Marlene Dietrich

geboren am 27. Dezember 1901 in Berlin
gestorben am 6. Mai 1992 in Paris

deutsch-amerikanische Schauspielerin und Sängerin
20. Todestag am 6. Mai 2012


BiografieWeblinksLiteratur & Quellen


Biografie

“Bach, Bach, Bach, immer wieder Bach. Acht Stunden am Tag üben. Meine Mutter und ich verloren darüber beinahe den Verstand. Ich gab als erste auf.”

Eine Sehnenentzündung am linken Ringfinger führte zu einem jähen Ende von Maria Magdalena Dietrichs Ausbildung zur Konzertgeigerin. Da wandte sich die Tochter eines preußischen Polizeioffiziers der Schauspielerei zu. Sie absolvierte das Max-Reinhardt-Seminar, spielte in Berlin Theater, bis sie schließlich 1930 mit dem Blauen Engel den Grundstein zu ihrer einmaligen Karriere legte. Auf einer Tonne sitzend, die Beine übereinandergeschlagen, sang sie davon, daß sie von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt sei.

Am Tag der Filmpremiere reist sie in die USA. Zunächst arbeitet sie dort ausschließlich mit dem Regisseur Josef von Sternberg, dem sie 1931 ein Foto widmete: “Meinem Schöpfer von seinem Geschöpf.”

Nicht nur durch ihr schauspielerisches Talent nahm Marlene Dietrich ihr Publikum für sich ein, vor allem ihre Erscheinung faszinierte. Ob, damals revolutionär, in Frack und Zylinder oder im durchsichtigen Glitzerkleid, ihre androgyne Ausstrahlung sprach Frauen wie Männer an. “She has sex, but no particular gender,” sagte Kenneth Tynan.

Sie wurde zum Idol der sich emanzipierenden Frauen zwischen den Weltkriegen. Auch politisch war die Dietrich emanzipiert: “Aus Anstand” sei sie zur Antifaschistin geworden, sagte sie einmal. Sie unterstützte FluchthelferInnen, half jüdischen EmigrantInnen, sang und tanzte als Betreuerin der amerikanischen Truppen.

1953 begann sie eine neue Karriere als Showstar und Chansonsängerin, die erst 1975 nach einem Schenkelhalsbruch während eines Auftritts in Sidney endete. “Angels don’t die” – 91jährig starb die Unsterbliche, die zuletzt an Muskelschwund erkrankt war, abgeschieden in ihrer Pariser Wohnung.

—————

Zitate:

An diesem Abend schlug ich ihr vor, Hosen zu tragen. Ich sagte ihr, daß sie in Marokko in der Hosenszene so gut aussehe, daß sie sie immer tragen sollte. ... Am nächsten Tag brachte ich sie zu meinem Schneider in Hollywood, und sie bestellte nicht ein Paar, sondern viele mehr und die passenden Jacken gleich dazu. Natürlich sah sie in allen hervorragend aus. Eines Tages erschien sie mit einem Paar davon in den Paramount Studios. Am nächsten Tag waren in allen Zeitungen im ganzen Land Photos von ihr. Von diesem Augenblick an zogen Frauen auf der ganzen Welt Hosen an. (Die Schriftstellerin Mercedes de Acosta, mit der Marlene Dietrich 1932 liiert war)


O-Ton Marlene, aus Nehmt nur mein Leben…: Reflexionen. München.  Goldmann TB 6327:

Es hat mich nie gereizt, mich in die Sonne zu legen, und das mag wohl einer der Gründe dafür sein, dass meine Haut weich und unversehrt geblieben ist.

Ich habe dieses Wunder, wie einer einen Schauspieler und eine künstlerische Leistung erschafft, nach von Sternberg nur noch ein einziges Mal erlebt: Luchino Visconti gelang es mit Helmut Berger.

In der heutigen Welt bedeutet Sex sehr viel mehr als früher, denn was haben die Leute denn sonst schon?

Nun möchte ich zum Thema Rauchen noch etwas sagen. Als ich noch rauchte, schlief ich wie ein Baby. Seit dem Tag, an dem ich aufhörte, ... schlief ich nie wieder.

Von mir wurde behauptet, „Sie bewegt sich nie vom Fleck.“ Aber wenn ich auch nur den schüchternsten Versuch machte, gelegentlich meinen Partner anzusehen, kam sofort der Kameramann angeschlichen und ersuchte mich, das doch bitte zu unterlassen.

Über amerikanisches Weißbrot: Man kann genausogut Baumwolle essen.

Über den Film „Der Blaue Engel“: Manchmal dachte ich, der Film, den wir drehten, sei doch recht ordinär. Das scheint mir auch heute noch so.

Über den Tänzer Rudolf Nurejew: Nie bin ich einem Mann begegnet, der eingebildeter ist als er. Und er hatte wohl ein Recht dazu.

Über Mae West: Sie erwartete nichts, darum wurde sie selten enttäuscht.
... Sie war ein Fels, an den man sich klammern konnte, ein Mensch mit einem brillanten Verstand. Ich glaube nicht, daß sie damals wußte, wieviel sie mir bedeutete.

Über Wolkenkratzer: Ich sehe ... gar keine Notwendigkeit für die Existenz dieser grässlichen Gebäude. Aber was mich am meisten mitnimmt, ist der Gedanke an die Leute, die darin leben müssen.

 

 

Susanne Gretter

Seitenanfang



Links

Marlene Videos auf YouTube

Seitenanfang


Literatur & Quellen

Dietrich, Marlene. 1981 [1979]. Nehmt nur mein Leben…: Reflexionen. München.  Goldmann TB 6327.

Dietrich, Marlene. 1990. Ich bin, Gott sei Dank, Berlinerin. Memoiren. Frankfurt/M.; Berlin. Ullstein TB 22320

Flanner, Janet. Legendäre Frauen und ein Mann. Übs. aus d. am. Englisch. München. Antje Kunstmann.

Frewin, Leslie. 1984. Marlene Dietrich: Ihre Filme - ihr Leben. Aus d. Engl. von Keto von Waberer. München.

Mentele, Richard. Hg. 1993. Auf Liebe eingestellt: Marlene Dietrichs schöne Kunst. Bensheim; Düsseldorf. Bollmann.

O’Connor, Patrick. 1992. Marlene Dietrich: Der blonde Engel. München. Heyne.

Ostrowski, Fred. 1995. Au Revoir Marlene: Nachruf aus Deutschland. Nienburg.

Riva, Maria. 1994 [1994]. Meine Mutter Marlene. München. Goldmann TB 42616.

Sudendorf, Werner. Hg. 1980. Marlene Dietrich: Dokumente, Essays, Filme. Frankfurt/M.; Berlin; Wien. Ullstein TB 27506.

Seitenanfang

Sollten Sie RechteinhaberIn eines Bildes und mit der Verwendung auf dieser Seite nicht einverstanden sein, setzen Sie sich bitte mit Fembio in Verbindung.

Share Tweet (4) Mail Druck

Seitenanfang

Hedwig Dohm