Lisa Della Casa

(Lisa Elsa Della Casa; Lisa Debeljevic [Ehename])

Lexikoneintrag Lisa Della Casa im »Großen Sängerlexikon«

della Casa, Lisa, Sopran, * 2.2.1919 Burgdorf (Kanton Bern, Schweiz); sie erhielt ihre Ausbildung bei Margarethe Haeser in Zürich. Debüt 1941 am Städtetheater Solothurn-Biel als Butterfly. Sie sang 1943 am Stadttheater von Zürich die Mimi in »La Bohème«, nachdem sie zuvor hauptsächlich als Schauspielerin und als Konzertsopranistin aufgetreten war. Am 20.5.1949 wirkte sie in Zürich in der Uraufführung der Oper »Die schwarze Spinne« von W. Burkhard mit; bereits 1947 hatte sie dort in der Uraufführung der Operette »Tic-Tac« von Paul Burkhard gesungen.
International bekannt wurde sie dadurch, daß sie 1947 bei den Festspielen von Salzburg (durch Vermittlung der bekannten Sopranistin Maria Cebotari) die Zdenka in der Richard-Strauss-Oper »Arabella« übernahm. 1947 wurde sie Mitglied der Staatsoper von Wien, wo sie bald glänzende Erfolge erzielte. Sie sang dort u.a. die Nedda im »Bajazzo«, die Mimi in »La Bohème«, die Butterfly, die Gilda im »Rigoletto« und die Sophie im »Rosenkavalier«.
Große Erfolge hatte sie bei den Salzburger Festspielen. 1950 feierte man sie in Salzburg als Gräfin im »Capriccio« von R. Strauss; am 17.8.1953 kreierte sie in Salzburg alle drei Frauenrollen in der Uraufführung der Oper »Der Prozeß« von Gottfried von Einem. In Salzburg trat sie auch als Marzelline im »Fidelio« (1948), als Octavian (1953), als Ariadne in »Ariadne auf Naxos« (1954-55), als Donna Elvira (1956), als Pamina (1959), als Chrysothemis in »Elektra« (1957), als Marschallin (1960) und als Gräfin in »Figaros Hochzeit« (1960) auf; dazu gab sie dort seit 1956 allgemein bewunderte Konzerte und Liederabende.
Ihre eigentliche Glanzrolle wurde die Arabella in der gleichnamigen Strauss-Oper, die sie zuerst 1950 in Zürich, dann in Salzburg (1958), an der Covent Garden Oper London wie an vielen weiteren Theatern sang; berühmt auch in Partien aus den Barock-Opern von Händel, die sie u.a. an der Staatsoper München wie in Wien (1954 »Giulio Cesare«) vortrug. 1951 gestaltete sie bei den Festspielen von Glyndebourne die Partie der Gräfin in »Figaros Hochzeit«. 1952 sang sie bei den Festspielen von Bayreuth die Eva in den »Meistersingern«. Seit 1953 war sie häufig an der Londoner Covent Garden Oper zu hören; an der Mailänder Scala erlebte man sie 1952 als Marzelline im »Fidelio« und als Sieglinde in der »Walküre«, an der Grand Opéra Paris 1949 als Sophie im »Rosenkavalier«, 1956 am Teatro Colón Buenos Aires, 1958 an der Oper von San Francisco als Chrysothemis in »Elektra« von R. Strauss. Durch Gastverträge war die Sängerin der Staatsoper München und der Städtischen Oper Berlin verbunden.
Sie gastierte in Chicago und Rom und bei den Mai-Festspielen von Wiesbaden. 1953-68 war sie Mitglied der New Yorker Metropolitan Oper (Debüt als Gräfin in »Figaros Hochzeit«). Hier sang sie in 15 Spielzeiten elf verschiedene Partien in insgesamt 155 Vorstellungen (ohne die Aufführungen bei den Gastspiel-Tourneen des Ensembles), darunter die Donna Elvira im »Don Giovanni«, den Octavian wie die Marschallin im »Rosenkavalier«, die Eva in den »Meistersingern« (1954) und natürlich die Arabella. Sie sang in der Eröffnungsvorstellung des neuen Salzburger Festspielhauses 1960 die Marschallin im »Rosenkavalier«. Gastspiele und Konzertreisen führten die Sängerin bis zur Aufgabe der Karriere 1974 in die Musikmetropolen in aller Welt; sie lebte später auf ihrem Schloß Gottlieben am Schweizer Ufer des Bodensees. Ihr Gatte Dragan Debeljevic beschrieb ihr Leben in »Ein Leben mit Lisa della Casa« (Zürich, 1975). – Sopranstimme, in der sich Leuchtkraft des Timbres, Vollkommenheit der Phrasierungskunst und tief künstlerische Gestaltungsgabe verbinden, namentlich als Mozart- und Richard-Strauss-Interpretin, aber auch als Liedersängerin bedeutend.

Viele Aufnahmen auf Decca, darunter vollständige Opern »(Figaros Hochzeit«, »Don Giovanni«, »Così fan tutte«, »Arabella«). Auch Schallplatten der Marken HMV (»Tosca«, »Frauenliebe und -leben« von R. Schumann), DGG (»Arabella«), RCA (»Orpheus« von Gluck, »Figaros Hochzeit«, 4. Sinfonie von G. Mahler, Lieder von R. Strauss), Columbia (»Lustige Witwe«), Melodram (»Zauberflöte«, »Capriccio«), Nixa, Rococo (»Fidelio«), Cetra Opera Live (»Meistersinger«, Bayreuth, 1952; »Elektra«) und Eurodisc (integrale Aufnahme von »La Vie Parisienne« von Offenbach); DGG-Video (»Don Giovanni«), Artists International-Video (»Lisa della Casa in Opera«).

[Nachtrag] della Casa, Lisa; sie sang während ihres Wirkens am Opernhaus von Zürich 1943-50 dort Partien wie die Serena in »Porgy and Bess« von Gershwin, die Pamina in der »Zauberflöte« und die Gilda im »Rigoletto«. – Lit: G. Fitzgerald: Lisa della Casa (in »Opera«, 1968).

(Lexikoneintrag, in: Kutsch, Karl J.; Riemens, Leo (2004): Großes Sängerlexikon. Berlin. Directmedia Publishing (Digitale Bibliothek, 33), S. 5517–5520)

Fembiografie empfehlen       Druckversion

Seitenanfang

Hedwig Dohm