Elisabeth Petrowna

(Елизавета Петровна Романова; Jelisaweta Petrowna Romanowa, Elizaveta Petrovna Romanova [wissenschaftliche Transliteration])

geboren am 29. Dezember 1709 in Kolomenkoje
gestorben am 5. Januar 1762 in St. Petersburg

russische Zarin
305. Geburtstag am 29. Dezember 2014


BiografieZitateWeblinksLiteratur & QuellenBildquellen


Biografie

Elisabeth Petrowna, uneheliche Tochter Peter des Großen und eines Bauernmädchens, ging als eine der genusssüchtigsten Herrscherinnen in die Geschichte ein. 15000 kostbare Kleider fand man nach ihrem Tod in der Garderobe. Darunter Männerkleider, die sie auf ihren Metamorphosen-Bällen oder beim Reiten trug, wenn sie ihren Gefolgsleuten davongaloppierte. Jagen, Tanz, Theater waren ihre großen Leidenschaften. Große Politik interessierte sie vorerst weniger. Lieber amüsierte sie sich auf ihrem Landgut, wo sie die Lebensbedingungen der Bauern verbesserte und russische Gerichte kochte. Ihr Verlobter starb noch vor der Hochzeit an Pocken. Von da an pflegte sie diejenigen, die ihr nahestanden, lieber selbst, mochten deren Krankheiten noch so gefährlich und ansteckend sein.

Obwohl sie die rechtmäßige Thronerbin war, verzichtete sie lange Zeit auf die Krone, weigerte sich zu heiraten. Erst die Drohung ihrer Vorgängerin, sie ins Kloster zu stecken, mobilisierte sie. In einer eiskalten Nacht im Jahre 1741 ließ sie sich von treuen Gardisten durch den Schnee zum Winterpalast tragen: ein Staatsstreich, unblutig, lautlos und schnell.

Elisabeth Petrowna

Dank Elisabeth Petrowna konnte sich Russland vom Einfluss der Deutschen befreien, die eine eigenständige russische Wissenschaft und Kultur für absolut undenkbar hielten (Waräger-Theorie). Auch die Zarin stempelte man als ungebildet ab, dennoch schien sie intelligent genug, ein Goldenes Zeitalter der Wissenschaften und Künste einzuleiten.

Während ihrer Regierungszeit wurden u.a. die Lomonossow-Universität und das Nationaltheater ins Leben gerufen, entfalteten sich Handel und Industrie. An ihrem Hof wurde vorrangig Russisch gesprochen, Musiker, Maler, Architekten konnten dort ungehindert wirken. Elisabeth I. liebte die Lieder und Tänze ihres Volkes.

Russlands größtes Problem, die Leibeigenschaft, vermochte sie nicht zu lösen. Sie betrieb eine konsequente Ausgrenzung von Juden und Muslimen. Wichtige Entscheidungen traf sie erst nach langen, intensiven Gebeten. 1747 schloss sie ein Bündnis mit Österreich und trug damit zum Aachener Frieden bei. Durch das Eingreifen Russlands in den Siebenjährigen Krieg stoppte sie Preußens Siegeszug.

Unter ihrer Regentschaft wurde weniger gefoltert, wurden Todesstrafen in Verbannungsurteile umgewandelt, den VerbrecherInnen nicht mehr die Nasen abgeschnitten. Besonders einer redete ihr immer wieder ins Gewissen: Alexej Rasumowsky, begnadeter Sänger, Sohn verarmter Bauern, den die Zarin zu ihrem Majordomus machte und, so wird vermutet, still und heimlich heiratete.

Uta Ruscher

Weitere Lexikoneinträge zu Elisabeth Petrowna

Seitenanfang



Zitate

Grabschrift auf die Zarin Elisabeth

Hier Wanderer, liegt Messaline,
Des Russen, des Kosaken Concubine.
Als sie ihr Land erschöpft, suchte den Gatten,
Zum Hades wandelnd, sie im Reich der Schatten.

(Friedrich der Große, 1762, gefunden hier)

Eintrag im Bilder-Lexikon der Erotik (1928):

Elisabeth Petrowna (1709–1762), seit 1742 russische Zarin, bekannt durch ihre Ausschweifungen, bei denen sie ihre Liebhaber wie ihre Handschuhe wechselte, während sie gegen ihre Nebenbuhlerinnen mit unerhörter Grausamkeit vorging. Sie weigerte sich, einen Gatten zu wählen, war aber wiederholt schwanger. Ihre Hauptliebhaber waren Rasumowskij, Schuwalow und Bestushew-Riumin, doch hatte sie daneben viele unbedeutende, wie den Kadetten Beketow, den sie von der Theatergarderobe, wo sie ihn selbst umkleideten, sofort in ihr Schlafzimmer führte.

(Institut für Sexualforschung (Hg.) (1928): Bilder-Lexikon Kulturgeschichte. Ein Nachschlagewerk für die Begriffe und Erscheinungen auf dem Gebiete der Kulturgeschichte, Sittengeschichte, Folklore, Ethnographie, des Kult- und Mysterienwesens, Gesellschaftslebens, der Chronique scandaleuse, für Zeitdokumente und Biographien. Ein Sammelwerk sittengeschichtlicher Bilddokumente aller Völker und Zeiten. Wien: Verlag für Kulturforschung (Bilderlexikon der Erotik, 1), S. 325)

Seitenanfang


Links

Internet Movie Database – Der Favorit der Kaiserin 1936Internet Movie Database: Der Favorit der Kaiserin (1936). Spielfilm.
(Link aufrufen)

Wikipedia – Elisabeth RusslandWikipedia: Elisabeth (Russland). Ausführliche Biografie.
(Link aufrufen)



Bitte beachten Sie, dass verlinkte Seiten im Internet u. U. häufig verändert werden und dass Sie die sachliche Richtigkeit der dort angebotenen Informationen selbst überprüfen müssen.



Letzte Linkprüfung durchgeführt am 04.01.2010 (AN)

Seitenanfang


Literatur & Quellen

Hinweis: Dies sind keine Literaturempfehlungen, sondern die zum Thema erschienenen Titel – ohne Wertung unsererseits.

Coughlan, Robert (1978): Frauen auf dem Zarenthron. Elisabeth und Katharina. Biographie. (=Elizabeth and Catherine)
Aus dem Englischen von Monika Curths München. Heyne. (Heyne-Bücher, 5410) ISBN 3-453-00803-0.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Gottschalk, Maren (2008): Königinnen. Fünf Herrscherinnen und ihre Lebensgeschichte. Weinheim, Basel. Beltz & Gelberg. ISBN 978-3-407-81019-9.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Coughlan 1978 – Frauen auf dem Zarenthron

Gottschalk 2008 – Königinnen

Stadelmann 2007 – Die Romanovs

Herm, Gerhard (1984): Matuschka, geliebte Zarin. Rußlands große Herrscherinnen. München. Heyne. (Heyne-Bücher, 6458) ISBN 3-453-02033-2.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Olivier, Daria (1963): Elisabeth von Russland. Eine Biographie. (=Elisabeth de Russie)
Aus dem Französischen von Albert von Streerbach München. Goldmann. 1979. (Goldmann-Taschenbuch, 11930 : Goldmann-Sachbuch) ISBN 3-442-11930-8.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Rice, Tamara Talbot (1970): Elisabeth von Rußland. Die letzte Romanow auf dem Zarenthron. (=Elisabeth, Empress of Russia)
Ins Deutsche übersetzt von Isabella Nadolny München. Callwey. ISBN 3-7667-0262-9.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Stadelmann, Matthias (2007): Die Romanovs. Stuttgart. Kohlhammer. (Kohlhammer-Urban-Taschenbücher Geschichte, Kulturgeschichte, Politik, 620) ISBN 9783170189478.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Seitenanfang


Bildquellen

BestPriceArt
Bilder-Conversations-Lexikon
Encyclopaedia of St. Petersburg
Bilder-Lexikon der Erotik
Kunst für alle
Rundfunk Berlin-Brandenburg
Wikipedia
WADP Numbering System - WNS

Seitenanfang

Sollten Sie RechteinhaberIn eines Bildes und mit der Verwendung auf dieser Seite nicht einverstanden sein, setzen Sie sich bitte mit Fembio in Verbindung.

Share Tweet Mail Druck

Seitenanfang

Hedwig Dohm