Amalie Dietrich
(Amalie Concordia Nelle [Geburtsname])
geboren am 26. Mai 1821 in Siebenlehn, Sachsen
gestorben am 9. März 1891 in Rendsburg
deutsche Botanikerin und Zoologin
190. Geburtstag am 26. Mai 2011
Biografie • Weblinks • Literatur & Quellen • Bildquellen
Biografie
Amalie Dietrich stammte aus einer armen sächsischen Heimarbeiterfamilie. Sie war die nach Maria Sibylla Merian bedeutendste Naturforscherin und Forschungsreisende Deutschlands. Ihr Mann, der Apotheker und Privatgelehrte Wilhelm Dietrich, machte sie mit den Grundbegriffen der Botanik vertraut, lehrte sie die Kunst des Pflanzensammelns, das Bestimmen und Präparieren, das Anlegen von Herbarien. Amalie ist begeistert; sie hat ihre Berufung gefunden, der sie alles andere in ihrem Leben unterordnen wird.
1948 gebiert sie ihre Tochter Charitas, die später die Biographie ihrer Mutter schreiben wird. Die Mutter gerät bald in tiefe Konflikte, weil das Kind sie von der geliebten Arbeit abhält. Sie trennt sich von ihrem Mann, der ihrer Arbeitsbesessenheit immer verständnisloser gegenübersteht, und gibt das Kind in Pflege. Amalie geht nun allein auf ihre Sammeltouren. Sie kauft sich einen Handwagen, spannt einen Hund davor und wandert so elf Wochen in die Salzburger Alpen. Oft übernachtet sie im Freien. Später geht sie zu Fuß von Sachsen nach Bremen, von dort nach Holland. Eine »pflanzensammelnde Egozentrikerin und Wissenschaftsfanatikerin« (Feyl).
Die große Wende in ihrem Leben tritt ein, als der Hamburger Reeder Cesar Godeffroy, der ein Museum für Natur- und Völkerkunde der Südsee plant, sie mit einem Forschungsauftrag für zehn Jahre nach Australien schickt.
Anfang August 1863 erreicht die 42-Jährige Brisbane an der Ostküste Australiens. Der Tochter kann sie nun die beste Ausbildung finanzieren: Im Institut von Hedwig Breymann in der Nähe von Wolfenbüttel. Bereits im dritten Jahr ihres Australienaufenthalts, 1866, gibt das Museum einen Katalog heraus, in dem die Pflanzen des Brisbane River verzeichnet sind. Jahr um Jahr schickt Dietrich Kisten über Kisten mit Präparaten nach Deutschland. Unter den Insekten allein etwa hundert Arten von Rüssel- und Blattkäfern. Viele Arten werden nach ihrer Entdeckerin benannt, so die Algenart Sargassum Amaliae und die Wespenart Odynerus Dietricbianus.
1873 kehrt Amalie mit zwei selbstgezähmten Adlern in die Heimat zurück: »Ein pergamentartiges, verwittertes Gesicht, von tausend Falten… durchfurcht. Ein dürftiges Röckchen und eine Kattunjacke umschließen die alternde Gestalt«, schreibt Tochter Charitas. Dietrich bekommt eine Wohnung im Haus der Godeffroys und betreut und verwaltet nun ihre Sammlungen, ab 1879 als Kustodin am Hamburger Botanischen Museum. Die Tochter ist mit dem Pastor Bischoff in Rendsburg verheiratet; in ihrer Obhut stirbt Amalie, knapp 70-jährig – im selben Alter wie ihrerzeit Maria Sibylla Merian.
Luise F. Pusch
Links
Amalie Dietrich Gedenkstätte im Rathaus Siebenlehn.
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Bischoff, Charitas (1913): Amalie Dietrich. Ein Leben. Onlinefassung. Projekt Gutenberg-DE.
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Czakert, Judith (2009): Amalie Dietrich – Botanikerin, Feldforscherin, Sammlerin. suite101.de.
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Glaubrecht, Matthias: Der Beutezug. In: GEO Magazin Nr. 03/2011. Artikel über die Gebeine von Aborigines in Museen und Amalie Dietrichs Verbindung dazu.
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Graef, Klaus-Dieter (2008): Amalie Dietrich – eine Naturforscherin in Siebenbürgen
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Probst, Ernst (2001): Amalie Dietrich – Die deutsche Australienforscherin. Biografie. Biografien-news.
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Radziewsky, Elke von (2002): Hortensien, Schrumpfköpfe, spitzblättriger Ahorn. Was Pflanzenjäger in die Welt trieb und womit sie zurückkamen. Rezension zu »Pflanzenjäger« von Hielscher und Hücking. In: Die Zeit 51/2002.
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Stern, Tanja: Filmprojekt über Amalie Dietrich.
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Literatur & Quellen
Bischoff, Charitas (1913): Amalie Dietrich. Ein Leben. 1. Aufl. Stuttgart. Calwer Verlag. 1980. ISBN 3-7668-0640-8.
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Bischoff, Charitas (1912): Bilder aus meinem Leben. 2. Aufl. Berlin. Evangelische Verlagsanstalt. 1984.
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Feyl, Renate (1983): Der lautlose Aufbruch. Frauen in der Wissenschaft. 3. Aufl. München, Zürich. Diana. 2006. (Heyne, 0391) ISBN 3-453-87820-5.
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Fischer, Gudrun (Hg.) (2009): Darwins Schwestern. Porträts von Naturforscherinnen und Biologinnen. Berlin. Orlanda. ISBN 978-3-936937-67-1.
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Goedecke, Renate (1951): Als Forscherin nach Australien. Das abenteuerliche Leben der Amalie Dietrich. Augsburg. F. Schneider.
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Hielscher, Kej; Hücking, Renate (2003): Pflanzenjäger. In fernen Welten auf der Suche nach dem Paradies. 2. Aufl. München. Piper. ISBN 3-492-04424-7.
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Inhetveen, Heide (2001): ›Ein Beet mit den schönsten Rapunzeln bepflanzt‹. Frauen und Pflanzenzucht.
In: Ariadne – Forum für Frauen- und Geschlechtergeschichte, Heft 39, Mai 2001. . S. 14–23.
Kranz, Helene (Hg.) (2005): Das Museum Godeffroy. 1861 - 1881 ; Naturkunde und Ethnographie der Südsee. Ausstellungskatalog. Hamburg. Altonaer Museum. ISBN 3-927637-47-5.
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Lüttge, Ulrich (Hg.) (1988): Amalie Dietrich. German biologist in Australia ; homage to Australia’s bicentenary 1988. Stuttgart. Inst. for Foreign Cultural Relations. (Materialien zum internationalen Kulturaustausch, 29)
(WorldCat-Suche)
Riedl-Dorn, Christa (2001): Amalie Dietrich. Ein Leben für die Natur.
In: Ariadne – Forum für Frauen- und Geschlechtergeschichte, Heft 39, Mai 2001. . S. 38–43.
Scheps, Birgit (2005): Das verkaufte Museum. Die Südsee-Unternehmungen des Handelshauses Joh. Ces. Godeffroy & Sohn, Hamburg, und die Sammlungen »Museum Godeffroy«. Keltern-Weiler. Goecke & Evers. (Abhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins in Hamburg, 40) ISBN 3-937783-11-3.
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Sumner, Ray (1993): A woman in the wilderness. The story of Amalie Dietrich in Australia. Kensington. New South Wales University Press. ISBN 0-86840-197-8.
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Bildquellen
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