Carson McCullers

geboren am 19. Februar 1917 in Columbus, Georgia
gestorben am 29. September 1967 in Nyack, New York

amerikanische Schriftstellerin
45. Todestag am 29. September 2012


BiografieWeblinksLiteratur & Quellen


Biografie

“Carson McCullers ist in meinen Augen die bedeutendste Autor/in Amerikas, wenn nicht der Welt. Ich habe in ihrem Werk eine Dichte und einen Adel des Geistes gefunden, wie es sie seit Melville in unserer Prosa nicht mehr gegeben hat”, urteilt Tennessee Williams, einer ihrer treusten Freunde.

Die Kritik wollte es anfangs nicht glauben, daß ein Werk von der Reife und Tiefe ihres Erstlingsromans “The Heart is a Lonely Hunter” (Das Herz ist ein einsamer Jäger) von einer 23jährigen stammen sollte. Trotz des frühen Ruhms ist McCullers’ Werk schmal: Vier Romane, zwei Novellen (“Die Ballade vom traurigen Café” und “Der Marsch”, FrauenbildGedichte und eine Reihe Kurzgeschichten. Dafür gibt es zwei Gründe: Ihr Arbeitsethos und ihre schwere Krankheit.

Sie war eine skrupelhaft genaue Stilistin: An ihrem relativ kurzen letzten Roman Clock without Hands [Uhr ohne Zeiger] (1961) arbeitete sie acht Jahre lang; manche Kapitel schrieb sie bis zu zwanzigmal um, denn “Prosa sollte wie Lyrik sein”.

Carson McCullers wurde nur fünfzig Jahre alt. Ab ihrem 29. Lebensjahr war sie, nach drei Schlaganfällen, halbseitig gelähmt; ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie im Rollstuhl.

FrauenbildLula Carson Smith wuchs in einer Kleinstadt in Georgia auf. Die Eltern liebten ihre Älteste; die Mutter war von je fest überzeugt, daß ihre Tochter ein Genie sei. 1935 ging Carson nach New York, um an der Juillard School Klavier zu studieren und mußte sich mit verschiedenen Jobs durchschlagen. Abends besuchte sie Kurse in creative writing.

1937 heiratet Carson den Kadetten Reeves McCullers. Die Ehe ist schwierig; Ende 1940 lassen sie sich scheiden, und Carson zieht in ein großes Haus in Brooklyn, das zum Treffpunkt der New Yorker Kunst- und Literaturszene wird. 1945, nach Reeves’ Rückkehr aus dem Krieg, heiraten sie wieder, acht Jahre später bringt Reeves sich im Delirium um.

Ihr zweites Buch, Reflections in a Golden Eye [bis 1966 deutsch unter dem unsäglichen Titel Der Soldat und die Lady, später Spiegelbild im goldnen Auge] widmet Carson ihrer großen Liebe Annemarie Schwarzenbach, die in der amour fou der jungen Amerikanerin ihre eigene Verfallenheit an Erika Mann gespiegelt sieht. Die Kritik reagiert mehrheitlich ablehnend. Nicht einmal das Pferd sei normal in diesem Buch über lauter Perverse, heißt es. Kurz vor McCullers’ Tod wurde es kongenial von John Huston verfilmt, mit keinen Geringeren als Elizabeth Taylor und Marlon Brando – aber auch die Swinging Sixties konnten mit dem Stoff wenig anfangen: Ein verklemmter Oberst verliebt sich in einen einfachen Soldaten, der seinerseits der Frau des Obersten nachsteigt und dafür sterben muß. Mehr etwas für die Gay Nineties und danach.

Wo bleibt das Positive im Werk von Carson McCullers?  - 1946 erscheint The Member of the Wedding [Das Mädchen Frankie, später nur Frankie], 1950 hat die Theaterfassung am Broadway Premiere und wird mit über 500 Aufführungen zu einem der erfolgreichsten Broadway-Stücke. Dies eine Mal kommt die geniale Autorin ganz ohne “Perverse” und “Freaks” aus: Ein Stück über ein sensibles und trotziges junges Mädchen, das sich zugehörig fühlen möchte. Der Erfolg konnte nicht ausbleiben.
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Die Quintessenz ihres Lebens und Schreibens (und ihrer Wirkung auf andere) ist in folgenden Sätzen ausgedrückt: “Wie kann sich ein Mensch ohne Liebe und die von der Liebe herrührende Intuition in die Lage eines andern Menschen versetzen? Wie kann man ohne Liebe und den zur Liebe gehörenden Kampf einen Charakter erschaffen?”

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Zitate:

Interessant, daß so viele schwule Schriftsteller ihre Geschichten ins Heterosexuelle transponierten, lesbische Schriftstellerinnen hingegen eher ins Schwule - denken wir nur an Wildes Salome, Prousts Recherche, Capotes Breakfast at Tiffany’s auf der einen Seite, und Carson McCullers’ The Heart is a Lonely Hunter und Reflections in a Golden Eye, Yourcenars Mémoires d’Hadrien, Marlene Stentens Großer Gelbkopf und Mary Renaults Romane über das klassische Griechenland auf der anderen. (Luise F. Pusch in der Rezension zu Großer Gelbkopf (1971) von Marlene Stenten)

Sowohl der Weiße Jake als auch der Neger Copeland [in The Heart is a Lonely Hunter] kritisieren das kapitalistische Amerika von einem dezidiert marxistischen Standpunkt aus. Die offizielle Publizistik Amerikas hat … alles dazu getan, diesen sehr konkreten politischen Aspekt … systematisch zu übersehen. Ihre gesellschaftlich begründete Verzweiflung über das moderne Amerika wurde als morbide Trauer über Tod, Vergänglichkeit und Einsamkeit schlechthin verharmlost. (Gerd Fuchs)

Luise F. Pusch

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Links

Rarität: Das einzige gefilmte McCullers-Interview!!

Chron. Lebenslauf (englisch)

Feature zum 90. Geburtstag, von Manuela Reichart

McCullers Linkliste (englisch)

Biografie mit Liste der biogr. Sekundärliteratur (engl.)

The Carson McCullers Project

Über McCullers und Schwarzenbach

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Literatur & Quellen

Carson McCullers in der Deutschen Nationalbibliothek

McCullers in books.google.com. Eine endlose Fundgrube…

McCullers’ Complete Novels für 2.95 Dollar. Sonderangebot der Library of America

Liste der Sekundärliteratur (englisch)

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Hedwig Dohm