Lu Märten

(Louise Charlotte Märten [eigentlicher Name]; Luzifer [Pseudonym]; Raa Bonares [Pseudonym]; Allan Loeben [Pseudonym])

geboren am 24. September 1879 in Berlin-Charlottenburg
gestorben am 12. August 1970 in Steglitz

deutsche Publizistin und sozialistische Theoretikerin
40. Todestag am 12. August 2010


BiografieZitateWeblinksLiteratur & Quellen


Biografie

Geboren als viertes Kind einer proletarisierten Beamtenfamilie, erlebte Lu Märten eine durch Armut und Krankheit geprägte Kindheit.
Universitäten waren den Frauen noch verschlossen; so erarbeitete sie sich zu Hause ein reiches Wissen in Geschichte, Philosophie, Volkswirtschaft, Ethnologie und Kunstgeschichte.

Als 19jährige trat sie der SPD bei, derjenigen Partei, die programmatisch am entschiedensten verkündete, was Lu anstrebte: vollständige Gleichberechtigung von Frauen und Männern.
Eine kurze Ehe bestätigte ihre Einsicht, dass die Befreiung der Frau nur möglich war, wenn sie sich vom bürgerlichen Ideal der treusorgenden Hausfrau und Mutter befreite. In ihren frühen journalistischen Arbeiten propagierte Lu darum die Auflösung des Einzelhaushalts zugunsten genossenschaftlicher Haushaltungsformen.
Die Erkenntnis, dass die Arbeiterbewegung bisher keine eigenständige Kultur entwickelt hatte, vielmehr lediglich die Kultur des Bürgertums kopierte, veranlasste sie 1924 zu ihrem wichtigsten Werk, Wesen und Veränderung der Formen (Künste), in dem sie eine marxistische Ästhetik entwickelte.

Nach einer reichen publizistischen Tätigkeit während der Weimarer Republik musste sie, die 1920 Mitglied der KPD geworden war, erleben, dass im Mai 1933 auch ihre Werke der Bücherverbrennung zum Opfer fielen. Sie konnte nicht mehr publizieren und geriet in Not, blieb aber ihrer sozialistischen Haltung treu. Im Widerstand verteilte sie Schriften und half der verfolgten Schriftstellerin Recha Rothschild bei ihrer Flucht durch Deutschland.

Nach 1945 nahm sie ihre publizistische Tätigkeit wieder auf, fand jedoch, wie so viele Weimarer AutorInnen, kaum noch Resonanz. Ihre Kunsttheorie geriet in Vergessenheit, denn im Westen war sie als Marxistin verpönt, im Osten als unorthdox.

So arbeitete sie als Lektorin und beim Aufbau der Volksbücherei Steglitz. Wirtschaftlich gesichert war sie durch eine Rente, die ihr der Magistrat von Groß-Berlin für ihre publizistische Tätigkeit auf Lebenszeit ausgesetzt hatte.

(Text von 1995)

Marianne Goch

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Zitate

Ihren marxistischen Kritikern hielt sie entgegen: »Der historische Materialismus ist kein Zahnstocher, mit dem man nur gerade bis auf die kritischen Schäden gelangt, sondern ein Wurzelinstrument.«

Von Kunst reden kann doch für uns nicht heißen, von Wilde oder Shakespeare in erster Linie handeln, sondern vom Geist des Volkes.                                               

Aus Nachahmung, Spiel und Mitteilung entsteht Kunst.

Die höchste Kunst grüßen wir erschüttert da, wo die Form dem Inhalt so nahe kommt, dass sie anders nicht mehr zu denken ist.

Unter der Herrschaft des Kapitalismus ist Kunst und geistige Arbeit eine Ware geworden wie jede andere.             

Die Musik steht jenseits aller verstandesgemäßen Bedingtheit oder Möglichkeit.                                     

Was die Musik des Wilden ausdrücken kann, ist das Gleiche, was die Musik unserer Tage ausdrückt. Gefühle ohne Begriffe.

(alle Zitate außer dem ersten aus: Knischek, Stefan (2006): Lebensweisheiten berühmter Philosophinnen. »Freiheit ist das höchste Gut«. Baden-Baden: Humboldt (Humboldt-Paperback Information & Wissen, 4072). ISBN 3-89994-072-5.)

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Links

Google Buchsuche – Lu MärtenGoogle Buchsuche: Lu Märten
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Kambas 1987 – Märten, LuKambas, Chryssoula (1987): Märten, Lu. In: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 641-643.
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Kuni 2002 – Die Künstlerin als ArbeiterinKuni, Verena (2002): Die Künstlerin als Arbeiterin (an) der Gesellschaft. Lu Märtens zeitgemässe Betrachtungen zur Ökonomie der namenlosen Genialität. Buchbesprechung, in: querelles-net, Nr. 6 (2002).
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Literaturarchiv der Akademie der Künste – Lu Märten ArchivLiteraturarchiv der Akademie der Künste: Lu Märten Archiv
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Lu Märten PapersLu Märten Papers. Correspondence with prominent persons.
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Literatur & Quellen

Brinker-Gabler, Ludwig et al. (Hg.) 1986 – Lexikon deutschsprachiger Schriftstellerinnen

Dehning 2000 – Lu Märten

Märten 2001 – Die Künstlerin

Quellen
Brinker-Gabler, Gisela, Ludwig, Karola und Wöffen, Angela (Hg.) (1986): Lexikon deutschsprachiger Schriftstellerinnen. 1800 – 1945. München. Deutscher Taschenbuch-Verlag. (dtv, 3282) ISBN 3-423-03282-0.
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Budke, Petra (1995): Schriftstellerinnen in Berlin 1871 bis 1945. Ein Lexikon zu Leben und Werk. 1. Aufl. Berlin. Orlanda-Frauenverlag. ISBN 3-929823-22-5.
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Geisel, Beatrix: Unterdrückte Sozialismuskritik. Lu Märten, eine frühe feministische Dissidentin.
In: Feministische Studien, 1/1991. S. 28–45.

Geisel, Beatrix (1989): »Nach Zwecken zerteilt«. Lu Märten – ein »weibliches« Rezeptionsschicksal. Unveröffentlichte Rezeptionsanalyse.

Kambas, Chryssoula (1988): Die Werkstatt als Utopie. Lu Märtens literarische Arbeit und Formästhetik seit 1900. Tübingen. Niemeyer. (Studien und Texte zur Sozialgeschichte der Literatur, 19) ISBN 3-484-35019-9.
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Märten, Lu (1982): Formen für den Alltag. Schriften, Aufsätze, Vorträge. Dresden. Verlag der Kunst. (Fundus-Bücher, 79)
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Werke
Märten, Lu (1909): Bergarbeiter. Schauspiel in einem Akt. Stuttgart. Dietz.
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Märten, Lu (1914): Die wirtschaftliche Lage der Künstler. München. G. Müller.
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Märten, Lu (1921): Historisch-materialistisches über Wesen und Veränderung der Künste. (Eine pragmatische Einl.). Berlin. Junge Garde. (Internationale Jugendbibliothek, Nr. 15)
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Märten, Lu (1924): Wesen und Veränderung der Formen und Künste. Resultate historisch-materialistischer Untersuchungen. Frankfurt am Main. Taifun-Verlag.
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Märten, Lu (1948): Bürgermeister Tschech und seine Tochter. Erinnerungen an den Vormärz (1844). Berlin. Grosser.
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Märten, Lu (1982): Formen für den Alltag. Schriften, Aufsätze, Vorträge. Dresden. Verlag der Kunst. (Fundus-Bücher, 79)
(Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)

Märten, Lu (1914): Die Künstlerin. Eine Monographie. Herausgegeben von Chryssoula Kambas. Bielefeld. Aisthesis-Verl. 2001. ISBN 3-89528-298-7.
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Weiterführende Literatur
Dehning, Sonja (2000): Lu Märten – Torso. Das Buch eines Kindes (1909).
In: Dehning, Sonja: Tanz der Feder. Künstlerische Produktivität in Romanen von Autorinnen um 1900. Würzburg. Königshausen & Neumann (Epistemata, Reihe Literaturwissenschaft, 317). ISBN 3-8260-1824-9S. 181–217.
(Eurobuch-Suche | WorldCat-Suche)


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Hedwig Dohm