»Laut & Luise«
25.06.2011
Es gibt Frauenfußball und Fußballfrauen. Fußballmänner sagt man nicht, und Männerfußball nur dann, wenn von “Frauenfußball” die Rede ist.
Der „Deutschen Fußballnationalmannschaft“ ist in Wikipedia ein Eintrag von enzyklopädischer Gründlichkeit gewidmet. Dass es sich bei der Mannschaft, wie schon der Name sagt, um Männer handelt, wird ansonsten nicht weiter thematisiert, so selbstverständlich ist das. Neben dieser richtigen, eigentlichen Nationalmannschaft gibt es noch die „Deutsche Fußballnationalmannschaft der Frauen“; auch ihr hat Wikipedia einen Eintrag gewidmet, der natürlich viel kürzer ist als der für die Männermannschaft.
In den Medien höre und lese ich in letzter Zeit immer häufiger das Wort Fußballfrauen statt etwa Fußballerinnen oder Fußballspielerinnen. Fußballdamen wäre noch ein bißchen kürzer, aber dennoch scheint es out zu sein: zu herablassend. Da hat immerhin die feministische Sprachkritik etwas bewirkt. Auch werden unsere Nationalspielerinnen nicht mehr zu Fußballmädchen geschrumpft wie ehedem. Fußballmädchen wird reserviert für den weiblichen Fußball-Nachwuchs.
Was ist gegen die Bezeichnung Fußballfrauen einzuwenden? Eigentlich nichts, nur symmetrisch ist sie halt nicht. Männliche Spieler heißen schlicht Fußballer oder Fußballspieler, nicht Fußballmänner.
Wörter auf -mann bezeichnen oft ungelernte oder dubiose Männerberufe und -machenschaften wie Milchmann, Müllmann, Staatsmann, Dunkelmann, Hintermann und Hampelmaann. „Klingelingeling, hier kommt der Eiermann“ - solche Lachhaftigkeit passt nicht zu unseren Helden der Nation, die für die nationale Ehre ihre Knochen hinhalten, wie uns immer versichert wird.
Aber „We’ve come a long way, baby!“ Frauen, denen der DFB noch bis 1973 das Fußballspielen verbot*, sind inzwischen Weltklasse, besonders die deutschen Spielerinnen. „Second class don’t turn me on at all“ - die zweite Klasse passt uns überhaupt nicht mehr.
Der heutige Präsident des DFB, Theo Zwanziger, gibt offen zu, dass Frauen besseren Fußball spielen als Männer: “[weil sie] fairer miteinander spielen, weil sie respektvoller miteinander umgehen, weil sie nicht diese knüppelharten Zweikämpfe führen, weil da nicht die brutalen Fouls passieren.” (Quelle: hier)
Was können wir tun, damit die Besseren nicht mehr wie Zweitklassige behandelt werden?
Wir könnten z.B. die Fußballstatuten dahingehend revidieren, dass eine Fußball-Nationalelf selbstverständlich die Nation repräsentieren sollte, sonst verdient sie ja den Namen nicht. Die Nation besteht bekanntlich zu 52 Prozent aus Frauen. Die Nationalelf sollte also aus 6 Frauen und 5 Männern bestehen. Wie bei einem „Mixed“, einem gemischten Doppel im Tennis oder Badminton, über das uns Wikipedia wie folgt belehrt:
Beim Mixed wird in der Regel das Spielsystem gegenüber dem Herren- bzw. Damendoppel verändert, um die geschlechtsspezifischen Besonderheiten besser einsetzen zu können (z. B. mehr Muskelkraft des männlichen Teamspielers). So besetzt z. B. beim Badminton der Mann im gemischten Doppel primär die Angriffsposition im hinteren Teil des Spielfeldes.
Wie üblich werden hier zwar nur die Stärken des männlichen Spielers erwähnt, die weiblichen existieren aber durchaus: Theo Zwanziger hat sie für den Fußball oben aufgezählt.
Eine gemischte National-Elf könnte auch unsere Fußballmänner auf Weltmeista-Niveau** bringen. Für die Spielerinnen hätte die Regelung den Vorteil, dass sie endlich für voll genommen würden und dieselben Privilegien einfordern und genießen könnten wie die Männer.
Für das weibliche Fanvolk ergäbe sich das seltene Schauspiel, dass Frauen von Männern einmal gleichberechtigt behandelt würden. Denn wenn es um das gemeinsame Gewinnen geht, hilft nur bedingungslose Kooperation, egal welche Gefühle mann außerhalb des Spiels für die Teamkameradin hegen mag.
Wird uns das nicht immer als leuchtendes Beispiel vorgehalten: Die Jungs lernen den Teamgeist schon als Kleinkinder auf dem Bolzplatz und stellen damit die Weichen für ihren Erfolg im Leben, Mädchen hingegen lernen es nie, denn die Fußball-Jugendkultur ist uns verwehrt (nicht mehr, es bessert sich allmählich, aber dennoch …).
Nach dem beliebten Top-Down- oder Trickle-down-Prinzip hätte eine Neuregelung Konsequenzen von der Bundesliga bis in den letzten Vorstadt-Fußballverein. Soll eine Nationalelf herangebildet werden, muss der weibliche Nachwuchs genau so gefördert werden wie der männliche - eine Zeitlang sogar mehr, bis die jahrzehntelange Bevorzugung der Jungs kompensiert ist.
Goldene Zeiten stünden uns bevor: Eine ganze fußballverrückte Nation könnte buchstäblich von Kindesbeinen an zu echter Gleichberechtigung erzogen werden - einfach, weil sonst kein Gewinn zu erzielen ist. Das gilt zwar überhaupt und in jeder irgendwie relevanten Hinsicht - aber so begreifen sie es vielleicht besser.
Die Jungs täten gut daran, sich für dieses Modell des Mixed-Fußballs noch rechtzeitig zu begeistern. Sonst ziehen die Besseren endgültig an ihnen vorbei zu immer neuen Höhen der Spielkunst und Faszination - und sie bleiben auf ihren „brutalen Fouls“ sitzen. Wir hätten dann eine “Fußball-Nationalelf” (weibliche Profis) und daneben eine “Fußballnationalmannschaft der Männer” (mit Amateurstatus).
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*Aus der Begründung des DFB in den fünfziger Jahren: „Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.“
**feministisch für “Weltmeisterinnen-Niveau”.
19.06.2011
Gestern hörte ich ein „Zeitzeichen“-Podcast vom 27. März zum 125. Geburtstag des Architekten Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969). Ich weiß leider nicht viel über Architektur, Architekturgeschichte und Design. Ich wußte nur, dass Mies van der Rohe die Neue Nationalgalerie in Berlin gebaut hat. Und seinen Barcelona-Sessel kannte ich. Ich wußte nicht einmal, was er für ein Landsmann war. Der Name klingt ziemlich niederländisch, aber in den fünfziger Jahren, auf der Höhe seines Ruhms, operierte Mies van der Rohe ja überwiegend von den Vereinigten Staaten aus, und in diesem Einwanderungsland haben die Leute bekanntlich alle möglichen Namen.
In der Sendung erfuhr ich, dass der Mann mit dem vollmundigen Namen ursprünglich Ludwig Mies hieß und aus Aachen stammt. Er war das jüngste Kind des Steinmetzmeisters Michael Mies und seiner Frau Amalie Mies. Frau Amalie war acht Jahre älter als ihr Mann und bei der Geburt ihres Jüngsten 43 Jahre alt. Ob Ludwig Mies mit der berühmten feministischen Soziologin Maria Mies verwandt ist?
Der Name Mies macht sich ja nicht gut für einen aufstrebenden jungen Mann, und so nannte Mies sich ab 1921 Mies van der Rohe. Seine Mutter war nämlich eine geborene Rohe. „Rohe“ hat allerdings auch nicht gerade positive Assoziationen. Warum nannte er sich nicht „van der Waal“ oder „van der Bilt“? Es scheint, dass er nicht nur sich selbst erhöhen, sondern zugleich seine Mutter ehren wollte. Diese Möglichkeit war und ist im deutschen Namensrecht ja nicht vorgesehen.
Der Name “Mies van der Rohe” hat was - und das liegt nicht nur daran, dass Mies sich damit durch außerordentliche Leistungen eben „einen Namen gemacht hat“. Die syntaktische Analyse beweist, dass Mies nicht nur in der Baukunst systematisch, innovativ und PR-bewusst vorging. Mit dem Bau seines neuen Nachnamens gelang ihm ein ziemlich schlauer PR-Trick.
Sein Motto war bekanntlich „Weniger ist mehr“, und er fügte wohl auch hinzu: „Verwechseln Sie bitte nicht das Einfache mit dem Simplen“.
Zunächst scheint es ja so, als habe er mit der Verlängerung seines Nachnamens seinem eigenen Grundsatz zuwidergehandelt. Das sieht aber nur so aus. Denn meist wird er dann schließlich doch nur Mies genannt. Ähnlich wie Rembrandt van Rijn auch immer nur Rembrandt genannt wird. Oder Leonardo da Vinci gern nur Leonardo. Von Michelangelo, Raffael, Elvis, Madonna und Angie ganz zu schweigen.
In Mies van der Rohes Branche ist weniger tatsächlich mehr, besonders in Sachen Namen: In der höchsten Liga nennt man die Künstler gern nur noch beim Vornamen. Es ist ein Adelsprädikat bildender Künstler - ähnlich wie das „die“ in „die Callas“.
Damit etwas vereinfacht werden kann, muss es aber zunächst mal eine gewisse Komplexität haben. „Mies“ lässt sich nicht vereinfachen - wohl aber „Mies van der Rohe“. In der Wortfolge „Mies van der Rohe“ klingt „Mies“ wie der Vorname, einfach weil er dort steht, wo wir üblicherweise den Vornamen erwarten. Im Niederländischen gibt es ja viele fremdartige Vornamen, zum Beispiel hieß Anne Franks Vertraute Miep Gies. Warum soll dann ein Mann nicht mit Vornamen Mies heißen?
Ludwig Mies hat also seinen Nachnamen verlängert, um ihn edel zum „Vornamen“ vereinfachen zu können. Raffiniert. Und was lernen wir daraus?
Zunächst mal, dass wir uns mit miesen Karten nicht einfach abfinden müssen, wir können was draus machen. Zweitens könnten wir unsere Nachnamen ebenfalls um die Namen unserer Mütter verlängern, um sie zu ehren. Ich hieße dann Luise Pusch van der Fries. Oder auch Luise van der Irmela, denn den Namen Fries hat meine Mutter ja auch von ihrem Vater. Ihre Mutter musste bei der Ehe den Namen Fries annehmen, undsoweiter: Auslöschung der mütterlichen Abstammung durch alle Generationen. Aber Irmela war ihr eigener Name.
Zurück zu Mies. Dem Prinzip „Weniger ist mehr“ folgte er in seinen Liebschaften kein bisschen. Und wie er seine Frau und seine drei Töchter behandelt hat, war auch nicht vom Feinsten. Und der Anteil seiner Gefährtin, der bedeutenden Innenarchitektin und Designerin Lilly Reich (1885-1947), an seinen Arbeiten gehört auch noch feministisch aufgearbeitet. Vermutlich haben sie den Barcelona-Sessel zusammen entworfen. Überhaupt hat sich Mies weder vor noch nach seiner Zeit mit Lilly Reich als Möbeldesigner betätigt, vgl. hier.
Aber um all das kümmern wir uns ein andermal.
Ich widme diese Glosse der großen feministischen Linguistin, Lesben-Forscherin und -Aktivistin Julia Penelope, die heute 70 Jahre alt wird. Sie legte ihren Nachnamen Stanley ab und nannte sich fortan Penelope, ob nach ihrer Mutter oder nach der mythischen Penelope, die sich der miesen Freier jahrelang erfolgreich erwehrte, ist mir nicht bekannt.
11.06.2011
Haben Sie auch immer „Ehekrise“ verstanden, wenn von der EHEC-Krise die Rede war?
Verwunderlich ist es ja nicht, denn Ehekrisen sind total normal, die EHEC-Krise hingegen hatten wir so noch nicht. Sie ist hoffentlich bald ausgestanden, die Ehekrisen aber gehen weiter.
Ansonsten aber gibt es zwischen EHE und EHEC wohl leider mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede.
EHEC soll überwiegend Frauen geschädigt haben - bei der EHE ist das keine Vermutung, sondern traurige Gewissheit. EHE hat Millionen mehr Frauen auf dem Gewissen als EHEC (Tod im Kindbett, Gewalt von EHE-Männern bis hin zum Mord, etc.) Das Krisenmanagement des Gefahrenherds EHE ist nicht nur kritikwürdig wie bei EHEC - es ist nicht vorhanden. Und so kommen jahraus jahrein zahllose Frauen durch EHE und EHE-ähnliche Zustände zu Schaden oder gar ums Leben.
Würden Sie nicht empört aufschreien, wenn jemand Ihnen ein EHEC-Bett verkaufen wollte? Aber vor einem EHE-Bett warnt uns niemand!
Diese giftigen Sprossen, die uns als Inbegriff der Gesundheit verkauft wurden - welche von uns denkt da nicht an die lieben Sprösslinge!
Und schließlich: Dieser eklige Erreger, tückisch, widerlich, brutal und manchmal tödlich. Hüten wir uns vor Erregern jedwelcher Art. Oder, wie eine wortgewaltige Lesbengruppe schon mal befand: Lieber Erregerin als Erreger!
05.06.2011
„Ist Petra Gerster schwanger?“ fragte mich Joey gestern bei den heute-Nachrichten. „Glaube ich nicht“, sagte ich, sie ist doch neulich fünfzig geworden. Und „neulich“ ist auch schon wieder Jahre her. Das sieht man ihr nicht an - aber schwanger ist eher unwahrscheinlich.
Während wir noch rätselten, weshalb sie mit ihrem Outfit einen schwangeren Look anstrebt, trat Sportmoderatorin Katrin Müller-Hohenstein ganz ähnlich gewandet auf. Als Wetterfrau Inge Niedek angekündigt wurde, rief Joey: „Ob sie wohl auch diese Mode vorführt?“ Und tatsächlich - sehen Sie selbst.



Offenbar waren die drei ZDF-Moderatorinnen gestern Abend alle von derselben Firma eingekleidet worden: Weißes Top, darüber ein eng anliegendes Jäckchen, neckisch gerafft wie bei Frontfrau Petra Gerster, so dass der Eindruck entsteht, die Jacke schlüge unfreiwillig Falten und die Schwangere platze bereits aus allen Nähten. Die beiden anderen Moderatorinnen ebenfalls taillenbetont zugeknöpft und oberhalb und unterhalb der Taille interessant Wäsche hervorblitzen lassend, aber in klassischem Schwarzweiß à la von der Leyen.
Der Schwangeren-Look erinnerte uns an die Kinderkleidchen, die viele Frauen derzeit anstelle von Blusen tragen. Sie verkleiden sich als kleine Mädchen, zugleich erwecken sie aber einen schwangeren Eindruck:



Brigitte.de schreibt in ihrem Luxuslexikon über die neue Mode unter dem Stichwort Empire:
Elegant, anmutig, mädchenhaft zart: Ein Empire-Kleid schmeichelt der Figur mit seiner hoch unter dem Busen sitzenden Taille und dem weich fließenden Stoff und macht eine schöne Silhouette. Beim Anblick eines zarten Empire-Kleides denkt man an die Frauenfiguren, die Jane Austen schuf.
Form: Erkennungsmerkmal eines Empire-Kleides ist die hohe Taille direkt unter dem Busen, den ein Band hält. Die Kleider gibt es in allen Längen, als Abendkleider ärmellos. Im Empire waren kleine Puffärmel beliebt. Heute ist der Stil wieder angesagt, nicht nur Kleider, auch viele Blusen und Jacken haben eine geraffte, hohe Taille.
Aha, da trugen die drei Moderatorinnen also den angesagten Empire-Stil zur Schau: Eine Empire-Jacke mit (bei Gerster sehr) geraffter, hoher Taille!
Die „beliebten kleinen Puffärmel“ machen die Trägerin noch kindlicher (bei Brigitte heißt das „mädchenhaft“). Zusammen mit dem hochgeschürzten Busen und der Schwangeren-Anmutung eine total geile Sache, die jeden Mann verrückt machen muss. Assoziationen an den Babystrich und Kinderpornographie sind seitens der Modemacher vermutlich intendiert, dürften aber weit von der Hand gewiesen werden. Dennoch ist unbestritten: Wer Puff-Ärmel sagt, muss auch Puff Sagen.
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