('http://www.fembio.org/images/uploads/Maria_Sancta_3.jpg','popup','width=1005,height=1020,scrollbars=no,resizable=yes,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false"><img src="http://www.fembio.org/images/uploads/Maria_Sancta_3_thumb.jpg" alt="Frauenbild" title="Lena Vandrey; Maria Sancta 3" style="padding:7px;float:right" width="162" height="164" /></a>Seine auch ? Könnte es eine Andeutung sein ? Haben sich die Christen mit Jesu Seele jemals befasst ? Und Maria, welch’ war ihr Denken ? Maria ist auch die Königin der Hölle und diejenige große Frau, von der es heißt, dass sie eines Tages der Schlange den Kopf zertreten würde : Ave-Eva-Maria.<br />
In der Hölle oder darüber sehen wir Engels-Skelette, welche an einem gelben Bein sehr fleischliche Sünder aus dem hitzigen Pfuhl zu ziehen trachten. Die meisten Sünder sind vertreten, jedoch nicht alle – wie könnte man Neid verbildlichen ?! Dieses letzte Drittel eigenen Denkens enthält ein paar großartige Stellen des christlichen Romans.<br />
Meine Aufgabe war, eine bildliche Lektüre dieses Gemäldes zu veranstalten – und es kam genau umgekehrt : „Die Krönung der Jungfrau“ von Quarton erklärt meinen Zyklus Magma Magna Maria, und nicht meine Arbeit erläutert das berühmte Bild… So geschieht es oftmals bei doch den besten Absichten, weil Absichten eben Ab-Sichten sind.<br />
<a href="http://www.fembio.org/images/uploads/Maria_Sancta_2.jpg" onclick="window.open('http://www.fembio.org/images/uploads/Maria_Sancta_2.jpg','popup','width=607,height=840,scrollbars=no,resizable=yes,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false"><img src="http://www.fembio.org/images/uploads/Maria_Sancta_2_thumb.jpg" alt="Frauenbild" title="Lena Vandrey; Maria Sancta 2" style="padding:7px;float:left" width="162" height="225" /></a>Alles in allem habe ich die Welt dargestellt, in welcher Maria lebte, dieses Gleichzeitige von Stillstand und rasender Bewegung, eine Landschaft des Stupors, der animalischen Vereinigung von Sanftem und Wildem, vom tiefsten Nicht-Wissen zur Eindeutigkeit ; ein Magma, ein Labyrinth. Wer ist Maria ? Für die Protestanten ein Niemand – von ihrem Sohn „zurechtgewiesen“. Aber : „Er hat trotzdem getan, was sie wollte“, sagen die Katholikinnen, ein Mensch, Vermittlerin zwischen ihrem und einem unbegreiflichen, unsichtbaren Gott und seinem toten Sohn. Die einzige Adresse, die wir haben.</p>

<p>Für die evangelische Bischöfin ist Gott „Vater und Mutter zugleich“, worin wir wieder eine Gleichzeitigkeit sehen können, ein unverschämtes Novum und eine perverse alte Kamelle ; Reduzierung auf das Primitivste, Ausklammerung der Frauen, und Maria katapultiert ins Nichts.<br />
Und was sagt die Zeugin Jehovas ? Maria war eine einfache, unbedeutende Frau, die sich erst nach der Kreuzigung bekehrte, ein Irgendetwas, ein Niemand, aber dann urplötzlich murmelt sie und wendet das Gesicht ab. Sie war wohl Ischtar – ist das nicht fürchterlich ??! Fürchterlich allein ist, was mit Ischtar geschah, und um hin und wieder ihre Gegenwart zu preisen, gibt es hier und dort gekreuzigte Marien mit Bärten. Diese Bärte waren das Macht-Symbol der großen Göttin, sie wurden mit zwei Henkeln an den Ohren befestigt. Diese Ohren müssen groß gewesen sein, um die schweren Wolle-Locken zu tragen ; wir denken an Indien, an Elefanten, an die Göttin Kali, an Astarte – das alles war sie – aber ein Vater war sie nicht, denn Väter gab es in diesem Sinne gar nicht. Wir können das Ding also nicht umdrehen, um der Bischöfin in ihrer Umkehrung halb und halb Recht zu geben.</p>

<p>Logisch gesehen war Anna die große Göttin. Sie bekam unbefleckt-parthenogenetisch eine Tochter, ein gradliniges, matriarchalisches Ereignis. Auch war Anna voll von Freude über diese Geburt und gab ihre Tochter als kleine Gottheit gleich in den Tempel, woraus die Menses sie dann vertrieb, was das Ende des Matriarchats bedeutete, die Projektion von Unreinheit auf weibliche Wesen. Annas Tochter wurde ein Gebrauchsgegenstand der Kirche und ihre Geschichte verfälscht. Laut hebräischen Quellen, die sich wiederum nach protestantischen richten, wurde Maria in ihrem zwölften Jahr von einem Cousin vergewaltigt. <a href="http://www.fembio.org/images/uploads/Maria_Sancta_1.jpg" onclick="window.open('http://www.fembio.org/images/uploads/Maria_Sancta_1.jpg','popup','width=622,height=865,scrollbars=no,resizable=yes,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false"><img src="http://www.fembio.org/images/uploads/Maria_Sancta_1_thumb.jpg" alt="Frauenbild" title="Lena Vandrey; Maria Sancta 1" style="padding:7px;float:right" width="162" height="226" /></a>Hieß er nicht zufällig Gabriel ?&nbsp; Ein Tier hat mich überkommen ! Und aus dem Tier macht die Seele einen Engel, denn ein Menschenmann kann es doch nicht sein ! Maria eröffnet sich ihrem Verlobten, welcher die Flucht vorschlägt, denn sonst wären sie beide gesteinigt worden. Dieser Tatsache verdanken wir Christus und den Anfang des christlichen Gottes, welcher von Ischtar-Kali-Anna Hoffnung, Milde, Sterne und Leben sät und unserer Bischöfin Recht gibt. Jehova hat sich Ischtar einverleibt, und wer auf Maria beharrt, ist eine störrische Ketzerin und negiert die göttliche Anstrengung zum Transsexuellen, ob es uns nun gefällt oder nicht. <br />
Die Iren waren die letztbekehrten Leute. Als eines Tages die römischen Mönche kamen, sagten sie : Eure große Göttin, Edna-Gretna, grüßt euch, sie ist am Leben ! Wie schön, sagten die Iren. Aber sie war auf Reisen und trägt einen anderen Namen jetzt. Das kommt vor auf Reisen, sagten die Iren. Und wie heißt sie jetzt ? Maria, sagten die Mönche. Hübsch, sagten die Iren : Mary ! Merry Mary ! Jaaa, aber – sagten die Mönche – das kleine Töchterchen, das ist jetzt ein Knäblein ! Ihr habt wohl nichts gegen ein Bübchen ? Aber wie könnten wir denn, sagten die Iren, ein Kind ist ein Kind !<br />
Den zweiten Teil der Geschichte behielten die Mönche vorsichtig für sich. Dieses Gräueldrama wurde erst später aufgedeckt – zum Entsetzen der Iren. Aber wie es so oft ist, wenn wir auf eine Fälschung hereingefallen sind, will es der Stolz, will es die Ehre, dass wir dazu Ja und Amen sagen. Und deshalb gibt es zwei Geschichten, eine freudige von Mutter und Tochter und eine tieftraurige von Mutter und Sohn. Dass der Weg zu Gott-Vater über den Mord an seinem Sohn führen musste, sollte nachdenklich stimmen, wie alle Konkurrenz-Fragen : Wir haben die Wahl zwischen einer lebendigen Frau und einem toten Mann, und so teilen sich die Geister. Protestanten sind Alt-Ägypter mit ihrem Totenkult; Katholiken sind Heiden mit dem Ischtar-Kult aus dem Land nebenan.<br />
Die Toten aber, so scheint es, besitzen sehr viel mehr Macht. Tragisch.</p>

<p>Und gerade weil es tragisch ist, sollten wir mit Humor rekapitulieren :<br />
Protestantische Feministinnen haben darauf gedrungen, dass Jesus eine Frau sei.<br />
<a href="http://www.fembio.org/images/uploads/Maria_Sancta_4.jpg" onclick="window.open('http://www.fembio.org/images/uploads/Maria_Sancta_4.jpg','popup','width=647,height=900,scrollbars=no,resizable=yes,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false"><img src="http://www.fembio.org/images/uploads/Maria_Sancta_4_thumb.jpg" alt="Frauenbild" title="Lena Vandrey; Maria Sancta 4" style="padding:7px;float:left" width="162" height="226" /></a>Resultat : Gott wird eine Transsexuelle. Maria ist nicht mehr vonnöten.<br />
Katholische Feministinnen pflegen den Marien-Kult und damit die Erinnerung an alle großen, heiligen Frauen, Nonnen, Stifterinnen von Schutzklöstern und genialen Werken, aber in ihrer Kirche gibt es außer Maria keine andere Frau von göttlicher Bedeutung. Sancta Anna fällt unter den Tisch. Sie brachte ihrer Tochter das Lesen bei. In der hebräischen Buchkultur etwas völlig Unübliches, und sie freute sich !<br />
Erwähnen wir doch noch einmal diese Freude bei der Geburt einer Tochter ! Hätte diese so arg seltene Tatsache die evangelischen Feministinnen nicht zum Stutzen bringen sollen ? Anna mit ihrer Tochter Maria : Da ist Freude und Leben ! Da sind zwei Frauen, die sich lieben. Ein wirkliches Vorbild ! Könnten uns die etwaig transsexuellen Komponenten von männlichen Gottheiten nicht indifferent sein ? Wer sucht nach Männlichkeit bei Anna und Maria ? Ischtars Bart auf Maria bedeutet keine Männlichkeit, sondern ein Kostüm. Was mögen die Protestantinnen an Maria nicht ? Die Darstellung ! Finden sie besser den eisgrauen Greis Jehova, der dem jungen nackten Adam die Fingerkuppen reicht ?<br />
Nun könnt ihr vergleichen : Anna, das Buch, das Mädchen, Schutz und Wissen, und den hingegossenen jungen, unbeweibten Mann Adam und sein fernes Idol, Idealvorstellung des Künstlers auf Vatersuche. <br />
Wen suchen wir ? Adams Gott oder Mariens Mutter ? <br />
Für uns ist es leicht : Ihre Statue ist an der Hauswand befestigt und durch nichts herunter zu bekommen. Ihre Hand auf der Schulter der Tochter : Das ist Religion. Diese beiden sind verbindlich gültig.</p>

<p><a href="http://www.fembio.org/images/uploads/Maria_Sancta_5.jpg" onclick="window.open('http://www.fembio.org/images/uploads/Maria_Sancta_5.jpg','popup','width=664,height=918,scrollbars=no,resizable=yes,toolbar=no,directories=no,location=no,menubar=no,status=no,left=0,top=0'); return false"><img src="http://www.fembio.org/images/uploads/Maria_Sancta_5_thumb.jpg" alt="Frauenbild" title="Lena Vandrey; Maria Sancta 5" style="padding:7px;float:right" width="162" height="225" /></a>Sancta Etcetera ist eine seltsame Fremde, der alles zukommt über Träume und Briefe … eine Allheilige ist Sancta Etcetera, die wir der Panoplie hinzufügen …</p>

<p>Marginalie :<br />
Ares wurde von Hera ohne männliches Zutun geschaffen und am Tage von Mariä-Verkündigung geboren : Mariares …</p>

<p>@Lena Vandrey 2011. <br />
&nbsp;  &nbsp;  </p>

  
      ]]></content>
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      <title>Hans &#8220;Kultur&#45;Maier&#8221; Maier erinnert sich an 1968 und die Frauen</title>
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      <published>2011-03-21T11:57:01Z</published>
      <updated>2011-07-21T18:28:02Z</updated>
      <author>
            <name>Luise F. Pusch</name>
            <email>luise.f.pusch@gmail.com</email>
            <uri>http://www.fembio.org</uri>      </author>

      <content type="html"><![CDATA[
        <p>von <a href="http://hazel.rosenstrauch.com/" title="Hazel Rosenstrauch">Hazel Rosenstrauch</a></p>

<p><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/792232c659864fee82700c74c8fb437a" width="1" height="1" alt="">In der <em>Süddeutschen Zeitung</em> vom 15. März stand – im Feuilleton, über vier lange Spalten - ein Auszug aus den Lebenserinnerungen Hans Maiers: „Böse Jahre, Gute Jahre“. Kultur-Maier nannten wir ihn seinerzeit. Der damals noch im Deutschen Bildungsrat, später als Kultusminister Bayerns aktive CSU-Politiker rückt die StudentInnenrevolte in die Nähe von Schlägertrupps, bringt martialische Zitate. Gewalt, Hörsaal-Stürme, Sprach- und Denkherrschaft haben sich in seiner Erinnerung abgelagert – und ein Bild von der Rolle der Frauen, die ihn besonders interessieren, weil er vier Töchter hat. Hier ein Ausschnitt aus seinen Erkenntnissen: </p>

<blockquote><p>Im Ganzen dürften die Frauen 1968 kaum auf ihre Rechnung gekommen sein. Die „Mädchen“ – wie man sie unverändert nannte – waren den männlichen revoltierenden Studenten zwar als Gefolgschaft willkommen, wenn sie als Groupies zu den politischen Führern stießen, sie wurden aber als Anführerinnen der Revolte nur selten akzeptiert ... Es versteht sich, daß die programmatische Ablehnung von Bindungen in den Kommunen und alternativen Lebensformen auch keinen Platz für Kinder ließ: Diese wurden nicht selten, kaum geboren, zu anderen Gruppen abgeschoben oder zur Adoption freigegeben, oder sie wuchsen in bewußter Distanz von ihren Eltern als revolutionär erzogene „Kinderladenkinder“ auf. </p></blockquote>

<p>Soweit Herr Maier. Ich habe mich bemüßigt gefühlt, einen Leserinnenbrief zu schreiben, und da ich nichts von der Leserbriefredakion gehört habe, nehme ich an, er wird nicht abgedruckt. Hier ist er:</p>

<p>Hans Maier weiß, was Frauen 1967 ff. wollten. Wirklich nett, wie Herr Maier uns noch in der Erinnerung an diese Jahre bevormundet. Sie waren nur Objekte martialischer Männer, Groupies, die ihre Kinder abgaben etc.?</p>

<p>Ich korrigiere: Frauen haben endlich in den Seminaren den Mund aufgemacht, sie haben sich von ihren Profs nicht mehr tätscheln und anmachen lassen, sie haben die alten Rollenbilder nicht mehr akzeptiert und sie haben Kinderläden gegründet, damit sie auch lernen und arbeiten können wie Männer. Sie haben gegen das Abtreibungsverbot gekämpft und z.B.beim SDS-Kongress 1968 dafür gesorgt, dass das &#8220;Private&#8221; - wie z.B. Kinderbetreuung oder Haushaltsarbeit - politisch wurde. Man weiß so wenig davon, denn sie haben, da stimme ich Herrn M. zu, keine Führerinnen hervorgebracht. Das war nämlich Teil der Emanzipation dieser Jahre: wir wollten nicht so werden wie die Männer. Rührend, wie er seine jüdischen Kollegen zitiert - aber ja doch, an das Gefühl &#8220;Geht das jetzt wieder los in Deutschland?&#8221; erinnere ich mich gut - als die Polizei uns in Berlin niederknüppelte und den Schah schützte und prügelnden Machos (&#8220;Prügelperser&#8221;) tatenlos zusah. Wir, die 68erInnen, haben u.a. die Nazi-Bücher aus der Germanistik-Bibliothek aussortiert und in Arbeitsgruppen jene Literatur von ExilantInnen oder AufklärerInnen gelesen, die in der noch recht teutonischen Germanistik oft noch unbekannt war und heute zum Kanon gehört. Aber die Geschichte wird eben von Siegern geschrieben.
</p>  
      ]]></content>
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      <title>Mehr Infos über ägyptische Frauen, bitte! Offener Brief von Helke Sander</title>
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      <id>tag:fembio.org,2011:biographie.php/frau/glossen/5.1485</id>
      <published>2011-02-07T18:49:54Z</published>
      <updated>2011-02-07T19:14:12Z</updated>
      <author>
            <name>Luise F. Pusch</name>
            <email>luise.f.pusch@gmail.com</email>
            <uri>http://www.fembio.org</uri>      </author>

      <content type="html"><![CDATA[
        <p>Sehr geehrte Damen und Herren,</p>

<p>ich möchte Sie bitten, bei Ihrer Berichterstattung über Ägypten auch besonders auf die Lage der Frauen einzugehen, bzw. diese zu Wort<br />
kommen zu lassen.<br />
In welcher Form sind sie beteiligt? Organisiert oder nicht? Wie wird ihre Mitarbeit aufgenommen? Welche Infrastrukturen schaffen sie sich?<br />
Welche Kritik von ihnen gibt es?</p>

<p>Ich möchte nur daran erinnern, dass Frauen die iranische Revolution ganz wesentlich mit bestimmt haben. Sie waren aber die ersten, die<br />
brutal unterdrückt wurden. Man kann auch heute nicht dauernd vom Volksaufstand reden, wenn nur Männer zu sehen sind. Es ist einfach<br />
notwendig, diese Ereignisse auch unter dem Gesichtspunkt der Geschlechterfrage zu behandeln.</p>

<p>•••••••••••••••••••••••<br />
Diesen Text hat Helke Sander an verschiedene Redaktionen geschickt. Sie würde sich freuen, wenn dem Beispiel gefolgt würde und die Unterstützerinnen die Aufforderung an ihre lokalen Sender, Rundfunkanstalten, Zeitungen usw. schicken würden. </p>

  
      ]]></content>
    </entry>

    <entry>
      <title>Weder Mann noch Frau und beides</title>
      <link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.fembio.org/biographie.php/frau/veranstaltungen/weder-mann-noch-frau-und-beides/" />
      <id>tag:fembio.org,2010:biographie.php/frau/glossen/5.1452</id>
      <published>2010-12-02T17:15:54Z</published>
      <updated>2010-12-02T17:46:07Z</updated>
      <author>
            <name>Luise F. Pusch</name>
            <email>luise.f.pusch@gmail.com</email>
            <uri>http://www.fembio.org</uri>      </author>

      <content type="html"><![CDATA[
        <p><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/e52c822ed2de4b6bae7d12cfbc609921" width="1" height="1" alt="">von <strong>Renata Egli-Gerber</strong></p>

<p><em>Daniela Truffer ist ein Zwitter. Sie kämpft für die Rechte dieser Menschen und macht Eltern Mut, ihre Kinder, deren Geschlecht bei Geburt nicht zuweisbar ist, vor Eingriffen zu schützen.</em></p>

<p>Sie ist auf den ersten Blick eine unauffällige Frau in Jeans und Bluse, der man ihre 45 Jahre nicht geben würde, eine Frau mit dichtem, braunem Haar, blaugrauen, ausdrucksvollen Augen und einem edel geformten Mund, wie man auf den zweiten Blick entdeckt. Aber Daniela Truffer wurde nicht als Frau geboren, sondern als Zwitter. Dieses von „zwei“ abgeleitete Wort umfasst Mann und Frau gleichzeitig und verbindet sie zur Einheit. „Zwitter“ ist ihr lieber als die offizielle, politisch korrekte Bezeichnung „intersexuell“ – ein Ausdruck, der Menschen auf die Sexualität allein verweist und auf einen Platz zwischen den Geschlechtern, gleichsam zwischen Stuhl und Bank.</p>

<p>Die Geschlechtszugehörigkeit der heute in Zürich lebenden Walliserin konnte bei ihrer Geburt 1965 nicht eindeutig bestimmt werden: Im Bauch des Neugeborenen fanden sich Hoden, auch auf Grund der Chromosome konnte das Kind als männlich bezeichnet werden. Sein äußeres Geschlecht wich jedoch von dem eines Knaben deutlich ab. Außerdem hatte das Kind einen Herzfehler. Die Ärzte räumten ihm deshalb keine großen Überlebenschancen ein. Dies hielt sie aber nicht davon ab, zwei Monate nach der Geburt zur Operation zu schreiten. „Das Kindlein muss kastriert werden“, steht in der Krankenakte. Sie entfernten die gesunden Hoden, ohne die Eltern darüber aufzuklären. Kurz und bündig befahlen sie diesen sodann, das Kind als Mädchen zu erziehen und vor allem Stillschweigen über seine Besonderheit zu bewahren. </p>

<p><em>Ein braves „Mädchen“</em><br />
Als Daniela sieben war, wurde ihr Geschlecht operativ dem eines Mädchens angepasst, indem der Mikropenis zur Klitoris zurechtgeschnitten wurde, im gleichen Jahr fand die Herzoperation statt. Daniela Truffer hat noch zwei jüngere Schwestern. Sie merkte, dass etwas mit ihr nicht stimmte, kam sich „abartig“ vor und fühlte sich als „Monster“, ohne den Grund dafür nennen zu können.</p>

<p>Sie sei ein braves, überangepasstes „Mädchen“ gewesen, berichtet sie. Mit zwölf Jahren wurden ihr vom Hausarzt Hormone verordnet, „damit sie einen Busen bekomme.“ Als sie ihn fragte, warum sie keine Monatsblutungen habe wie die anderen Mädchen, erklärte er, man habe ihre Eierstöcke wegen einer bösartigen Geschwulst entfernen müssen. Ein anderer Arzt warf ihr dann unvermittelt an den Kopf, Eierstöcke hätte sie gar nie gehabt, sondern Hoden. Ihre Verstörung war groß. Mit 18 ließ sie sich eine künstliche Vagina anlegen und hatte eine viele Jahre dauernde Beziehung mit einem Mann. Daniela hatte Glück: Auch wenn die Operationen bisweilen Schmerzen und unangenehme Gefühle in ihrem Intimbereich zurückließen, war es ihr doch möglich, die Sexualität zu genießen. Aus medizinischer Sicht ein voller Erfolg. Und dennoch: „Als Frau bin ich eine Mogelpackung“ sagt sie traurig und ballt unwillkürlich die feingliedrigen Hände zu Fäusten. Durch die künstlichen Hormone läuft sie außerdem Gefahr, an Diabetes und Knochenschwund zu erkranken. </p>

<p><em>Mut zur Öffentlichkeit</em><br />
Seit drei Jahren tritt Daniela Truffer mit Demonstrationen und anderen Kundgebungen mutig an die Öffentlichkeit und wird darin von ihrem Lebenspartner tatkräftig unterstützt. Sie ist Gründungsmitglied einer Menschenrechtsorganisation und einer Selbsthilfegruppe (siehe Kasten) und wurde auch bei <em>amnesty international</em> zur erfolgreichen Botschafterin für die Rechte intersexueller Menschen. In einer Motion forderte im April die Sektion <em>amnesty</em> Schweiz die Dachorganisation <em>amnesty international</em> auf, eine offizielle Position zu den Menschenrechtsverletzungen an Zwittern zu erarbeiten. Darin heißt es: &#8220;Wir erachten genitale Zwangsoperationen für ein schweres Verbrechen, das gegen die Menschenrechte auf körperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung und Würde verstößt. Genitale Zwangsoperationen sind schwere medizinische Eingriffe an Kindern mit gesunden, aber sogenannten nicht eindeutigen Geschlechtsmerkmalen, die ohne die Einwilligung der Betroffenen vorgenommen werden.&#8221;</p>

<p>Daniela Truffer, die heute als Schulsekretärin arbeitet, erkämpfte die Herausgabe ihrer Krankenakte - eine schockierende Lektüre, die sie nur Dank langjähriger psychotherapeutischer Begleitung verkraftet hat. Und doch war die ungeschminkte Wahrheit besser, als das Schweigen und die Lügen, die ihre Kindheit und Jugend überschatteten: „Die Beziehung zu meinen Eltern ist dadurch offener und herzlicher geworden“, sagt Daniela Truffer, die sich selbstbewusst als Zwitter bezeichnet und die gegen außen wie eine Frau wirkt, die ihren Mann stellt.&nbsp;   </p>

<blockquote><p><strong>Verlust der Intimität</strong><br />
Jährlich werden in der Schweiz etwa 370 Kinder mit nicht eindeutig bestimmbarem Geschlecht geboren. Die Gründe dafür sind vielfältig und bleiben oft verborgen. Die Intersexualität selber zeigt sich in vielen verschiedenen Formen. Immer noch - entgegen anders lautender Lippenbekenntnisse - werden Eltern intersexueller Kinder in Spitälern dazu gedrängt, sich für ein Geschlecht zu entscheiden. Dies bedeutet chirurgische Eingriffe und hormonelle Behandlungen. (Siehe unten: <em>Bericht einer Mutter</em>). Häufig werden Zwitterkinder zu Mädchen umgeformt, da ein zu kleiner Penis bei einem Mann in unserer Gesellschaft immer noch undenkbar ist. Mehrere Operationen sind oft notwendig, um dieses Ziel zu erreichen. Die Intimsphäre geht für das Kind verloren: Immer wieder betrachten, berühren und fotografieren fremde Menschen sein Geschlecht. Wird im Kindesalter eine künstliche Scheide angelegt, muss diese regelmäßig gedehnt werden. Durch die kosmetischen Genitaloperationen wird die sexuelle Empfindungsfähigkeit oft stark vermindert oder vollständig zerstört. Ziel der Organisationen intersexueller Menschen ist es, zu erreichen, dass weder Operationen noch Hormonbehandlungen an gesunden Neugeborenen vorgenommen werden, um ihr Geschlecht zu „korrigieren“. Betroffene sind sich einig: „Wichtig ist es, das Kind so anzunehmen und zu lieben wie es ist.“ Sie plädieren für Aufklärung in Geburtskliniken und Schulen und machen sich stark dafür, in amtlichen Dokumenten neben „männlich“ und „weiblich“ auch die Rubrik „intersexuell“ zu führen. Zwitter sollen die Möglichkeit haben, sich allenfalls später selber für ein Geschlecht und die dafür notwendigen Operationen zu entscheiden.</p></blockquote>

<p><em>DER BERICHT EINER MUTTER, die ungenannt sein möchte</em></p>

<p>„Als nach einer Tochter unser jetzt zweijähriges Kind zur Welt kam, sagte die Hebamme zuerst, es sei ein Mädchen, merkte dann aber schnell, dass dies nicht der Fall war. Bei einer genauen Untersuchung im Kinderspital St. Gallen stellte sich heraus, dass es sich bei dem Kind um eine Form von Intersexualität handelt, die bereits schon in unserer Familie vorgekommen ist. Wir hatten mit dieser Möglichkeit gerechnet, denn ich wusste, dass ich Trägerin des Gens bin. Verschiedene Ärzte kamen. Sie waren ganz ratlos und wir mussten sie aufklären. Ich bekam ein Einzelzimmer. Am Bettchen des Babys stand an Stelle des Vornamens einfach „Kind“. Es wurde ihm Blut entnommen und allerlei Abklärungen gemacht. Wir Eltern wurden dann von den Ärzten massiv unter Druck gesetzt, das Kind geschlechtsbestimmend operieren zu lassen, obwohl es vollkommen gesund war und keine Beschwerden hatte. Nicht zu operieren wäre für das Kind ein gesellschaftliches Desaster, lautete die Begründung. Die Rede war zuerst von einem Mädchen. „Aber wir machen auch einen Bub, wenn sie lieber wollen“, bot uns die Ärztin an. Als wir uns gegen eine Operation aussprachen, sollte unser Kind mit drei schmerzhaften Hormonspritzen getestet werden, die eine verfrühte Pubertät bewirkt hätten und in Folge davon Bartwuchs etc. Auch diese Behandlung lehnten wir ab. Bei einem weiteren Arztbesuch sollten wir unser Baby erneut für Untersuchungen und Blutentnahme entkleiden. Da weigerten wir uns und stoppten das ärztliche Experiment, denn wir denken, dass niemand das Recht hat, eine so folgenschwere Entscheidung zu treffen außer die Betroffenen selbst. Gott hat uns dieses Kind geschenkt, so wie es ist. Wir nehmen es dankbar an und lieben es. Es ist gesund und fröhlich und entwickelt sich prächtig. Das Thema Intersexualität muss Teil des Sexualkunde-Unterrichts in der Schule werden. Auch vermisse ich geschultes Personal und Informationsprospekte in den Spitälern.“&nbsp; </p>

<p><strong>Kontaktadressen:</strong><br />
Eltern: <a href="http://www.si-global.ch" title="Selbsthilfegruppe für Eltern intersexueller Kinder. Verein Selbsthilfe Intersexualität, Postfach 4066 Basel">Selbsthilfegruppe für Eltern intersexueller Kinder. Verein Selbsthilfe Intersexualität, Postfach 4066 Basel</a></p>

<p>Betroffene: <a href="http://www.intersex.ch" title="Selbsthilfegruppe für Intersexuelle">Selbsthilfegruppe für Intersexuelle</a>. </p>

<p>Menschenrechtsinitiative: <a href="http://www.zwischengeschlecht.org" title="Zwischengeschlecht.org">Zwischengeschlecht.org</a></p>

<p>Medizin: Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Disorders of Sex Development (DSD) Dr. Rita Gobet, Kinderspital Zürich, Steinwiesstrasse 75, 8032 Zürich, rita.gobet@kispi.uzh.ch</p>

<p>&nbsp;</p>

<p>&nbsp;</p>

<p>
</p>  
      ]]></content>
    </entry>

    <entry>
      <title>Lysistrata: Keine LUST! Null Bock!</title>
      <link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.fembio.org/biographie.php/frau/veranstaltungen/lysistrata-keine-lust-null-bock/" />
      <id>tag:fembio.org,2010:biographie.php/frau/glossen/5.1451</id>
      <published>2010-11-30T19:58:54Z</published>
      <updated>2010-11-30T20:26:02Z</updated>
      <author>
            <name>Luise F. Pusch</name>
            <email>luise.f.pusch@gmail.com</email>
            <uri>http://www.fembio.org</uri>      </author>

      <content type="html"><![CDATA[
        <p>von Helke Sander. <br />
geschrieben am 6.4.06, korrigiert am 27.11.10</p>

<p><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/4c6f1a2a6beb4d9b95c59b93dba20a70" width="1" height="1" alt="">Zur Erheiterung von uns Frauen fordern jetzt sogar schon die Bischöfe und Kardinäle dauernden Geschlechtsverkehr. Damit endlich was hängen bleibt, wie meine Zimmerwirtin aus den fünfziger Jahren sich auf gut hamburgisch auszudrücken pflegte (&#8220;Schon beim ersten Mal ist die Helga hängen geblieben, ne. Mal schnell Verkehr auf dem Balkon, ne.&#8221;). Aber dieses Ergebnis ist schon wegen der zunehmenden Spermienmüdigkeit bei den westlichen Männern gar nicht mehr drin.</p>

<p>Warum geraten nur alle (Männer) in Panik?</p>

<p>Fürchten sie, dass ihnen bald niemand mehr etwas kocht, die Strümpfe wäscht, für sie einkaufen geht?</p>

<p>Warum sollten die Deutschen aussterben? Frankreich ist von der Fläche her um ein Drittel größer (543.000 km2 ) als Deutschland (357.000 km2) und hat 20 Millionen Einwohner weniger (60 Millionen). Finnland (338.000 km2) hat nur 5 Millionen, aber - wie alle Welt inzwischen weiß die besten SchülerInnen.</p>

<p>Warum redet niemand über die Vorteile einer geringeren Bevölkerung?</p>

<p>Von Gras überwucherte Autobahnen, nachwachsende Urwälder, überflutete Elbwiesen, regionales Einkaufen, die Ostsee ein Abenteuer für MünchnerInnen, Strassen, auf denen Kinder spielen können. Warum glaubt kaum jemand an die Selbstregulierung? Plattenbauten werden immerhin schon jetzt abgerissen, manche Grosstädte verkaufen kein Bauland mehr für Supermärkte auf der grünen Wiese, um sie in den Innenstädten zu halten.</p>

<p>In der Rentendiskussion werden Kinder wie Nachschub oder Ersatzteillager behandelt. Was man selber nicht mehr kann, sollen Kinder später schaffen. Weiter geht offenbar das Interesse an ihnen nicht. Warum sollten Frauen das mit größerer Kinderproduktion bedienen? <br />
Natürlich wird es Engpässe und Unsicherheiten und echte Probleme geben. Aber Unsicherheiten und echte Probleme gibt es auch bei der Atomkraft, bei Hungersnöten, Umweltkatastrophen und Kriegen. Nur wurden menschengemachte Katastrophen bisher nicht von Frauen verursacht (jaja, nicht, weil sie besser sind, sondern nichts zu entscheiden haben). Die Frauen im neuen Gebärstreik erinnern alle anderen daran, dass das Leben gefährlich ist. Alles ist eben im stetigen Wandel begriffen. Sicherheiten sind eingebildet, alle fortschrittlichen Veränderungen haben ihre Kehrseiten. Die Kehrseiten bzw. Folgen der Frauenbefreiung geraten zunehmend ins Blickfeld. Eine neue Situation, auch für Frauen:</p>

<p>Ja, es ist so, die Feinde der Frauenemanzipation haben recht: die Frauenemanzipation zerstört die bürgerliche und die proletarische und auch noch die Reste der feudalen Kleinfamilie. Dies alles wurde aufrecht- und zusammengehalten dadurch, dass Frauen weniger oder keine bürgerlichen Rechte hatten. Das ist nun anders.&nbsp; Frauenbefreiung bedeutet sofort: weniger Kinder. Sollte es die heile Familie noch irgendwo geben, dann ist sie im Verschwinden begriffen. Das kann man bedauern, denn sie hatte und hat bisweilen noch ihre schönen Seiten und etwas annähernd Vergleichbares, dazu noch Besseres ist nicht in Sicht. Die Familie hat unsere Sitten und Gebräuche bestimmt und ein Ordnungssystem errichtet - was immer auf der Rechtlosigkeit der Frauen basierte. Damit hat die westliche, christliche, bürgerliche Familie die Lebensstrukturen der ihr angehörenden oder unterworfenen Völker gewährleistet.</p>

<p>Sie tut das heute immer noch, aber es zerbröselt. Die Sicherheit von Familienstrukturen, auch in ihren verhassten Formen, ist wenigstens bekannt. Neues, das an die Stelle zu setzen wäre,&nbsp; ist kaum erkennbar. Jeder Fortschritt hat seine Rückseite, die sich erst langsam zur Kenntlichkeit entwickelt. Das Konstrukt bröckelt. Frauen haben dieses Konstrukt mit ihrer Rechtlosigkeit und Abhängigkeit gewährleistet und aufrechterhalten. Jetzt sind sie nicht mehr rechtlos und zahlen den Preis nicht mehr. Es wird andere Formen der Währung geben müssen. Frauen jedenfalls befinden sich unausgesprochen und einzeln und in größer werdender Zahl im Gebärstreik.</p>

<p>Das hat unmittelbare und spürbare Folgen für das Kollektiv. Nur dass die so handelnden Frauen wenig Bewusstsein davon haben, dass sie kollektiv handeln und als bewusstes Kollektiv auch Macht haben könnten. Noch haben sie das nicht. Noch nicht. Obwohl selbst hartgesottene Antifeministinnen sich diesem kollektiven Handeln schon angeschlossen haben. Ja, gerade sie bilden die Speerspitze dieses Handelns.</p>

<p>Interessanterweise läuft diese Debatte in der Öffentlichkeit ja fast ohne Frauen ab. Die Männerpresse, vor allem der SPIEGEL, die FAZ usw., erkennt wohl, dass &#8220;Kinder und Karriere&#8221; für Frauen außerordentlich schwer zu vereinbaren sind, und darum setzen sich auch Männer inzwischen für Ganztagskindergärten und Ganztagsschulen ein, und die CDU hat ihre jahrzehntelang aktiv praktizierte Familienpolitik (Mutter ins Haus und dafür Gastarbeiter ins Land hinein und zwar mit dieser Begründung, während andere Länder in öffentliche Kindereinrichtungen investiert haben, damit Frauen berufstätig werden können) vollkommen verlassen. Aber wichtige Gesichtspunkte, um die Gründe für den Gebärstreik überhaupt zu erfassen, fehlen in dieser Männerdebatte.</p>

<p>Frauen sprechen normalerweise nicht dezidiert von &#8220;Karriere&#8221;, obwohl sie das natürlich auch tun und Grund genug dazu haben. Sie äußern sich sowohl diffuser als auch vielfältiger. Viele sagen z.B., dass es gar nicht leicht ist, sich vom Kleinmädchenwunsch nach sechs Kindern vollkommen zu trennen und bei Null Kind zu landen. Viele hätten gerne Kinder. Es macht sie traurig, ihre Potenz nicht anzuwenden. Aber sie sind realistisch genug, nicht zwei Leben ruinieren zu wollen. Sie verweisen auf ihre begrenzten Kapazitäten, aber sie verweisen auch auf etwas, was vollkommen untergegangen ist in der bisherigen Diskussion:</p>

<p>Ihnen vergeht ganz einfach die LUST. Und das nicht nur, weil sie immer nur an sich denken und durchaus wach durch die Gegend laufen und die potentiellen Väter beobachten, sondern weil sie dabei auch an die potentiellen Kinder denken und, dank Frauenbefreiung, Verantwortung nicht mehr delegieren: Sie sagen: SO nicht. Diese globalisierte Welt ist gefährlich. Sie ist destruktiv. Ich kann die Verantwortung nicht tragen, ich kann das Kind nicht wirklich beschützen. Ich kann ihm keine Stabilität bieten. Keine Sicherheit, kein vielfältiges Beziehungsnetz, keine geschützten Orte, nicht die frühere Selbstverständlichkeit, anderen Kindern nahe zu sein.</p>

<p>Wer den Kindermangel beklagt, möge in Vorleistung gehen! Behandelt Konflikte nicht mit Waffen, Zäunen, Bomben, Militär. Denkt Euch was anderes aus. Zeigt, dass Ihr gewillt seid, mit Verstand und Gefühl auf eine Kinderwelt einzugehen. Kein Terrorist, der die Welt besser bomben will, hat je über Kinder gesprochen, das hat aber auch kein Waffenfabrikant und Forscher an Vernichtungsmitteln getan.</p>

<blockquote><p>• Deiner Puppe ist es schnuppe, ob die Rentenkasse stimmt. <br />
• Das Leben ist eben gefährlich, seien wir doch ehrlich, mit und ohne Kind. <br />
• Macht ihr eure Waffenlobby, ich such mir ein neues Hobby.<br />
• Mag ich auch drüber traurig sein, dass ich nicht werde ein Mütterlein fein, in diese Welt soll kein Kind rein.<br />
(Aufgeschnappte Kalauer)</p></blockquote>

<p>Und darum reagieren Feministinnen und Gleichgültige und Antifeministinnen im gebärfähigen Alter alle ähnlich. Man kann davon ausgehen, dass sich jede Frau, die kein Kind hat, mehr mit der Frage befasst hat, warum das so ist, als viele Männer, die Väter sind, ohne sich um die Kinder zu kümmern.</p>

<p>Sie wollen so nicht weiter, weder für sich noch für die Kinder.</p>

<p>Es sind nämlich Frauen, nicht Männer, die immer wieder initiativ mit anderen Modellen experimentieren und versuchen, andere Beziehungen zu etablieren, weil sie fühlen, dass die alten Strukturen ihre Überzeugungskraft verlieren. Das ist schwer und neue Versuche scheitern – noch - meist (obwohl Wohngemeinschaften heute, nach den Kommuneexperimenten damals, anerkannte und funktionierende  Wohnformen sind). <br />
Es sind hauptsächlich Frauen, die darauf hinweisen, dass die Welt schon andere Modelle des Zusammenlebens gesehen hat. Ganz sympathisch, wenn auch heute nicht mehr praktizierbar war z.B. das weit verbreitete folgende Modell (was schon deshalb nicht mehr geht, weil die Frauen kaum mehr Brüder haben): Der Bruder war die männliche Bezugsperson für die Kinder seiner Schwester. Die Frau hatte soziale Verantwortung, die nicht an den Vater der Kinder geknüpft war. Sexuell konnte die Frau machen, was sie wollte. In bestimmten Gegenden war das die Vorstellung von Familie und wurde Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende so praktiziert. Die ganze bisherige Geschichte ist ein ewiges Familien-Experimentierfeld, abhängig von vielen Faktoren, mehr und oft weniger ausgewogen und oft genug ungerecht gegen einzelne Gruppen.</p>

<p>Neue Formen des Zusammenlebens brauchen Faktoren, die unsere traditionelle Familie nicht mehr bieten kann: Stabilität für kindliche Beziehungen, Mobilität im Arbeitsleben und auch bei Frauen Flexibilität im Sexualleben.</p>

<p>Darüber sollte diskutiert und in diese Modelle sollte wie bei der Solarenergie investiert werden, anstatt immer wieder die alte Familie neu zu beschwören und an die Väter zu appellieren, dass sie auch mal dem Kind was vorlesen.</p>

<p>Und die Frauen haben keinen Grund, sich ins Bockshorn jagen zu lassen oder sich gar schuldig zu fühlen, wenn sie der Forderung nach Vermehrung nicht nachkommen.</p>

<p>Allerdings sollten wir uns bewusst sein, dass erworbene Rechte auch verteidigt werden müssen. Sie können auch genommen werden, wenn wir nicht aufpassen.</p>

<p>Es gibt durchaus Tendenzen bei den vereinigten Angsthasen, die Gebärpflicht einzuführen, den Zugang zu Verhütungsmitteln zu beschränken und Abtreibungsverbote rigoros durchzusetzen. Noch vor 16 Jahren mussten bei Ceausescu Frauen Kinder kriegen und Abtreibung war bei hohen Strafen verboten. Und das in einem Land, dass sich wenigstens formal auf die Frauenbefreiung der Sozialisten berief. Ideologien lassen sich ändern und werden zum Machterhalt auch immer eingesetzt.</p>

<p>Immer dran denken:<br />
Es gibt kein Grundrecht auf Geschlechterfrieden!</p>

<p>
</p>  
      ]]></content>
    </entry>

    <entry>
      <title>Feminismus im Rückblick</title>
      <link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.fembio.org/biographie.php/frau/veranstaltungen/feminismus-im-rueckblick/" />
      <id>tag:fembio.org,2010:biographie.php/frau/glossen/5.1448</id>
      <published>2010-11-25T16:20:56Z</published>
      <updated>2011-07-21T18:50:57Z</updated>
      <author>
            <name>Luise F. Pusch</name>
            <email>luise.f.pusch@gmail.com</email>
            <uri>http://www.fembio.org</uri>      </author>

      <content type="html"><![CDATA[
        <p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/5dcfd39f225c4e4a8f5ff4378434621c" width="1" height="1" alt="">von<a href="www.hazel.rosenstrauch.com" title=" Hazel Rosenstrauch"> Hazel Rosenstrauch</a></p>

<p>Gestern fand ich in der Berliner Zeitung einen Artikel von Hannelore Schlaffer &#8220;Kinder sind jetzt schick. Droht der Rückfall in die alte Rolle? ...&#8221;, ein Beitrag zu diesem Medienstreit um alte und neue Frauenrollen. In dem 5-Spalter steht der Satz: &#8220;Das ausschließliche Ziel der sich emanzipierenden Frau war die Teilnahme am beruflichen und öffentlichen Leben der Männer, und dabei konnte das  Kind ... nichts sein als ein Hindernis&#8221;</p>

<p>Interessant, Frau Schlaffer ist ungefähr so alt wie ich und hat offenbar in einer anderen Zeit gelebt. Es mag ja diese Frauen gegeben haben, die ausschließlich am männlichen Leben teilnehmen wollten, sie sind dann Professorinnen geworden und haben keine Kinder gehabt. Aber es gab auch in den 1960er und 70er Jahren Frauen mit Kindern, die um eine gute Ausbildung kämpften und ihr eigenes Geld verdienen mussten, sie haben u.a. die ersten Kinderläden gegründet und die wiederum waren ein wichtiger Teil der Frauenbewegung. Frauen mit Kindern und oft ohne Partner haben an der Uni darum gekämpft, dass die Professoren und auch kinderlose Professorinnen nicht wichtige Sitzungen um 18 Uhr ansetzten, weil sie da die Kinder ins Bett bringen mußten. Und sie wurden gelegentlich sogar von Männern unterstützt. Nein, wir wollten nicht vom männlichen Kuchen abbeissen, der Feminismus war - auch - eine politische Bewegung und es gab heisse Diskussionen darüber, wie eine menschenwürdige Gesellschaft und wie eine nicht autoritäre Erziehung ausssehen könnte. Es gab auch hysterische Dogmatikerinnen, die nur Mütter mit Töchtern  akzeptierten, Söhne mußten draussen bleiben, es war eben eine verrückte Zeit. Die Rahmenbedingungen sind heute anders, es gab damals noch keine, jedenfalls keine erschwinglichen, Geschirrspülmaschinen und keine Tiefkühlkost oder Fertiggerichte, die sich einigermassen emanzipiert e Kinder selbst aufwärmen konnten, dass Männer Kinderwägen schieben - wie das inzwischen sogar Türken und Serben (zumindest in Berlin) tun, war noch kaum vorstellbar.</p>

<p>Also liebe Frau Schröder, liebe Frau Schlaffer, liebe Frau Badinter, schaut doch z.B. mal auf die &#8220;Mutterliebe&#8221; der tütteligen Männer, die alles in den Schatten stellt, was sich die Mamas der 70er und 80er Jahre geleistet haben. Es gilt, was auch damals galt - es ist immer noch sehr schwierig, Kinder und Beruf zu verbinden, in Deutschland noch besonders, aber das hat weniger mit &#8220;falschen Leitbildern&#8221; zu tun, als mit falschen Öffnungszeiten von Kinderbetreuungsstellen, mit einem Konkurrenzdruck und Arbeitsklima in qualifizierten Berufen, das es verdammt schwer macht, mit Männern mitzukonkurrieren, die sich womöglich pflegeleichte Heimchen als Gattinnen nehmen, die ihnen die Seele polieren oder gar zuarbeiten. Der neue Mutterstolz, von dem Frau Professor Schlaffer spricht, der sich in abgelichteten, herausgestreckten dicken Bäuchen auf dem Titelblatt von Vogue zeigt, zeigt eine glänzende Oberfläche, nicht das Problem. Und warum solche (oben zitierten) Legenden über die Frauenbewegung konstruiert werden, versteh ich nicht.</p>

  
      ]]></content>
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    <entry>
      <title>Das Geschrei der Männer(presse): Gezielte Desinformation in Sachen Europarat und Sprachpolitik?</title>
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      <id>tag:fembio.org,2010:biographie.php/frau/glossen/5.1560</id>
      <published>2010-09-14T14:39:49Z</published>
      <updated>2011-07-03T15:07:50Z</updated>
      <author>
            <name>Luise F. Pusch</name>
            <email>luise.f.pusch@gmail.com</email>
            <uri>http://www.fembio.org</uri>      </author>

      <content type="html"><![CDATA[
        <p>von Luise F. Pusch</p>

<p><em>Diesen Artikel schrieb ich auf Einladung der EMMA für ihr Herbstheft 2010. Er wurde von der EMMA leicht redigiert - hier lesen Sie das Original: </em></p>

<p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/b0b7adb911754319b5274fa1e1ce9894" width="1" height="1" alt="">Dieser Tage löste eine Empfehlung des Europarats zum Thema “Kampf gegen sexistische Stereotype in den Medien” ein hysterisches Medienecho aus. Eine typische Schlagzeile (Berliner Umschau am 3.9.):</p>

<blockquote><p>„Europarat dreht völlig durch. <em>Vater</em> und <em>Mutter</em> sollen weggegendert werden … und jetzt durch <em>Elter1</em> und <em>Elter2</em> ersetzt werden. Wie kommt man bloß auf so eine irrsinnige Idee?“</p></blockquote>

<p>Tatsache ist, dass der Europarat diese “durchgedrehte” Forderung gar nicht gestellt hat. Vielmehr handelt es sich um frei erfundene Vorschriften, die der Schweizer “Blick” (entspricht der Bildzeitung) bereits im Juni dem Stadtrat von Bern unterstellte: „Sprach-Irrsinn: Weder Vater noch Mutter – Beamte sollen künftig ‘Das Elter’ sagen“ (blick.ch am 4.6.10). Zahllose andere Blätter haben es im Juni einfach nachgebetet, und jetzt wieder. </p>

<p>Und was hat der Berner Stadtrat mit dem Europarat zu tun? Gar nichts - außer dem Reizthema geschlechtergerechte Sprache. </p>

<p>Der Stadtrat von Bern verabschiedete im Juni einen sehr vernünftigen Leitfaden gegen sexistischen Sprachgebrauch. Die Schweizer Boulevardpresse griff das Thema im Sommerloch dankbar auf: “Die ganze Schweiz lacht über den politisch korrekten Blödsinn” (<em>Blick</em>, 15.6.) Der Köder wurde dem Publikum hingeworfen, und es reagierte prompt mit endlosen Kommentaren. </p>

<p>Die promovierte Germanistin und langjährige Schweizer National- und Europarätin Doris Stump ist in der Schweiz bekannt als engagierte Befürworterin einer geschlechtergerechten Sprache - und wurde ebenso prompt mit den “lächerlichen Vorschlägen aus Bern” assoziiert: “Diese SP-Frau hat uns den «Zebrastreifen» verordnet” titelte “Blick”. Sie hatte an den Berner Empfehlungen gar nicht mitgewirkt. </p>

<p>Wohl mitgestaltet, ja initiiert, hat sie die Europaratsdebatte über die “Bekämpfung sexistischer Stereotype in den Medien”. Ich wurde im März 2009 als Expertin zur Anhörung nach Paris eingeladen, trug dort vor und hörte mir die erschütternden Vorträge der Medien-Expertinnen aus Frankreich, Belgien und Kanada an. </p>

<p>Unsere Beiträge gingen in die in diesem Sommer verabschiedeten Empfehlungen ein (googeln Sie “Resolution 1751” und “Recommendation 1931”).</p>

<p>Die Resolution gegen den Sexismus in den Medien kam den Medien gerade recht zum Losprügeln. Da Doris Stump in den Empfehlungen als Initiatorin der Debatte genannt wurde, suchte mann im Internet und wurde sofort fündig: Hatte doch Doris Stump schon im Juni mit ihren “hirnrissigen Sprachforderungen” (die wie gesagt niemand gestellt hatte) schon so schön Anstoß erregt. Das konnte mann doch nun einfach noch einmal auflegen. </p>

<p>Gute Frauenpolitik erkennt frau am Geschrei der Männer - der Satz gilt nach wie vor. Die unflätigen Anwürfe der Presse stammen überwiegend von Männern. Der einzige vernünftige Artikel stammt von einer Frau, Birgit Holzer von der <em>Märkischen Allgemeinen</em> am 4.9.10. </p>

<p>Um herauszubekommen, wie “Blick” auf die Idee kam, die Wörter “Mutter” und “Vater” sollten offiziell durch “das Elter” ersetzt werden, habe ich mir die Empfehlungen im Original angeschaut. Die Recherche war sehr einfach, sie dauerte etwa 10 Minuten, denn die umstrittenen Empfehlungen stehen alle im Internet. </p>

<p>Erstens: In dem kurzen “Sprachleitfaden: Geschlechtergerecht formulieren” aus Bern kommt das Wort “Elter” nicht vor.</p>

<p>Zweitens: Für diejenigen, die es genauer wissen wollen, gibt es eine Broschüre von 192 Seiten (googeln Sie “Sprachleitfaden Bern”, dort finden Sie beide Versionen zum Runterladen, die kurze und die lange). </p>

<p>In der Broschüre werden viele linguistische Fachbegriffe anhand von Beispielen erläutert. So auch der Begriff “geschlechtsabstrakt” (den ich übrigens 1980 selbst erfunden habe): Als Beispiele werden in der Broschüre u.a. genannt: <em>Person</em>, <em>Mitglied</em>, <em>Waise</em>, <em>Elternteil</em>, <em>Elter</em> (mit Zusatzvermerk: selten). Auf der nächsten Seite heißt es: “Geschlechtsabstrakte Formen sind zurückhaltend zu verwenden, denn im Gegensatz zu Paarformen wirken sie oft unpersönlich und distanzierend.” (S. 27)</p>

<p>M.a.W., das Wort “Elter” wird nicht etwa vorgeschrieben, es wird nicht einmal empfohlen, sondern von seinem Gebrauch wird abgeraten. </p>

<p>Wie mann darin eine Vorschrift erkennen konnte, die Wörter “Mutter” und “Vater” zugunsten von „Elter“ abzuschaffen, ist mir unerfindlich. Es kann sich eigentlich nur um ein böswilliges Missverständnis und gezielte Desinformation handeln. Hetze gegen Feministinnen ist ein beliebter Sport der Männerpresse. Das Volk wird von dem Rest der Empfehlungen, in die jahrelange empirische Forschung und komplexe Erwägungen internationaler Expertinnen eingegangen sind, dann gar nichts mehr wissen wollen - zu seinem eigenen Schaden, denn die Empfehlungen sollen die Lage der Menschen verbessern und uns aus unseren Geschlechtsrollengefängnissen heraushelfen. </p>

<p>Es sind Empfehlungen, wie der Sexismus der Medien zu bekämpfen wäre - kein Wunder, dass die männerdominierten Medien um sich schlagen und die Bewegung im Keim ersticken wollen. Dass die Medien entschlossenen feministischen Widerstand verdienen, haben sie wieder einmal bewiesen. </p>

<p>&nbsp;</p>  
      ]]></content>
    </entry>

    <entry>
      <title>Ein Vorschlag gegen die Vermännlichung der Sprache</title>
      <link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.fembio.org/biographie.php/frau/veranstaltungen/ein-vorschlag-gegen-die-vermaennlichung-der-sprache/" />
      <id>tag:fembio.org,2010:biographie.php/frau/glossen/5.1386</id>
      <published>2010-08-12T02:03:54Z</published>
      <updated>2010-08-12T02:19:46Z</updated>
      <author>
            <name>Luise F. Pusch</name>
            <email>luise.f.pusch@gmail.com</email>
            <uri>http://www.fembio.org</uri>      </author>

      <content type="html"><![CDATA[
        <p>von Ursula Müller</p>

<p><img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/221e9d397538459a93902f8c3dde9a48" width="1" height="1" alt="">Noch heute erinnere ich mich an die Rede der scheidenden Direktors des Amerika-Hauses in Hannover in den 90er Jahren, in der dieser die Schwierigkeiten eines Ausländers beim Erlernen der deutschen Sprache thematisierte und dabei vor allem auf das grammatische Geschlecht einging. Es sei, so meinte er, wirklich schwer einzusehen, warum es <em>der</em> Feminismus, <em>die</em> Männlichkeit und <em>das</em> Weib heiße. Heute will mir scheinen, haben solche Probleme auch Inländerinnen und Inländer -&nbsp; ohne Migrationshintergrund. </p>

<p>Was fällt bei folgendem Satz auf:<br />
„Wenn man durch die Stadt mit seinen ... Einwohnern streift,...“ (gehört am 4.7. 2010 im NDR Feature nach 11.05 h)</p>

<p>Nein, ich meine weder das „man“ noch die „Einwohner“, es muss natürlich heißen: „mit ihren Einwohnern“ (besser natürlich noch: mit ihren Einwohnerinnen und Einwohnern), schließlich ist die Stadt grammatikalisch weiblich. Hier geht es nicht um political correctness, sondern um sprachliche Korrektheit.</p>

<p>Zugegeben, das Phänomen ist nicht neu. Mitte der 80er Jahre hatte ich, damals Frauenbeauftragte von Hannover, moniert, dass eine offizielle Broschüre der Stadt den Titel trug „Ansprechpartner Stadt“. Feministinnen, deren Sprachbewusstsein in jenen Jahren sehr ausgeprägt war, schlossen sich meiner Forderung nach Änderung des Titels vehement an und waren glücklich, dass sie in diesem Fall in der Grammatik eine starke Bundesgenossin hatten. Sie konnte auch nichts bewirken. Der damalige Leiter des Presseamts weigerte sich standhaft. Eine Stadt als Ansprechpartnerin sei für die Bevölkerung nicht zumutbar. Wie so oft setzte sich ein Mann gegen zahlreiche Frauen durch und die Grammatik war auch „nur“ weiblichen Geschlechts. Seine Ablehnung fanden wir um so unverständlicher, als das Bauamt, nicht gerade von weiblichen Beschäftigten dominiert und gewiss keine Brutstätte eines radikalen Feminismus, seit Jahren und ohne die geringsten Probleme bei der Bevölkerung oder gar den Bauarbeitern seine großen Tafeln an Baustellen mit „Bauherrin: Landeshauptstadt Hannover“ beschriftete.</p>

<p>Es ist aber nicht nur die Stadt, der ihre Weiblichkeit teilweise abgesprochen wird, auch andere nicht-personenbezogenen Begriffe erleiden ein ähnliches Schicksal:</p>

<p>• „Auch die EU-Kommission, die sich über die Jahre als treuer Unterstützer der Gentech-Industrie bewies, hat kein demokratisches Rezept für fehlende Akzeptanz.“<br />
(gelesen in: Gentech in der Defensive, taz vom 30.7.2010, Autor: Wolfgang Löhr) </p>

<p>• „Auch im Mineralreich gibt es Beispiele dafür, wie sich Materie in seinem physikalischen Zustand und seiner sichtbaren Form verändern kann.“<br />
(gelesen in: Gregg Braden: Das Erwachen der neuen Erde Die Zeitenwende hat bereits begonnen!<br />
Hans-Nietsch-Verlag, 1999, Übersetzung aus dem Amerikanischen von Olaf Baumunk, Bearbeitung und Lektorat Ulrich Arndt)</p>

<p>• „Jede Zeit zeigt sich in seinen Gebäuden.“<br />
(gehört in der NDR-Sendung „Zwischen HH und Haiti“ am 20.6.2010)</p>

<p>Besonders schockierend empfand ich ein Beispiel, auf das mich die feministische Sprachwissenschaftlerin Luise F. Pusch aufmerksam machte:</p>

<p>• „In allen Fällen (...) hat die Sprache seinen Dienst verweigert, denn sie hätte dazu dienen müssen (...) den Gedanken hinter Wittgensteins Genusfehler geschlechtsneutral zu halten.“<br />
(so stand es 2009  in der Hausarbeit von Stephanie M. zum Thema: Wittgenstein und das generische Maskulinum)</p>

<p>Geschockt war ich, weil sich die Autorin philosophisch mit dem generischen Maskulinum beschäftigt und es dann selbst auf die Sprache anwendet.</p>

<p>Gefühlt scheint diese Tendenz der Vermännlichung in der Sprache im Steigen begriffen. Bei Büchern werden solche Fehler von LektorInnen überlesen, bei Radiosendungen vermutlich von den zuständigen Vorgesetzten überhört.</p>

<p>Was geht hier ab? Warum sträubt sich bei einigen Menschen offenbar etwas dagegen, Begriffe, die nichts mit Personen zu tun haben, ihrem Genus, also dem grammatikalischen Geschlecht, entsprechend zu verwenden? Ich möchte nicht laienhaft nun tiefenpsychologische Deutungen mit sexueller Konnotation wagen, etwa im Sinne von: Ein Ding wird unbewusst mit Männlichem assoziiert. Ebenso wenig möchte ich ein Horrorszenarium skizzieren von einer zukünftigen Sprachreform, bei der mit abstrakten, weiblichen Begriffen Schluss gemacht wird. Vielmehr frage ich mich, wie eine Gegenstrategie aussehen könnte. Wie wäre es mit einer Umkehrung der Verhältnisse wie in den folgenden, von mir geschriebenen Sätzen?</p>

<blockquote><p>• Der Staat wird künftig mehr Personal einsetzen, um ihre Steuern von den Reichen einzutreiben.<br />
• Der Industrie- und Handelskammertag fordert ihre Mitglieder auf, bei der nächsten Tarifrunde im Interesse des sozialen Friedens von den im vergangenen Jahr erzielten Gewinne den Beschäftigten eine deutliche Lohnerhöhung zu zahlen.<br />
• Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat beschlossen, mit ihren Mitgliedsorganisationen aus Branchen, in denen umweltschädliche Produkte hergestellt werden, Stufenpläne zur Umwandlung entsprechender Unternehmen zu entwickeln.</p></blockquote>

<p>Vielleicht würden dann – so wie ich im umgekehrten Fall – Menschen darüber stolpern, die Sätze zwei-, dreimal lesen und sich die Inhalte einprägen. Das ist zu optimistisch von mir gedacht? Probieren wir&#8217;s doch einfach mal aus!</p>

<p>&nbsp;</p>

<p>&nbsp;</p>  
      ]]></content>
    </entry>

    <entry>
      <title>Kommentar zur BP&#45;Wahl am 30. Juni 2010</title>
      <link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.fembio.org/biographie.php/frau/veranstaltungen/kommentar-zur-bp-wahl-am-30.-juni-2010/" />
      <id>tag:fembio.org,2010:biographie.php/frau/glossen/5.1349</id>
      <published>2010-07-01T13:10:03Z</published>
      <updated>2011-07-21T18:49:04Z</updated>
      <author>
            <name>Luise F. Pusch</name>
            <email>luise.f.pusch@gmail.com</email>
            <uri>http://www.fembio.org</uri>      </author>

      <content type="html"><![CDATA[
        <p><img src="http://vg07.met.vgwort.de/na/00263d632b0642bfb632825579eb2bfd" width="1" height="1" alt=""><strong>von <a href="http://www.helke-sander.de/" title="Helke Sander">Helke Sander</a>, parteilos</p>

<p>Mittwoch, den  30.6. 2010<br />
(20.30 während der Stimmauszählung zum dritten Wahlgang).</strong></p>

<p>Die Presse auf allen Kanälen einigt sich gerade auf eine gemeinsame Interpretation des Ereignisses: <br />
Dem Fernsehvolk wird eingehämmert, dass die LINKE die  Historische Chance verpasst habe, sich klar gegen ihre Vergangenheit zu positionieren, indem sie Gauck die Stimmen verweigert. </p>

<p>Kaum eine Rede mehr davon, dass sowohl die Koalition es nicht für nötig hielt, sich auf einen oder eine gemeinsame Kandidat/in mit den anderen Parteien zu einigen, noch SPD und Grüne, sich mit der Linken abzustimmen. (Besonders enttäuschend die Grünen: Sie kennen das Mobbing noch aus ihren eigenen Anfangszeiten und haben es nun selber sehr gut gelernt). Vermutlich, weil alle das Ergebnis Wulff für vorhersehbar hielten und darum nicht weiter dachten. Nun braucht man einen Schuldigen, den die öffentlich-rechtlichen Interpretatoren in der demokratischen Unreife  der Linken sehen. </p>

<p>Sie gehen dabei von mehreren falschen Prämissen aus: <br />
Sie unterscheiden grundsätzlich zwischen Gauck und Wulff und vernachlässigen nahezu völlig, dass sie – lässt man den Altersunterschied außer acht, politisch ziemlich ähnliche Positionen vertreten. Zur Wahl stehen zwei Männer, die den Kriegseinsatz in Afghanistan verteidigen und eine in der Bundesversammlung – nicht der Bevölkerung -&nbsp; chancenlose Frau, die das nicht tut und zudem auf einen Freiheitsbegriff verweist, der der Aufklärung  und der sozialen Sicherheit verpflichtet ist. </p>

<p>Das wird jedoch vernebelt, indem Wulff von seinen Gegnern zum harmlosen netten Schwiegersohn ohne Lebenserfahrung degradiert wird. (Immerhin hat er als Ministerpräsident einen Vietnamesen und eine Türkin berufen), der dem charismatischen, reifen, lebensklugen, mutigen und unter schwierigen Bedingungen die Freiheit verteidigenden Gauck gegenüber gestellt wird.</p>

<p>Wenn man allerdings unvoreingenommen und keiner Parteilinie verpflichtet auf Herrn Gauck schaut, dann weiß ich von ihm nach all den Fernsehäußerungen kaum mehr als vorher: dass er die nach ihm benannte Behörde nach der Wende geleitet hat, deren Existenzberechtigung meines Wissens auch von der Linken nicht bestritten wird und das DDR- System nicht leiden konnte, und ich habe Filmausschnitte gesehen, wie er im Kreis von ein paar Klampfe spielenden und christliche Lieder singenden Jugendlichen in einer Neubauwohnung als Pfarrer auf dem Sofa sitzt. Ein Beweis für Charisma oder Mut, was beides er ja haben mag, ist das nicht.</p>

<p>Ungefähr gleich alt, könnte da Luc Jochimsen eher punkten in Sachen Widerstand. Ich erinnere mich an ihre Bücher zur Freigabe des  § 218 in der alten BRD der siebziger Jahre, an viele Fernsehsendungen, in denen sie die damalige Frauenbewegung in ihren politischen Konflikten und Zielen in den öffentlichen Medien darstellte, was auch damals schon ein beträchtliches Durchhaltevermögen und Konfliktpotential verlangte. Und ganz persönlich halte ich sie sowieso von den dreien für die Klügste. </p>

<p>Was leider in der ganzen Debatte  zur Entscheidung Wulff -&nbsp; Gauck bisher überhaupt keine Rolle spielte, ist ihr Auftreten als Männer. </p>

<p>Obwohl ich selber älter bin als Gauck, ist er für mein Gefühl der Typ „alter, hierarchischer, patriarchaler  Mann“, Vorlage für ein paar der Probleme, an denen sich die Frauenbewegung seit Ende der sechziger Jahre abarbeitet. </p>

<p>Auf dem Gebiet  Geschlechterdemokratie hätte ich mehr Vertrauen zu Wulff, an dem ich gerade seine Freundlichkeit schätze. Wann hat es schon mal einen Mann in der Politik gegeben, der nicht als notorischer Wichtigtuer auftritt und der dennoch seine Sache vertritt, auch wenn sie einem nicht passt? Er ist jung, hat junge Kinder und man kann sich vorstellen, dass er zuhört, nachdenkt und möglicherweise in der Lage ist, die heutigen Konflikte um Kinder, wechselnde Liebespartnerschaften, verlangte Mobilität im Beruf mit gewünschter Stablität und Lokalität für die Kinder  zu benennen. </p>

<p>Ende 21.14: chinesischer Parteitag. Stehender Applaus für Gauck.</p>

<p>PS: Wer hat im ersten Wahlgang für Luc Jochimsen gestimmt? Koch? <br />
Die vermutlich für Herrn Gauck gekauften Blumen werden von Renate Künast Herrn Wulff gereicht. </p>

<p>© Helke Sander</p>

<p><br />
 </p>

  
      ]]></content>
    </entry>

    <entry>
      <title>Sexueller Missbrauch und das Übergehen der Fachstellen</title>
      <link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.fembio.org/biographie.php/frau/veranstaltungen/sexueller-missbrauch-und-das-uebergehen-der-fachstellen/" />
      <id>tag:fembio.org,2010:biographie.php/frau/glossen/5.1284</id>
      <published>2010-03-16T11:24:04Z</published>
      <updated>2011-07-21T18:44:05Z</updated>
      <author>
            <name>Luise F. Pusch</name>
            <email>luise.f.pusch@gmail.com</email>
            <uri>http://www.fembio.org</uri>      </author>

      <content type="html"><![CDATA[
        <p><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/f985b3c11e394c31a0f4f7ea7e1b0f2f" width="1" height="1" alt=""><em>Offener Brief des <a href="http://www.frauennotruf-mainz.de/" title="Frauennotrufs Mainz">Frauennotrufs Mainz</a><br />
</em><br />
Ein «Bild der Zerrissenheit» kritisierte FDP-Fraktionschefin Birgit Homburger vergangenes Wochenende im März, sei bei der Aufklärung der Missbrauchsfälle in Internaten vor allem der katholischen Kirche entstanden. Dieses „Bild der Zerrissenheit“ gibt letztlich auch die Berichterstattung zu dem Thema wieder, genauso wie die Herangehensweise an das Thema sexuelle Gewalt auf allen gesellschaftlichen und politischen Ebenen – gleichgültig, ob sich die Übergriffe in Kirchen, Sportvereinen, sonstigen Institutionen oder (wie meist) innerhalb der Familie ereignet haben.<br />
 <br />
Hektisch werden Sonderbeauftragte eingesetzt, Runde Tische gegründet, die Veränderungen von Gesetzen geplant. Selten wird nach Ursachen geforscht bzw. werden Ursachen benannt – es sei denn sie liegen entfernter und berühren nicht unsere eigenen Grenzen. Eine Weile erschien das Zölibat als die Ursache für sexuelle Gewalt bestens geeignet. Es entspricht ganz dem Mythos, an dem seit jeher festgehalten wird: einer Art Triebstau, der sich entladen muss. Eine Diskussion um das Zölibat ist richtig, aber nicht im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch.<br />
 <br />
Da es sich zudem in der aktuellen Berichterstattung um Jungen handelt, die betroffen sind, schlägt der aktuelle Diskurs mehrere Fliegen mit einer großen dumpfen Klappe: zum einen die Homophobie, die angesichts des Selbstbewusstseins von sich verpartnerschaftlichenden homosexuellen Paaren erstarkt. Zum anderen das „gebeutelte männliche Geschlecht“, das in den letzten Jahren mehr und mehr zum eigentlich schwachen ernannt wurde, weil ja die gesamte Kinder- und Jugendförderung dem weiblichen zugestanden wurde. Fast ausschließlich männliche Opfer tauchen in den Presseberichten auf. Was ihnen gemeinsam ist: sie waren Kinder, als der sexuelle Missbrauch geschah, und es ist lange her. So lange, dass die Verjährungsfrist vorbei ist und es keinen Ermittlungsauftrag mehr gibt.<br />
Es stellt sich die Frage, wie der öffentliche Umgang mit dem Thema wäre, wenn es sich um Mädchen oder gar Frauen als Betroffene gehandelt hätte? Und weiter: Wie wäre es, wenn es sich um nicht verjährte Fälle handeln würde, in denen eine Ermittlung stattfinden könnte?<br />
 <br />
Diese Fragen könnte man den Fachfrauen und –männern stellen, die seit Jahrzehnten in diesem Bereich arbeiten und nicht nur mit Betroffenen sprechen, sondern auch die Berichterstattung dazu beobachten.<br />
Seit mehr als dreißig Jahren arbeiten Frauennotrufe und –beratungsstellen zu den Themen Vergewaltigung, sexueller Missbraucht, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz etc. Jahr für Jahr stellen sie ihre Opferzahlen vor – solche die selten im Hellfeld der polizeilichen Ermittlung auftauchen. Es sind in der Regel Mädchen und Frauen, die vor ihrem 1. und bis zum 80. Lebensjahr sexuelle Gewalt erlebten, durch Väter und Mütter, Familienmitglieder, MitschülerInnen, Lehrkräfte, SporttrainerInnen, Geistliche. Die Täter sind zum Großteil männlich. In den letzten Jahren wird mehr und mehr deutlich, dass auch viele Jungen und Männer betroffen sind.</p>

<p>Die Opfer schweigen lange aus Scham und weil sie sich mitschuldig fühlen. Mitschuldig, weil der Missbraucher in der Regel kein Fremder, sondern eine vertraute Person ist, die das bestehende Machtverhältnis missbraucht und dem Opfer eine Mit-Verantwortung einredet oder auflastet.<br />
Unterschiedliche Machtverhältnisse herrschen zwischen Erwachsenen und Kindern, also z.B. Lehrkräften und Schülerschaft, zwischen älteren und jüngeren Geschwistern, bei Vorgesetzten und Lehrlingen, Pfarrer und MessdienerInnen und  - hier gehen die Meinungen weit auseinander - zwischen Männern und Frauen, Jungen und Mädchen in unserer Gesellschaft.<br />
Dieses Machtverhältnis – das sexuelle Gewalt innerhalb der Geschlechter negiert, bagatellisiert und tabuisiert – wirkt am subtilsten und ist am schwersten anzuerkennen. Weil es uns alle betrifft und alle unsere Lebensbereiche – von der Sprache, die über Gewalt und Ungleichheit berichtet, über die Abhängigkeiten durch unterschiedliche Berufschancen, bis hin zu Wertigkeiten und Rollenzuweisungen.</p>

<p>Auch dazu könnten die Fachfrauen gefragt werden – es scheint aber in den Momenten der an Hysterie grenzenden Aufregung nicht gewollt.<br />
Bei sexueller Gewalt geht es in den allermeisten Fällen nicht um eine sexuelle Triebrichtung, es geht um Dominanz, Macht und Unterdrückung. Darum findet sie sich oft in Institutionen und Einrichtungen (auch in solchen Familien), in denen starre hierarchische Strukturen herrschen und gleichzeitig grenzachtende Regeln fehlen, die den respektvollen Umgang händeln.</p>

<p>Sexualität wird benutzt – als Mittel zum Zweck, als perfide schambesetzte Waffe und als Möglichkeit, angeblich verschwommene Grenzübergänge zu schaffen. Aus diesem Grund – um die Gewalt besser von der Sexualität abzugrenzen – sprechen viele Fachstellen heutzutage von „sexualisierter“ Gewalt.<br />
 <br />
Zurück zu den Fachstellen, zum Thema Sexualisierte Gewalt: Kaum ein Frauennotruf, eine Wildwasser-Einrichtung, eine Frauenberatungsstelle wurden in den letzten Wochen angefragt. Kirchenmänner werden als Experten eingesetzt, Kriminologen zu Hintergründen interviewt.<br />
Kaum jemand sucht nach Klärung bei denen, die seit Jahrzehnten Kontakt zu den Opfern haben, Fortbildungen zum Thema anbieten, die Ermittlungen begleiten - also genau die, die all die Jahre das Thema benannt, enttabuisiert haben. Vielmehr waren diese nicht selten Beschimpfungen ausgesetzt, weil sie angeblich, um ihre eigenen Pfründe zu sichern, mit Übertreibungen und hohen Fallzahlen wuchern würden.<br />
 <br />
So fehlen Vertreterinnen der Fachstellen sowohl an den aktuellen Runden Tischen zum Thema und oft in der Berichterstattung. Weder ihre Erfahrungen aus der Vergangenheit noch aus der gegenwärtigen Arbeit mit Betroffenen scheinen interessant.<br />
Aber wenn weder die gesellschaftlichen Ursachen, noch die Geschichte zum komplexen Thema Sexualisierte Gewalt innerhalb unseres Zusammenlebens und die heutige aktuelle Situation ausreichend dazu beleuchtet werden, dann wird es ein kurzes Aufflackern der Empörung und des Abscheus bleiben, ähnlich wie bei den zurückliegenden pressewirksamen Einzelfällen mit Tätern wie Josef Fritzl in Österreich. Danach ist wieder Schweigen.<br />
Ändern wird sich nichts, weder für Opfer noch für Täter – zum Schaden für alle.<br />
 <br />
(verantwortlich: Anette Diehl)
</p>  
      ]]></content>
    </entry>

    <entry>
      <title>Nacktwanderer unter die Burka</title>
      <link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.fembio.org/biographie.php/frau/veranstaltungen/nacktwanderer-unter-die-burka/" />
      <id>tag:fembio.org,2010:biographie.php/frau/glossen/5.1276</id>
      <published>2010-03-01T10:52:01Z</published>
      <updated>2011-07-21T18:42:02Z</updated>
      <author>
            <name>Luise F. Pusch</name>
            <email>luise.f.pusch@gmail.com</email>
            <uri>http://www.fembio.org</uri>      </author>

      <content type="html"><![CDATA[
        <p>img src=&#8220;http://vg02.met.vgwort.de/na/3b02e9fe69c849d2bd0d302aa74ae198&#8221; width=&#8220;1&#8221; height=&#8220;1&#8221; alt=&#8221;&#8220;>von <a href="http://www.helke-sander.de" title="Helke Sander">Helke Sander</a></p>

<p>Es gibt schon genügend Schilderungen über Schreck und Scham angesichts in Burkas oder Tschadors eingesperrter Frauen. </p>

<p>Scham, das unmittelbar geschehen lassen zu müssen, denn die verhüllte Frau wird ja nicht vor unseren Augen zusammengeschlagen, so dass wir eingreifen könnten. <br />
So wie sie hinter dem Mann hergeht, zeugt das von Routine. <br />
Für mich und andere Beobachtende ist sie kaum Person, sondern  Zeichen für Eingesperrtsein, nicht wegen eines besonderen Vergehens, sondern wegen ihres Geschlechts. </p>

<p>Ich kann ihr nicht zu Hilfe kommen, sie würde mich fürchten, mir ausweichen, ich würde ihre Lage verschlimmern.<br />
Ihr Anblick macht mich nicht gegen sie aggressiv, sondern gegen die Menschen, die Macht über sie haben, gegen das System, auf das diese sich berufen und das in vielen Fällen schon eine so erfolgreiche Gehirnwäsche betreiben konnte, dass die Frauen mit dieser ihrer eingesperrten Lage einverstanden zu sein behaupten, weil sie nichts anderes kennen und Angst vor der Freiheit hätten, so wie viele Gefangene nach der Entlassung sich draußen fürchten und sich ins Gefängnis zurücksehnen, weil dort Klarheit über die eigene Position herrscht.</p>

<p>Die Ganzkörperverhüllung soll die Frauen vor den gierigen Blicken der Männer schützen, die so schwach sind, dass sie bei deren unverhülltem Anblick ihren Trieb nicht zügeln könnten. </p>

<p>Das Kontrastprogramm zu den Burkafrauen sind die deutschen Nacktwanderer und Nacktrodeler und Nacktbader. Sie rufen eine ganz andere Reaktion in mir hervor. Anders als bei der Burkafrau, die mein Mitgefühl hat, empfinde ich die Begegnung, ja schon die Schilderung von Nacktwanderern mit Rucksack, Wanderschuhen, Stock und Hut und sonst nichts als aggressiven Akt gegen mich. (Jetzt verlangen sie auch noch eigene, nur für sie reservierte Wanderpfade). Ich bin als Deutsche geradezu froh, dass die Kopftuch- Burka- und Tschadorfrauen die deutsche Wanderlust nicht teilen und vielleicht nicht mal was davon gehört haben, denn sie wären vermutlich noch mehr geschockt und verletzt, wenn sie mit der geballten und aggressiven Intimität fremder Körper in der Öffentlichkeit konfrontiert wären. </p>

<p>Diese Nackten berufen sich auf eine Art Naturrecht. Weil wir nackt zur Welt kommen, sagen sie, brauchen wir auch später keine Kleider, das sei sowieso denaturiert. Allerdings haben sich unsere behaarten Vorfahren schnellsten bekleidet, als sie in kältere Gegenden kamen und im Lauf der Jahrhunderttausende daraus ein Gefühl für Anstand und Geschmack entwickelt. Jugendliche wissen das offenbar noch. Die wandern nicht nackt, baden in der Öffentlichkeit normalerweise auch nicht nackt - obwohl sie ihren Mitmenschen wenigstens noch einen netten Anblick böten - und werden deshalb auch nicht für verklemmt gehalten. Die Nacktwanderer bestehen darauf, niemanden mit ihrer Nacktheit zu nahe treten zu wollen, sondern von einem Menschenrecht Gebrauch zu machen. Der Großteil ihrer Mitmenschen aber bestreitet genau das, und deshalb haben sich die Nackten auch noch nicht als Bankbeamte, Verkäuferinnen, Schaffner  und Lehrerinnen durchsetzen können.&nbsp; Dieses „Menschenrecht“ versuchen sie nur in ihrer Freizeit zu etablieren. Sie sagen auch, keineswegs erotisch wirken zu wollen. Damit haben sie allerdings nur zu recht. Die normalen mittelalterlichen Zivilisationskörper sind bei Tageslicht und in großen Massen noch weniger anziehend als nachts bei Kerzenschein. Als ob es nicht schon reichen würde, im Sommer beleibte Fünzigjährige nur mit Trägerhemdchen und Leggins durch die Straßen watscheln zu sehen oder am Strand nackten Schmerbäuchen begegnen zu müssen, die sich nicht scheuen, auch in dieser Aufmachung die Cafés und Restaurants zu bevölkern und keinerlei Kleidercode gehorchen, der auch das ästhetische Empfinden ihrer Mitmenschen ins Kalkül einbezieht oder wenigstens einen Gedanken an die hier lebenden MigrantInnen verschwendet, denen bei dieser zur Schau gestellten Nacktheit wirklich kaum etwas anderes übrig bleibt, als diese Leute für die primitiven Barbaren zu halten, die sie tatsächlich sind. Angesichts der 14.000 Nacktrodeler vor kurzem im Harz kann man geradezu Sympathie mit den Mullahs bekommen.&nbsp; Selbst die brunftigen Patres wären bei diesem Anblick vermutlich vor Missetaten gefeit. Aber das hieße wirklich, den Teufel mit Beelzebub auszutreiben.</p>

<p>28.2.2010</p>

  
      ]]></content>
    </entry>

    <entry>
      <title>Hoch die internationale Solidarität</title>
      <link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.fembio.org/biographie.php/frau/veranstaltungen/hoch-die-internationale-solidaritaet/" />
      <id>tag:fembio.org,2010:biographie.php/frau/glossen/5.1267</id>
      <published>2010-01-20T19:53:47Z</published>
      <updated>2011-07-21T18:40:49Z</updated>
      <author>
            <name>Luise F. Pusch</name>
            <email>luise.f.pusch@gmail.com</email>
            <uri>http://www.fembio.org</uri>      </author>

      <content type="html"><![CDATA[
        <p><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/5f0f9fbb57e5458da535e898396f988d" width="1" height="1" alt=""><em><strong>Vorbemerkung der FemBio-Redaktion</strong>: <br />
Am 8. Dezember hat FemBio einen <a href="http://www.fembio.org/biographie.php/frau/frauen/minarettabstimmung/" title="Kommentar von Helke Sander zur Minarettabstimmung">Kommentar von Helke Sander zur Minarettabstimmung</a> veröffentlicht. Es gab etliche Zuschriften, u.a. von Ursula Müller, auf die Helke Sander, ebenfalls auf FemBio, eingegangen ist. Am 3.1.10 veröffentlichte Ursula Müller in der TAZ auf der Meinungsseite ihren <a href="http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/pseudofeminismus/" title="Artikel über die Pseudofeministinnen">Artikel über die Pseudofeministinnen</a>. Am 4.1. schrieb Helke Sander einen Leserinbrief dazu und wurde einige Tage später von der taz gebeten, ihrerseits einen Kommentar zu schreiben. Der folgende Text wurde von der taz nicht akzeptiert, Helke Sander wurde zu Änderungen aufgefordert, zu denen sie wegen anderer Arbeiten nicht gekommen ist. <br />
Die FemBio-Redaktion hält den Text aber für wichtig, darum veröffentlichen wir ihn hier.</em></p>

<p><strong>Hoch die internationale Solidarität</strong><br />
von <a href="http://www.helke-sander.de/" title="Helke Sander">Helke Sander</a></p>

<p>Als Frauen vor vierzig Jahren anfingen, unabgesprochen aber massenhaft die neue Pille zu schlucken, drückte jede von ihnen damit ganz individuell aus, dass ihnen fremde Rollenzuweisungen nicht mehr passten. Die Folgen dieses Verhaltens waren vielfältige&#8230; </p>

<p>Ich ging in meinem zunächst in auf <a href="http://www.fembio.org/biographie.php/frau/frauen/minarettabstimmung/" title="FemBio veröffentlichten Kommentar">FemBio veröffentlichten Kommentar</a> möglichen Gründen für das Gerücht nach, dass so viele Frauen gegen das Minarettverbot gestimmt haben. Ich habe vermutet, dass dieses Abstimmungsverhalten eher wenig mit einem Widerwillen gegen Minarette zu tun haben dürfte und auch nicht von fremdenfeindlicher Gesinnung zeugte, sondern dass die Abstimmung dazu benutzt worden sein könnte, ein allgemeines Unbehagen daran zu äußern, dass der Begriff Religionsfreiheit immer mehr ausgeweitet wird und zunehmend kollidiert mit Gleichberechtigung und Menschenrechten. Dieses Unbehagen teile ich auch und dazu habe ich einige Beispiele gebracht, wie z.B. meine Erschütterung darüber, in Berlin eine in eine Burka gehüllte Frau hinter ihrem Mann die U-Bahn-Treppe herunter stolpern zu sehen. Dabei stellt sich mir die Frage, ob das hier sein darf, ob es auch mit Zustimmung der Burka-Frau hier sein darf, ob ich da einschreiten sollte/ dürfte und wenn, wie. Das ist eine kompliziertere und widersprüchlichere Entscheidung, als dazwischen zu gehen, wenn ein rechter Schläger auf einen Ausländer losgeht oder wenn ein besoffener Penner auf dem Bahnhofsvorplatz von Bremen auf eine ebenso besoffene Pennerin einprügelt und mich anschreit, als ich sie trenne: „Das ist meine Frau! Das ist meine Frau!“ Ich habe also meine eigenen Schwierigkeiten und meine eigene Besorgnis angesichts solcher Begebenheiten erzählt und keineswegs beabsichtigt, irgendwen gegen ihren Willen eurozentrisch zu agitieren, wie mir unterstellt wird. Ich habe ebenfalls darauf verwiesen, wie lange es gedauert hat, ein einigermaßen ziviles Verhalten der Kirchen gegenüber Frauen durchzusetzen. Im Namen der Religionsfreiheit und damit aus scheinbar höherer Motivation kommt heute die gesetzlich mögliche Selbständigkeit von in Deutschland lebenden Frauen nicht zum Zuge, weil die patriarchalen Familienverhältnisse von Migrantenfamilien zur Privatsache erklärt werden, womit viele tausend Mädchen und Frauen in der Falle sitzen. </p>

<p>Mein Anliegen war, dass diese Seite endlich mal grundlegend und in all ihren Schwierigkeiten diskutiert wird und gleichzeitig Möglichkeiten geschaffen werden, die es den Frauen, die aus den strengen patriarchalen Verhältnissen ausbrechen wollen, erlauben, dies ohne Lebensgefahr zu tun. </p>

<p>Nun wurde ich von U.Müller darüber belehrt, dass „Pseudofeministinnen“ wie ich ignorieren, „dass es auch Kopftuchträgerinnen gibt, die für mehr Frauenrechte kämpfen und ihre Forderungen nach Gleichberechtigung teils aus dem Koran ableiten“. Nun, das mag sein. Auch christliche und jüdische Theologinnen versuchen aus der Bibel und dem Talmud Honig zu saugen und die frauenfeindlichen Sprüche dort ins Gegenteil zu interpretieren. Nur interessieren sich die in den jeweiligen Religionen das Wort führenden Männer herzlich wenig für diese doch recht marginalen Gruppen. Da tut Dieter Bohlen mehr für die Gleichberechtigung, wenn er junge Deutsche, Türken, Italiener usw. auf seine unnachahmlich brutale Art gleichermaßen zur Schnecke macht, sich aber ebenso freut, wenn jemand was Gutes bringt.</p>

<p>Ich habe die Kopftuchträgerinnen in meinem Kommentar nicht erwähnt, aber U.M erwähnt sie und unterstellt mir, mit dem Kopftuchverbot über die armen Frauen bestimmen zu wollen. <br />
Das Kopftuch selbst macht mir keine Schwierigkeiten. Ich finde es sogar bei den meisten sehr hübsch. Es gibt dem Gesicht einen dramatischen Rahmen, und ich hätte keine Probleme mit den muslimischen Kopftüchern wie ich auch keins mit den afrikanischen pathetischen Tuch-Aufbauten habe, wenn ich sicher sein könnte, dass die Frauen und Mädchen sie freiwillig tragen und wenn ich sicher sein könnte, dass sie wissen, was das Nicht-Tragen für viele andere bedeutet hat. Vermutlich wissen sie nicht, dass 1979 Tausende Frauen im Iran gegen den Kopftuchzwang demonstriert haben, viele von ihnen hingerichtet wurden, weil sie sich weigerten, sich zu verschleiern und viele Frauen nach Deutschland flüchteten, um Gefängnis und Tod zu entgehen. Allein im Frühling und im Sommer 2007 wurden 35.000 Frauen wegen des Verstoßes gegen die islamischen Kleidervorschriften verhaftet (<a href="http://www.fembio.org/biographie.php?URL=http%3A%2F%2Fat.stopthebomb.net%2Fde%2Ffacts_iran.php">http://at.stopthebomb.net/de/facts_iran.php</a>).</p>

<p>Ungebildetheit und familiäre Zwänge schützen viele Frauen und Mädchen aus Anatolien davor, sich über die Bedeutung des Kopftuchs selber Gedanken zu machen. Und darum ist die behauptete Freiwilligkeit oft nichts anderes als das pure Unwissen. Wenn Jugendliche in der Pubertät häufig fromm werden, ist es immerhin in anderen Religionen möglich, sich irgendwann wieder anders zu entscheiden, Zweifel zuzulassen, die Religion zu verlassen oder eine andere anzunehmen. Diese Freiheiten haben die Jugendlichen im Islam kaum. Sie sind in ein strenges und vielfältiges ideologisches Korsett gezwungen und diejenigen, die daraus ausbrechen wollen, werden bestraft. Darum gibt es auch in Deutschland alle möglichen Schutzprogramme für junge Frauen, die um ihr Leben fürchten müssen, weil sie Angebote der „neuen Welt“ ausprobieren. </p>

<p>In meinem Kommentar habe ich mich außerdem darüber gewundert, woher der plötzliche Einbruch von Frömmigkeit bei vielen hauptsächlich türkischen Migranten denn kommt, wer ihn fördert, steuert und evtl. bezahlt. <a href="http://litart.twoday.net/stories/aleviten-zum-minarett-verbot/" title="Die alevitische Gemeinde Deutschlands immerhin hat eine differenzierte Presseerklärung">Die alevitische Gemeinde Deutschlands immerhin hat eine differenzierte Presseerklärung</a> zu diesen Problemen herausgegeben, die konstruktive weitere Überlegungen möglich macht und nicht wie andere mit Unterstellungen arbeitet. <br />
© Helke Sander</p>

<p><strong>Nachtrag der Redaktion am 24.1.10: </strong><br />
Gestern erschien in der taz noch ein sehr guter <a href="http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/der-ewig-reizbare-mann/" title="Artikel von Claudia Pinl zum Thema, Titel &quot;Der ewig reizbare Mann">Artikel von Claudia Pinl zum Thema, Titel &#8220;Der ewig reizbare Mann</a>&#8221;. </p>



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</p>  
      ]]></content>
    </entry>

    <entry>
      <title>Hurra, wir kriegen eine Moschee&#8230; – ob wir wollen oder nicht</title>
      <link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.fembio.org/biographie.php/frau/veranstaltungen/hurra-wir-kriegen-eine-moschee...-ob-wir-wollen-oder-nicht/" />
      <id>tag:fembio.org,2009:biographie.php/frau/glossen/5.1247</id>
      <published>2009-12-19T19:52:54Z</published>
      <updated>2009-12-19T20:31:06Z</updated>
      <author>
            <name>Luise F. Pusch</name>
            <email>luise.f.pusch@gmail.com</email>
            <uri>http://www.fembio.org</uri>      </author>

      <content type="html"><![CDATA[
        <p><em>Aber warum sollten wir wollen? So fragt Richard Kelber im nachfolgenden Beitrag aus <em>Alternative Kommunalpolitik</em>, Heft 2/1997. Er will Religionen die Weiterentwicklung zu einer humanen und demokratischen Gesellschaft abverlangen. Davon sei der Islam weit entfernt. </em><br />
 <br />
„Tabubruch“ ist ein grünes Steckenpferd geworden. Vor allem zum Beweis der Regierungsfähigkeit. Beides interessiert mich nicht. Statt dessen tue ich einfach einmal so, als hätte ich es bei Ausländern mit Menschen zu tun, an deren Vorstellungen vom Leben ich Fragen zur zivilen, säkularen, demokratischen und humanen Entwicklung unserer Gesellschaft stellen darf – wie Dir und mir. <br />
 <br />
Infas hat in einer Studie „Wohn- und Lebenssituation der Ausländer – Eine Befragung von Deutschen und Ausländern in Dortmund-Nordstadt“ herausgefunden: </p>

<p>• 70 Prozent der deutschen Haushalte leben in Gebäuden ohne ausländische Mieter. <br />
• Die Hälfte der befragten Deutschen hat am Arbeitsplatz keinen Kontakt zu Ausländern. <br />
• Italiener, Spanier und Jugoslawen setzen übereinstimmend das Fehlen eines nationalen kulturellen Zentrums an die erste Stelle ihrer Mängelliste. <br />
• Fast alle befragten Dortmunder Ausländer lesen regelmäßig eine heimatsprachige Zeitung. So informieren sie sich sowohl über das Geschehen im Herkunftsland wie über deutsche Ereignisse. <br />
 <br />
Von „Multikulturalität“ künden diese Untersuchungsergebnisse nicht gerade. Was nicht daran liegt, daß sie aus dem Jahr 1976 stammen. Seitdem hat sich allerdings nicht allzuviel geändert: <br />
 <br />
• In Duisburg haben 1993 von über 1.000 Moscheebesuchern 97 Prozent erklärt, daß sie keinen Kontakt zu Deutschen haben. <br />
• Alle Befragten lehnten eine Verheiratung ihrer Töchter mit einem Deutschen ab. <br />
• 87 Prozent der türkischen Haushalte lesen eine türkischsprachige Zeitung. <br />
• Deutsche Fernsehprogramme haben in türkischen Haushalten so gut wie keine Bedeutung. </p>

<p>Ist die „multikulturelle Gesellschaft“ also eine Chimäre? Eine Kopfgeburt von wohlmeinend-ausländerfreundlichen RepräsentantInnen der Hochkultur? Ein ideologisches Konstrukt für Alltagsmenschen, die gezwungenermaßen „multikulturell“, also mit Menschen verschiedener national-kultureller Herkunft, leben müssen? <br />
 <br />
Ein weiterer Blick in die Realität: Wann und wo immer in deutschen Landen ein Kinderspielplatz, ein Behindertenwohnheim oder eine Drogenberatung geplant wird, sieht es so aus, als wäre unser Leben ohne Auto einfacher. Warum sollte das bei der Errichtung einer Moschee anders sein? Laut einer Eingabe an die Bezirksvertretung Dortmund-Eving aus dem Januar 1997 kommen dort die Nachbarn nicht nur „während des Fastenmonats Ramadan nicht zur Ruhe. Ständiger Autoverkehr, Türenschlagen, Hupen und lautes Zurufen“ seien unerträglich, die Straßen zugeparkt und die Einfahrten versperrt. <br />
 <br />
Das alles reiche an Belästigung völlig aus, da fehle der Gebetsruf des Muezzin gerade noch: <br />
„Wenn behauptet wird, der Ruf zum Gebet ist wie das Glockenläuten, so ist das falsch. Die für Nichtmuslime unangenehmen, durch Lautsprecher übertragenen fremden Laute können nicht mit  Musik, zu der Glockenläuten gehört, verglichen werden.“ Eine solche Mixtur aus Eigennutz, Fremdenangst und Fremdenfeindlichkeit verdient neben der Moschee noch mindestens je einen Kinderspielplatz, ein Behindertenheim und eine Drogenberatung. <br />
 <br />
<em>Die Politik und der Muezzin </em><br />
 <br />
Aber es sind nicht nur „die Leute auf der Straße“, die gemeinen, die eher selten mit einer demokratischen Handlungsperspektive streiten. Auch im „politischen Raum“ schlagen die Obsessionen muntere Kapriolen. Im Frühjahr 1995 hat eine muslimische Gemeinde in Dortmund den Antrag auf Errichtung einer Moschee in einem ehemaligen Kino gestellt. Für SPD, CDU und Grüne die Chance, eindrucksvoll zu beweisen, daß ihre Stadt „multikulturell“ ist. Sie haben sie genutzt. <br />
 <br />
Haben wollte das Religionshaus keine Partei. Die SPD redete sich – taktisch vermeintlich klug – auf eine erhöhte Verkehrsbelastung aus der göttlichen Bredouille. CDU und GRÜNE meinten, es gehe nur um religiös bemäntelten Rechtsextremismus. Über die Moschee entscheidet schließlich das Baurecht, über den Gebetsruf das Immissionsschutzgesetz. Und dann das Verwaltungsgericht. Und zwar allgemein und gleich. Das ist allerdings noch nicht bei allen Christenmenschen angekommen. <br />
 <br />
Wir leben in einem Land, in dem die Säkularisierung leidlich gelungen ist. In dieser Situation stehen wir einigermaßen fassungslos vor dem Phänomen, daß Muslime sämtlicher Generationen das grundgesetzlich verbürgte Recht auf Ausübung ihrer Religion einfordern „wie die Christen“. Das ist kein Fortschritt, und wir staunen mit Kemal Atatürk, dem Fo(e)rderer staatsfreier Religion und des religionsfreien Staates, Bauklötze. <br />
 <br />
Um so mehr brauchen wir die offene Debatte darüber, wieviel Staatsnähe sich die Gesellschaft für die Religionen leisten und ob sie diese nicht insgesamt – wie für die Sekten, die ja vor allem wegen ihrer geringen AnhängerInnenschaft so heißen – zur Privatsache erklären will. <br />
 <br />
Schließlich ist es nicht (nur) so, daß die Muslime für ein säkularisiertes Verständnis privat und in ihrer Moschee ein bißchen sehr religiös sind. Sie möchten ihre moralisch-religiösen Maßstäbe ganz gerne zu gesellschaftlichen erheben, leben mithin eine „politische Religion“. Das hatten wir schon einmal – mit dem Christentum. Insofern haben uns die Muslime Teile unserer alten Welt, die wir längst überwunden wähnten, zurückgebracht. Das gefällt uns gar nicht. Aber muß es das denn? Müssen wir diesen Re-Import der alten Welt hinnehmen – und auch noch „multikulturell“ toll finden? Oder haben wir das Recht, für Emanzipation, wie wir sie verstehen und erreicht zu haben glauben, auch mit ausländischen Muslimen zu streiten? <br />
 <br />
<em>„Politische Religion“ contra Emanzipation </em><br />
 <br />
Denn es ist sicher nicht verwegen, festzustellen, daß bei diesen von den bürgerlich-revolutionären Errungenschaften „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ mal gerade die Brüderlichkeit angekommen ist. Allerdings halten wir mittlerweile „Geschwisterlichkeit“ für die allgemein-menschlichere Perspektive. <br />
 <br />
Bassam Tibi greift deshalb meines Erachtens zu kurz: „Allgemeine Forderungen der Toleranz auch gegenüber Islamisten sind purer Unsinn. Damit würde die Identität des demokratischen Staatssystems in Europa, säkular zu sein, aufgegeben werden.“ Eine Gesellschaft, die sich rational oder gar vernünftig organisieren und damit Willkür ausschließen will, muß religiöse Bestrebungen in die Schranken verweisen. Gläubige verzichten, so absurd das klingt, mit Willen und Bewußtsein auf Rationalität. Ihr Glaube ist konstitutionell nichtrational. Und in der Tendenz nicht nur missionarisch-einnehmend, sondern, wenn die Gesellschaft keine Grenzen setzt, totalitär. <br />
 <br />
Da macht der Islam – jenseits des „Islamismus“ – keine Ausnahme, diese „äußerst tolerante, ja toleranteste Religion und Weltanschauung“, wie sie ihre Vertreter loben. Was irgendwie einleuchtet, denn weiter predigen diese: Jeder Mensch sei als Muslim geboren und erst durch ein anderes Bekenntnis von diesem Glauben abgefallen. Christen und Juden müßten einfach wieder Muslime werden, dann sei die Verständigung kein Problem. <br />
 <br />
Anders als selbst die – aufgrund gesellschaftlicher Kontrolle und abnehmender Gläubigenschar – weitgehend zivilisierte katholische Kirche kennt der Islam, obwohl nicht annähernd so zentralisiert, keinen legitimen Glaubensstreit. Wer als Mullah die Macht dazu hat, redet in solchen Fällen von „Ketzern“ und „Abtrünnigen“. Und haut mal eben zur Glaubensrettung eine Fatwah raus. Stellt sich damit, wie Eberhard Seidel-Pielen meint, „die Frage, wieviel Mut zum Konservativen (die deutsche Gesellschaft) bei der Herausbildung einer multikulturellen Gesellschaft“ aufbringt? Oder ist Mut auch in diesem Fall mangelndes Bewußtsein vom Risiko und nicht unbedingt rational oder gar vernünftig? <br />
 <br />
Was würde es „multikulturell“ helfen, wenn der Satz, Islam und Demokratie seien miteinander nicht vereinbar, nur deshalb Berechtigung hat, weil gilt: Religiöser und demokratischer Staat geht nicht? Mohammed Arkouns Urteil ist gut begründet: „Anders als die europäischen Gesellschaften hat der Islam kein intellektuelles Terrain vorbereitet, um die religiöse Sphäre verlassen zu können.“ Also geht es nicht um „Mut zum Konservativen“, sondern um die Verteidigung dessen, was „Multikulturalität“ im besten Sinne ist, gegen das, was am Islam nicht konservativ ist, sondern reaktionär. <br />
 <br />
Zum Beispiel die Stellung der Frau in islamisch geprägten Gesellschaften/Staaten. Tansu Ciller hin oder her – Frauenemanzipation ist dem Islam ein Fremdwort. Und obwohl es nicht gerne gehört wird: Das Kopftuch ist dafür ein schönes Beispiel. Es signalisiert die Rückkehr der alten Welt in die neue. <br />
 <br />
Denn das Kopftuch war auch in Deutschland lange Zeit Teil des Stolzes und der Würde der Frauen – und Zeichen der Zuständigkeit für Kinder, Küche, Kirche. Auch in Deutschland war die kopftuchtragende Frau in der Familie „stark“ und vom öffentlichen Leben ausgeschlossen. Auch damals wollten viele Frauen ihre Stellung in der Gesellschaft nicht verändern. Heute wissen wir es, wenn schon nicht besser, so doch anders: Sie wollten durchaus, es hat nur gedauert, bis sie sich einigermaßen durchsetzen konnten. Bis hin zur freien Ehegattenwahl – 1997 in Duisburgs Moscheen gänzlich unbekannt. <br />
 <br />
Gleichberechtigung gilt hierzulande für alle. Für Männer wie Frauen. Der Koran ist da nicht ganz so demokratisch. Ihm sind die Frauen ausdrücklich gleichwertig. Ein „nur“ liegt auf der Zunge. <br />
 <br />
Die Quotierung etwa gilt als Beitrag zur Emanzipation der Frau. Ein Blick in die Ausländerbeiräte wirkt ernüchternd. „Die Hälfte der Menschheit“ islamischen Glaubens ist von der Mitwirkung ausgeschlossen. „Wenn sich eine Gesellschaft damit begnügt, daß von beiden Geschlechtern nur eines die Errungenschaft des Jahrhunderts erwerben kann, dann bleibt die Gesellschaft zu mehr als der Hälfte schwach.“ (Atatürk) <br />
 <br />
<em>Kultur der Menschenrechte </em><br />
 <br />
Die liberale bis linke Öffentlichkeit neigt bei Verletzung von Menschenrechten und Menschenwürde zum Ruf nach dem Staat, nach seinen Möglichkeiten zu verbieten und vorzuschreiben. Das kann der Weisheit letzter Schluß nicht sein. Es gibt andere Wege, länger und anstrengender. Die christliche Kirche hat sich – weitgehend – überlebt, weil die Menschen von ihr keine sinnvolle Botschaft mehr zu erfahren mein(t)en. Die Emanzipation von der Religion bedarf also nicht des staatlichen „Segens“. <br />
 <br />
Die Duisburger Umfrage unter Moscheebesuchern aus 1993 hat in diesem Sinne ergeben, daß die rechtliche Gleichstellung der MigrantInnen es islamisch-extremistischen Vereinigungen erheblich erschweren würde, religiöse Bedürfnisse politisch für sich zu nutzen. Was aber die geschilderten Probleme des „nichtislamistischen Islam“ nicht löst. <br />
 <br />
Selbstverständlich soll niemandem die Möglichkeit genommen werden, an wen oder was auch immer zu glauben und dazu zu beten. Es kommt darauf an, die Religionen zu zivilisieren, ihnen die Mitwirkung an der Weiterentwicklung einer säkularen, demokratischen und humanen Gesellschaft abzuverlangen, die mit den hohen Ansprüchen einer sich auf die Menschenrechte berufenden Kultur vereinbar ist. <br />
 <br />
Dazu gehört, daß alle Religionsgemeinschaften, die sich diesem Anspruch stellen, ihre Räume nach den allgemein und gleich geltenden Gesetzen erhalten. Und dazu gehört auch, daß die christlichen Kirchen ihre Privilegien abgeben (müssen). Dabei ist das geringste Problem, ob die Kirchenglocken bimmeln oder der Muezzin ruft – einmal in der Woche oder fünfmal am Tag. Obwohl das ziemlich überflüssig ist. Aber vor allem sollten sich die Religiösen gemeinsam mit anderen um die Gleichstellung aller Menschen bemühen. <br />
 <br />
Ein wichtiger Beitrag dazu wäre, daß die in diesem Land lebenden AusländerInnen gleichberechtigte PartnerInnen des gesellschaftlichen und – durch Einbürgerung auch per zweiter Staatsangehörigkeit – des politischen Dialogs werden. <br />
 <br />
<strong>Richard Kelber</strong> <br />
 <br />
<em>Richard Kelber, ehemaliger grüner Stadtrat, hat den Koran nicht gelesen. Aber er hat auch die Bibel nicht studiert und trotzdem bis zum 20. Lebensjahr daran geglaubt. Er bezieht sich in seiner Argumentation auf die Worte und Taten der muslimischen Religionsmänner. <br />
 </em></p>

<p>
</p>  
      ]]></content>
    </entry>

    <entry>
      <title>Minarettabstimmung</title>
      <link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.fembio.org/biographie.php/frau/veranstaltungen/minarettabstimmung/" />
      <id>tag:fembio.org,2009:biographie.php/frau/glossen/5.1240</id>
      <published>2009-12-08T19:22:58Z</published>
      <updated>2011-07-21T18:38:59Z</updated>
      <author>
            <name>Luise F. Pusch</name>
            <email>luise.f.pusch@gmail.com</email>
            <uri>http://www.fembio.org</uri>      </author>

      <content type="html"><![CDATA[
        <p><img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/7570022f040c464da0f6444d617098c7" width="1" height="1" alt="">Kommentar von <a href="http://www.helke-sander.de/" title="Helke Sander">Helke Sander</a></p>

<p>Statt in nahezu allen Kommentaren lesen zu müssen, dass die Schweizer Entscheidung ein Skandal sei, die Rechte auf dem Vormarsch, das Antidemokratische zur Kenntlichkeit entwickelt usw., würde ich gerne einmal analysiert haben, warum<br />
a) bei einer Volksabstimmung die Wahlbeteiligung so außerordentlich groß war und <br />
b) - wie von mir nicht nachzuprüfen, aber offenbar durch Fakten untermauert - so viele Frauen für das sogenannte Minarettverbot gestimmt haben. <br />
In den  Kommentaren liest es sich so, als seien alle irregeleitet und auf dem Weg, Nazis zu werden. Gäbe es nicht noch andere Interpretationsmöglichkeiten?</p>

<p>Vielleicht haben ganz andere Überlegungen die Abstimmenden zu ihren Entscheidungen geführt. Überlegungen, die vielleicht mit dem Wort „dauerndes Unbehagen“ gekennzeichnet werden könnten. </p>

<p>Ich will mal ein eigenes Erlebnis dazu mitteilen, das mich immer noch umtreibt, weil ich nach wie vor nicht weiß, wie ich mich hätte verhalten sollen oder können. Und anders als in Situationen, in denen ein Nicht-Deutscher von einem Deutschen angegriffen wird, steht darüber dann am nächsten Tag nichts in der Zeitung: <br />
Ein fast leerer U-Bahnhof in Berlin. Die Treppe herunter geht ein vielleicht dreißigjähriger hübscher bärtiger Mann in einem weißen langen Gewand mit weißem Käppchen. Hinter ihm stolpert eine vollkommen in eine schwarze Burka gehüllte Frau, die  nicht mal das traditionelle Gitter vor dem Gesicht hat, sondern vollkommen schwarz verhüllt ist. Sie kann offenbar gar nichts sehen. Von den Bewegungen her ist sie jung und schlank, vermutlich Anfang zwanzig und seine Frau. Der Mann steuert sie, indem er sie von außen fest am Unterarm gepackt, hinter sich herzieht. Sie muss ja auch noch Abstand zu ihm halten und sich möglichst nicht die Knochen brechen.</p>

<p>Darf das in Berlin sein? Ist EINE so behandelte Frau tragbar, HUNDERT aber nicht? Ist das mit unserem Grundgesetz vereinbar oder gehört das auch zur Glaubensfreiheit des Mannes? Würde ein solches Verhalten einem Mann gegenüber nicht Folter genannt?<br />
Ein  immer wieder auftauchendes Argument in den Kommentaren zur Abstimmung lautet, dass die ca. 400.000 Moslems in der Schweiz gut integriert seien und das Abstimmungsergebnis schon deswegen absurd.&nbsp; Wenn man allerdings ein bisschen recherchiert, wird man feststellen, dass es auch in der Schweiz Ehrenmorde gab und Zwangsheiraten und dass die Schweiz immerhin schon Gerichtsurteile gefällt hat gegen die auch im übrigen Europa zunehmende Zahl von Klitorisbeschneidungen. Und den abstimmenden Frauen in der Schweiz dürfte auch nicht entgangen sein, dass in allen vom Islam geprägten Ländern Frauen entweder rechtlos sind oder jedenfalls sehr in ihren Rechten beschnitten. Insofern ist dieses Abstimmungsergebnis meiner Meinung nach ein solidarischer Akt mit unterdrückten und um ihre Freiheitsrechte kämpfenden Frauen aus islamisch geprägten Ländern, es ist aber auch eine Aufforderung, gründlich darüber nachzudenken, ob wir in Europa dabei sind, die mühsam erkämpften zivilen Errungenschaften möglicherweise leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Bestimmte Ängste sollen ausdiskutiert werden (Das hieße nebenbei gesagt: Geschlechterfragen in die Politik zu bringen). </p>

<p>Im gleichen Atemzug mit der Kritik am Abstimmungsverhalten wird auch darauf verwiesen, dass Gewerkschaften, Kirchen, alle möglichen Verbände und Parteien als Institutionen anders abgestimmt hätten. Ausnahmsweise haben nun die Repräsentierten, die ja diese Institutionen bilden, selber ihre Meinung ausdrücken dürfen und darauf  hingewiesen, dass sich manche Fragen nicht schematisch abbügeln lassen. Es wird darauf verwiesen, dass bei einer möglichen Volksabstimmung in Deutschland der größte Teil gegen Atomkraft stimmen würde (da wäre die Bevölkerung „reif“ und „gut“) , vermutlich ebenso viele gegen die Europaverträge (da wären sich die Kommentatoren uneins)&nbsp; und in ebenso hoher Zahl gegen die sogenannten Minarette (da wären die gleichen schon als Rechte abgestempelt). </p>

<p>Zunehmend wird mit „Glaubensfreiheit“ argumentiert und ihrem Schutz durchs Grundgesetz. <br />
Man möge hier nicht vergessen, dass der Kampf gegen die Intoleranz der Kirchen Jahrhunderte gedauert hat und die Trennung von Staat und Kirche ein ungeheurer Schritt in die Zivilgesellschaft war. Dass überhaupt die Kirchen heute in Fragen der Moral so ausführlich zu Wort kommen dürfen, als schleppten nicht gerade sie Jahrhunderte währende Schreckenstaten mit sich herum, wäre in diesem Zusammenhang auch zu erörtern. Obwohl in deutschen Großstädten die Mehrzahl der Menschen sich als Nichtgläubige oder Konfessionslose definieren und im deutschen Osten auch die Landbevölkerung, wird in der Öffentlichkeit so getan, als seien die christlichen Kirchen Horte der Toleranz. Dass sie nun so sehr für die Moscheebauten eintreten, hat vermutlich auch noch andere als nur hehre Gründe. Wie man weiß, sind die Kirchen weitgehend leer, aber die Moscheen sind voll. </p>

<p>Die Moscheen oder moslemischen Betstuben, die es seit den Siebzigern in Deutschland gibt, waren anfangs auch nicht voll. Und es gab praktisch keine Kopftuch tragenden Frauen oder Mädchen. Es ist also schon eine Untersuchung wert, woher der plötzliche Einbruch von Frömmigkeit kommt, wie er finanziert wird und von wem er ausgeht. Dies alles nur mit einer Sehnsucht nach Transzendenz zu erklären, die plötzlich unsere hauptsächlich türkischen Mitbürger befallen haben soll, scheint doch ein wenig zu simpel. Aber genau darauf berufen sich alle, die jetzt nach der „Freiheit der Religionsausübung“ schreien. Und dieser einfachen Lösung haben die SchweizerInnen gerade einen Riegel vorzuschieben versucht.</p>

<p>Helke Sander © Dezember 09</p>



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