Marga von Etzdorf

geboren am 1. August 1907 in Berlin-Spandau
gestorben am 28. Mai 1933 in Aleppo, Syrien

deutsche Fliegerin

100. Geburtstag am 1. August 2007


BiografieZitateLinksLiteratur


Biografie

Marga von Etzdorf bei der Ankunft in Tokio

„Berlin-Tokio mit dem kleinen Junkers-Junior war glatt gegangen. Das politische Durcheinander in China hielt mich auf, und schließlich war ich in dem einfach märchenhaften Siam“ berichtet Marga von Etzdorf in ihrer Autobiographie. In nur 11 Tagen legte sie im Alleinflug eine Strecke von 10.000 Kilometern zurück. Wie die meisten PilotInnen ihrer Zeit hatte das Langstreckenfieber sie gepackt.
Ein Jahr zuvor, 1930, war sie mit ihrer knallgelben Junkers-Junior, die sie “Kiek in die Welt” taufte, zu den Kanarischen Inseln geflogen. Bei beiden Rückflügen hatte sie wenig Glück, stürzte bei den Starts ab und verstauchte sich beim zweiten Flug die Wirbelsäule.
Marga von Etzdorf

Nach ihrer Rückkehr nach Berlin arbeitete die ehrgeizige Marga von Etzdorf dennoch mit großem Optimismus an ihrem nächsten Plan: Am 27. Mai 1933 startete sie nach Australien. Bereits einen Tag später beschädigte die 26jährige Pilotin ihre Maschine bei der Landung. Was dann geschah, bleibt bis heute ein Rätsel: Sie begab sich in das Flugplatzgebäude und erschoß sich. Nichts hatte auf ihren Selbstmord vorausgedeutet.

Marga von Etzdorf wuchs nach dem frühen Tod ihrer Eltern bei den Großeltern auf. Weder ein Studium noch die einjährige Frauenschule interessierten sie. Statt dessen entschied sie sich mit 19 Jahren für eine Ausbildung zur Pilotin. Die Faszination des Fliegens hatte sie nach einem Vergnügungs-Rundflug ergriffen.
Marga von Etzdorf

1927 bestand Marga von Etzdorf die A-Schein-Prüfung und war damit nach dem Krieg die zweite Pilotin in Deutschland. Bald folgte der B-Schein, den sie unter erschwerten Bedingungen erwarb, denn Frauen waren an der Deutschen Verkehrsfliegerschule nicht zugelassen. Ihre Berufschancen sahen äußerst schlecht aus – Fliegen war eine reine Männer-Domäne. Umso bemerkenswerter, dass es ihr im darauffolgenden Jahr gelang, eine Stelle als Kopilotin bei der Lufthansa zu bekommen.
Mit finanzieller Hilfe ihrer Großeltern kaufte sie sich 1930 ein eigenes Flugzeug, mit dem sie zunächst Reklame-, Passagier- und Kunstflüge durchführte. Schon bald flog sie abenteuerliche Langstrecken und wurde von der Presse als Heldin der Nation gefeiert. Heute ist Marga von Etzdorf wie viele andere Flugpionierinnen vergessen.

Sybille Dörr

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Zitate

Die Schwestern des Ikarus - Frau und Flug   Sonderausstellung im Zeppelin Museum Friedrichshafen  vom 4. Juni – 26. September 2004  Foto: Thomas Mayer

Es gehörten Mut, Abenteuerlust und eiserne Nerven dazu, im Cockpit einer dieser ersten, winzigen Propellermaschinen zu sitzen: „Ein Umfliegen war diesmal nicht möglich … Mit Todesverachtung stürzte ich mich also in das Gewitter hinein … Die Böen packten meine Maschine wie einen Federball.”
(Marga von Etzdorf über ihren Rückflug von Afrika)

Da bis jetzt bei Luft Hansa noch niemals eine Frau als (Flugzeug-) Führerin eingestellt worden war, begegnete ich zunächst etwas erstaunten Gesichtern bei den Herren, denen ich meine Bitte vortrug. Aber als zweiter Führer konnte ja selbst eine Frau kein Unheil anrichten. Dieser Überlegung verschloss man sich nicht und ich bekam die Erlaubnis.
(Marga von Etzdorf in ihrer Autobiografie)

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Links

Deutsches Rundfunkarchiv – 100. Geburtstag von Elly Beinhorn


Deutsches Rundfunkarchiv: 100. Geburtstag von Elly Beinhorn. Tondokumente, u. a. Aufnahmen mit Marga von Etzdorf. Zuletzt geprüft am 18.07.2007.

Schauer – Die kühnen Schwestern des Ikarus


Schauer, Rainer: Die kühnen Schwestern des Ikarus. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 178 vom 03.08.2006, S. R2. Zuletzt geprüft am 19.07.2007.

Warbirds – Junkers A50


Warbirds: Junkers A50 / Marga von Etzdorf. Fotos und Texte. Zuletzt geprüft am 19.07.2007.

Wikipedia – Marga von Etzdorf


Wikipedia: Marga von Etzdorf. Zuletzt geprüft am 18.07.2007.

Zegenhagen – Nur eine Handvoll Wind


Zegenhagen, Evelyn: Nur eine Handvoll Wind unter den Flügeln - Deutsche Pilotinnen und kommerzielle Luftfahrt vor 1945 (Teil 1: Bis 1933). In: VDP-Nachrichten, Ausgabe 1/2004, S. 28-30. PDF-Datei, ca. 2MB.

Zegenhagen 2006 – „Im übrigen sind die Erfahrungen


Zegenhagen, Evelyn: „Im übrigen sind die Erfahrungen, die wir mit den fliegenden Frauen bislang gemacht haben, die allerbesten.“. Geschlechterverhältnisse und -konkurrenzen in der deutschen Luftfahrt der Zwischenkriegszeit. Tagungsbeitrag, u. a. mit Hintergründen zum Suizid Etzdorfs. PDF-Datei, 240 KB. Arbeitskreis für interdisziplinäre Männer- und Geschlechterforschung.

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Literatur


Quellen


Beinhorn, Elly (1980): Marga von Etzdorf – allein nach Nordafrika und weiter. Fliegerkalender.


Etzdorf, Marga von (1931): Kiek in die Welt. Als deutsche Fliegerin über drei Erdteilen. Berlin: Union.

Pfister 1989 – Fliegen


Pfister, Gertrud (1989): Fliegen – ihr Leben. Die ersten Pilotinnen. Berlin: Orlanda-Frauenverl.

Weiterführende Literatur


Hervé, Florence; Nödinger, Ingeborg (1996): Lexikon der Rebellinnen. Von A - Z. Enthält: Kurzbiografie Marga von Etzdorf von Gertrud Pfister. Dortmund: Ed. Ebersbach.

Hervé, Nödinger 1996 – Lexikon der Rebellinnen

Rebmann 2001 – Als Frau in die Luft


Rebmann, Jutta (2001): Als Frau in die Luft ging. Die Geschichte der frühen Pilotinnen. Mühlacker, Irdning/Steiermark: Stieglitz-Verl.

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Hedwig Dohm