Galina Gorelova

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geboren am 5. März 1951 in Minsk
belarussische (weißrussische) Komponistin
60. Geburtstag am 5. März 2011


BiografieZitateLiteratur & Quellen


Biografie


„Wärest Du früher gekommen -
Ich pflückte hier Maiglöckchen -
Jetzt wirst du sie im Schnee nicht finden“

lautet die Übersetzung eines von Galina Gorelova bevorzugten Haiku. Diese japanische Poesie-Form löste bei ihr bereits im Alter von 13 Jahren den Wunsch aus, sich durch eigene Stilmittel musikalisch auszudrücken. Gebündelt, kurz, ausdrucksstark wie ein Haiku - für sie die Quintessenz einer Idee, ihr Credo für die Musik.

Ihr Vater, von Beruf Ökonom, und ihre Mutter, Bauingenieurin, liebten beide die Musik, und so wuchs Galina Gorelova mit ihren beiden Schwestern in einem von Musik geprägten Elternhaus auf. Schon früh bekam sie Klavierunterricht - ein Instrument zu spielen gehörte in ihrer Kinderzeit ganz selbstverständlich zur Ausbildung. Angeregt durch ihren Vater, der ihr das Alphabet beibrachte und viel Zeit darauf verwandte, ihr aus Büchern vorzulesen, konnte Galina Gorelova bereits mit fünf Jahren lesen. Dies führte allerdings dazu, dass sie später, sehr zum Missfallen ihrer Eltern, bis spät in die Nacht heimlich unter der Bettdecke ihre Bücher verschlang.

Ihre Liebe zur Literatur schlug sich in zahlreichen kammermusikalischen Liedzyklen nieder, in denen sie Gedichte unterschiedlicher Epochen und Sprachen vertonte. Ebenso bilden Zitate aus Gedichten die Titel für viele instrumentale Kammermusikwerke. Ihr Glaube an den unerschöpflichen Reichtum lyrischer Themen spiegelt sich in ihren Kompositionen wider.

Galina Gorelova begann ihr Kompositionsstudium 1972 gemeinsam mit Ljudmilla Shleg und Larisa Muraschka am Konservatorium in Minsk bei Professor Dimitry Smolsky. Diese drei Frauen bildeten die erste Komponistinnen-Generation in Belarus nach etwa 30 Jahren rein männlich besetzter Studienplätze. Auch nach ihnen begannen Frauen erst Mitte der neunziger Jahre wieder das Fach Komposition an der Minsker Akademie für Musik zu studieren.

Als Beste und mit Auszeichnung schloss Galina Gorelova 1979 ihr Studium ab. Sie wurde nach ihrer Ausbildung als Lehrerin an eine Musikschule in Boranovichi geschickt.  Gleichzeitig übernahm sie die Assistenz von Prof. Anatol Bogatyrev am Konservatorium, der späteren staatlichen Musikakademie in Minsk.

Anfang der 80er Jahre wurde ihr Sohn geboren. Sie heiratete nicht, und nur mit Hilfe ihrer Familie gelang es Galina Gorelova, als alleinerziehende Mutter weiterhin ihren Lebensunterhalt zu verdienen und somit ihre Existenz zu sichern . So absolvierte sie zwischen 1983 und 1990 Meisterkurse bei Juri Fortunatov in Moskau, unterrichtete an der heutigen staatlichen Musik-Akademie in Minsk und komponierte zahlreiche Vokal- und Instrumentalwerke.

1990 gründete Galina Gorelova, die als bedeutende Vertreterin des Neo-Romantizismus in der weißrussischen Musik gilt, gemeinsam mit einigen Kollegen die „Belarussische Gesellschaft für moderne Musik“.

In ihrer Musik der letzten zwei Jahrzehnte nimmt das Glockenspiel eine besondere Bedeutung an: der Glockenklang als verbindendes Medium zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Gehörten früher die Glockenklänge der Kirchen in die akustische Landschaft Weißrusslands, so verstummten sie während der Sowjetzeit gänzlich, um Anfang der 90er Jahre wieder zu ertönen. Sie sieht den Glockenklang für sich persönlich aber auch als positive Energie mit heilender Wirkung: Er lindert die Schmerzen ihrer oft wiederkehrenden Migräne.

Seit 1980 unterrichtet Galina Gorelova am Konservatorium, heute die staatliche Musik-Akademie in Minsk die Fächer Komposition, Orchestergeschichte und Kontrapunkt. Ihre Musik ist, neben der poetischen Sichtweise, geprägt von Bildern aus der Natur und der Bildenden Kunst. Viele ihrer Werke sind nach Bildern benannt.

Gorelovas Musik ist Ausdruck der spirituellen Welt der Frau, ihres Lebens und ihrer Liebe. Aber auch Auftragskompositionen für Rundfunk- Fernseh- und Bühnenproduktionen sind inzwischen Teil ihrer Arbeit. 1992 erhielt sie den Preis des Belarussischen Staates für ihr Werk Anno mundi ardentis (im Jahr des Weltenbrands). Der Titel ist einem Gedicht von Maximilian Woloschin entnommen. In dieser Kantate thematisiert sie die Idee zum Widerstand gegen den Krieg und zur Bewahrung des Friedens. Der Text basiert auf Gedichten von Aragon, Apollinaire und Arseni Tarkovsky.
2001 wurde sie für ihr „Concerto“ für 2 Trompeten mit dem Preis des Belarussischen Präsidenten geehrt und auf Grund ihrer Erfolge im In- und Ausland 2005 zur Professorin ernannt.

Astrid Feja-Schwörer

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Zitate

Gorelova, Gitarrenkonzert (Ausschnitt)

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Literatur & Quellen

COMPLETE LIST OF WORKS BY GALINA GORELOVA

ORCHESTRAL: Concerto, violin, large orchestra, 1979; Concerto, oboe, 19-20 strings, 1984; Concerto, balalaika, orchestra, 1991; Concerto, trumpet, orchestra, 1992; Concerto, guitar, tubular bells, 29/31 strings, 1994; Concerto, trombone, large orchestra, 1996; Concerto, 2 trumpets, 3 percussion, 33 strings, 1998; Concerto, viola, tubular bells, 22/26 strings, 2000; Allégresse (concerto), large orchestra, 2002

CHAMBER MUSIC: Scherzino, cello, piano, 1980; Two Belorussian Melodies, 3 violins, piano, 1981; Two Paintings of Henri Matisse, cello, 1981; The Frescoes of Snetogorsk, oboe, 1982; Little Suite, flute, bassoon, violin, cello, 1984; Round Dances, violin, cello, piano, 1984; Mir Castle, guitar, 1985, revised 1992; Thirteen Children’s Pieces, balalaika, piano, 1985; Three Songs without Words, cello, piano, 1986; 25 Belorussian Songs and Dances, violin, piano, 1986; Ballad, cello, piano, 1987; Three Belorussian Melodies, oboe, violin, cello, 1987; Three Melodies, 3 violins, 1987; Seven Modal Pieces, tzimbaly (Belorussian dulcimer), 1987; Sonata, violin, piano, 1988; Konzertstück, 2 pianos, xylophone, 1989; Toccata, balalaika, piano, 1989; Legend, trombone, piano, 1990; Vocalise and Burlesque, trumpet, piano, 1990; Twelve Songs, trumpet, piano, 1991; Three Portraits of Radoslava, flute, piano, 1993; Pastorale, flute, piano, 1993; Two Views of the Ideal Woman, oboe, 1994; A Song of Pesnyakevich, flute, piano, 1994; Al fresco (sonata), double bass, piano, 1995; A Portrait of the Artist’s Wife, violin, piano, 1995; Lonely Idyll, clarinet, piano, 1996; Touches (sonata), clarinet, 1996; A Day in the Beginning of November, flute, oboe, clarinet, 2 French horns, trumpet, string quartet, double bass, piano, 1997; A Sad Shadow of Barbara, 2 harps, 1997 (also version for 2 pianos); Little Triptych, 4 trumpets, 1997; Figures on a Greek Vase, 2 harps, 1998; Al Sereno, viola, piano, 1998; Sonatina, balalaika, piano, 1998; Fanfares and Toccatina, 3 trumpets, 1998; Two Pieces, piccolo trumpet, piano, 2000; From a German Album, piccolo trumpet, 4 trumpets, tuba, 2000; Reminiscence of Nesvige, guitar, virginal, 2000; Christmas Fantasy, flute, piano, 2001; Eine kleine Nachtmusik, viola, piano, 2001; Lucia perpetuo moto, viola, piano, 2001; A Day in the Life of Tatyana, guitar, cello, 2001; Introduction and Fantasy on a Ragtime Theme, viola, piano, 2003; Starling above a Church, flute, guitar, cello, 2004; My Heart Wishes to Return to Kraków, violin, cello, piano, 2004; Three Gobelin Tapestries from Vavel, violin, cello/double bass, piano, 2004; A Night’s Snowfall, guitar, 2004; A New Year’s Reflection, guitar, 2004; Hoarfrost on Bells, ensemble, 2005; She Played a Flute to a Pear in a Garden, flute, 2005

CHORAL: Lyrical Cantata (texts from Belorussian folksongs), female chorus, orchestra, 1977 (also version for female chorus, 6 or more folk players, 1977); Dazhinki – Harvest (text from ancient Belorussian folklore), mixed chorus, 1980; Three Songs (text by Walter Meer), children’s chorus, piano, 1986; I want to speak in the language of flowers (text by Ovsey Driz), children’s chorus, 1986
VOCAL: Song-Cycle on Texts of Leopold Staff, baritone, piano, 1974; Songs of the Girl (text by Maksim Bogdanovich), soprano, piccolo, piano, 1979; Sad Songs (text by Anna Akhmatova), mezzo-soprano, piano, 1980; In Praise of Poor Men (text by Pierre-Jean de Béranger), baritone, piano, 1983; Song-Cycle on Texts of Émile Verhaeren, tenor, 2 flutes, piano, 1984; Bondarovna (symphonic poem, texts by Yanka Kupala, Belorussian folksongs), folk soprano, folk alto, large orchestra, 1986; Song-Cycle on Latin-American Poetry (texts by César Vallejo, Carlos López Dzur), baritone, piano, 1986; Four Songs above a Cradle (texts by Evdokia Los, Larysa Geniyush, Nelly Tulupova), mezzo-soprano, tzimbaly, 1988; Anno mundi ardentis (texts by Louis Aragon, Arthur Rimbaud, Guillaume Apollinaire, Arseny Tarkovsky, Valery Bryusov, Semyon Kirsanov), mezzo-soprano, baritone, large orchestra, 1989; One Thousand Years of Hope (cantata, texts by Sor Juana Inés de la Cruz, Chin-i Hwang, Anna Akhmatova, Li Qing-zhao, Tisato Oe, anonymous 15th-century Chinese poet, anonymous 1st-century BC Egyptian poet), soprano, orchestra, 1990
PIANO: Four Portraits, 1982; Three Landscapes, 1982-85; Three Japanese Miniatures on Silk, 1985; The Old Castle, 1987; Alex’s Corner, 1990; Picture Cards on Colored Paper (suite), 1991; Album of the Evening (suite), 1995; To a Soaring Bird (sonata), 1995; Four Sentimental Recollections, 1996; Antique Motif – Solar Bell Tower, 1996; A Sad Shadow of Barbara, 2 pianos, 1997 (version of work for 2 harps); Landscapes (suite), 1997; Sunday Music (suite), 2 pianos, 1997; Figures on a Greek Vase II (suite), 2001; Two Temptations of Adam, 1998; Four Seasons (suite), 1999; Landscape with a Blossoming Apple Tree (suite), 2004

(Last updated April 27, 2005)       

 

 

 

 

 

 

 

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Hedwig Dohm