20Elf von ihrer schönsten Seite

Aus Wir machen uns unsere Sprache selber: Ein Feminar. Vierzigste Lektion.

Eine Leserin meines Blogs schrieb mir am 1. September:

Liebe Luise F. Pusch,
als begeisterte Anhängerin Ihrer Feminare und des Frauenfußballs musste ich leider ein wahres MeistERwerk entdecken. Der offizielle Slogan der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011 lautet: 20ELF VON SEINER SCHÖNSTEN SEITE!
Mir verschlägt es dabei leider die Sprache…

Konnte ich nur zu gut verstehen! Nach dem strahlenden Sieg der deutschen Fußballfrauen über die Engländerinnen in Helsinki äußerte auch Mister Tagesthemen Tom Buhrow Missfallen über den Slogan, allerdings nur leichtes - er fand ihn “nichtssagend”. Warum nicht stattdessen “Die Welt zu Gast bei Freundinnen”, meinte er und lächelte ich weiß nicht wie. Recht hat er, warum nicht?

Eine andere Leserin schickte mir mit dem lakonischen Vermerk “Buntes Kuddelmuddel in der Sprache” folgenden Text von Spiegel-online:

Frauenfußball-EM
Deutschland feiert Titelgewinn gegen England
Sechs Treffer bringen Titel Nummer sieben: Deutschlands Fußballfrauen sind Europameister. In einem großartigen Endspiel demontierten sie die Auswahl Englands. Doppeltorschützen waren Spielführerin Birgit Prinz und Stürmerin Inka Grings, die auch noch Torschützenkönigin des Turniers wurde.

Ja, die Sprache und die Sprachbeherrschung (auch so ein hässliches Wort) der Journalisten entwickeln sich offensichtlich nicht so rasant wie der Frauenfußball - (haben wir übrigens im Jahre 2006, als “Die Welt zu Gast bei Freunden” war, jemals das Wort Männerfußball gehört?) Aber Frauen nehmen die Verrenkungen inzwischen nicht mehr kommentarlos hin. Big Sister is watching you, Brother!

Über die Probleme, die die deutschen Fußballerinen (von Ballerina) wie auch die Kanzlerin und viele andere Frauen in ungewohnten Funktionen für unsere deutsche Männersprache aufwerfen, habe ich vor ziemlich genau zwei Jahren in der siebten Lektion des Feminars, “Wir sind Weltmeista” schon lang und breit geredet; große Fortschritte sind seither nicht zu vermelden.

Doch zurück zu dem offiziellen Slogan “20Elf von seiner schönsten Seite”. Das sperrige Maskulinum seiner ist gar kein Maskulinum, sondern ein Neutrum; es stammt von dem im Spruch weggelassenen “Das Jahr”:

Das Jahr 20Elf von seiner schönsten Seite.

Aber die Schreibweise 20Elf ist ja auch recht eigenwillig und soll auf die Elf, unsere Frauen-National-Elf verweisen. Noch nachdrücklicher hätte die FIFA auf sie verwiesen mit “20Elf von ihrer schönsten Seite”.

Also, liebe Sprach- und Fußballfreundinnen: Nutzen Sie die Gunst der Stunde, schreiben Sie an die FIFA, Sie hätten wesentliche Verbesserungsvorschläge zu machen, die FIFA könne sich mit Ihrer Hilfe von ihrer schönsten Seite zeigen.

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# | Luise F. Pusch am 09/12 um 05:34 PM

Sehr schön!
Mein Vorschlag wäre etwas wie “20Elf von ihrer besten Seite”, um der hartnäckigen Betonung des weiblichen Aussehens durch die Medien entgegenzuwirken.

Joey Horsley  on  09/12  at  06:15 PM

Ja, einfach das wort DIE ergänzen ?- “DIE 2oElf von ihrer besten Seite” - bezieht sich doch auf die jahreszahl und die sport-elf, oder? die fussballerinen beweisen, dass frauen besser, erfolgreicher und mit mehr spielwitz fussball spielen können ...(kein stäendiges spucken und öedes macho-gehabe, wie wir es von den fussball/spielenden männern häufig gewohnt sind).

Danke für die hinweise zum unkorrekten slogan.
Auch   eine `symbolische`top-elf-frauschaft wurde ins leben gerufen, die sich aus ELF prominenten frauen zusammensetzt aus den bereichen wirtschaft, kultur, kunst, sport und medien, um möglichst viele gesellschaftl. gruppen für dieses sportereignis zu begeistern.

Anne  on  09/13  at  09:28 AM

tja, ballerina und ballermann
            - sie trennen welten…

sabine  on  09/13  at  06:57 PM

Das Hamburger Abendblatt titelte auf der ersten Seite mit “Wir sind Weltmeisterin”. Ich traute meinen Augen kaum. Im Sportteil war dann allerdings von der “Frauen-Herrlichkeit” die Rede… Ohne Worte…

Christina  on  09/14  at  07:19 PM

Schön dass sie Weltmeisterinnen geworden sind!

Michael Boch  on  09/16  at  02:23 AM

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Hedwig Dohm