Marie Blanc

(Marie Hensel [Geburtsname])

geboren am 23. September 1833 in Friedrichsdorf (Taunus)
gestorben am 25. Juli 1881 auf Schloß Moutiers (Frankreich)

deutsch-französische Spielbankdirektorin und Philanthropin
180. Geburtstag am 23. September 2013


BiografieLiteratur & Quellen


Biografie

Die Tochter einer Schusterfamilie wächst mit neun Geschwistern in einem Fachwerkhäuschen auf. Da Friedrichsdorf eine hugenottische Siedlung ist, lernt die kleine Marie in der Schule Französisch, was sich für ihren späteren, märchenhaften Aufstieg als Vorteil erweisen wird, denn mit fünfzehn wird sie Hausmädchen bei François Blanc, dem französischen Gründer der Spielbank im benachbarten Homburg. Es entwickelt sich eine Liebesbeziehung zu dem 27 Jahre älteren Mann, die 1854, nachdem sich Marie einer vierjährigen Erziehung in einer exklusiven französischen Klosterschule unterzogen hat, legalisiert wird. Das Paar hat drei gemeinsame Kinder, und Marie integriert Blancs uneheliche Söhne aus einem vorherigen Verhältnis mit ins Familienleben.

Zeitgenössische Quellen belegen, daß Marie den Luxus liebte, ausgefallenen, teuren Schmuck trug, ihre Wohnräume mit erlesensten Kostbarkeiten ausstattete und sich gleichzeitig nie ihrer einfachen Herkunft schämte. Sie kauft ihren Eltern in Friedrichsdorf ein größeres Haus und ihren Geschwistern Grundstücke. Sozial schwache Friedrichsdorfer Familien unterstützt sie finanziell.

1863 werden die Blancs auf Monaco als neuen Casino-Standort aufmerksam. Für 2 Millionen Francs kaufen sie die entsprechende Lizenz, bauen gemeinsam die Spielbank auf, fördern in dem verschlafenen Fürstentum den Ausbau der Infrastruktur. Der Einsatz lohnt sich, denn 1872 muß die Homburger Spielbank schließen, da das Glücksspiel im Deutschen Reich verboten wird. Marie holt mehrere ihrer Geschwister nach Monaco und betraut sie mit Posten im neuen Casino. Nach dem Tod ihres Mannes 1877 leitet sie die Spielbank mit Geschick und Weitblick. Sie legt das Vermögen so gut an, daß sie ihren Kindern 80.000 Francs sowie diverse Häuser und Schlösser vererben kann. Eine ihrer Töchter heiratete einen Nachfahren von Lucien Bonaparte (Bruder Napoleons). Ihre Tochter Marie Bonaparte (1882-1962) wurde eine Pionierin der Psychoanalyse und konnte als Freundin der Familie Freud ihren von der Großmutter ererbten Reichtum u.a. zum Wohl der Psychoanalyse und der Familie Freud einsetzen.

Eine “knallharte” Geschäftsfrau wurde sie aber nie. Zu ihrem Tod 1881 erscheint im Figaro folgender Nachruf: „... Die Wohnung der Madame Blanc war stets von Armen, von Bittstellern, Agenten, Vermittlern und Stellensuchenden belagert, – die Armen wandten sich nicht vergebens an die wohlthätige Dame. Sie trug ein Chequebuch bei sich, aus welchem sie – wenn ihr ein Bittsteller würdig erschien – einfach ein Blatt herausriß ...“.

Karin Müller

Seitenanfang



Literatur & Quellen

Quellen:

Baeumert, Angelika. 1987. 300 Jahre Friedrichsdorf 1687-1987. Friedrichsdorf im Taunus. Magistrat der Stadt Friedrichsdorf.

Bethge, Ingeborg. 1971. Friedrichsdorf Taunus. 200 Jahre Stadtrechte 1771-1971. Bad Homburg. Kulturverlag I. Bethge.

www.spielbank-bad-homburg.de (12.06.2008)

Seitenanfang

Sollten Sie RechteinhaberIn eines Bildes und mit der Verwendung auf dieser Seite nicht einverstanden sein, setzen Sie sich bitte mit Fembio in Verbindung.

Share Tweet Mail Druck

Seitenanfang

Hedwig Dohm