Anna Ancher

(Anna Kirstine Brøndum [Geburtsname])

geboren am 18. August 1859 in Skagen
gestorben am 15. April 1935 in Skagen

dänische Malerin
75. Todestag am 15. April 2010


BiografieZitateWeblinksLiteratur & Quellen


Biografie

Anna Anchers außergewöhnliche Künstlerinnenkarriere beginnt, als skandinavische Maler Skagen, die nördlichste Stadt Dänemarks, für ihre vom französischen Impressionismus inspirierte Freiluftmalerei entdecken und der Gasthof, den die Eltern Ane Hedvig und Erik Brøndum betreiben, zu ihrem Treffpunkt wird. Anna, die dort als jüngste Tochter mit fünf Geschwistern aufwächst, ist fasziniert von den Zeichnungen und Skizzen der Künstler. Unterrichtet und unterstützt von den dänischen Malern Karl Madsen und Michael Ancher, den sie 1880 heiratet, entdeckt die Zwölfjährige diese männliche Domäne der Kunst für sich. Während Frauen erst ab 1908 an der Kopenhagener Akademie Kunst studieren dürfen, ermöglichen die Eltern der Fünfzehnjährigen in den Wintermonaten der Jahre 1875-77 eine Ausbildung an der privaten Zeichenschule des Landschaftsmalers Vilhelm Kyhn in Kopenhagen.

Mit Michael Ancher, dem sie in einer lebenslangen produktiven Liebes- und Arbeitsbeziehung verbunden bleibt, unternimmt sie Studienreisen nach Wien, Holland und Belgien. 1889 malt sie mehrere Monate im Pariser Atelier von Puvis de Chavannes, während ihre 1883 geborene Tochter Helga von ihrer Familie versorgt wird. Anchers wesentliche künstlerische Entwicklung aber vollzieht sich in Skagen. Hier entsteht im Laufe von 55 Jahren nahezu ihr gesamtes künstlerisches Werk, das heute im Skagen Museum zu sehen ist. Sie ist die einzige ausgebildete Malerin der Skagener Künstlerkolonie und wird bereits von ihren Zeitgenossen als bedeutende dänische Malerin anerkannt.

Ausgehend vom Naturalismus und angeregt von der impressionistischen Malweise entwickelt Ancher eine eigenständige ausdrucksstarke Bildsprache. Während ihre männlichen Kollegen Pleinair malen, bevorzugt Ancher Innenansichten: häufiges Motiv sind Frauen, die in ihren schlichten Küchen, Wohn- und Arbeitsstuben mit alltäglichen Tätigkeiten beschäftigt sind: sie rupfen Hühner, stillen ihren Säugling, nähen oder sitzen wie Eine blinde Frau in ihrer Stube in sich gekehrt im Lehnstuhl. Durch einfallendes Sonnenlicht, das sich als heller Reflex an der Wand abzeichnet, verweist Ancher auf das Augenblickhafte der Szene und verleiht gleichzeitig der Alltagstristesse poetischen Glanz. In dieser besonderen Synthese aus Naturalismus und Symbolismus entstehen Lebensbilder, die in ihrer Tendenz zur Abstraktion und Steigerung der Farbintensität eine seelische Ausdruckskraft erreichen, die Ancher zu einer der innovativsten Malerinnen ihrer Generation und zur Wegbereiterin der Moderne macht.

 

Kerstin Reimers

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Zitate

Ancher, Anna
* 18.8.1859 in Skagen (Jütland)
† 15.4.1935 in Skagen (Jütland)

Anna Ancher, die Tochter des Skagener Gastwirtes Brøndum, besuchte 1875-78 die Zeichenschule Vilhelm Kyhns in Kopenhagen, erhielt aber ihre wichtigsten künstlerischen Anregungen im Umgang mit den vielen begabten skandinavischen Künstlern, die damals Skagen besuchten. Besonders machte die Kunst Christian Krohgs einen nachhaltigen Eindruck auf sie, und frühe Bilder wie die Möwenrupfer (Kopenhagen) 1883 zeigen etwas von derselben derben Schlichtheit wie seine Skagen-Bilder. Wie Michael Ancher, den sie 1880 heiratete, malte auch sie große monumentale Kompositionen, so zum Beispiel das Begräbnis (Kopenhagen) 1891 und die Laienpredigt im Freien (Skagen) 1903. Jedoch am liebsten und besten schilderte sie einfache häusliche Szenen, Menschen in einem sonnendurchfluteten Zimmer und junge Mädchen; auch einige schöne Studienköpfe schuf sie. Die Figuren stehen in ihren Bildern gewöhnlich sehr gut im Raum, ihre Farben sind zart und wohl abgestimmt, und besonders die Lichtwirkung ist mit der feinsten Beobachtung der Tonwerte wiedergegeben. Sie erst habe es recht verstanden, schrieb Karl Madsen, einen Sonnenstrahl zu erhaschen. Zu ihren schönsten Bildern gehören Blinde Frau in ihrer Stube (Kopenhagen) 1883 und vor allem Sonnenschein in der blauen Stube 1891. In treffsicheren Bildnissen hat sie auch mehrmals ihren Mann sowie ihren alten Lehrer Vilhelm Kyhn und ihre Mutter geschildert. Ihr Standbild, von Astrid Noack geschaffen, steht heute vor dem Museum in Skagen.

(Eintrag zu Anna Ancher in Kindlers Malereilexikon, Band 1, S. 96 ff.)

Ancher, 2. Anna, dänische Malerin, * 18.8.1859 Skagen, † 15.4.1935 Skagen, Mutter der Malerin Helga A. Inspiriert und gefördert von K. Madsen begann sie 1875 und dann jeweils in den Wintern bis 1878 an der Zeichenschule des V. Kyhn in Kopenhagen zu studieren. Es folgten weitere autodidakt. Studien, bes. die Auseinandersetzung mit den anderen Malern der Skagener Künstlerkolonie wird für ihr Schaffen wichtig, was Charakterisierung und Farbbehandlung betrifft, z.B. das Gemälde »Fischer Lars Gaihede einen Stock schnitzend«, 1880. Im gleichen Jahr Heirat mit Michael A. 1882 Reise nach Wien, wo die Bilder des P. van Hooch und J. Vermeer sie zur Schilderung von Interieurs motivierten. Weitere Reisen: 1888/89 Paris, Kenntnis des Werkes von Puvis de Chavannes; 1897 Italien, 1900 Deutschland. Ihr Hauptinteresse gilt den Menschen auf Skagen, die sie von Kindheit an kennt und mit viel Verständnis gestaltet. Bevorzugtes Motiv ist das Interieur mit einer Person (Frau in der Bibel lesend, 1906; Sonnenschein im blauen Zimmer, 1891). Mit der lichten, heiteren Farbigkeit ihrer Bilder wird der Eindruck von Ruhe und Gelassenheit vermittelt. In ihrem 188 Gemälde umfassenden Werk sind dramat. Schilderungen kaum vorhanden. Sie befaßte sich auch mit der Plenairmalerei, meist in kleinen Formaten (Straße in Skagen Østerby). Für ihre naturalist.-impressionist. Malerei ist v.a. die Behandlung des Lichtes und der Atmosphäre charakterist. Sie gilt als eine der bedeutendsten Malerinnen N-Europas. Die größte Kollektion ihrer Werke befindet sich im Skagener Mus., dann im Statens Mus. für Kunst Kopenhagen und darüber hinaus in fast allen Provinzmus. Dänemarks.

(Eintrag zu Anna Ancher im Lexikon der Kunst, E. A. Seemann, S. 156 ff.)

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Links

Artcyclopedia – Anna Ancher OnlineArtcyclopedia: Anna Ancher Online. Linksammlung.
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euronews – Anna Anchereuronews: Anna Ancher, die Malerin des Lichts - Ausstellung. Mit Video.
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Skagens Museum – Anna AncherSkagens Museum: Anna Ancher
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Zeno.org – Ancher, AnnaZeno.org: Ancher, Anna. Gemälde und Grafiken.
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Literatur & Quellen


Quellen

Grape-Albers (Hg.) 1994 – Anna Ancher 1859Grape-Albers, Heide (Hg.) (1994): Anna Ancher (1859 – 1935). Malerin in Skagen.
Ausstellungskatalog, Text deutsch und dänisch Hannover. Niedersächsisches Landesmuseum. ISBN 3-929444-04-6.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Jacobsen, Claus (2004): Anna Ancher. Kbh. Aschehoug. (Skagensmalerne) ISBN 8711168757.
(Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Olsen, Claus (Hg.) (1989): Künstlerkolonie Skagen. Eine Ausstellung des Skagens Museum in Skagen Dänemark im Altonaer Museum in Hamburg 12.4.-11.6.1989. Hamburg. Altonaer Museum. ISBN 3-927637-00-9.
(WorldCat-Suche)

Rye Scales 1997 – Anna AncherRye Scales, Alette (1997): Anna Ancher. Danish painter, 1859-1935. . In: Gaze, Delia (Hg.): Dictionary of women artists. Volume 1. London. Fitzroy Dearborn. ISBN 1-884964-21-4
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)



Weiterführende Literatur
Hinweis: Dies sind keine Literaturempfehlungen, sondern die zum Thema erschienenen Titel – ohne Wertung unsererseits.

Berman, Patricia G. (2005): Danish paintings of the nineteenth century from the collection of ambassador John L. Loeb, Jr.
Ausstellungskatalog Greenwich. Bruce Museum of Arts and Science. ISBN 0972073698.
(Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Delerm 2003 – Sundborn oder die Tage

Hauptman 2008 – Impressions du Nord

Mejer Antonsen 1998 – Michael und Anna Anchers Haus

Delerm, Philippe (2003): Sundborn oder die Tage des Lichts. Roman. (=Sundborn ou les jours de lumière)
Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel München. Goldmann. (Goldmann, 45393) ISBN 3-442-45393-3.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Fabritius, Elisabeth (2008): Anna Ancher, the pastels.
Transl. by Walton Glyn Jones Kobenhavn. Forlaget Vandkunsten. ISBN 978-87-7695-077-4.
(WorldCat-Suche)

Gether, Christian; Rygg Karberg, Andrea (2008): The Skagen painters. In a new light.
Ausstellungskatalog Ishøj. Arken Museum of Modern Art. ISBN 9788778570598.
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Voss 1995 – Die Maler des LichtsHauptman, William (2008): Impressions du Nord. La peinture scandinave, 1800 - 1915. Lausanne. Fondation del l’Hermitage. ISBN 8874394527.
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Helleberg, Maria (1999): Martha, Marie og Anna. Martha Johansen, Marie Krøyer og Anna Ancher i Skagen. s.l. L & R Fakta. ISBN 8761400629.
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Kolberg, Stephanie (1995): Anna Anchers Genrebilder im Lichte der dänischen Tradition.
Magisterarbeit Kiel. Universität.
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Kongsted, Lisbet; Hermansen, Anne-Mette et al. (2006): Sans og samling. Anna Ancher, Karen Blixen, Tove Ditlevsen, Cecil Bødker, Inger Christensen. Albertslund. Malling Beck. (Scoop, 11) ISBN 8779889026.
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Loerges, Margrethe (1984): Anna Ancher. Copenhagen. C. Andersen. ISBN 8742445027.
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Mejer Antonsen, Inge (1998): Michael und Anna Anchers Haus in Skagen. Ein Begleiter durch die Sammlung. Skagen. Dänemark. ISBN 87-90012-05-4.
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Oelsen, Claus; Johansen, Annette (1999): Anna Ancher. Det besjaelede rum. Ribe. Ribe Kunstmuseum. ISBN 8798749102.
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Svanholm, Lise (2005): Breve fra Anna Ancher. Denmark. Gyldendal. ISBN 8702031124.
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Svanholm, Lise (2006): Damerne på Skagen. København. Gyldendal. ISBN 8702044994.
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Voss, Knud (1995): Die Maler des Lichts. Nordische Kunst auf Skagen. (=Skagensmalerne)
Aus dem Dänischen übertragen von Barbara und Albrecht Leonhardt. Weingarten. Weingarten. ISBN 9783817020263.
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Wivel, Ole (1994): Anna Ancher. 1859-1935. Denmark. Stok-Art. ISBN 8776002004.
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Zeitler 1990 – Skandinavische Kunst um 1900Zeitler, Rudolf Walter (1990): Skandinavische Kunst um 1900. Leipzig. Seemann. ISBN 3-363-00410-9.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

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