Kate Millett

geboren am 14. September 1934 in St. Paul, Minnesota, USA

US-amerikanische feministische Theoretikerin und Aktivistin; Künstlerin


BiografieWeblinksLiteratur & Quellen


Biografie

In der progressiven englischen Tageszeitung The Guardian beschreibt die 63jährige Millett 1998 ihre Existenzangst und Frustration. Sie fürchtet Altersarmut.

War sie in den 70ern eine Person des öffentlichen Lebens, so geriet sie Ende des Jahrhunderts zunehmend in Vergessenheit. Lehraufträge bleiben aus, ihre Bücher sind vergriffen. Geldnot belastet sie, die Erträge ihrer Farm sind gering. Sie beschreibt die entnervende Suche nach einer angemessen bezahlten Stelle, die sich trotz ihrer akademischen und publizistischen Qualifikationen nicht finden läßt. Sie vermutet, daß sie ihren Marktwert als Aktivistin der zweiten feministischen Generation verloren hat. Ihr bahnbrechendes Werk Sexual Politics (1970; deutsch: Sexus und Herrschaft), in dem sie die “Politik des Patriarchats” analysierte, scheint überholt. Sie spürt die Konkurrenz jüngerer feministischer Akademikerinnen.

Der Artikel zeigt Wirkung. Sexual Politics wird neu aufgelegt, sie erhält Lehraufträge, ihre Kunst wird ausgestellt. Im Nachhinein ist ihr der Artikel etwas peinlich; außerdem sei er derart gekürzt gedruckt, daß nur die negativen Perspektiven vermittelt wurden.

Kate Millett wurde 1934 in Minnesota geboren und studierte an der University of Minnesota, St. Hilda’s (Oxford) und an der Columbia University in New York. 1961 zog sie nach Japan, wo sie 1965 ihren Künstlerkollegen Fumio Yoshimura heiratete, von dem sie sich in den 70ern trennte. Sie arbeitet als Malerin, Photographin, Bildhauerin, Filmemacherin, Publizistin, Schriftstellerin und feministische/politische Aktivistin.

Frauenbild Mit der Veröffentlichung von Sexual Politics wurde sie schlagartig zur öffentlichen Person. Ihr lesbisches Coming Out entfremdet sie dem damaligen hetero-feministischen Mainstream. Es folgen Zeiten extremer Verausgabung: Vorträge, Interviews, Lehrtätigkeit, Veröffentlichungen, künstlerische Tätigkeit, internationale Ausstellungen, politischer Aktivismus.

Ihre in Sita (1977) geschilderte lesbische Beziehung scheitert. Ihre Farm läuft schlecht. 1979 reist sie in den Iran zur Unterstützung der beginnenden Frauenrechtsbewegung. Sie wird ausgewiesen.

Frauenbild  Dem Druck hielt sie nicht stand. Ihren Zusammenbruch und den desaströsen Aufenthalt in der Psychiatrie schildert sie 1990 in The Loony Bin Trip (deutsch: Der Klapsmühlentrip, 1993). Millett wurde als manisch-depressiv eingestuft und erhielt starke Psychopharmaka. Nach ihrer Entlassung wird sie von der Angst verfolgt, wirklich wahnsinnig zu sein. Die starken Medikamente haben üble Nebenwirkungen; Millett reduziert die Dosis – und es passiert nichts. Es drängt sich der Verdacht auf, daß die Diagnose “manisch-depressiv” völlig falsch war. Schwer mitgenommen, aber ungebrochen, engagiert Millett sich in der Anti-Psychiatrie-Bewegung.

Beate Schräpel

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Links

Bericht von Annette Eckert (taz) über einen Besuch bei Kate Millett zur Zeit des 11. September 2001 Interessante Infos, etwas mokant serviert.

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Literatur & Quellen

Veröffentlichungen:

The Prostitution Papers (1973), Flying (1974), The Basement (1979), The Politics of Cruelty (1994), Mother Millett (2002). — Viele sind nur noch antiquarisch verfügbar; hier eine Liste neuer und gebrauchter Titel.

Literatur:

Koch–Kanz, Swantje & Luise F. Pusch. 1999. “Elizabeth Packard (1816-1867): Kreuzzug gegen die mutwillige Einweisung von Frauen in Irrenanstalten”, in: Duda, Sibylle & Luise F. Pusch. Hg. 1999. WahnsinnsFrauen. Dritter Band. Frankfurt/M. suhrkamp TB 2493. S. 45-73, besonders S. 67-73 über Milletts “Klapsmühlentrip”.

Millett, Kate. 1996. [1990; 1993 ]. Der Klapsmühlentrip [= The Loony-Bin-Trip]. Köln. Kiepenheuer & Witsch. KiWi 430.

Millett, Kate. 1998. “Out of the Loop and out of Print: Meditations on being Unemployed”, On the Issues: The Progressive Woman’s Quarterly. Summer 1998. S. 38-41. (Unter dem Titel “The feminist time forgot” abgedruckt in The Guardian, 23. Juni. 1998

Freely, Maureen. 2001. “Return of the troublemaker”, The Guardian, 19. Juni, 2001

Bridegam, Martha. 2001. Rezension von “Mother Millett”, Bad Subjects, 5. Juli, 2001

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Hedwig Dohm