Benazir Bhutto

geboren am 21. Juni 1953 in Karachi, Pakistan
gestorben (ermordet) am 27. Dezember 2007 in Rawalpindi, Pakistan

pakistanische Politikerin; Oppositionsführerin; Premierministerin (1988-1990 und 1993-1996)
60. Geburtstag am 21. Juni 2013


BiografieZitateWeblinksLiteratur & QuellenBildquellen


Biografie

Auch Benazir Bhuttos Karriere begann – wie bei vielen Politikerinnen der „Dritten Welt“ – mit einem schrecklichen Todesfall: Benazir war 25, als 1979 ihr Vater, Zulfikar Ali Bhutto, der bis dahin einzige demokratisch gewählte Premierminister Pakistans, unter dem Regime seines Nachfolgers, General Zia ul-Haq, zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Fortan engagierten sich Benazir und ihre Mutter für die Wiederherstellung der Demokratie in Pakistan, Nusrat Bhutto übernahm den Vorsitz der Pakistan People’s Party ihres ermordeten Mannes. Beide Frauen wurden mehrfach verhaftet und unter Hausarrest gestellt, seit 1984 organisierte Benazir den pakistanischen Widerstand vom Londoner Exil aus.

Benazir brachte gute Voraussetzungen für eine politische Karriere mit: Als Erstgeborene und Lieblingstochter ihres Vaters hatte sie eine ausgezeichnete Ausbildung erhalten, an der Harvard Universität und in Oxford politische Wissenschaften studiert, als ganz junge Frau bereits ihren Vater zu Verhandlungen ins Ausland begleitet. Dennoch war es eine Sensation, als sie 1988 nach Zias Tod zur Premierministerin gewählt wurde – zum ersten Mal stand eine Frau an der Spitze eines modernen islamischen Staates, mit 35 war sie zudem eine der jüngsten jemals gewählten RegierungschefInnen.

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Ihr selbstbewusstes Auftreten (während der Wahlkampagne war sie schwanger, was sie nicht davon abhielt, in der Öffentlichkeit zu sprechen), ihre guten internationalen Beziehungen, ihre westlich orientierte Denkweise – alles stand in vehementem Kontrast zur traditionellen pakistanischen Gesellschaft, die während der elfjährigen Militärregierung von einer zunehmenden Islamisierung geprägt war. Wie stark auch sie, trotz allem, diesen Zwängen unterlag, zeigt die Tatsache, dass sie kurz vor ihrer Wahl einer arrangierten Eheschließung mit dem Geschäftsmann Asif Ali Zardari zustimmte – eine Verbindung, die sich als ausgesprochen schädlich für ihre Karriere herausstellen sollte.

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Während ihrer zunächst zwanzigmonatigen Regierungszeit betrieb sie die Rückkehr des Landes zur Zivilgesellschaft, hob das Verbot von Gewerkschaften und Studentenorganisationen auf, startete Programme zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Landbevölkerung und der ArbeiterInnen. Gegen den Widerstand der Fundamentalisten erreichte sie eine punktuelle Verbesserung der Lage der Frauen – u.a. setzte sie die Zulassung von Frauen zu höheren juristischen Ämtern durch und begann eine Kampagne gegen häusliche Gewalt – zu wenig allerdings in den Augen von Feministinnen, die sich von der modernen jungen Regierungschefin mehr erhofft hatten.

Im August 1990 wurde ihre Regierung vom Staatspräsidenten Ishaq Khan aufgelöst, Bhutto wegen »Inkompetenz« und Korruptionsverdachts entlassen, 1993 allerdings gewann die PPP wieder die Wahlen und Bhutto führte für drei weitere Jahre die Regierungsgeschäfte bis zu ihrer erneuten Entlassung 1996. Ihr selbst und insbesondere ihrem Mann wurden persönliche Bereicherung, die Entgegennahme von Schmiergeldern ausländischer Firmen, Zardari zudem die Verwicklung in Mordkomplotte gegen politische Gegner vorgeworfen. Bhutto entzog sich der drohenden Verhaftung durch Flucht ins Exil nach Dubai.

Ob ihr ein politisches Comeback bei den für 2007 geplanten Wahlen gelingt, wird nicht unwesentlich von der Haltung der USA abhängen, deren »Antiterrorallianz« mit Pakistan dem derzeitigen Militärregime unter General Musharraf eine unselige internationale Anerkennung verschafft.

Nachtrag am 27. Dezember 2007: Heute wurde Benazir Bhutto nach einer Wahlveranstaltung erschossen, vermutlich von einem Selbstmordattentäter, der sich nach der Tat in die Luft sprengte und dabei 15 weitere Menschen mit in den Tod riss. Die Wahlen in Pakistan sollten am 8. Januar 2008 stattfinden.

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Andrea Schweers

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Zitate

When my flight lands in Pakistan next month, I know I will be greeted with joy by the people. I do not know what awaits me, personally or politically, once I leave the airport. I pray for the best and prepare for the worst. But in any case, I am going home to fight for the restoration of Pakistan’s place in the community of democratic nations.
(Benazir Bhutto, in: The Washington Post, September 20, 2007.  Quelle)

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Links

Bhutto, Benazir (2007): When I Return to Pakistan. : The Washington Post, September 20, 2007.
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Epoch Times Deutschland: Thema: Benazir Bhutto
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Frankfurter Allgemeine Zeitung: Themen – Benazir Bhutto
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n-tv.de: Charismatisch und polarisierend: Benazir Bhutto ermordet. Mit umfangreicher Bildstrecke.
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Spiegel online: Artikelsuche – Benazir Bhutto
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Stern.de: Benazir Bhutto | News, Hintergründe und Bilder
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Süddeutsche.de: Benazir Bhutto - Themen & Nachrichten
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Literatur & Quellen


Quellen

Bhutto 1989 – Tochter der Macht

Wandel 1991 – Witwen und Töchter .


Bhutto, Benazir (1989): Tochter der Macht. Autobiographie. (=Daughter of the East)
München. Droemer Knaur. ISBN 3-426-26417-X.
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Probst, Ernst (2001): Superfrauen 3 - Politik. Das Leben berühmter Politikerinnen, Juristinnen, Soldatinnen, Spioninnen und Umweltschützerinnen in Wort und Bild. 1. Aufl. Norderstedt. GRIN Verlag. ISBN 978-3-638-93463-3.
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Wandel, Elke (1991): Witwen und Töchter … an der Macht. Politikerinnen der Dritten Welt. Orig.-Ausg. Reinbek bei Hamburg. Rowohlt. ISBN 3-499-18874-0.
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Weiterführende Literatur

Ahmed 2008 – Tragedy of Benazir Bhutto

Akhund 2000 – Trial and error

Bennett 2010 – Muslim women of power

Ahmed, M. (2008): Tragedy of Benazir Bhutto, 1953 - 2007. Delhi. Sumit Enterprises. ISBN 978-81-8420-091-1.
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Akhund, Iqbal (2000): Trial and error. The advent and eclipse of Benazir Bhutto. 1. Aufl. Karachi, Oxford. Oxford University Press. ISBN 0-19-579160-6.
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Aumüller, Jutta (1988): Ethnischer Regionalismus und Islam. Das Problem der politischen Legitimität in Pakistan unter Bhutto und Zia-Ul-Haq. Berlin. Verl. Das Arab. Buch. (Occasional papers / Ethnizität und Gesellschaft) ISBN 3-923446-21-7.
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Bennett, Clinton (2010): Muslim women of power. Gender, politics and culture in Islam. London. Continuum. ISBN 0826436382.
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Bhargava, G. S. (1990): Benazir. Pakistan’s new hope. 1. Aufl. London. Aspect Publ; Aspect. ISBN 1-85529-053-7.
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Bhatia 2008 – Goodbye Shahzadi

Bhutto 1983 – Pakistan

Bhutto 2008 – Reconciliation

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Bhutto, Benazir (1983): Pakistan. The gathering storm. New Delhi. Vikas. ISBN 0-7069-2495-9.
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Bhutto, Benazir (2007): Whither Pakistan. Dictatorship or democracy? 1. Aufl. New Delhi. Vani Prakashan. ISBN 978-81-8143-609-2.
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Hasan 2000 – The mirage of power

Hussain 2008 – The assassination of Benazir Bhutto

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Hasan, Mubashir (2000): The mirage of power. An inquiry into the Bhutto years 1971 - 1977. 1. Aufl. Karachi, Oxford. Oxford Univ. Press. ISBN 0-19-579300-5.
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Hussain 2008 – Frontline Pakistan

Mir 2010 – The Bhutto murder trial

Shafqat 1997 – Civil-military relations in Pakistan

Hussain, Yasir (2008): The assassination of Benazir Bhutto. 1. Aufl. New Delhi. Epitome Books. ISBN 978-81-906260-4-0.
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Hussain, Zahid (2008): Frontline Pakistan. The path to catastrophe and the killing of Benazir Bhutto. Includes bibliographical references and index. New paperbacked., Repr. London. Tauris; I. B. Tauris. ISBN 978-1-84511-802-0.
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Kumar, Raj (2008): Pakistan Peoples Party. Zulfikar Ali Bhutto to Benazir Bhotto. 1. Aufl. Delhi. Sumit Enterprises. ISBN 978-81-8420-120-8.
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Mir, Amir (2010): The Bhutto murder trial. From Waziristan to GHQ. 1. Aufl. Chennai. Tranquebar Press. ISBN 978-93-80658-61-2.
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Noman, Omar (2010): The biography of Benazir Bhutto. London. Routledge. (Routledge Contemporary South Asia Series) ISBN 978-0-415-48094-9.
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Shafqat, Saeed (1997): Civil-military relations in Pakistan. From Zufikar Ali Bhutto to Benazir Bhutto. Boulder, Colo, Lahore, Pakistan. Westview Press; Pak Book Corp. ISBN 0813388090.
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Shaikh, Muhammed Ali (2000): Benazir Bhutto. A political biography. Karachi. Orient Books Publ. House. ISBN 969-8534-00-8.
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Zakaria, Rafiq (1990): Women and politics in Islam. The trial of Benazir Bhutto. North American ed. New York. New Horizons Press. ISBN 0-945257-24-4.
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Bildquellen

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Hedwig Dohm