Flora Tristan

geboren am 7. April 1803 in Paris
gestorben am 14. November 1844 in Bordeaux

französische Schriftstellerin, Feministin und Sozialistin; Großmutter von Gauguin
170. Todestag am 14. November 2014


BiografieZitateLiteratur & Quellen


Biografie

“In unserer unglücklichen Gesellschaft ist die Frau von Geburt her eine Paria, sie hat die Stellung einer Dienerin ... und fast immer kann sie nur wählen zwischen Heuchelei und Schmach.”

Mit ihrer scharfen Kritik an der Unterdrückung der Frauen stand Flora Tristan in ihrer Zeit - den dreißiger und vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts - nicht allein, und auch ihre Hoffnung “Die Zukunft wird der Frau gehören” wurde von den französischen Frühsozialisten (Saint-Simon, Fourier) geteilt. Aber im Gegensatz zu den männlichen Theoretikern sprach sie aus eigener leidvoller Erfahrung.

Mit knapp achtzehn Jahren hatte sie ihren Arbeitgeber, den Graveur André Chazal, geheiratet, um sich und ihre Mutter aus bitterster Armut zu befreien. Vier Jahre später traf sie selbst die Wahl zwischen “Heuchelei und Schmach”; sie verließ den ungeliebten Mann und suchte sich Arbeit als Reisebegleiterin wohlhabender Familien. Da nach dem Code Napoléon eine Ehescheidung nicht mehr möglich war, hatte Chazal aber weiterhin jedes Recht über sie und ihre Kinder. Jahrelang verfolgte er sie, dreimal entführte er die Tochter Aline, eine Anklage wegen Inzest überstand er unbeschadet. Schließlich verübte er einen Mordanschlag auf seine “untreue” Ehefrau, sie starb fast an den Schußverletzungen.

Flora TristanZuvor hatte sie eine große Reise nach Peru gemacht; von der steinreichen Familie ihres frühverstorbenen Vaters, eines peruanischen Adligen, erhoffte sie sich finanzielle Unterstützung, ohne Erfolg allerdings. Aus diesen Erfahrungen entstanden zwei Texte; der sozialkritische Reisebericht Wanderungen einer Paria und ihr Aufruf zur Gründung einer "Gesellschaft für fremde Frauen", mit der sie alleinreisende Ausländerinnen in Paris unterstützen wollte.

Ihre Beobachtungen in Fabriken, Slums, Gefängnissen und Bordellen englischer Industriestädte, die sie 1839 besuchte, verarbeitete sie in engagiert geschriebenen Reportagen (Spaziergänge in London) und ihrem Hauptwerk, der Union ouvrière. Darin rief sie alle Arbeiter und Arbeiterinnen auf, sich zusammenzuschließen, gemeinsam für das Recht auf Arbeit und Ausbildung (besonders auch der Frauen!) zu kämpfen.

Im Frühjahr 1844 machte sie sich per Schiff (auf der Seine) und per Postkutsche auf eine große Propagandatournee durch ganz Frankreich, um für ihre Ideen zu werben. Dabei wurde sie ständig von der Polizei bespitzelt, von der Presse als femme libre verspottet, aber auch in vielen Städten begeistert empfangen. Nach zehn strapaziösen Monaten brach sie in Bordeaux erschöpft zusammen und starb wenig später an Typhusfieber.

Andrea Schweers

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Zitate

Sie sollen wissen, wundersame Frau, welche Freudenschauer mich durchrieseln angesichts ihres Briefes ... Sie sagen, Sie liebten mich und ich magnetisierte Sie, ja, ich versetzte Sie sogar in Ekstase. Vielleicht scherzen Sie mit mir? Sehen Sie sich vor – schon lange sehne ich mich danach, eine Frau möge mich leidenschaftlich lieben. ...

Die Gefühle, das Gedankenspiel einer Frau bergen so große Kräfte in sich, eine Frau verfügt über solch immensen geistigen Reichtum! (Flora Tristan an ihre Freundin Olympe Chodzko, 1839)

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Literatur & Quellen

Leo, Gerhard. 1990. Aufruhr einer Paria: Das abenteuerliche Leben der Flora Tristan. Berlin. Dietz

Peine, Sibylle. 1995. Ohne Furcht in Weite hinaus: Biographien streitbarer Französinnen. Solothurn; Düsseldorf. Benziger.

Rahm, Berta. 1971. Flora Tristan.  Zürich. Ala.

Sartori, Eva Martin & Dorothy Wynne Zimmerman. 1991. French Women Writers: A Bio-Bibliographical Source Book. New York. Greenwood.

Tristan, Flora. 1983-7 [1833-4]. Fahrten einer Paria. 3 Bde. Zürich. Ala.

Tristan, Flora.  1993 [1840]. Im Dickicht von London oder die Aristokratie und die Proletarier Englands [Promenades dans Londres, ou l’aristocratie et les prolétaires anglais]. Aus dem Franz. übertr. und hrsg. von Paul B. Kleiser und Michael Pösl. Köln. ISP

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Hedwig Dohm