Asta Nielsen

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geboren am 11. September 1881 in Kopenhagen
gestorben am 25. Mai 1972 in Frederiksberg/Kopenhagen

dänische Schauspielerin (Stummfilm), Schriftstellerin, Regisseurin und Künstlerin
40. Todestag am 25. Mai 2012


BiografieZitateWeblinksLiteratur & Quellen


Biografie

“Asta Nielsen ist ... die einzige Künstlerin im Film, die schlechtweg als Genie anzusprechen ist und deren Kunstleistungen die Selbstverständlichkeit von Naturereignissen haben. Daß sie – wie alle ganz Großen in der Kunst – nebenher auch ein bedeutender Mensch ist, deren überlegener Humor und tiefe Lebensweisheit einzig ist, weiß jeder, der das Glück ihrer Freundschaft genießt.” So äußerte sich einer ihrer engsten Freunde, der Schauspieler und Regisseur Paul Wegener über die aus Dänemark stammende bedeutendste Schauspielerin des Stummfilms, den sie vom Jahrmarktsspektakel zur Kunstform erhob und in Deutschland von Anfang bis Ende beherrschte.

Überlegenen Humor und Lebensweisheit beweist Asta Nielsen auf jeder Seite ihrer wunderbaren, 1946 erschienenen Lebenserinnerungen, Die schweigende Muse (im Original Den tiende Muse - ein unübersetzbares Wortspiel). Humor hatte Nielsen auch nötig, besonders während ihrer Kindheit und Jugend, die sie in größter Armut verbrachte. Ihr zeit ihres Lebens schwerkranker, geliebter Vater starb, als sie vierzehn war. Ihre energische Mutter schlug sie und ihre ältere Schwester Johanne regelmäßig mit der Peitsche. Asta berichtet es getreulich, läßt aber auf ihre Mutter, die für ihre Töchter kämpfte wie eine Löwin und sich für sie halbtot schuftete, ansonsten nichts kommen.

Frauenbild Mit achtzehn Jahren wurde Asta - bis dahin nicht aufgeklärt - schwanger. Sie lehnte es ab, den Vater ihres Kindes zu heiraten, obwohl sie ihn mochte und eine “ledige Mutter” um die Jahrhundertwende von fast allen verachtet wurde. Aber sie wollte ihr Kind ganz für sich haben. “Ein Kind zu haben, scheint mir ungeheuer wichtig; einen Ehemann zu haben, gar nicht so”, fand sie. Ihre geliebte Tochter Jesta und ihre beiden Ehen erwähnt Asta Nielsen in ihren Erinnerungen mit keiner Silbe. Sie war ein sehr privater Mensch; ihren Weltruhm ertrug sie mit wenig Begeisterung, aber mit Humor.

1935 kehrte Nielsen nach 25 triumphalen Jahren in Deutschland in ihre Heimat zurück. Obwohl sie sich bei einem Galadiner ihrem Tischherrn Hitler gegenüber “flegelhaft” benahm, hätte Nazideutschland sich gern weiter mit ihr geschmückt, aber sie hatte kein Interesse. 

Frauenbild
Für Spätberufene aller Art gibt es kein schöneres Vorbild als das erstaunliche Multitalent Asta Nielsen: Ihre schriftstellerische Karriere begann sie mit 65. Der dänische Literaturnobelpreisträger Johannes V. Jensen über ihre Memoiren: “Wären Sie nicht eine große Schauspielerin – dann wären Sie eine große Schriftstellerin geworden.” In der Tat schrieb sie weiter – Erzählungen, Artikel für Zeitungen und später eine Rundfunk-Vortragsreihe “Alt werden – ein neues Leben.” Gleichzeitig betätigte sie sich mit Erfolg als bildende Künstlerin: “Eine neue Form der Malerei habe ich geschaffen, nicht mit Pinsel und Farbe, sondern mit farbigem Stoff, aus dem ich Menschen und Tiere, Landschaften und Blumen zusammensetze.”

Mit 86 Jahren führte sie zum ersten Mal Regie. Nachdem ein Film über ihr Leben nicht ihre Zustimmung gefunden hatte, machte sie sich selbst an die Arbeit. Das Ergebnis war ein Kunstwerk.

Anfang der 60er Jahre mußte die 83jährige Asta Nielsen den schwersten Schlag ihres Lebens verkraften: Ihre Tochter Jesta beging Selbstmord, nachdem ihr Mann gestorben war.

FrauenbildSchließlich, mit 88 Jahren, heiratete Asta Nielsen ihren dritten Ehemann, den achtzehn Jahre jüngeren Kunsthändler Christian Theede. Er war die große Liebe ihres Lebens. Ihr Vermögen hinterließen sie einer Stiftung, die Reisen für bedürftige alte Menschen finanziert. “Es war so schön zu reisen”, sagte Asta Nielsen, “das wollen wir nun auch anderen ermöglichen.”


Zitate

“In ... der Ausdrucks- und Wandlungsfähigkeit bin ich im Vergleich zu ihr ein Nichts.” (Greta Garbo)

“Asta Nielsen, sie ist die genialste, die die Leinwand je gesehen hat, ihr absolut beherrschendes Spiel und ihre starke seelische Vertiefung ist der größte künstlerische Genuß, den der Film zu bieten hat. Ihre Kunst erschüttert mich.” (Mary Wigman)

“Shakespeare wird nachgerühmt, daß er 15.000 Wörter verwendete. Wenn mit Hilfe der Kinematographie unser erstes Gebärdenlexikon einmal zusammengestellt sein wird, kann erst der Gebärdenschatz Asta Nielsens ermessen werden.” (Bela Balázs, Filmtheoretiker)

Luise F. Pusch

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Zitate

Lange hat man Greta Garbo “Die Göttliche” genannt, für mich war und bleibt Asta Nielsen “Die Menschliche.” (G.W. Pabst, Filmregisseur)

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Links

www.asta-nielsen.de

Dänisches Film-Institut (dänisch)

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Literatur & Quellen

Asta Nielsen in der Deutschen Nationalbibliothek

Dalichow, Bärbel & Allan O. Hagedorff. Hg. 1997. Liebe mit achtzig: Asta Nielsen - Christian Theede, Briefe. Berlin. Jovis.

Hickethier, Knut. 1986. Grenzgänger zwischen Theater und Kino: Schauspielerporträts aus dem Berlin der zwanziger Jahre. Berlin. Ästhetik und Kommunikation.

Nielsen, Asta. 1977 (1945/6). Die schweigende Muse. Aus d. Dän. von H. Georg Kemlein. München. Hanser.

Seydel, Renate & Allan Hagedorff. Hg. 1981. Asta Nielsen: Ihr Leben in Fotodokumenten, Selbstzeugnissen und zeitgenössischen Betrachtungen. Gestaltet von Bernd Meier. München. Universitas.

Vinson, James, Christopher Lyon & Greg S. Faller. Hg. 1986. The International Dictionary of Films and Filmmakers. Bd. 3: Actors and Actresses. London. St. James Press.

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Hedwig Dohm