Anna Maria von Schürmann

(Anna Maria von Schurman; Anna Maria van Schurman; Anna Maria von Schurmann; Anna Maria van Schurmann; Anna Maria van Schurrman; Anna Maria van Schuurman; Anna Maria van Schürman; Anna Maria Schürmann; Anna Maria Schurman; Anna Maria a Schurman; A. M. a Schurman; Anne Marie de Schurman)

geboren am 5. November 1607 in Köln
gestorben am 14. Mai 1678 in Wieuwerd in Friesland

holländisch-deutsche Polyhistorikerin, Portraitistin, Kunsthandwerkerin, Linguistin, Philosophin, Theologin, Dichterin, Briefschreiberin
335. Todestag am 14. Mai 2013


BiografieZitateWeblinksLiteratur & Quellen


Biografie

Anna Maria von Schürmann

Als eine der Gelehrtesten und vielseitig Begabtesten unter den Frauen um die Zeit des 30jährigen Krieges galt in Europa Anna Maria von Schürmann. Außer Holländisch, Deutsch, Französisch und ihrer „Schriftsprache” Latein sprach sie etwa 12 Sprachen und stand in Verbindung mit vielen WissenschaftlerInnen der europäischen Geisteswelt. Sie hatte überdurchschnittliche humanistische Kenntnisse und war bereits als Elfjährige weit mehr als nur eine Dilettantin im Aquarellieren, Schnitzen, Modellieren und Sticken; hinzu kamen noch Glasschliff, Bossierkunst, Musik, Malerei und Bildhauerei. Über 20 Gemälde und Stiche von ihr sind erhalten.

Anna Maria stammt aus einer reformierten Adelsfamilie, die vor den Spaniern aus Amsterdam hatte nach Köln fliehen müssen, aus dieser Stadt jedoch wiederum aus religiösen Gründen gen Holland zog und sich endlich in Utrecht niederließ.
Den ersten Unterricht bekommt sie mit ihren zwei Brüdern von ihrem Vater und einem Tutor und korrespondiert schon als 15-Jährige mit dem Dichter und Staatsmann Jacob Cats, dem sie auch ein lateinisches Gedicht widmet. Überhaupt gilt sie bald als beste Latinistin weit und breit, hat ihren festen Platz in den gebildeten Zirkeln des Landes, macht bei der berühmten Magdalene van de Passe eine Ausbildung als Zeichnerin und Kupferstecherin, lernt Griechisch und Hebräisch bei dem Theologen und Orientalisten Voetius.

Ab etwa 1632 erweitet sich der Kreis ihrer Brief- und DiskussionspartnerInnen, zu denen u.a. Descartes und Richelieu gehören. In der langjährigen Korrespondenz mit dem Alttestamentler André Rivet schaltet sie sich nachdrücklich in eine zu jener Zeit aufflammende und für sie persönlich brisante Diskussion ein: Frauen hätten die Fähigkeit, das Recht oder auch die Pflicht, sich mit den Geistes- und Naturwissenschaften zu beschäftigen oder sie sogar zu studieren. (Immerhin war ihr ausnahmsweise, als erster „Gasthörerin”, die Teilnahme an einer theologischen Vorlesung gestattet worden – allerdings nur von einer vergitterten verkleideten Kabine aus …)

Niederschlag finden ihre scholastisch formvollendeten Argumente in der 1641 veröffentlichten, Aufsehen erregenden Dissertatio … 1648-52 erscheinen noch 3 Bände ihrer Opuscula: Gedichte und eine Auswahl aus ihren lateinisch, griechisch, hebräisch und französisch geführten Briefwechseln.

Dann nimmt ihr Leben eine Wende: Nach der Begegnung mit Jean de Labadie und ihren Pensées über Die Notwendigkeit einer Reformation der Kirche (1669) schließt sie sich mit erst einigen Wenigen seiner in Amsterdam neu gegründeten und „urchristlich”  gestalteten Hausgemeinschaft an: in allen Menschen – das heißt hier auch: Männern wie Frauen – ist ein göttlicher Funke, den es in der spirituellen Erfahrung der Wiedergeburt zu entzünden gilt.

In den Eukleria verteidigt Anna Maria später diese ihre „Erwählung des besseren Theils” (des Lebens), der doch eigentlich keine Abkehr vom bisherigen Ziel einer Selbstverwirklichung, sondern nur einen anderen Weg zu diesem Ziel bedeutet. Doch die Radikalität dieser neuen Lebensform stößt wie schon öfter auf Ablehnung; auch die gelehrte Herforder Äbtissin Elisabeth von der Pfalz, langjährige Brieffreundin Maria Annas und Descartes’ sowie Protektorin der Quäker um Penn und Fox, kann den vertriebenen Separatisten nicht lange Schutz bieten, zumal es dreien ihrer Prediger gelingt, drei Töchter der reichsten Bürger der Stadt von ihren Prinzipien zu überzeugen und zu ehelichen.

Endlich erreichen sie Schloss Waltha bei Wieuwerd in Friesland. Von hier aus beginnt Anna Maria noch einmal einen intensiven Briefwechsel mit den ersten lutherischen Pietisten um Joh. Jak. Schütz und Eleonora von Merlau in Frankfurt. Zehn Jahre nach Schürmanns Tod wurde Schloss Waltha Zufluchtsort und Ruhepunkt für Maria Sibylla Merian und ihre Mutter.

Swantje Koch-Kanz

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Zitate

Daher kommt es, dass bei der Lektüre historiographischer Werke über weite Zeitläufe hinweg von den Spuren der Frauen nicht mehr erscheint als von den Spuren eines Schiffes im Meer.
(Anna Maria von Schürmann, 1638, Quelle)

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Links

DBNL (digitale bibliotheek vor de Nederlandse letteren) – Anna Maria van Schurman


DBNL (digitale bibliotheek vor de Nederlandse letteren): Anna Maria van Schurman. Links und Abbildungen.

Kölner Frauengeschichtsverein – Wir machen die Geschichte


Kölner Frauengeschichtsverein: Wir machen die Geschichte von Frauen sichtbar.

Meyer – Schurman, Anna Maria van


Meyer, Diemut: Schurman, Anna Maria van. Biografie und Literaturverzeichnis. Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon.

Other women's voices – Translations of women's writing before 1700 – Anna Maria van Schurman


Other women’s voices – Translations of women’s writing before 1700: Anna Maria van Schurman.

Schurman – Opuscula Hebraea


Schurman, Anna Maria von: Opuscula Hebraea, Graeca, Latina, Gallica, Prosaica et Metrica. Mit vorangestellter Biografie. MATEO (Mannheimer Texte Online).

Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 17. Jahrhunderts – Schurman, Anna Maria van 1607-1678


Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 17. Jahrhunderts: Schurman, Anna Maria van (1607-1678 ; Nordniederländ. Künstlerin, Gelehrte und Theologin).

Wikipedia – Anna Maria von Schürmann


Wikipedia: Anna Maria von Schürmann.



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Literatur & Quellen

Brinker-Gabler (Hg.) 1988 – Vom Mittelalter bis zum Ende


Baar, Mirjam de (1996): Choosing the better part. Anna Maria van Schurman (1607 - 1678). Dordrecht. Kluwer (Archives internationales d’histoire des Idées, 146).


Brinker-Gabler, Gisela (Hg.) (1988): Vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Darin: [Studierstube, Dichterklub, Hofgesellschaft. Kreativität und kultureller Rahmen weiblicher Erzählkunst im Barock:] Anna Maria von Schurman (1607-1678) von Ute Brandes (S. 223-247) und Für und wider die Frauengelehrsamkeit. Eine europäische Diskussion im 17. Jahrhundert von Elisabeth Gössmann (S. 185-197). München. Beck (Deutsche Literatur von Frauen, 1).

Deutsche Frauen 1939

Franken (Hg.) 1992 – Köln der Frauen


Deutsche Frauen. Bildnisse und Lebensbeschreibungen. Eingeleitet von Ina Seidel. Darin: Anna Maria von Schürmann von Heddy Neumeister (1939). Berlin. Steiniger.


Franken, Irene (Hg.) (1992): Köln der Frauen. Ein Stadtwanderungs- und Lesebuch. Köln. Volksblatt-Verlag.

Frederiksen, Ametsbichler (Hg.) 1998 – Women writers in German-speaking countries

Kleinau (Hg.) 1996 – Vom Mittelalter bis zur Aufklärung


Frederiksen, Elke P.; Ametsbichler, Elizabeth G. (Hg.) (1998): Women writers in German-speaking countries. A bio-bibliographical critical sourcebook. Westport CN. Greenwood Press.


Kleinau, Elke (Hg.) (1996): Vom Mittelalter bis zur Aufklärung. Darin: Anna Maria van Schurmann: eine Gelehrte zwischen Humanismus und Pietismus von Joyce Irwin (S. [309]-324). Frankfurt/Main. Campus-Verl. (Geschichte der Mädchen- und Frauenbildung, 1).

Mirus, Wisselinck (Hg.) 1987 – Mit Mut und Phantasie

Schiebinger 1989 – The mind has no sex


Mirus, Helma; Wisselinck, Erika (Hg.) (1987): Mit Mut und Phantasie. Frauen suchen ihre verlorene Geschichte. Eine Dokumentation. Darin: Das Genie hinter dem Vorhang: Anna Maria van Schuurman von Marianne Oehlmann-van Nes. Straßlach. Sophia.


Neumeister, Sebastian; Wiedemann, Konrad (Hg.) (1987): Res publica litteratia. Die Institutionen der Gelehrsamkeit in der frühen Neuzeit. Darin: Die ‘gelehrte Frau’ und die Institution und Organisationsformen der Gelehrsamkeit am Beispiel der Anna Maria van Schurman (1607-1687) von Barbara Becker-Cantarino. (Band 2, S. 559-76). Wiesbaden. Harrassowitz (Wolfenbütteler Arbeiten zur Barockforschung, 14).


Quandt, Emil (1871): Anna Maria von Schürmann, die Jungfrau von Utrecht. Ein christliches Lebensbild aus dem 17. Jahrhundert. Berlin. Wiegandt & Grieben (Frauenspiegel, 9).


Schiebinger, Londa L. (1989): The mind has no sex? Women in the origins of modern science. Cambridge MA. Harvard UP.

Schmidt 2007 – Glaube, Macht und Freiheitskämpfe

Schurman 1998 – Whether a Christian woman should


Schmidt, Klaus (2007): Glaube, Macht und Freiheitskämpfe. 500 Jahre Protestanten im Rheinland. Köln. Greven.


Schurman, Anna Maria von (1998): Whether a Christian woman should be educated and other writings from her intellectual circle. Hg. und übersetzt von Joyce L. Irwin. Chicago. University of Chicago Press (The other voice in early modern Europe).


The National Museum of Women in the Arts (Hg.) (1987): National Museum of Women in the Arts. S. 22-23. New York. Abrams (Times mirror books).


Todd, Janet M. (1985): A Dictionary of British and American women writers, 1660-1800. Darin: Anna Maria van Schurman von Maureen E. Mulvihill. Totowa NJ. Rowman & Allanheld.


Tschackert, Paul (1876): Anna Maria von Schürmann, der Stern von Utrecht, die Jüngerin Labadie’s. Ein Bild aus der Culturgeschichte des 17. Jahrhunderts ; Vortrag. Gotha. Perthes.


Venesoen, Constant (2004): Anne Marie de Schurman femme savante (1607 - 1678). Correspondance. Paris. Champion (Textes de la Renaissance, 80).



Bildquellen
http://www.uni-mannheim.de/mateo/
http://wikipedia.org/
http://www.netcologne.de/
http://www.jimandellen.org/
http://www.dbnl.org/

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Hedwig Dohm