29.11.2009

Der Haushaltsführende

Vor einer Woche hat sich der Deutsche Hausfrauenbund umbenannt und teilt dazu mit:

Nach über 90 Jahren orientiert sich der Deutsche Hausfrauen-Bund (DHB) neu. Seit dem 23.9.2009 heißt der Verband nun »DHB – Netzwerk Haushalt, Berufsverband der Haushaltsführenden e.V.«.

Die Begründung ist geradezu klassisch:

Die veränderten Familienstrukturen, die stärkere Einbindung der Väter in die Kindererziehung und die Hausarbeit waren ein Anlass zur Namensänderung. Frauen und Männer empfinden sich als Haushaltsführende, der Begriff Hausfrau ist geschlechtsspezifisch. Der DHB verzeichnet jedoch seit Jahren eine steigende Zahl von männlichen Mitgliedern. (meine Hervorhebungen)

Mit anderen Worten: Die paar Männer finden es genierlich, Mitglieder des Hausfrauenbundes zu sein. Ich selbst bin Mitglied des Berufsverbands “Women in German” (Studierende und Lehrende des Fachs Germanistik), dem auch etliche Männer angehören. So viel ich weiß, sind sie als echte Feministen stolz auf diese Bezeichnung, sehen sich sozusagen als “Frauen ehrenhalber”.

“Hausfrau” ist nett und kurz und knapp - etwas, was die feministische Sprachkritik ja angeblich zu untergraben sucht mit ihren dämlichen Doppelformen à la Bürgerinnen und Bürger oder ihren komischen geschlechtsneutralen Partizipien à la Studierende statt Studenten.

Nun aber bekommen wir statt der handlichen Hausfrau das Wortungetüm Haushaltsführende/r aufgebrummt. Es ist mit 18 Buchstaben fast doppelt so lang wie Hausfrau und mit der kaum aussprechbaren Konsonantenfolge l-t-s-f ein extra fieser Zungenbrecher.

“Berufsverband der Haushaltsführenden” besteht aus zehn Silben und hat 37 Buchstaben. “Hausfrauenbund” hat 4 Silben und besteht aus 16 Buchstaben.

Und das alles nur, weil die paar Hausmänner die Bezeichnung Hausfrau nicht vertragen? Und schon wird der altehrwürdige Verband weich in den Knien und gibt nach?

Die Frauenbewegung hat die Bezeichnung Hausmann als männliches Pendant für Hausfrau durchgesetzt. Nach den bewährten Beispielen

Ehemann - Ehefrau - Eheleute
Fachmann - Fachfrau - Fachleute
Geschäftsmann - Geschäftsfrau - Geschäftsleute
Gewährsmann - Gewährsfrau - Gewährsleute
Kaufmann - Kauffrau - Kaufleute
Obmann - Obfrau - Obleute
Ombudsmann - Ombudsfrau - Ombudsleute
Putzmann - Putzfrau - Putzleute
Vertrauensmann - Vertrauensfrau - Vertrauensleute

hätte also als zweitbeste Lösung des Scheinproblems die Bezeichnung Hausleute nahegelegen: Deutscher Hausleutebund. Klar und knapp, noch knapper als Hausfrauenbund. Die eleganteste Lösung wäre natürlich die Null-Lösung, Beibehaltung des traditionsreichen Namens, wobei die paar Hausmänner sich herzlich mitgemeint fühlen dürfen - so wie sonst immer wir Frauen.

Wir haben keinen Einblick in den Prozess der Namensfindung im Deutschen Hausfrauenbund. Ich denke mir, es war so:

Zum einen gibt es maulende Männer, die sich in der Bezeichnung “Hausfrau” nicht wiederfinden wollen - während wir Frauen bis heute eine kaufmännische Ausbildung machen müssen, Bauherren und Patentanten sind und alle möglichen Patronate und Schirmherrschaften übernehmen.

Zum andern die Klage der Frauen über den niedrigen bis überhaupt fragwürdigen Status ihres “Berufs”, dem alle Charakteristika eines Berufs fehlen, vom Gehalt über geregelte Arbeits- und Urlaubszeiten bis hin zu Kranken- und Rentenversicherung. Statt nun den undankbaren “Beruf” endlich abzuschaffen, wird Wortkosmetik betrieben wie damals bei der Putzfrau, die erst zur Raumpflegerin wurde und dann - weitgehend unter männlicher Regie - zur Gebäudereinigerin, die ein kostspieliges Produkt herstellt, nämlich Sauberkeit. Das sind dann aber schon überwiegend Männer, zu deren guter Bezahlung eine Bezeichnung wie Putze oder Putzerich einfach nicht passt. Denn männliche Beteiligung bringt einem Beruf Würde und Status und verlangt nach einer entsprechenden würdevollen Bezeichnung.

Eben so etwas wie Haushaltsführende/r. Kann gar nicht lang und getragen genug sein. Haushaltsführender ist mit 18 Buchstaben schon fast so lang und silbenreich wie Obersturmbannführer.

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Noch mehr zum Thema in meiner (langen) Glosse “Hausfrau und Haustier: Das Sprachbild der Haus- und Familienarbeit”, abgedruckt in Die Eier des Staatsoberhaupts und andere Glossen. Wallstein Verlag Göttingen 2008. S. 66-72.

[Dank an Anne Beck für den Hinweis auf den neuen Namen des Hausfrauenbunds.]


# | Luise F. Pusch am 29.11.2009 um 04:51 PM • Permalink

21.11.2009

Weibliche und ältere Zielgruppen

(auch ein Beitrag zu Schillers 250. Geburtstag)

Am Donnerstag, mal wieder mit der DB unterwegs, blätterte ich im Novemberheft des mobil-Magazins der Deutschen Bahn. In einem Interview über Computerspiele äußerte Ralf Wirsing (40), Deutschland-Chef des Spieleherstellers Ubisoft, folgendes:

Mit dem Wii System von Nintendo … kann man das Geschehen auf dem Fernseher steuern, was zu einer Welle von neuen Sport- und Simulationsspielen geführt hat. Anders als der Computer, an dem man oft noch Einstellungen vornehmen muss, sind die Konsolen auch ohne Vorkenntnisse leicht zu bedienen. Damit erreicht man auch weibliche und ältere Zielgruppen.

Obwohl ich als ältere und weibliche Person beiden Zielgruppen angehöre, ist es mir bisher gelungen, für Ralf Wirsing und Ubisoft unerreichbar zu bleiben.

Sonst wurden und werden wir Frauen ja meist mit den Kindern in einen Topf geworfen. “Frauen und Kinder zuerst” heißt es bekanntlich oder “Frauen und Kinder die Hälfte”. Für Wirsing aber sind die körperlich, geistig und finanziell Schwachen, die zu uns passen, nicht mehr die Kinder, sondern ältere Männer. In Sachen Computer und vor allem Computerspiele sind männliche Kids nicht mehr die Schwachen, sondern die Experten.

Wirsing scheint davon auszugehen, dass Mädchen, Frauen und ältere Männer von den Computerspielen bisher nicht “erreicht” wurden, weil uns die Vorkenntnisse fehlen, um am Computer “Einstellungen vorzunehmen”.

Also bei mir trifft das nicht zu, auch in meinem weitläufigen Bekanntenkreis von weiblichen und älteren Personen kenne ich kein Mädchen, das nicht computerkundig ist und keine einzige Frau, die nicht seit Jahrzehnten “Einstellungen an ihrem Computer” vornimmt. Lediglich ein paar inzwischen ältere Männer tun und taten sich schwer mit dem Ding. Was uns Frauen von den Spielen vor allem abhält, ist die Tatsache, dass sie uns inhaltlich nicht ansprechen und wir unsere Zeit lieber mit etwas anderem verbringen, vor allem lieber mit anderen Frauen, mit einem Buch oder an der frischen Luft als vor einem Bildschirm, vor dem wir schon den ganzen Tag verbracht haben.

Ja der Homo ludens, der spielende Mensch, ist wohl doch eher ein spielender Mann. Für Schiller, der in seiner Abhandlung über die ästhetische Erziehung des Menschen zu dem Schluss kam, dass “der Mensch nur da ganz Mensch ist, wo er spielt”, ist der Mensch eindeutig ein Mann. Unser Jubilar, mit 250 Jahren auch nicht mehr der Jüngste, versteht unter dem Menschen z.B. den “Natursohn” oder den “Weltmann”, auch träumt er davon, wie “sich die Jugend der Phantasie mit der Männlichkeit der Vernunft in einer herrlichen Menschheit vereinigt.” Herrlich fürwahr.

Doch zurück in die raue Gegenwart. Frage des Interviewers an Ralf Wirsing: “Im Zusammenhang mit Amokläufen an Schulen geht es immer wieder um den Einfluss von Ego-Shooter-Spielen auf Jugendliche - sehen Sie sich als Spielehersteller hier in der Verantwortung?”

Darauf der smarte Deutschlandchef: “Die Frage stellt sich nicht. Shooter sind zumeist ab 18 Jahren freigegeben und somit reine Erwachsenenunterhaltung. Wir stellen aber leider immer wieder fehlerhaftes Wissen über Spiele und ihre Auswirkungen fest.”

“Fehlerhaftes Wissen” stelle ich vor allem bei Ralf Wirsing fest. Einmal über die “weiblichen und älteren Zielgruppen”, die er für zu doof hält, um mit einem Computer umzugehen. Zum anderen über die Ego-Shooter. Dass sie erst ab 18 freigegeben sind, hat doch jüngere Spieler noch nie vom Zugang dazu abgehalten, im Gegenteil.

***
Als ich noch klein war, bekam ich eine große Mamapuppe geschenkt. Sie hatte pechschwarze, etwas kratzige Locken, konnte “Mama” sagen, wenn ich auf ihren Bauch drückte, und mit den Augenlidern klappern. Ich gab die Puppe meiner kleinen Schwester, denn ich interessierte mich mehr für Lege- und Steckspiele. Später ließ mich mein älterer Bruder bei seinen Indianerspielen mitmachen, aber nur als namenlose “Squaw”, während er der große Held Chingachgook war. Diese Spiele fesselten mich auch nicht lange, und endlich entdeckte ich die Wunderwelt der Bücher.

Die Wunderwelt der Bücher ist bei den Knaben durch die Computerspiele völlig aus der Mode gekommen, während viele Mädchen diese Welt noch unbeschadet erreichen, bevor die Computerspiele - “Fesselnder als Kino” (Wirsing) -  sie erreichen. Wie die jüngste Pisastudie gezeigt hat, stärken die Mädchen dadurch ihre Vorstellungs- und Urteilskraft, erreichen dadurch mehr in der Schule und sind vor Spielsucht, Verdummung und Verrohung besser geschützt als die Jungs.

Was Ralf Wirsing uns gern als Vorsprung der computerkundigen Jungmännerwelt verkaufen möchte, ist in Wirklichkeit eine beängstigende Schwäche, die sie jetzt schon teuer bezahlen müssen - wie viel mehr, wenn sie älter sind.

Anders als das Buch, für das man außer der Lesefähigkeit Geduld, Konzentration, Vorstellungskraft, ein gutes Gedächtnis und vieles mehr mitbringen muss, sind Computer auch ohne diese Begabungen leicht zu bedienen. Damit erreicht man auch männliche Zielgruppen inklusive Analphabeten. (Ralf Wirsing, redigiert von Luise F. Pusch)


# | Luise F. Pusch am 21.11.2009 um 09:51 PM • Permalink

15.11.2009

Robert Enke und die Fußballweltmeisterinnen

Das Thema in der vergangenen Woche war der Selbstmord des Nationaltorwarts Robert Enke von Hannover 96. Wir erfuhren, dass er seit sechs Jahren an Depressionen litt, aber den Verlust seines Jobs, der lukrativen Werbeeinnahmen und vielleicht sogar seiner Adoptivtochter fürchtete, wenn seine Krankheit publik würde. Aus diesem Grund begab er sich auch nicht in klinische Behandlung. Ein Teufelskreis.

Das Volk war erschüttert und ging zu Tausenden auf die Straße, um seine Betroffenheit zu bekunden. Abends gab es eine Trauerandacht in der Marktkirche, mit viel Fußball- und Kirchenprominenz von Ballack bis Käßmann.

Obwohl ich seit 25 Jahren in Hannover wohne, hatte ich von Robert Enke noch nie etwas gehört. Anscheinend lebe ich in einem fußballmuffeligen Parallel-Universum, in dem frau nur dann mal hinschaut, wenn unsere Fußballerinen aufspielen.

Nun ich aber aus so traurigem Anlass auf Enke gestoßen wurde, sah ich zwischen ihm und den Spielerinnen viele Parallelen. Vielleicht sollten wir uns um sie Sorgen machen. Enke versuchte seinem Publikum den makellosen Helden vorzuspielen, den es haben wollte. Aber es ist sehr anstrengend und manchmal tödlich, ständig eine Scheinwirklichkeit darzustellen.

Als die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Männer 2006 auf den dritten Platz kam, bereiteten die Fans den Spielern und ihren Frauen oder Freundinnen einen grandiosen Empfang auf dem Frankfurter Römer. Drei Jahre zuvor waren die deutschen Fußballfrauen Weltmeisterin geworden, waren auch frenetisch auf dem Römer gefeiert worden, allerdings ganz ohne Anhang. Kein Ehemann oder Freund war zu sehen. Auch keine Ehefrau oder Freundin. 2007 wurden sie wieder Weltmeisterin, und das Feiern ohne Anhang wiederholte sich. Ob sie alle lesbisch sind und die Freundin hier nicht vorzeigen wollen, schon wegen der gefährdeten Werbeverträge, fragte ich mich beide Male. Nicht mal als Weltmeisterinnen können sie sich das leisten? Vielleicht sind sie nicht alle lesbisch, haben aber solidarisch beschlossen, dass der Anhang zu Hause bleibt, weil die Lesben unter ihnen die Partnerin nicht öffentlich vorzeigen können.

In den neunziger Jahren sah ich das Weltmeisterschafts-Endspiel zwischen den US-Amerikanerinnen und den deutschen Spielerinnen im Fernsehen. Die Deutschen sahen sportlich-herb aus, kurze Haare, stramme Beine. Die Amerikanerinnen dagegen alle so “feminin” wie möglich, die obligatorischen langen Haare hatten sie zu einem feschen Pferdeschwanz gebunden. Der Unterschied in der Aufmachung lag wohl wieder an den Werbeverträgen. Für die Deutschen gab es damals noch keine nennenswerten, während die Amerikanerinnen schon voll im Geschäft waren. Und die Voraussetzung des Geschäfts ist: feminines Aussehen. Der Verdacht des Lesbischseins muss mit überzeugenden Signalen fortlaufend abgewehrt werden.

Die Fußball-Oberen und der Sportjournalismus sind angesichts des Falles Enke in reuiges Nachdenken verfallen. Es muss sich etwas ändern in der Fußballwelt und im Profisport ganz allgemein, fordern sie nun mit Nachdruck. Die Idole der Nation sollen ab sofort auch mal menschliche Schwächen zeigen dürfen.

Oder menschliche Stärken wie das Lesbischsein, wäre da noch zu ergänzen.


# | Luise F. Pusch am 15.11.2009 um 03:19 PM • Permalink

08.11.2009

Frauenschwarm, Männerschwarm und Bienenschwarm

Joey und ich geben gerade unser zweites Buch über berühmte Frauen* und ihre Freundinnen/Geliebten heraus (erscheint im März bei Wallstein unter dem Titel “Frauengeschichten”). Hier schon mal der Cover-Entwurf als kleiner Vorgeschmack:

FrauenbildBei der beschwingten Arbeit an dem Buch stießen wir regelmäßig auf die Kultur des Smashing an amerikanischen Frauencolleges zwischen 1870 und 1920. Wir wissen ja, dass Mädchen und junge Frauen gerne für Mitschülerinnen und Lehrerinnen schwärmen, bevor unsere “heteronormative Kultur” (früher nannten wir es kurz und kräftig Heterror) es ihnen unerbittlich austreibt. Was aber an diesen amerikanischen Frauencolleges betrieben wurde, hatte Methode, Stil und großes Format. In der Studentenzeitung von Yale stand 1873 darüber zu lesen:

Wenn eine Vassar-Studentin für eine andere schwärmt, beginnt sie umgehend, ihr regelmäßig Blumensträuße zu schicken, zwischendurch pastellfarbene Briefchen, geheimnisvolle Päckchen von „Ridleys vermischten Süßigkeiten“, vielleicht Haarlocken, und viele andere zärtliche Angebinde, bis das Objekt ihrer Aufmerksamkeit eingefangen ist, die beiden unzertrennlich sind und die Angreiferin von ihrem Kreis als „smashed“ angesehen wird.

Manche Lehrerinnen waren von der Smashing-Kultur nicht eben begeistert: „Es hielt die Mädchen vom Studieren ab, manchmal geriet ein Mädchen dadurch Jahr um Jahr in Rückstand. [...] Wenn die Schwärmerei gegenseitig ist, monopolisieren sie einander und ‚löffeln’ andauernd, schlafen zusammen und liegen die ganze Nacht wach und sprechen miteinander, statt schlafen zu gehen.“ (Alice Stone Blackwell (1857-1950), Schriftstellerin und Feministin, im Jahre 1882. “Löffeln” (spooning) bedeutet, eng aneinandergeschmiegt auf der Seite zu liegen, ähnlich wie Löffel in einem Besteckkasten.)

Wo ist die Smashing-Kultur geblieben? Die Schwärmerei junger Mädchen und Frauen wird heute beizeiten in die rechten Bahnen gezwängt. Der Film Mädchen in Uniform zeigte 1931 und im Remake 1957 mit Romy Schneider und Lilli Palmer, wohin das “ungesunde Schwärmen” für die Geschlechtsgenossinnen führt: Geradewegs in den Selbstmord.

Mädchen und Frauen sollen gefälligst für Jungen und Männer schwärmen. Inbegriff des heutigen Mädchenschwarms sind Boy Groups wie Tokio Hotel. Und “Frauenschwarm” ist eine Bezeichnung für Männer wie Brad Pitt, George Clooney oder Richard Gere, früher Gary Cooper und Cary Grant, noch früher der Urtyp Rudolph Valentino, sozusagen die Mutter aller Frauenschwärme. Viele Frauen schwärmten auch für Greta Garbo - deshalb ist diese aber noch lange kein Frauenschwarm. Es heißt ja schließlich auch der und nicht die Schwarm.

Ist Garbo dann vielleicht ein Männerschwarm? Nein, dies Wort bezeichnet seltsamerweise auch eher Männer: Männer, für die Männer schwärmen. Echte Männer schwärmen natürlich nicht (das überlassen sie den Frauen), schwule Männer dafür umso mehr. Sie schwärmen nicht nur für Opernsängerinnen, sondern auch für andere Männer. Jedenfalls legt das der Name der fast schon alteingesessenen schwulen Buchhandlung Männerschwarm in Hamburg nahe.

Und wie ist das mit Marlene und ihrem Song “Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt”. Darin heißt es doch “Männer umschwirr’n mich wie Motten das Licht” - demnach wäre sie bzw. “die fesche Lola” doch das Urbild eines Männerschwarms. Ja - aber das war in den goldenen zwanziger Jahren, und danach wurde es bekanntlich finster in Deutschland.

Spuren dieser veralteten Bedeutung des Wortes Männerschwarm haben sich bis heute erhalten, z.B. finde ich mit Hilfe von Google schnell auf die Seite, wo die Testperson in 10 Testschritten erfahren kann, ob sie ein “Männerschwarm” ist. Der Test richtet sich eher an Frauen, wie ich aus Frage 4 entnehme:

Welche Schuhe tragen Sie? 
o Meine ausgelatschten, alten Lieblingsturnschuhe!
o Meistens Sneakers aber auch schon mal etwas schickeres!
o Am liebsten Sneakers.
o Alles mögliche! Kommt auf meine Laune an.
o Immer High-Heels!

Für mich gab es da nichts zum Ankreuzen, ich trage immer meine ausgelatschten alten Birkenstockschuhe. Ich kreuzte dann doch als Notbehelf die “Lieblingsturnschuhe” an, und die Strafe folgte sozusagen auf dem Fuße. Meine Auswertung ergab:

Die Männer laufen an Ihnen vorbei ohne Sie zu registrieren!

Ändern Sie etwas an sich!

So können Sie nicht glücklich werden.

Dieses Profil hatten 6.6442 % der 21071 Quizteilnehmer!

Das Wort “Quizteilnehmer” war nun wieder verwirrend. Richtete sich das Quiz doch an Männer? Die mit den High Heels?

Wir fassen zusammen: In Sachen Frauen, Männer und Bienen bleibt die deutsche Sprache verwirrend wie eh und je. Auf die Frage, ob ich ein Frauenschwarm, ein Männerschwarm oder ein Bienenschwarm bin, kann ich ehrlich nur antworten: Ich bin ein Mückenschwarm. Mir ist noch keine Mücke begegnet, die mich nicht umgehend gestochen hätte.
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* Das erste Buch, Berühmte Frauenpaare (2005), findet Ihr hier: Frauenbild
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(Dank an Anne Beck für eine frühe Anregung zum Thema Frauenschwarm / Männerschwarm)


# | Luise F. Pusch am 08.11.2009 um 05:41 PM • Permalink

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Hedwig Dohm