Emilie Kempin-Spyri

(Dr. Emilie Kempin, geb. Spyri)

geboren am 18. März 1853 in Altstetten bei Zürich
gestorben am 12. April 1901 Basel, Klinik Friedmatt

erste Schweizer Juristin
160. Geburtstag am 18. März 2013


BiografieZitateLiteratur & Quellen


Biografie

Die “kleingewachsene Frau mit angenehmen Gesichtszügen”, Tochter eines Pfarrers, legte ihr Abitur als Externe in einem Knabengymnasium ab und heiratete 1877 den Pfarrer Walter Kempin. Aber Emilie wollte nicht nur Ehefrau sein. Sie beschloss, Jura zu studieren, um zum Unterhalt der Familie beizutragen, immatrikulierte sich 1883 an der Universität von Zürich, wo sie während des gesamten Studiums die einzige Jurastudentin blieb. Für ihre Dissertation erhielt sie schon vier Jahre später das höchste Prädikat “summa cum laude”.  Die Gründung eines Rechtsberatungsbüros wurde ihr wegen ihres Geschlechts von der Stadt verweigert. Daraufhin stellte sie an der Universität den Antrag auf eine Habilitation als Dozentin für Römisches Recht. Die aufgewühlten Akademiker benötigten sieben Gremiensitzungen, um den Antrag abzulehnen.

In ihrer Verzweiflung beschloss Kempin, mit dem inzwischen arbeitslosen Ehemann, drei Kindern und einem Kindermädchen nach New York auszuwandern. Die Sprache kannte sie nicht, Beziehungen hatte sie auch nicht. So gründete sie eine Rechtsschule für Frauen, die die Zulassung als Anwältin vor Gericht zum Ziel hatte. Während sie erfolgreich tätig war, zog ihr Mann wieder in die Schweiz zurück. Sie folgte ein Jahr darauf, gründete in Zürich eine private Rechtsschule und hielt Vorlesungen. Die Schule hielt sich nicht, die Geldsorgen wuchsen. Kempin trennte sich von ihrem Mann, brachte die Kinder unter und zog nach Berlin. Dort ging es ihr schlecht. “Ich bin vollkommen mittellos und alleinstehend; von meinem Manne schon seit Jahren getrennt, meine Kinder sind in der Welt herum zerstreut, meine Beziehungen zu Freunden und Verwandten abgebrochen… Meine Verwandten haben sich ... von mir abgewandt.”

Gescheiterte Ansätze, kritische Stimmen von allen Seiten, eine zerstörte Familie, keine emotionale Verankerung und über allem die ständige finanzielle Not: Sie bricht nervlich zusammen und wird in eine Berliner Anstalt gebracht, aus der sie kurz darauf in Unterrock und Mantel flieht. Freunde raten ihr zu einer psychiatrischen Behandlung in Basel. Sie lässt sich “vorläufig” einweisen, um zu entdecken, dass man sie nicht mehr freilässt. Von der Umwelt abgeschnitten, werden ihre Gesuche um Behandlung ihres Falles von der Anstaltsleitung zurückgehalten. Zuletzt bewirbt sie sich um eine Stelle als Dienstmagd bei einem Pfarrer. Auch dieser Brief wird zurückgehalten. Sie stirbt in der Anstalt an Krebs.

Eva Rieger

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Zitate

“Wir Frauen sind im Kampfe um unser gutes Recht ... leider vielfach auf falsche Bahnen gedrängt worden. Statt frisch und fröhlich an unserem Werke zu arbeiten, mußten wir Schritt auf Schritt die tollsten Vorurteile über unser Können besiegen.” (Emilie Kempin 1897)

“Ich bin zu jeder Arbeit, auch Geschirrwaschen und Reinemachen gerne bereit. Auf Verlangen werde ich mich auch mit Gartenarbeit beschäftigen.” (Emilie Kempin in ihrem Gesuch um Arbeit)

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Literatur & Quellen

Hasler, Eveline. 1991. Die Wachsflügelfrau: Geschichte der Emily Kempin-Spyri. Roman. Zürich; Frauenfeld. Nagel & Kimche.

Hildebrandt, Irma. 1994. Die Frauenzimmer kommen: 15 Zürcher Porträts. München. Eugen Diederichs.

Linsmayer, Charles. 1989. Literaturszene Schweiz: 157 Kurzporträts von Rousseau bis Gertrud Leutenegger. Zürich. Unionsverlag.

Rieger, Eva. 1992. “Emilie Kempin (1853-1901): ‘Mein Name ist mit dem Odium der Geisteskrankheit behaftet’”, in Duda, Sibylle & Luise F. Pusch. Hg. 1992. WahnsinnsFrauen. Frankfurt/M. suhrkamp TB 1876. S. 76-95.

Stadler-Labhart, Verena. 1981. Erste Studentinnen der Rechts- und Staatswissenschaften in Zürich. Zürich.

Woodtli, Susanna. 1975. Gleichberechtigung: Der Kampf um die politischen Rechte der Frau in der Schweiz. Frauenfeld. Huber.

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Hedwig Dohm