Elizabeth Barrett-Browning

geboren am 6. März 1806 in Coxhoe Hall, Durham
gestorben am 30. Juni 1861 in Florenz

englische Dichterin
150. Todestag am 30. Juni 2011


BiografieZitateWeblinksLiteratur & Quellen


Biografie

Ähnlich wie Clara Schumann ist Elizabeth Barrett-Browning heute einem breiteren (englischsprachigen) Publikum hauptsächlich wegen der dramatischen und hochromantischen Geschichte der Durchsetzung ihrer Liebe gegen einen besitzergreifenden Vater bekannt. Sechs Jahre nach der Hochzeit von Clara und Robert konnte 1846 auch Elizabeth ihren Robert (Browning) heiraten. Allerdings mussten sie vor dem mächtigen Arm des Vaters bis nach Florenz fliehen. Zum Glück war Robert Browning sehr vermögend.

Elizabeth war die älteste von elf Kindern von Edward Moulton und Mary Barrett. Der Vater besaß Plantagen auf Jamaica, was mit dazu beigetragen haben mag, dass die Dichterin später die Sklaverei in Amerika aktiv bekämpfte.

Elizabeth war kränklich seit ihrem 15. Lebensjahr; sie und zwei ihrer Schwestern waren im Frühjahr 1821 erkrankt; die Schwestern erholten sich, aber Elizabeth nicht. Ihre Biographin Forster diagnostiziert schlicht eine Hypochondrie. Ein Sturz vom Pferd oder ähnliches, der eine Erkrankung des Rückens und Gehunfähigkeit hätte bewirken können, sei nicht belegt. Forster verweist vielmehr auf die damals im Bürgertum weit verbreitete Ansicht, dass Weiblichkeit und Kränklichkeit geradezu synonym seien.

Elizabeth nahm seit ihrem 13. Lebenjahr Opium, aufgelöst in Alkohol, bekannt unter dem Namen Laudanum. Das war damals nichts besonderes, man nahm es wie heute Aspirin gegen alle möglichen Wehwehchen – Elizabeth half es beim Einschlafen und gegen Schmerzen. Sie sollte es ein Leben lang nehmen, allerdings wohl nicht in stark konzentrierter Form.

1828 starb ihre Mutter. 1840 starben zwei ihrer Brüder, zuerst Samuel, dann Edward, der jüngste, genannt Bro, ihr Lieblingsbruder. Es wird gesagt, dies sei der schlimmste Schlag ihres Lebens gewesen – jedenfalls datiert von diesem Zeitpunkt ihre bekannte Bettlägerigkeit in der Wimpole Street Nr. 50 in London, nur bewacht von ihrem treuen Hund Flush (vgl. Die berühmte Erzählung von Virginia Woolf).

Elizabeth zeigte früh großes Interesse am Lernen; zusammen mit Bro lernte sie Griechisch, und im Alter von 14 Jahren produzierte sie ihr erstes Epos, Die Schlacht bei Marathon, das ihr stolzer Vater binden ließ. Obwohl beständig kränkelnd, schrieb sie Gedichte, die sie 1833 erstmals veröffentlichte, mit Erfolg.

1845 schrieb ihr der sechs Jahre jüngere Dichter Robert Browning einen Verehrerbrief und durfte sie dann heimlich an ihrem von dem eifersüchtigen Vater streng bewachten Krankenlager besuchen. Ein Jahr später heirateten die beiden heimlich und flohen nach Florenz. Unterwegs dorthin statteten sie auf Elizabeths ausdrücklichen Wunsch der Schriftstellerin George Sand einen Besuch ab – Elizabeth hatte schon mehrere Sonette über sie verfasst.

Elizabeth Barrett-Browning

In Florenz bezog das Paar einen alten Palazzo, die Casa Guidi. Dort verbrachte Barrett-Browning, durch die Liebe und das südliche Klima endlich gesundet, die letzten 15 Jahre ihres Lebens; es waren ihre glücklichsten und literarisch produktivsten. Der poetische Niederschlag dieser großen Liebe, Barrett-Brownings Sonette aus dem Portugiesischen ist in der Übersetzung Rilkes auch in Deutschland bekannt geworden.

Elizabeth gebar 1849 mit 43 Jahren nach zwei Fehlgeburten ihren Sohn Robert Wiedemann, genannt Pen und heißgeliebt von seinen Eltern. Bis zu ihrem Tod durch eine Lungenkrankheit im Jahre 1861 blieb Barrett-Browning, Mittelpunkt eines Zirkels von KünstlerInnen und Intellektuellen in Florenz, dichterisch und politisch aktiv. Sie engagierte sich in Casa Guidi Windows (1851) für die Einheit Italiens, in The Runaway Slave at Pilgrim’s Point gegen die Sklaverei in den Vereinigten Staaten und in The Cry of the Children und A Song for the Ragged Schools of London gegen Armut und Elend der Kinder.

1857 erschien ihr bedeutendstes Werk, der Versroman Aurora Leigh, in dem sie – ähnlich wie gleichzeitig Louise Otto-Peters und Fanny Lewald in Deutschland – die erbärmliche Mädchenbildung attackiert und für das Recht der Frau auf geistige Selbstbestimmung eintritt.

Als die berühmteste Dichterin ihres Landes war sie nach dem Tode Wordsworths (1850) sogar für dessen Nachfolge als Poet laureate im Gespräch. Die literarische Produktion ihres Mannes hingegen stagnierte während der Ehe – danach (er überlebte sie um 28 Jahre) stieg sein Stern umso heller auf und überstrahlt ihren Ruhm bis heute.

Luise F. Pusch

Seitenanfang



Zitate

So far from regretting my marriage, it has made the happiness and honour of my life; and every unkindness received from my own house makes me press nearer to the tenderest and noblest of human hearts proved by the uninterrupted devotion of nearly five years. Husband, lover, nurse—not one of these, has Robert been to me, but all three together. I neither regret my marriage, therefore, nor the manner of it, because the manner of it was a necessity of the act. I thought so at the time, I think so now; and I believe that the world in general will decide (if the world is to be really appealed to) that my opinion upon this subject (after five years) is worth more.
(Elizabeth Barrett-Browning, Brief an Mrs. Martin, August 1851, gefunden hier)

Elisabeth Barrett-Browning (1806-1861)
Portugiesische Sonette

(Übersetzung von Rainer Maria Rilke)

XXI.

Sag immer wieder und noch einmal sag,
daß du mich liebst. Obwohl dies Wort vielleicht,
so wiederholt, dem Lied des Kuckucks gleicht
wie du’s empfandest: über Tal und Hag

und Feld und Abhang, beinah allgemein
und überall, mit jedem Frühling tönend.
Geliebter, da im Dunkel redet höhnend
ein Zweifelgeist mich an; ich möchte schrein:

»Sag wieder, daß du liebst.« Wer ist denn bang,
daß zu viel Sterne werden: ihrem Gang
sind Himmel da. Und wenn sich Blumen mehren,

erweitert sich das Jahr. Laß wiederkehren
den Kehrreim deiner Liebe. Doch entzieh
mir ihre Stille nicht. Bewahrst du sie?

Aus: Rainer Maria Rilke: Übertragungen. Herausgegeben von Ernst Zinn und Karin Wais, Insel Verlag Frankfurt am Main, 1975, S. 27.

Seitenanfang


Links

Leben und Werk
Classic Encyclopedia (1911): Elizabeth Barrett Browning
(Link aufrufen)

The Armstrong Browning Library at Baylor university: Robert and Elizabeth Barrett Browning – A Database
(Link aufrufen)

Thiele-Dohrmann, Klaus (2003): Der Himmel über Florenz. Elizabeth Barrett und Robert Browning. In: Die Zeit, 21.08.2003, Nr. 35.
(Link aufrufen)

Werke online
Black Cat Poems: Poems by Elizabeth Barrett Browning
(Link aufrufen)

Europäische Liebeslyrik: Elisabeth Barret-Browning – Portugiesische Sonette (Übersetzung: Elsbet Paulus)
(Link aufrufen)

Europäische Liebeslyrik: Elisabeth Barrett-Browning – Portugiesische Sonette (Übersetzung: Rainer Maria Rilke)
(Link aufrufen)

Internet Archive: Creator »Browning, Elizabeth Barrett, 1806-1861«. Bücher (zum Herunterladen oder online zu lesen).
(Link aufrufen)

Project Gutenberg: Bücher von Browning, Elizabeth Barrett. Onlinefassungen (Gedichte, Briefe…).
(Link aufrufen)

The Poetry Foundation: Elizabeth Barrett Browning. Einige Dichtungen (engl.).
(Link aufrufen)

Bücher und Filme
Katalog der Deutschen Nationalbibliothek: Elizabeth Barrett-Browning. Bücher und Medien.
(Link aufrufen)

Internet Movie Database: Elizabeth Barrett Browning. Filme.
(Link aufrufen)

Nachlass
Harry Ransom Humanities Research Center: Browning Family – An Inventory of Their Collection at the Harry Ransom Humanities Research Center
(Link aufrufen)

The National Archives: National Register of Archives – Person details – Archive Details. Browning, Elizabeth Barrett (1806-1861) nee Barrett, Poet
(Link aufrufen)



Bitte beachten Sie, dass verlinkte Seiten im Internet u. U. häufig verändert werden und dass Sie die sachliche Richtigkeit der dort angebotenen Informationen selbst überprüfen müssen.



Letzte Linkprüfung durchgeführt am 28.02.2011 (AN)

Seitenanfang


Literatur & Quellen

Browning, Barrett 2002 – The letters of Elizabeth Barrett

Browning, Rilke 1999 – Sonette aus dem Portugiesischen

Browning, Rilke 2006 – Liebesgedichte

Browning, Elizabeth Barrett; Barrett, Arabella (2002): The letters of Elizabeth Barrett Browning to her sister Arabella. Herausgegeben von Scott Lewis. Waco, Tex. Wedgestone Press. ISBN 0-911459-29-4.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Browning, Elizabeth Barrett; Rilke, Rainer Maria (1999): Sonette aus dem Portugiesischen. Englisch und deutsch. (=Sonnets from the Portuguese)
Herausgegeben von Rainer Maria Rilke. Frankfurt am Main. Insel-Verl. (Insel-Bücherei, 252) ISBN 3-458-08252-2.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Browning, Elizabeth Barrett; Rilke, Rainer Maria (2006): Liebesgedichte. Englisch und deutsch. Herausgegeben von Rainer Maria Rilke. Frankfurt am Main. Insel. (Insel-Taschenbuch, 3187) ISBN 3-458-34887-5.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

David 1987 – Intellectual women and victorian patriarchy

Forster 1988 – Elizabeth Barrett Browning

Forster 1995 – Die Dienerin

David, Deirdre (1987): Intellectual women and victorian patriarchy. Harriet Martineau, Elizabeth Barrett Browning, George Eliot. Ithaca, NY. Cornell University Press. ISBN 0-8014-9414-1.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Forster, Margaret (1988): Elizabeth Barrett Browning. The life and loves of a poet. New York, N.Y. St. Martin’s Press. (Vermilion books) ISBN 0312038259.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Forster, Margaret (1995): Die Dienerin. Roman. (=Lady’s maid

)
Aus dem Englischen von Dietlind Kaiser. Lizenz[ausg.], 16. - 23. Tsd. Frankfurt am Main. Fischer-Taschenbuch-Verlag. (Fischer, 12292) ISBN 3-596-12292-9.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Maletzke 2011 – Eine Liebe in Florenz

Pollock 2005 – Elizabeth Barrett and Robert Browning

Woolf 2004 – Flush

Maletzke, Elsemarie (2011): Eine Liebe in Florenz. Elizabeth Barrett und Robert Browning. 1. Aufl. Berlin. Insel Verlag. (Insel-Taschenbücher, 3660) ISBN 978-3-458-35360-7.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)



Pollock, Mary Sanders (2005): Elizabeth Barrett and Robert Browning. A creative partnership. Repr. Aldershot, Hampshire. Ashgate. (The nineteenth century series) ISBN 0-7546-3328-4.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Woolf, Virginia (2004): Flush. Eine Biographie ; die Geschichte eines berühmten Hundes. (=Flush)
Aus dem Englischen von Karin Kersten. Herausgegeben von Klaus Reichert. Frankfurt am Main. Fischer-Taschenbuch-Verl. (Fischer, 50806) ISBN 3-596-50806-1.
(Amazon-Suche | Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Seitenanfang

Sollten Sie RechteinhaberIn eines Bildes und mit der Verwendung auf dieser Seite nicht einverstanden sein, setzen Sie sich bitte mit Fembio in Verbindung.

Share Tweet Mail Druck

Seitenanfang

Hedwig Dohm