Elena Lucrezia Cornaro Piscopia

(auch Corner)

also available in Italian

geboren am 25. Juni 1646 in Venedig
gestorben am 26. Juli 1684 in Venedig

gelehrtes Wunderkind und erste promovierte Frau der Welt
330. Todestag am 26. Juli 2014


BiografieLiteratur & Quellen


Biografie

Elena Lucrezia Cornaro Piscopia, deren Leben erstaunliche Parallelen mit dem ihrer berühmten Zeitgenossin aus der Neuen Welt, Sor Juana Inés de la Cruz (1648-1695), aufweist, war das fünfte Kind des venezianischen Prokurators Cornaro. Die Familie gehörte zu den bedeutendsten Adelsgeschlechtern der Republik. Schon früh erhielt das begabte Kind Unterricht bei den bekanntesten Gelehrten in klassischen und modernen Sprachen und in den sogenannten “freien Künsten”. Der ehrgeizige Vater managte das Talent seiner Tochter und führte sein “Wunderkind” schon mit sieben Jahren öffentlich vor.

Elena fand Gefallen an der Wissenschaft, nicht aber an der venezianischen Luxusgesellschaft und zog es trotz Protesten der Eltern vor, das Gelübde der Benediktinerinnen abzulegen, ohne jedoch ins Kloster einzutreten. Mit der wohlwollenden Unterstützung der Kirche konnte sie ihre Studien der Philosophie und Theologie fortsetzen. An der venezianischen Universität Padua trat Elena am 30. Mai 1677 vor dem ganzen Kollegium der Universität in einem öffentlichen wissenschaftlichen Disput mit großem Erfolg auf. Vater und Lehrer betrieben seitdem den Versuch, Elena den Doktortitel der Theologie zu verschaffen. Das theologische Kolleg der Universität Padua lehnte den Antrag ab: Die “Laurea” schlösse die kirchliche Lehrerlaubnis ein und die Frau habe in der Kirche zu schweigen. Lehrer und Vater erreichten einen Kompromiss: Elena durfte über ein philosophisches Thema aus der aristotelischen Logik promovieren, was sie am 25. Juni 1678 in Padua mit Bravour vollbrachte. So bekam sie als erste Frau der Welt den Doktortitel.

Seit 1669 war sie Mitglied verschiedener wichtiger Akademien geworden, so der Akademie der Ricovrati in Padua und der Akademien in Rom, Venedig und Siena. Ihr schriftlicher Nachlaß ist nicht umfangreich; eine Sammlung ihrer Schriften erschien 1688 in Parma und umfaßt ca. 300 Seiten. Schwerlich sind darin emanzipatorische Ansätze zu finden. Das lag nicht in ihrem Blickfeld. Für siebzig Jahre blieb sie die einzige Doktorin an der Universität Padua. Die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte Elena schreibend, korrespondierend, Vorträge haltend und Dispute absolvierend. Alle zeitgenössischen Reisenden rechneten es sich zur Ehre an, sie besucht oder gesehen zu haben. Sie starb 1684 im 38. Lebensjahr, einer unsicheren Quelle zufolge “an einer Pest-Beule”. Sie wurde in Padua beigesetzt, und alle Akademien würdigten ihr Andenken durch prunkvolle offizielle Totenfeiern.

                               

Elisabeth Dickmann

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Literatur & Quellen

Carrano, Patrizia. 2000. Illuminata: la storia di Elena Lucrezia Cornaro, prima donna laureata nel mondo. Romanzo. Milano. Mondadori.

Derosas, R. 1983. “Corner”, Dizionario biografico degli italiani. Bd 29.

Fusco, Nicola. 1975. Elena Lucrezia Cornaro Piscopia, 1646-1684. Pittsburgh. United States Committee for the Elena Lucrezia Cornaro Piscopia Tercentenary.

Helenae-Lucretiae (quae est Scholastica) Corneliae Piscopiae Virginis pietate & eruditione admirabilis, Ordinis D. Benedicti privatis votis adscriptae opera, quae quidem haberi potuerunt…Parma 1688.

Maschietto, Francesco Ludovico. 1978. Elena Lucrezia Cornaro Piscopia, 1646-1684: prima donna laureata nel mondo. Padua. Antenore.

Ursula I. Meyer & Heidemarie Bennent-Vahle. Hg. 1994. Philosophinnen-Lexikon. Aachen. einFACH Verlag.

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Hedwig Dohm