Elisabeth Lutyens

geboren am 9. Juli 1906 in London
gestorben am 14. April 1983 in London

britische Komponistin
30. Todestag am 14. April 2013


BiografieWeblinksLiteratur & Quellen


Biografie

Ihr Großvater mütterlicherseits war Sir Edward Bulwer-Lytton, Verfasser der Letzten Tage von Pompeji und einer der bekanntesten Romanautoren des viktorianischen England. Ihr Vater war ein berühmter Architekt, der die Innenstadt von Neu Delhi erbaute. Elisabeth Lutyens, die musikalisch radikalste Komponistin ihrer Generation in England, hielt sich mehr an ihre rebellische Tante, Lady Constance Lytton (1869-1923), eine engagierte Suffragette - sie wurde ihr Vorbild und ihre Freundin. Lutyens betrachtete ihre Musik im Sinne Stravinskys eher als ein Arrangement musikalischen Materials denn als Ausdruck seelischer Befindlichkeiten.

Lutyens studierte Komposition in London und beschloß, beeindruckt von der Musik Debussys und Ravels, ihre Studien in Paris fortzusetzen. 1931 gründete sie zusammen mit einer Kollegin die bekannte MacNaghten-Lemare Konzertreihe in London, in der BerufsmusikerInnen und LaiInnen Werke junger KomponistInnen aufführten. Dort konnte sie auch viele eigene Werke erstmals hören.

Während des zweiten Weltkrieges schrieb sie Musik für Dokumentarfilme (meist Propagandastreifen der britischen Luftwaffe), um überleben zu können. Schwierigkeiten mit ihrem Ehemann und der Kindererziehung führten zu Alkoholproblemen, die sie in ihrer Autobiographie schonungslos beschreibt, und die sie schließlich überwand.

Lutyens führte die serielle Kompositionstechnik in England ein. Weltoffenheit, ungewöhnliche Inspirationsquellen, vielseitige Instrumentation und strukturelle Durchorganisation prägen ihr Oeuvre, das in Deutschland so gut wie unbekannt ist. Auffällig an ihrer Musik ist die Fähigkeit, mit größtmöglicher Sparsamkeit der Mittel zugleich intensiv und leidenschaftlich zu komponieren. Zu ihren Freunden oder näheren Bekannten zählten u.a. Igor Stravinsky, Luigi Dallapiccola, Luigi Nono, Hanns Eisler, die Schriftsteller Dylan Thomas und Elias Canetti und der Maler Francis Bacon. Ihr breites Schaffen umfaßt Opern, Ballett- und Bühnenmusiken, eine Sinfonie, große Orchesterwerke, Kammermusik (darunter sechs Streichquartette), sakrale Musik und vieles mehr.

(für FemBio aktualisiert von Luise F. Pusch)

Zitate:

1979, fünf Minuten vor einem Live-Rundfunk-Interview, drohte sie den Moderator als ‘homosexuellen Interviewer’ zu betiteln, sollte er es wagen, sie als ‘komponierende Frau’ zu bezeichnen. Beide beschlossen, sich diplomatisch zu verhalten. (M. & S. Harries)

Ich sage meinen KompositionsschülerInnen immer: Wenn Sie KomponistIn werden wollen, dann geben Sie es auf. Es gibt davon zu viele auf der Welt. Wenn Sie aber nicht aufhören können zu komponieren, dann werde ich Ihnen helfen, komme was da will. (Elisabeth Lutyens)

In einer eigenwilligen Umdeutung der Fantasien Henry Purcells schuf sie eine individuelle Technik des Serialismus, erstmals präsentiert 1939, also noch weit vor den als Väter der seriellen Musik geltenden Komponisten Boulez und Stockhausen. Doch wer vier Kinder durchzufüttern hat, dem bleibt nicht viel Zeit für die Vermarktung der eigenen künstlerischen Entdeckungen. (Andrea Zschunke)

 

Eva Rieger

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Literatur & Quellen

Harries, Meirion & Susie. 1989. A Pilgrim Soul: The Life and Work of Elisabeth Lutyens. London; Boston. Faber & Faber.

Lutyens, Elisabeth. 1972. A Goldfish Bowl: The Autobiography of Elisabeth Lutyens. London. Cassel & Co.

Roma, Catherine. 1996. The Choral Music of Twentieth-Century Women Composers: Elisabeth Lutyens, Elizabeth Maconchy, and Thea Musgrave. Vorwort Karin Pendle. Westport, CN. Greenwood.

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Hedwig Dohm