May Hofer

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geboren in Chybi bei Krakau am 8. September 1896
gestorben am 3. Mai 2000 in Bozen

Südtiroler Künstlerin (Emailleurin)
115. Geburtstag am 8. September 2011


BiografieLiteratur & Quellen


Biografie

Als Kind der Donaumonarchie verschlug es May schon in jungen Jahren - nach dem frühen Tod des Vaters 1909 – nach Pola zu den Brüdern ihrer Mutter, die dort als Marineoffiziere stationiert waren. Hier erlebte sie die Eleganz des Kaiserreiches in den letzten Jahren, die sie bis an ihr Lebensende prägen sollte.

May Hofer: Hahn

Erfüllt von dem Drang, etwas selbst zu schaffen, übersiedelte May während des Ersten Weltkrieges nach Wien, wo sie drei Jahre die Akademie für angewandte Kunst besuchte. Sie belegte die Kurse von Rosalie Rothansls (Gewebe) und Eduard Wimmer-Wisgrills (Modeskizzen). Hier lernte sie ihren späteren Mann, den Maler und Architekten Anton Hofer kennen, der ein anerkannter Künstler an der Akademie war. Als sie 1919 heirateten, beschloss er, zurück in seine Heimat nach Bozen zu kehren, weil ihm das nach dem Krieg sicherer erschien. May folgte ihm schweren Herzens; sie wäre lieber in einer Großstadt geblieben. Die provinzielle Enge und das traditionelle Kunstverständnis in Südtirol hat sie auch Zeit ihres Lebens als bedrückend erlebt.

Das Paar führte gemeinsam mit der Familie Valier einige Jahre in Miramare bei Rimini ein Hotel, das Anton Hofer entworfen hatte. Nach ihrer Rückkehr nach Bozen bezog May Hofer das helle Atelier von Sophie & Emmanuel Fohn in der Leonardo-da-Vinci-Straße, in dem schon die Gebrüder Stolz arbeiteten.

May Hofer: Landschaft mit Fluss

Immer bereit, Neues zu wagen, kehrte sie nach dem Zweiten Weltkrieg als Gasthörerin an die Akademie für angewandte Kunst nach Wien zurück. Dort besuchte sie die Klasse Emaille bei Professor Nedbal und lernte bei dessen Frau Marika Nedbal-Dolnizka, einer Ukrainerin, die Technik des russischen Netz-Emailles.

In dieser Phase erwachten Kindheitserinnerungen in ihr, die verzehrende Sehnsucht nach dem fernen Orient und nach einer unmöglichen Liebe, die für immer in den schneereichen Weiten Russlands verschollen war. So entstanden die Mosaiken aus Stoff, die Limoges- und Cloisonnétextures. Ihre Werke erinnern an die malerischen Märchen Marc Chagalls, die Mythen von alten Religionen und an die von Gold und Lack funkelnden byzantinischen Ikonen.

May Hofer

Ab 1964 nahm die Künstlerin an zahlreichen Ausstellungen in Italien und im Ausland teil. Vor allem ihre Paneele aus Stoffmosaik lösten große Bewunderung aus: »Dorf meiner Heimat« (1950), das an ihren Geburtsort erinnert; »Hahn kündigt den Morgen an« (1961) und die »Versunkene Stadt« (1968) das von der Bozner Sparkasse erworben wurde. Das Wiener Museum für Angewandte Kunst kaufte ihren »Schöpfungszyklus«, ein textiles Mosaik in drei Abschnitten von jeweils 65 x 65 cm (1969).

Am 8. Juli 1988 wurde ihr das Ehrenkreuz der Republik Österreich für ihre Verdienste im Bereich der Wissenschaft und der Kunst verliehen.

In den letzten Jahren entstanden in Emaille die Tabernakel für das Jesuheim in Girlan und das Altenheim in Kastelruth, für das sie auch eine Pietà schuf, weiters das Emaillebild »Der gute Hirte« für das Völser Schwesternheim. Ihre späten Bildteppiche »Der Turm von Babel« (1995), »Der Fund der Dame von Elche« (1990) und »Die Königin von Saba« (1990) fanden große Beachtung.

May Hofer starb am 3. Mai 2000 in Bozen im Alter von 103 Jahren.

Sylvia Hofer

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Literatur & Quellen



Hofer, May (1969): May Hofer. Ausstellungskatalog. Text italienisch und deutsch. Bolzano. Galleria Goethe (Ausstellungskataloge, 15).



Kasten, Walter (Hg.) (1969): Tapisserien – Grafik – Applikationen. Helga Aichinger – Applikationen und Grafik. May Hofer – Applikationen. Franz Oehner – Tapisserien. Edda Seidl-Reiter – Tapisserien und Grafik. Ausstellungskatalog. Linz. Gutenberg.
(Suchen bei WorldCat)



Kreuzer, Eva (1984): May Hofer. Sieglinde Tatz-Borgogno. Ausstellungskatalog. Text italienisch und deutsch. Bolzano. Galleria Goethe (Ausstellungskataloge, 19).


Südtiroler Künstlerbund (Hg.) 1988 – May Hofer
Südtiroler Künstlerbund (Hg.) (1988): May Hofer. Bildband mit Texten von Helmut Maurer. Bozen. Athesia (Monographien Südtiroler Künstler, 15). ISBN 88-7014-491-7.
(Suchen bei Amazon | Eurobuch | WorldCat)




Südtiroler Künstlerbund (Hg.) 1996 – May Hofer
Südtiroler Künstlerbund (Hg.) (1996): May Hofer. 100 Jahre. Bozen. Athesia (Monographien Südtiroler Künstler, 26). ISBN 88-7014-902-1.
(Suchen bei Amazon | WorldCat)





Bildquellen

http://www.arnopertl.com/
http://www.boznerkunstauktionen.com/
http://www.emscuola.org/


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Hedwig Dohm