Teresa von Avila

(Teresa Sánchez de Cepeda y Ahu-mada [Geburtsname], Teresa de Jesús, Teresa di Gesù, Theresia/Theresa von Avila, Theresia von Jesus, Hl. Therese)

geboren am 28. März 1515 in Avila
gestorben am 4. Oktober 1582 in Alba de Tormes

spanische Mystikerin und Dichterin
430. Todestag am 4.Oktober 2012


BiografieZitateWeblinksLiteratur & QuellenBildquellen


Biografie

Die heilige Therese, geboren als Teresa Sánchez de Cepeda y Ahu-mada, stammt aus einer reichen kastilischen Adelsfamilie. Die religiöse Bindung der gebildeten und wohltätigen Eltern prägt auch die vielen Kinder; sie spielen »Einsiedler« und »Kampf gegen die Mauren«.

Mit 14 Jahren verliert das schöne, vielseitig begabte und sportlich-gesellige Mädchen seine Mutter, der sie mit ihrem gesunden Menschenverstand, ihrer Empfindsamkeit, Sinnlichkeit und Klugheit wohl sehr ähnlich war und mit der sie eine Vorliebe für modische Ritterromane teilte.

Eine schwere Krankheit beendet eine kurze Internatszeit bei den Augustinerinnen. Stark fühlt die junge Frau den Zwiespalt zwischen ihrer Freude am weltlichen Leben und ihrer Angst vor Hölle und Ewigkeit, die sie, gegen den Willen des Vaters, 1535 als Novizin zu den Karmeliterinnen treibt. Nach tiefen religiösen Erfahrungen erkrankt sie auch hier. Sie spürt, wie sie die Kraft des inneren Gebetes wieder verliert und sucht Ablenkung von der geahnten Berufung im gesellschaftlichen Leben des Klosters, das eher ein feudales Damenstift ist (ohne Klausur, mit Dienerschaft und vielen Besuchen). 15 Jahre lang führt sie ein innerlich »höchst qualvolles Leben… auf der einen Seite rief mich Gott, auf der anderen folgte ich der Welt«. Sie wisse nicht, wie sie diesen Zustand überhaupt ausgehalten habe, schreibt die 45jährige später in ihrer Selbstbiographie.

Teresa von Avila

Mit 40 Jahren erlebt sie ihre innere Umkehr und fasst 1558 den Entschluss, nach dem Vorbild der Clarissinnen, für die bald »die Unbeschuhten« genannten Ordensschwestern wieder die strenge Regel der Loslösung von der Welt, des Bußgebets und der Armut einzuführen. Sie, die selbst eigentlich nur in der Stille ihres Klosters leben wollte, gründet oder erneuert nun ab 1562 gegen massive Widerstände, auch aus den eigenen Reihen, doch letztlich mit Unterstützung des Papstes und Philipps II. sowie unter Mitarbeit von Johannes vom Kreuz auf vielen Reisen in alle Teile des Landes und trotz ihrer zarten Gesundheit 17 Frauen- und Männerklöster, die in ihrem Reformgeist geführt werden.

Reich und vielfältig sind die hinterlassenen Schriften der Therese von Avila, darunter 31 ihrer Gedichte und 458 Briefe. Alle zeigen eine von freudiger und keineswegs weltverleugnender Frömmigkeit getragene Fähigkeit, ihren Mitmenschen ihre sehr persönlichen, geistig-mystischen Erfahrungen in unmittelbar ansprechenden Bildern nahezubringen, die sie oft ihrem Alltag und eigenen, humorvoll und lebendig geschilderten Erlebnissen entnahm.

Teresa von Avila

Swantje Koch-Kanz

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Zitate

Therese von Jesus, OCarm, Lehrerin der Mystik (: VI, 5), * 18.3.1515 aus kastilischem Adel in Avila, † 4.10.1582 in Alba de Tormes, 1622 heiliggesprochen. Als Mädchen eher weltlich, wurde sie durch Hieronymusbriefe für das Ordensleben begeistert und 1535 Karmelitin im Kloster der Menschwerdung (Avila). Der Zwiespalt zwischen Welt- und Gottesliebe führte zu neuropathischen Störungen, bis 1545 der Tod des Vaters und Augustins »Bekenntnisse« Befreiung brachten.

Seelenführer förderten die mystische Entfaltung (Fr. de Osuna, Balt. Alvarez, D.  Bañez,  Johannes vom Kreuz). Glänzende Geistesgaben und gefälliger Umgang, rege Auffassung und psychologische Intuition, gedankliche Klarheit und sprachliche Kunst, Phantasie und Organisationsgabe dienten zur Entfaltung eines ungewöhnlichen, durch keinen Widerstand aufgehaltenen Eifers in Gründung von Frauenklöstern strenger Observanz über ganz Spanien ( Karmelitinnen), mit geistlichen Vorträgen an die Schwestern, woraus ihr Schrifttum hervorging. Es ist bezeichnet durch mystischen Individualismus, psychologisch-praktische Einstellung, christologische Orientierung, Stufenlehre (mit Neigung zu Schematisierung): Betrachtung und innerliches Gebet – Gebet der Ruhe – Vereinigung (»Verlöbnis« und »Vermählung«), und hohe Bewertung der Seelenführung, auch geistliche Freundschaft (zu dem viel jüngeren Johannes vom Kreuz).

Außer den mystischen Lehrschriften »Weg der Vollkommenheit« und »Seelenburg« fanden weite Verbreitung die autobiographische »Vida« und die »Klostergründungen«, dazu Briefe, Gedichte, Denksprüche und kleine Schriften. Bedeutsam für die kath. Erneuerung wurden auch die Klostergründungen.

(Galling, Kurt (Hg.) (1956-1965): Die Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG³). Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft. Dritte, völlig neu bearbeitete Auflage. Tübingen: J. C. B. Mohr (Paul Siebeck. Band 6, S. 849 ff.)

Teresa von Avila

Teresa de Jésus (T. de Ahumada, Theres(i)a von Avila, T. vom Kreuz; 1515–1582), Ordensreformerin. T. entstammte einer Familie von »conversos« (ihr Großvater war 1485 vom jüd. zum christl. Glauben konvertiert), die ihren Adel gekauft hatte. Nach ihrer 1565 abgefaßten Autobiographie Vida = Libro de las misericordias del Señor (Buch von den Erbarmungen des Herrn) wollte sie schon als Kind 1522 mit ihrem Bruder Rodrigo zu den Mauren fliehen, um dort das Martyrium zu erleiden. 1531 kam T. in das Augustinerinnenkloster Santa Marîa de Gracia in Avila; 1532 kehrte sie aber ins Elternhaus zurück. Am 2. 11. 1535 trat sie heimlich in das Karmeliterinnenkloster De la Encarnación in Avila ein, dessen 180 Nonnen keine Klausur hatten. Nach fehlgeschlagener Behandlung eines Herz- und Brustleidens erlitt T. 1539 ein vier Tage lang andauerndes Koma, von dem sie sich nur sehr langsam erholte.

T. lernte aus Büchern den Weg der Erhebung der Seele zu Gott, während sie sich von ihren Beichtvätern aus dem Franziskaner-, Dominikaner- und Jesuitenorden oftmals unverstanden fühlte. 1554f hatte T. erste mystische Erlebnisse, die sie als ihre Bekehrung interpretierte; später ihre »mystische Verlobung« (zwischen 1556 und 1560). Auch als T. seitens ihrer Beichtväter angewiesen wurde, das Herzensgebet einzustellen, kam es zu als Gnadenerweise Christi bezeichneten mystischen Erlebnissen: Sie fühlte sich durch einen Seraphen von einer goldenen Lanze durchbohrt, was als Stigmatisation ausgelegt wurde.

Der Vorsatz, zur ursprünglichen Regel des Karmeliterordens zurückzukehren, führte am 24. 8. 1562 zur Gründung von San José, dessen Priorin T. 1563 wurde. 13 Nonnen lebten hier in strenger Klausur und völliger Armut. Als Neuerungen führte T. wöchentlich drei Geißelungen und das Tragen von Sandalen ein (Carmelitae discalceatae). 1565 wurden die »Constitutiones« von Pius IV. genehmigt.

Ende April 1567 erteilte der General des Karmeliterordens, Giovanni Battista Rossi (Rubeo), T. den Auftrag, weitere Klöster zu gründen. 1560 fühlte T. in einer Höllenvision, was ihr wegen ihrer Sünden bevorstände, wenn Gott sie nicht gerettet hätte. Entsprechende Höllenschmerzen hätten nach T. »Lutheraner« (T.s Sammelbegriff für alle von der röm.-kath. Lehre Abgewichenen) zu ertragen; diese wollte T. retten. 1572 erfuhr T. beim Eucharistieempfang ihre »geistliche Vermählung«.

Über ihre Gründungen von 18 Nonnenklöstern der Unbeschuhten Karmeliterinnen berichtete sie im Libro de las fundaciones (Buch von den Klostergründungen), verfaßt zwischen 1573 und 1582. Sie regte über Johannes vom Kreuz (Juan de la Cruz), mit dem sie seit Anfang Okt. 1567 zusammenarbeitete, die Reform des Männerordens der Karmeliter an und reformierte als Priorin mit Johannes als Beichtvater auch ihr Mutterkloster 1571–1573.

Teresa von Avila

1575f wurden Inquisitionsverfahren gegen T. eröffnet. Als 1579 T.s Rechtgläubigkeit festgestellt war, konnte sich die mystische Lehre T.s und damit auch die Unbeschuhten Karmeliten ausbreiten, zumal Gregor XIII. 1580 die Bildung einer eigenen Provinz gestattete. T. starb in dem von ihr gegründeten Kloster zu Alba. Ihre Schriften wurden erstmals 1588 von Luis de Leòn in Salamanca gedruckt. Außer biographischen und mystischen hat T. auch Schriften zur Klosterreform, Gedichte sowie 440 Briefe hinterlassen. Sie wurde 1614 selig- und 1622 hl.gesprochen (Fest: 15. Okt.) und 1970 als erste Frau zur Kirchenlehrerin erhoben.

T. entfaltete ihre Lehre vom inneren Gebet nicht nur in ihrer »Vida«, sondern auch in einer Anleitung für ihre Schwestern, Camino de perfección (Weg zur Vollkommenheit) von 1566 und v.a. in Las Moradas = Moradas del Castillo interior (Gemächer der inneren Burg, Seelenburg, 1577). Darin beschreibt sie die Seele als Vasall des allmächtigen Königs, der sie im Innern einer kristallenen Burg erwartet. Die Pforte zur Burg ist das Gebet. Betend steigt die Seele durch sieben Gemä  cher empor bis zur völligen Vereinigung mit Gott, die eine göttliche Gnade ist. Kennzeichen der Realität des Geschauten sind die Tränen, in die der Erwachende sich »gebadet« findet. Bezeichnend für T.s Lehre ist nicht nur die intensive Selbstbeobachtung, sondern auch eine gewisse Ambivalenz: Einerseits betonte sie die »cooperatio« zwischen Mensch und Gott, andererseits die göttliche Gnade. Über die Rezeption ihrer Mystik im Protestantismus ist wenig bekannt.

(Angelika Dörfler-Dierken
In: Fahlbusch, Erwin et al. (Hg.) (1997): Evangelisches Kirchenlexikon. Internationale theologische Enzyklopädie. Band 5: Register. 3. Auflage. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht: S. 599 f.)

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Links

Dobhan – TERESA von AvilaDobhan, Ulrich: TERESA von Avila. Eintrag (2) im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon, mit zahlreichen Literaturangaben.
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Internet Movie Database – Teresa, el cuerpo de CristoInternet Movie Database: Teresa, el cuerpo de Cristo (2007). Spielfilm (Spanien).
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Katalog der Deutschen Nationalbibliothek – Teresa </p><de Jesús>” title=“Katalog der Deutschen Nationalbibliothek – Teresa <de Jesús>” align=“right”; style=“padding:5px; border:0px;” width=“100” height=“30” /></a>Katalog der Deutschen Nationalbibliothek: Teresa <de Jesús><p>. Bücher und Medien. <br />
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Lautenschläger – THERESE VON JESU TeresaLautenschläger, Gabriele: THERESE VON JESU (Teresa de Avila/Teresa di Gesù/Theresia von Avila/Theresia von Jesus). Eintrag (1) im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon, mit zahlreichen Literaturangaben.
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Schwarten – Theresa von AvilaSchwarten, Martin: Theresa von Avila – Die Beschauung ist Sache des Herzens
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Teresa von Avila – Lieder und GedichteTeresa von Avila: Lieder und Gedichte. Zweisprachig, Übersetzungen von Sabine Mugil.
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Wikiquote – Theresa von ÁvilaWikiquote: Theresa von Ávila. Zitate.
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Literatur & Quellen

(Auswahl)

Ahlgren 1996 – Teresa of Avila

Horst 1996 – Die spanische Trilogie

Kotschner (Hg.) 1982 – Der Weg zum Quell

Ahlgren, Gillian T. W. (1996): Teresa of Avila and the politics of sanctity. Ithaca. Cornell University Press. ISBN 0-8014-3232-4.
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Hoffmann-Herreros, Johann (1986): Teresa von Avila. Ihr Leben zwischen Mystik und Ordensreform. 1. Aufl. Mainz. Matthias-Grünewald-Verlag. (Topos-Taschenbücher, 162) ISBN 3-7867-1258-1.
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Horst, Eberhard (1996): Die spanische Trilogie. Isabella - Johanna - Teresa. 2. Aufl. Bergisch Gladbach. Lübbe. (Bastei-Lübbe-Taschenbuch, 64123 : Geschichte) ISBN 3-404-64123-X.
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Kotschner, Joseph (Hg.) (1982): Der Weg zum Quell. Teresa von Avila 1582 – 1982. Düsseldorf. Patmos-Verlag. ISBN 3-491-77255-9.
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Lorenz, Erika (1988): Nicht alle Nonnen dürfen das. Teresa von Avila und Pater Gracián – die Geschichte einer grossen Begegnung. Freiburg im Breisgau, Basel, Wien. Herder. ISBN 3-451-21314-1.
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Medwick 2000 – Teresa of Avila

Nigg 1981 – Theresia von Avila

Nigg 2006 – Große Heilige

Medwick, Cathleen (2000): Teresa of Avila. The progress of a soul. 3. Aufl. New York. Knopf. (A Borzoi book) ISBN 0394547942.
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Nigg, Walter (1981): Theresia von Avila. Theresia von Jesus. . Mit einem Essay von Walter Nigg, 55 Farbbildern von Helmuth Nils Loose und einem Nachwort von Juan Bosco de Jesús. Freiburg im Breisgau , Basel , Wien. Herder. ISBN 3-451-18210-6.
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Nigg, Walter (2006): Große Heilige. Franz von Assisi, Jeanne d’Arc, Niklaus von Flüe, Katharina von Genua, Theresia von Avila, Johannes vom Kreuz, Franz von Sales, Joseph von Copertino, Gerhard Tersteegen, Vianney, der Pfarrer von Ars, Therese von Lisieux. Zürich. Diogenes. ISBN 978-3-257-06526-8.
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Sackville-West 1997 – Adler und Taube

Slade 1995 – St. Teresa of Avila

Teresa, Lorenz 2009 – Ich bin ein Weib

Sackville-West, Vita (1947): Adler und Taube. Eine Studie in Gegensätzen. Die Heilige Teresa von Avila, die Heilige Therese von Lisieux. (=The eagle and the dove) . Mit einem Nachwort von Ingrid von Rosenberg. Aus dem Englischen von Adolf Halfeld. Ungekürzte Ausg. Berlin. Ullstein. 1997. (Ullstein, Nr. 30406 : Die Frau in der Literatur) ISBN 3-548-30406-0.
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Slade, Carole (1995): St. Teresa of Avila. Author of a heroic life. . Onlinefassung. Berkeley. University of California Press. ISBN 0520088026.
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Teresa; Lorenz, Erika (2009): »Ich bin ein Weib – und obendrein kein gutes«. Eine große Frau, eine faszinierende Mystikerin. 8. Auflage der überarbeiteten Neuausgabe. Freiburg im Breisgau. Herder. (Herder-Spektrum, 4904) ISBN 978-3-451-04904-0.
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Bildquellen

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Hedwig Dohm