Ray Eames
(Bernice Alexandra Kaiser, verh. Eames)
geb. 15. Dezember 1912 in Sacramento
gest. 21. August 1988 in Los Angeles
US-amerikanische Designerin
20. Todestag am 21. August 2008
Bernice Alexandra Kaiser bekam schon als Kind den Spitznamen Ray-Ray. Im übrigen ist von ihrer Kindheit in Sacramento nur wenig bekannt. Ihr künstlerisches Talent wurde anscheinend früh gefördert. Nach der High School zog sie mit der schon verwitweten Mutter nach New York, wo sie Malerei bei Hans Hofmann studierte und abstrakte Gemälde ausstellte. Nach dem Tod der Mutter ging sie an die Kunstakademie in Cranbrook, Michigan, wo sie Charles Eames kennenlernte. Damit begann für beide eine außergewöhnlich produktive PartnerInnenschaft, die fast vierzig Jahre lang dauerte. Ihre künstlerische Lebensgemeinschaft resultierte in innovativen Entwürfen für Möbel, Häuser, Denkmäler und sogar Spielzeug. Sie wollten neue Materialien und industrielle Fertigungsprozesse nutzen, um praktische, preiswerte, alltägliche Objekte von hoher Qualität herzustellen.
Durch über 80 Experimentalfilme, Multimedia-Vorstellungen und Ausstellungen (u.a. für IBM) haben sie auch unsere Sehgewohnheiten geändert.
Charles hatte sich von seiner ersten Frau scheiden lassen; gleich nach der Hochzeit 1941 zogen Ray and Charles Eames nach Südkalifornien, wo sie ihr Designbüro aufmachten. Ein neues Verfahren zur Herstellung von Beinschienen (für die Kriegsverletzten) und schließlich Stühlen aus Schichtholz brachte den Durchbruch. Auf einer schönen Wiese in Pacific Palisades mit Blick auf den Ozean konnten sie 1949 ihr Traumhaus bauen. Bald hatte Eames Design, vertreten durch den Möbelfabrikanten Herman Miller, einen internationalen Ruf; in den 60er Jahren beschäftigte das Paar über 50 MitarbeiterInnen.
In den ersten Jahren hatte Ray noch gemalt und u.a. Textilien und Titelblätter für die Zeitschrift Art and Architecture entworfen. Nach 1947 gab sie das alles zugunsten der Teamarbeit auf.
Charles war der charismatische Partner, der die Firma nach außen vertrat, aber das fotografische Protokoll - schriftliche Zeugnisse gibt es kaum - verdeutlicht, daß diese kleine, energische, witzige Frau als Designerin ebenbürtig war. Bei fast allen Filmen war sie Co–Regisseurin. Jedes Projekt wurde eigentlich von einem Team ausgeführt. In den 70er Jahren trat Ray immer mehr an die Öffentlichkeit. Ihre Leistungen wurden auch durch die feministische Kritik aufgewertet, aber sie lassen sich kaum aus dem komplizierten Designprozeß herauslösen. Nach einem bestimmten Möbelstück gefragt, behauptete Ray selber, sie habe “millionenfach” zu dem Design beigetragen, auch indem sie die Form des Ganzen kritisch betrachtet hätte, aber das hätten doch alle im Büro gemacht.
Es heißt, Ray habe ein außerordentliches visuelles Gedächtnis gehabt. Obwohl es ihr oft schwer gefallen sei, eine Entscheidung zu treffen, sei es oft gerade ihre manische Genauigkeit in den kleinsten Details, die zu dem befriedigenden Endresultat in Farb-, Stoff- oder Formwahl beigetragen habe. Sie habe eine besondere Liebe zu den Dingen gehabt. Ray habe es verstanden, liebevoll gesammelte Objekte in einem Raum oder einer Ausstellung so zu plazieren, daß sie einen besonderen visuellen Effekt, eine “außerkulturelle Überraschung” erzeugten.
Nach Charles’ plötzlichem Tod 1978 wurde das Büro aufgelöst. Ray führte noch einige Projekte zu Ende, u.a. eine deutsche Version der Mathematica-Ausstellung. Dann wurde sie Hauptarchivarin des Nachlasses. Nach einem Jahrzehnt hatte sie noch immer nicht alles geordnet.
Es scheint “angemessen”, daß diese Frau, deren Schaffen bis ins letzte Detail so sehr mit dem ihres Mannes verwoben war, am gleichen Tag wie er starb, zehn Jahre nach ihm.
Zitate:
Sie hat einen sehr guten Begriff davon, was einer Idee, einer Form, einer Bildhauerei ihren eigenen Charakter gibt, wie Beziehungen zustande kommen. Sie merkt, wenn Ideen oder Stoffe nicht zusammenpassen, und wo die Trennung zwischen zwei Ideen nicht deutlich ist. (Charles über Ray Eames)
Ray war weitgehend verantwortlich für den “Eames–Look”. Ihr außerordentlicher Blick für Form und Farbe, der unbeirrbar war, machte oft den Unterschied aus zwischen gut, sehr gut, und “Eames”. ... Sie hatte eine besondere Art, scheinbar unzusammenhängende Ereignisse und Objekte zusammenzufügen, und in der neuen Beziehung etwas zu finden, das ... in eine neue Richtung wies. (John Neuhart)
Spielzeug, besonders altes Spielzeug, führt uns zurück zu grundlegenden Prinzipien. Die Materialien wurden richtig eingesetzt, mit Feingefühl für ihren Charakter… Spielzeug hat etwas Wesentliches. (Ray Eames)
Ray konnte die Dinge in Beziehung zueinander bringen und die innere Ordnung finden in allem, was sie anfaßte. (Gregory Ain)
Margaret E. Ward
Caplan, Ralph, John Neuhart & Marilyn Neuhart. 1976. Connections: The Work of Charles and Ray Eames. Los Angeles. UCLA Art Council.
Frauen im Design: Berufsbilder und Lebenswege seit 1900 / Women in Design: Careers and Life Histories since 1900. Ausstellungskatalog, 2 Bde. Hg. Angela Oedekoven-Gerischer, Andrea Scholtz, Edith Medek & Petra Kurz. Stuttgart. Landesgewerbeamt Baden-Württemberg. Design Center Stuttgart. 1989.
Kirkham, Pat. 1995. Charles and Ray Eames: Designers of the Twentieth Century. Cambridge MA. MIT Press.
Neuhart, John, Marilyn Neuhart & Ray Eames. Hg. 1989. Eames Design: The Work of the Office of Charles and Ray Eames. New York. Harry N. Abrams.
Rubino, Luciano. 1981. Ray & Charles Eames: Il collettivo della fantasia. Roma. Kappa.
Steele, James. 1994. Eames House: Charles and Ray Eames. London. Phaidon.
The Films of Charles and Ray Eames. 2 Videocassetten. Santa Monica, CA. Pyramid Film: Voyager. 1989.














