Gertrud Kückelmann
Deutsche Schauspielerin
geboren am 3. Januar 1929 in München
gestorben am 17. Januar 1979 in München
75. Geburtstag am 3. Januar 2004
25. Todestag am 17. Januar 2004
Mitte der sechziger Jahre kaufte ich mir meinen ersten Fernseher, und eins der ersten großen Erlebnisse, die er mir bescherte, war die Aufzeichnung von Schnitzlers “Frau Berta Garlan” mit Gertrud Kückelmann in der Titelrolle. Sie spielte die Rolle der betrogenen liebenden Frau mit so verzehrender Intensität, daß es mir bis heute unvergeßlich ist. Und es heißt immer wieder in den Nachrufen, daß das Fernsehen nur einen müden Abglanz dessen vermitteln konnte, was sie auf der Bühne ausstrahlte.
Am 17. Januar 1979, zwei Wochen nach ihrem 50. Geburtstag, sprang Gertrud Kückelmann aus der Schwabinger Wohnung ihres Bruders, des Rechtsanwalts und Filmregisseurs Norbert Kückelmann, vier Stockwerke tief in den Tod. Sie hinterließ keinen Abschiedsbrief, aber die Obduktion ergab, daß sie an Darmkrebs in fortgeschrittenem Stadium litt, und so wird vermutet, daß sie einem schrecklichen Ende vorgreifen wollte und/oder an schweren, wohl durch die Krankheit bedingten Depressionen litt.
Die Nachrufe für sie bezeugen eine ungewöhnliche Tiefe des Gefühls und Sensibilität des Urteils. Um “Kücki” wurde wirklich getrauert: “‘Kücki’ wurde sie zärtlich genannt, und ohne Zärtlichkeit ist sie nicht zu denken.” (FAZ) Joachim Kaiser bescheinigt ihr “eine hohe, gewiß eigensinnige Intelligenz sowie eine manchmal beinahe erschreckende Professionalität. Sie konnte sehr viel.” Und die Zeit diagnostiziert “...eine ausdauernde, zutiefst ratlose Freundlichkeit, die das genaue Gegenteil von Fröhlichkeit ist” und schließt mit dem Fazit: “Im Gedächtnis werden bleiben: ihre unaufwendige, schlafwandlerische Virtuosität und mehr noch ihre Schwermut ohne Schwere.”
Zwischen der Karriere Gertrud Kückelmanns und derjenigen Audrey Hepburns gibt es erstaunliche Parallelen. Beide wurden 1929 geboren, begannen als Ballettänzerinnen - eine Ausbildung, die ihre Anmut noch unterstrich und ihre ganze Erscheinung und Auftrittsweise prägte. Beide betörten ihr Publikum mit diesen großen dunklen sprechenden Augen in dem zarten, verletzlichen Gesicht. Beider größte Filmerfolge fielen in die 50er Jahre, als sie in ihren Zwanzigern waren und ihr Alter sich noch mit ihrer “mädchenhaften” Erscheinung und Ausstrahlung deckte.
In den sechziger Jahren zog Hepburn sich allmählich aus dem Filmgeschäft zurück, während Kückelmann, die seit 1949 festes Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele war, ihre großen Triumphe auf der Bühne feierte - dadurch dem ganz großen Publikum allerdings entzogen. 1969 wurde ihr Vertrag an den Kammerspielen nicht verlängert, und sie arbeitete eine Weile als - Krankenschwester. Seit 1974 sah man sie dann wieder im Fernsehen und auf dem Theater, arbeitete sie für den Rundfunk und als Synchronsprecherin.
Kückelmann, deren schauspielerisches Können niemand bestritt - schon für ihre zweite Filmrolle bekam sie 1952 den Bundesfilmpreis als beste Nachwuchsschauspielerin - galt als schwierig. “Immer wieder hatte sie Meinungsverschiedenheiten mit Kollegen und Regisseuren, weil sie zu hohe Ansprüche stellte.” (Kölner Stadtanzeiger). “Ihr überragendes Talent aber veranlaßte Theaterleute doch immer wieder, mit der gewiß nicht unproblematischen Künstlerin zusammenzuarbeiten.” (Rhein. Post)
Gertrud Kückelmann selbst sah es so: “Die eigene Persönlichkeit muß in einer anderen aufgehen. Man muß achtgeben, sich selbst zu bewahren, gerade, wenn man Rollen intensiv gestaltet. Für sensible Menschen ist dieser Beruf Erfüllung und Gefährdung gleichermaßen.”
Luise F. Pusch
Kaiser, Joachim. 1979. "Ein selbstgewähltes Schicksal: Zum Tod von Gertrud Kückelmann", Süddeutsche Zeitung, 19.1.1979.
Lubowski, Bernd. 1979. "Kollegen und Publikum trauern um den Star Gertrud Kückelmann", Morgenpost, 19.1.1979.
Munzinger, L. (Hg.): Munzinger Archiv. Internationales biographisches Archiv, Ravensburg 1980 (1) und 1997 (1).
Petzet, Wolfgang. 1973. Theater: Die Münchner Kammerspiele 1911-1973. München. Desch.
rinzler, Hens Helmut. 1998. "Fern von jeder Realität: Über die Schauspielerin Gertrud Kückelmann". FilmGeschichte 11/12, 1998, S. 54-57.
Richter, Hans Werner. 1980. Die Flucht nach Abanon. Erzählung. München. Nymphenburger.
Stankiewicz, Karl. 1979. "Gertrud Kückelmann hatte Krebs. Krankheit nicht mehr ertragen? Sie sprang in den Tod", Kölner Stadtanzeiger, 19.1.1979.
Zander, Brigitte. 1979. "Gertrud Kückelmann gestorben", Rheinische Post, 19.1.1979.












