Anita Rée

(Anita Clara Rée)

geboren am 9. Februar 1885 in Hamburg
gestorben am 12. Dezember 1933 in Kampen/Sylt

deutsche Malerin
80. Todestag am 12. Dezember 2013


BiografieZitateWeblinksLiteratur & Quellen


Biografie

Malerei als Freizeitbeschäftigung höherer Töchter genügt der hochbegabten Anita Rée nicht, sie will eine ausgebildete, professionelle Künstlerin werden. Die aus einem reichen jüdisch-liberalen Elternhaus stammende (und protestantisch erzogene) Rée muss nicht nur ihre Eltern überzeugen, sondern auch von Anfang an gegen tiefe Selbstzweifel ankämpfen.

Werke von Anita Rée (1885-1933)

Während ihrer Ausbildung bei Arthur Siebelist wendet sich Rée an Max Liebermann, dem sie einige Bilder und Zeichnungen zeigt. Von ihm zu einem Kunststudium ermutigt, richtet sie sich im Dachgeschoß des Elternhauses ein Atelier ein, das ihr zum wichtigen Rückzugsort wird.

1910 überwirft sie sich mit ihrem Lehrer und bildet mit Friedrich Ahlers-Hestermann und Franz Nölken eine Ateliergemeinschaft. Gerade aus Paris zurückgekehrt, genießt es Nölken, seine neuen Erfahrungen einer begabten Schülerin weiterzugeben. Die Freundschaft zerbricht, als sich Rée unerwidert in Nölken verliebt.

Tief verletzt reist sie 1912 nach Paris, um ihre Studien fortzusetzen. Sie übt sich im Aktzeichnen bei Fernand Léger, nimmt kubistische Strömungen auf, auch Einflüsse von Picasso, Matisse und Cézanne lassen sich nachweisen. 1919 gründet sie zusammen mit anderen fortschrittlichen MalerInnen die Hamburger Sezession, an deren jährlichen Ausstellungen sie sich erfolgreich beteiligt.

Von 1922 bis 1925 hält sich Rée überwiegend in Positano auf; es ist eine sehr produktive und glückliche Zeit. Mit dem Buchhändler und Maler Christian Selle erlebt sie eine Zeit erfüllter Liebe. In Positano findet Rée zum Malstil der Neuen Sachlichkeit mit vom südlichen Licht beeinflussten kräftigen Farben. Neben Bildern der Landschaft und der Architektur der Küstenstädtchen südlich Neapels entstehen sinnliche Aktbilder.

Werke von Anita Rée (1885-1933)

Nach ihrer gemeinsamen Rückkehr endet plötzlich die Beziehung mit Selle. War ihr erotisches Interesse an Frauen bisher nur unterschwellig spürbar, gewinnt es jetzt für Rée, wie ihr Briefwechsel und ihre Bilder zeigen, verstärkt an Bedeutung.

Das Leben wird für Rée trotz beruflicher Anerkennung immer schwieriger. Nach dem Verkauf des Elternhauses lebt sie in ärmlichen Verhältnissen, spart an Malutensilien, obwohl sie eigentlich über ausreichende Geldmittel verfügt. Maike Bruhns sieht in ihrer einfühlsamen Biographie der Malerin darin »den Ausdruck ihrer Welt- und Zukunftsängste«. Mit der Machtergreifung der Nazis steigern sich diese Ängste noch, dazu kommt die Furcht vor Alter und Verarmung und eine unerträgliche Einsamkeit. Im Dezember 1933 nimmt sich Anita Rée auf Sylt, wo sie seit 1932 lebt, mit Veronal das Leben.

Adriane von Hoop

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Zitate

Werke von Anita Rée (1885-1933)

Welchen Sinn hat es, ohne Familie und ohne die einst geliebte Kunst und ohne irgendeinen Menschen in so einer unbeschreiblichen, dem Wahnsinn verfallenen Welt weiter einsam zu vegetieren und allmählich an ihren Grausamkeiten innerlich zugrundezugehen?

(Anita Rée, 1933, gefunden hier)

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Links

Werke von Anita Rée (1885-1933)


Art Inconnu 2008
Art Inconnu - Little-known and under-appreciated art.: Anita Rée (1885-1933) (2008).
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Baumann 2006 – Muse und Modell
Baumann, Annette (2006): Muse und Modell. Frauen in Bildern der Hamburger Sezession. Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg.
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Buildings Integral to the Former
Buildings Integral to the Former Life and/or Persecution of Jews in Hamburg. Three Jewish Women Hamburg Secessionists.
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Büsing, Klaas 2006 – Kunst statt Kochtopf
Büsing, Nicole; Klaas, Heiko (2006): Kunst statt Kochtopf. Hamburger Künstlerinnen der Avantgarde in der Kunsthalle der Hansestadt. kunstmarkt.com.
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G. M. 2007 – Werke der Moderne
G. M. (2007): Werke der Moderne: Anita Rées Selbstbildnis.
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Galerie Abrahams Hamburg
Galerie Abrahams Hamburg.
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Hamburger Kunsthalle
Hamburger Kunsthalle. Galerie der klassischen Moderne.
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Haspa
Haspa – Kunst-Engagement. Ausstellungs-Archiv: Anita Rée In der Sammlung Valerie Alport.
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Landsberger – Anita Rée
Landsberger, Franz: Anita Rée : Eine Schenkung an das jüdische Museum, Berlin.
In: Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Jg. 26. 1936 , Nr. 40 (30.09.1936), S. 7, Spalte a. Deutsche Exilpresse 1933-1945 Digital.
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Ohlsdorf.de – Anita Ree. Malerin
Ohlsdorf.de: Anita Ree. Malerin. Zum Gedenken.
(Link aufrufen)


Rainer Herold – Galerie Herold
Rainer Herold: Galerie Herold – Biografie Anita Rée 1885-1933.
(Link aufrufen)



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Literatur & Quellen


Quellen

Bruhns, Maike (Hg.) (1995): Drei Malerinnen der Hamburgischen Sezession. Alma DelBanco, Anita Rée, Gretchen Wohlwill. Ausstellungskatalog. Redaktion: Hermann Feldgen und Isabella Vértes. Kataloggestaltung: Peter Appelt. Texte und Konzept: Maike Bruhns. Hamburg. Festival der Frauen; British American Tobacco (Germany).
(WorldCat-Suche)

Bruhns 1986 – Anita Rée

Bruhns, Maike (1986): Anita Rée. Leben und Werk einer Hamburger Malerin 1885 – 1933. Maike Bruhns. Verein für Hamburg. Geschichte. Hamburg. Verein für Hamburgische Geschichte (Veröffentlichungen des Vereins für Hamburgische Geschichte, 29). ISBN 3-923356-15-3.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Dick, Jutta (Hg.) (1993): Jüdische Frauen im 19. und 20. Jahrhundert. Lexikon zu Leben und Werk. Reinbek bei Hamburg. Rowohlt (rororo, 6344 : rororo-Handbuch). ISBN 3-499-16344-6.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Heise, Hildegard; Heise, Carl Georg (1969): Anita Rée. Hamburg, 1885 – 1933. Ein Gedenkbuch von ihren Freunden. Hamburg. Christians.
(Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Sello, Gottfried (1988): Malerinnen aus fünf Jahrhunderten. Hamburg. Ellert & Richter. ISBN 3-89234-077-3.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Wolff-Thomsen, Ulrike (Hg.) (1994): Lexikon schleswig-holsteinischer Künstlerinnen. Heide. Boyens. ISBN 3-8042-0664-6.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Weiterführende Literatur
Hinweis: Dies sind keine Literaturempfehlungen, sondern die zum Thema erschienenen Titel – ohne Wertung unsererseits.

Bruhns 2001 – Hamburger Kunst im Dritten Reich

Dick (Hg.) 1993 – Jüdische Frauen im 19

Elsbeth-Weichmann-Gesellschaft (Hg.) 2002 – Frauen im Hamburger Kulturleben

Bruhns, Maike (2001): Hamburger Kunst im »Dritten Reich«. Hamburg. Dölling und Galitz (Kunst in der Krise / Maike Bruhns, 1). ISBN 978-3-933374-94-3.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Elsbeth-Weichmann-Gesellschaft (Hg.) (2002): Frauen im Hamburger Kulturleben. Elsbeth Weichmann, Gertrud Bing, Anita Rée, Lavinia Schulz, Annemarie Marks-Rocke, Eliza HansenElsbeth-Weichmann-Gesellschaft. Hamburg. Christians. ISBN 3-7672-1403-2.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Hofmann (Hg.) 1986 – Eva und die Zukunft

Schulze, Bronfen 2003 – Nackt!

Weimar 2003 – Die Hamburgische Sezession 1919

Hofmann, Werner (Hg.) (1986): Eva und die Zukunft. Das Bild der Frau seit der Französischen Revolution. Ausstellungskatalog. Darin: Anita Rée von Bettina Roggmann. München. Prestel. ISBN 3-7913-0754-1.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Schulze, Sabine; Bronfen, Elisabeth (2003): Nackt! Frauenansichten. Malerabsichten. Aufbruch zur Moderne. Ausstellungskatalog. Ostfildern-Ruit. Hatje Cantz. ISBN 978-3-7757-1384-9.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Weimar, Friederike (2003): Die Hamburgische Sezession 1919 – 1933. Malerei, Grafik, Plastik. Geschichte und Künstlerlexikon. Fischerhude. Verlag Atelier im Bauernhaus. ISBN 3-88132-258-2.
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Bildquellen

Universität Hamburg
Galerie Abrahams
Hamburger Kunsthalle
Ketterer Kunst
Wikipedia
Art Inconnu
art-perfect
Kunstmarkt.com
Galerie Herold

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