Die Ex
Letzte Woche lief im Fernsehen spätnachts der Film Die Ex bin ich von Katrin Rothe. Er handelt von drei jungen Frauen, die nacheinander mit demselben jungen Mann eine Beziehung hatten. Brit noch während der Schulzeit, Sandra war die mittlere, Anne die letzte - bevor Bert Selbstmord beging. Nun gehen sie gemeinsam seine Sachen durch und versuchen dabei herauszufinden, warum er das getan hat.
Was mich an dem Titel faszinierte, war der Ausdruck “die Ex”. Joey hatte schon öfter von “ihrem Ex” gesprochen - wie sie heute erzählte, weil sie nicht wusste, ob “Dick” hier gleich verstanden würde (Dick Cheney war Mitte der achtziger Jahre noch keine bekannte Größe), ob die Leute vielleicht denken würden, sie hätte “der Dicke” gesagt. Außerdem bedeutet Dick auf Englisch auch “Schwanz” - all das war ihr ungemütlich, und “mein ehemaliger Ehemann”, das brachte sie auch nicht über die Lippen. Also “mein Ex”, frei aus dem Englischen.
“Die Ex”, das hatte ich bis dahin noch nie gehört. Das Interessante an dem Wort ist, dass es nicht “moviert” wird, also mit einem angehängten “-in” aus “der Ex” abgeleitet: der Ex, die Exin, wie es sonst im Deutschen üblich ist.
In der 20. Auflage des Duden von 1992 kommt das Substantiv Ex noch nicht vor, es gibt da nur die Vorsilbe: “Ex… = ehemalig, z.B. Exminister”. 12 Jahre später meldet die 23. Auflage von 2004: “Ex, der und die; umgangssprachlich kurz für Exfreund[in], Exehemann bzw. Exehefrau.”
Ja, warum sagt das Volk hier plötzlich nicht “der Ex / die Exin”?
Vielleicht, weil es im Englischen “the ex” heißt und das schlicht übernommen wurde, für beide Geschlechter? Glaube ich nicht, wenn ich z.B. an “manager” denke, das als “der Manager” und schließlich auch “die Managerin” ins Deutsche kam. Oder nehmen wir ein neueres, schickeres Wort, “art director”. Der Duden von 2006 sagt dazu: “Artdirector, der (engl.) (künstlerischer Leiter des Layouts in einer Werbeabteilung).” Eine Artdirector ist nicht vorgesehen. Und eine Boss natürlich schon gar nicht, obwohl das Wort im Englischen geschlechtsneutral ist.
Ich erkläre mir diese Ausnahme folgendermaßen:
Wenn ich bei Google “mein Ex” eingebe, werde ich als erstes gefragt: “Did you mean meine Ex”? Geboten werden dann 138.000 Vorkommnisse von “mein Ex”. Suche ich hingegen nach “meine Ex”, werde ich nicht gefragt “Did you mean mein Ex”? Und ich bekomme fast dreimal so viele Fundstellen geliefert: 335.000 für “meine Ex”.
Die vielen Seiten über “meine Ex” sind überwiegend von Hass geprägt. Typisch sind Texte wie “Meine Ex - Hier rächen sich Boys an Ihrer Ex Freundin indem Sie Nacktbilder von den Mädels veröffentlichen - Jede Menge Erotik für wenig Geld · Bereits Mitglied? Dann logge dich Hier ein.”
Wie das Internet belegt, wird “meine Ex” weit häufiger gebraucht als “mein Ex”. “Die Ex” scheint das Original zu sein, nicht “der Ex”.
Und somit gehört diese Ausnahme des deutschen Wortschatzes wohl in die Nähe der Gruppe Witwe, Witwer und Hexe, Hexer; Ente, Enterich; Gans, Gänserich, bei denen das Maskulinum aus dem Femininum abgeleitet wird. Witwen sind seit jeher die “Normalform”, denn ein Witwer blieb nicht lange Witwer, sondern heiratete die nächste, und wenn er die zu Tode geschwängert hatte, kam wieder die nächste dran. Die Kunst der Hexerey wurde mit Vorliebe Frauen nachgesagt - zur Zeit des Hexenwahns eine beliebte Methode, aufmüpfige Frauen loszuwerden und sich ihr Hab und Gut unter den Nagel zu reißen. Beim Geflügel (Gans, Ente) ist das Weibchen die Normalform, weil es Eier legt und damit das nützlichere Nutztier ist.
Was lernen wir aus dem Befund?
A) Es gibt weit mehr Exfreundinnen als Exfreunde, mehr weibliche als männliche “Exe”. In Katrin Rothes Film, der mich überhaupt auf dieses Thema brachte, haben drei Frauen je einen Ex, und zwar denselben Bert, dieser eine Ex aber hatte sie alle drei.
B) Wenn Frauen einen Freund verlieren oder ihm den Laufpass geben (müssen), stellen sie ihn normalerweise nicht im Internet bloß, sind sie eher traurig als rachedurstig. Wenn Männer eine Frau verlassen und erst recht, wenn sie verlassen werden, rächen sie sich oft. Nacktfotos von der Ex im Netz sind noch die mildere Variante, die extreme Variante ist Mord.
Einen Superhit landete die Gruppe Die Ärzte mit “Meine Ex(plodierte) Freundin”. Der Leadsänger brüstet sich, dass er für seine Freundinnen gefährlich ist: Sie sterben alle. Einen Link zu diesem scheußlichen Produkt des ungefilterten Frauenhasses lege ich hier nicht.
Merke: Werde besser keine Ex. Wie das anzustellen ist? Ganz einfach: Werde nicht seine Freundin, dann wirst du auch nicht seine Ex, und die Explosionsgefahr verringert sich dramatisch.
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Nachtrag: Ganz anders und auf jeden Fall weniger gefährlich lebt anscheinend die Ex einer Frau, nachzulesen bei Silke Buttgereit, „Auf ewig war ich Dein – Lesben und ihre Ex-Geliebten“. (Dank an Doris Hermanns für den Hinweis).
Die vielen hässlichen internet-seiten zum racheaufruf an `meine Ex` erinnern mich an den spruch `.. und bist du nicht willig, so brauch ich gewalt..`. Es heisst männer rächen sich häufig aufgrund ihrer körperl. überlegenheit mit gewaltakten. Gewalt, sexuelle gewalt gegen frauen eine beliebte (kriegs-)methode vollgespickt mit rachegelüsten.
Nicht nur die gruppe `Ärzte` mit ihrem obigen songtext versprüht frauenhass, dazu gehören weiter die bekannten porno-rapper mit ihren brutalo-texten. Hier wird u.a. porNOgrafie und frauenfeindlichkeit zelebriert.
Zum begriff `Hexe`: Auch in den märchenerzählungen der Gebr. Grimm werden `Hexen` nur negative eigenschaften zugeschrieben. Während das männliche gegenstück, wie `hellseher, schamane, illusionist`, allgemein mit positiven merkmalen bestückt wird.
Das frauenbild `Hexe`(seherin, wissende, weise alte) scheint gegenüber den vielen männl. exemplaren bis heute etwas unheilvolles zu verkörpern. Die gründe sind ja hinlänglich bekannt!
Guter hinweis zu `werde besser keine Ex` - bleibe lieber eine Hex`, bevor mann dir die luft zum atmen nimmt.
Danke für all die prima glossen und hinweise - llg Anne
Anne on 10/24 at 10:21 PM
hm, mir fällt es ja immer schwierig neues und altes zu vermischen, da sich in den jahren ja auch viel getan hat. das es die hexe, Kuh, Gans, … heist ist nunmal so, damals war das Weltbild nunmal ein anderes. da finde ich wird auch zu wenig an lösungen gesucht / “angeboten”. anderseits frag ich mich auch, wie man zu einer neutraleren form kommen soll, wo schon bei der letzten Rechtschreibreform es genügend Kritik aus der reihe “Tradition, Geschichte etc” kam. und da ging es zum größten teil nur um Kommas, ß etc..
ich bezweifle irgendwie, dass mehr exfreundinnen als erfreuende gibt, in meinem Umfeld kann ich die zahl jedenfalls nicht bestätigen und wenn man die google-suche als Kriterium nimmt kann man auch die Bild fragen.
auch Männer stellen normalerweise einen Laufpass einer Person nicht ins internet. Sex sells, ist leider so und so gibt es wohl auch entsprechende Werbung. und wie daraus gleich ein “normalerweise” bzw. “oft” wird erschließt sich mir nicht. ich versuche es auf die Glosse zu schrieben.
zu dem zitiertem Lied. wenn man darin Frauenhass sieht… weiß nicht, ich sehe ihn nicht wirklich. klar, man kann nicht alles einfach als “Kunst” abtun, aber alles daraus wortwörtlich und ernst nehmen? und selbst dann, hätte ich bei diesem Text in Verbindung mit Frauenhaus sehr starke Probleme. vielleicht können sie ja auf ein paar Textteilen genauer eingehen.
ads wars mal wieder… und bitte nicht gleich über mich schimpfen nur weil “ihr” andere Meinungen dazu habt.
Papierschiff on 10/25 at 11:14 AM
@ Papierschiff
Was mich betrifft, als frau bin ich noch nicht so abgestumpft bzw. desensibilisiert gegenüber songtexten , die gewalt, sexuelle gewalt, frauenverachtung und -abwertung zelebrieren. Schlimm genug, dass junge menschen so etwas `voll geil` oder `voll lustig` finden. Die schlimmsten texte z.b. der porNO-rapper wurden entweder gestrichen - einige texte dieser macho-gruppen indiziert.
Am besten mal selbst googeln , wie hier einige `ausgezeichnete` herren frauenverachtung, sexismus und rassismus in ihren texte polarisieren.
Wahrscheinlich sind die textler - u.a. oben genannte gruppe mit `meine EX(plodierte)freundin - und ihre anhängerschaft dermassen abgestumpft, dass sie nicht einmal in der lage sind, ihre texte selbstkritisch zu betrachten. Geschweige denn, dass sie ein ohr haben gegenüber den anmerkungen anderer menschen.
Das scheint eine der vielen kehrseiten unserer pornografisierten und gewaltverherrlichenden medienkultur zu sein, wo häufig der blick der männerdominierten kulturindustrie frauen verstärkt zum (gebrauchts)objekt macht.
Schliesslich verdient mann ja auch damit eine menge geld.
Anne on 10/25 at 04:29 PM
... jaja, die Kunst!
Da hätte ich in dem Zusammenhang dann doch noch einen Link zu einem Songtext aus dem Kabarettprogramm von PinkMoll!
http://www.gogolin.info/fileadmin/images/galerie/Liedtexte/Bis_das_der_Tod_uns_scheidet.jpg
Waschweib on 10/25 at 04:46 PM
@anne… über so manche form des hiphops müssen wir glaube nicht diskutieren… es ging mir jetzt eher um den oben genannten Text, eine Antwort hast du ja leider auch nicht gegeben.
lg
das papierschiff
Papierschiff on 10/25 at 06:09 PM
@ papierschiff
Über manche form des schlechten geschmacks sollte gerade gesprochen werden , denn dazu zählen die üblen texte einiger porNOrapper, die meinen, mit gewaltverheRRlichung `kult` betreiben zu können.
Entschuldigung, wenn ich drastisch werden muss:
Aber Arschfinksong, GangBang-songs über prostituierte , Tuntenvergasen etc. pp. sollten nicht ausser acht gelassen werden, wenn es schon um `frauenhass/frauenverachtung` in der popkultur geht. Immerhin sprechen diese gruppen auch von kunst, oder? Diese widerlichen texte könnte ich ebenso hier einbringen!
Dagegen sind PinkMolls rachegelüste direkt masochistisch(scherzhaft) zu bewerten und bestätigen mich in meiner harmlosen fraulichen auffassung “drum prüfe , wer sich ewig bindet, ob sich nicht ne bessere lösung/alternative findet” .
Elfmal den gleichen fehler gemacht, wirklich säährr ärgerlich, äh masochistisch oder morbid?
Hier die realität.
http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/sexsexsexsexsexgeil/?src=HL&cHash=7448e7c265
Anne on 10/25 at 07:27 PM
@anne.. sie haben mich da missverstanden. natürlich muss man darüber sprechen, aber wir haben in dieser Hinsicht ähnliche Ansichten, weshalb ich ihre und Luises “Problem” mit dem Song von den Ärzten nicht verstehen kann, weil das doch etwas ganz anderes ist als die von ihnen angeprangerte rap-musik.
allerdings sind wir ja irgendwie auch selbst schuld… wir sind es doch die derartige Kinder fördern ,die derartige Musik hervorbringen bzw. mit unserem verhalten unterstützen…
lg, das papierschiff
Papierschiff on 10/25 at 09:40 PM
Ich bin ueberrascht zu erfahren, dass Joey mal mit Dick Cheney verheiratet war… Wie gut, dass er nun mal ein Ex in fast jeder Hinsicht ist.
Alison on 10/26 at 01:43 AM
@Alison:
Du wolltest da wohl einen Witz machen? Joey war zum Glück nie mit Dick Cheney verheiratet - es war ein anderer Dick.
Cheney hat lediglich den Vornamen Dick in Deutschland allgemein bekannt gemacht - so war das gemeint.
lfp on 10/26 at 08:58 AM
@ papierschiff
Auch die porNO-rapper sind davon überzeugt, dass ihre frauenfeindlichen texte harmlos sind und etwas mit `kunst` zu tun haben. Was sind das eigentlich für männer, die in einem lied verkünden, dass ihnen bestimmte sexpraktiken gut tun, während das weibliche opfer vor schmerzen schreit? Auch einige songs der `Ärzte` wurden schon i.d. 80er jahren indiziert.
Ich frage mich, warum hat mann spass an texten - gerichtet an junge menschen -, die massenvergewaltigungen, inzest , sodomie, drogeneinnahmen verharmlosen. Typisch für unsere medienkultur ist , dass mann sich mit negativwerbung auch noch höhere absatzerfolge erhofft.
Ich empfinde einen songtext, in dem der texter seine freundin explodieren lässt, bis das blut spritzt und der damit auch noch prahlt, frauenfeindlich. Wie gesagt, inzwischen hat sich die hass-porno-kultur auch mit der gruppe `Rammstein` weiter negativ verfestigt ...
Ein zeichen gegen pornorap setzt inzwischen die fraueninitiative “ANA & ANDA : Gewalt wird erst wahrgenommen, wenn sie sich in ihrer ausgeprägtesten form zeigt. Mord, totschlag, krieg, prügeleien, überfälle - gewalttätigkeit beginnt aber viel früher und subtiler.”
Hört kunst nicht da auf, wo die menschenwürde missachtet wird? Das nur am rande erwähnt.
http://www.anaundanda.de/kultur_gegen_gewalt.html
Anne on 10/26 at 02:09 PM
@anne.. anne, so einfach stimmt das auch nicht, also das alle der Meinung sind, das wäre harmlos. bei einem großteil dieser wirst du aber recht haben.
ich hab übrigens das lied nicht unter kunst oder ähnliches “abgetan”, sondern mir sollte nur gesagt werden was an dem lied so schlimm sei.
stimmt es wurden einige songs der ärzte indiziert, ob das richtig war kann ich nicht beurteilen. eine einschränkung ab 18 hätte meinesachtens gereicht.
nur mal ne frage.. wo ist das problem an inzest und sodomie. also nicht moralisch. beides sind sehr verbreitete sachen, da finde ich die tabuisierung viel schlimmer.
nicht der texter lässt seine freundin explodieren, sondern sie explodiert. und ich sehe auch nicht, dass der “erzähler” sich darüber freut, oder das er stolz darauf ist.
hass-porno-kultur und rammstein? bitte genauer erklären.
natürlich beginnt gewalt viel eher, sie beginnt aber auch auf den wiesen wo “fußballspielen verboten steht” und zwar von der gesellschaft an den kids.
wo wird denn bei dem lied von den ärzten die menschenwürde missachten? wie gesagt, ich hab auch ein problem damit wenn musik, videos, spiele(…) gewalt (in was für formen auch immer) verharmlosen oder zum teil dazu aufrufen. bei dem lied von den ärzten hab ich das nicht gesehen. und stimmt vielleicht, ich stehe bei dieser gradwanderung eher auf der seite “lieber mehr freiheit wagen” als diese mit gesetzen einschränken. das es andere meinung gibt ist mir dabei bewußt und verstehe ich sogar, zumindest teilweise..
liebe grüße,
das papierschiff
Papierschiff on 10/26 at 06:35 PM
Auch mit stalking versucht so mancher seine “Ex” zu bestrafen. Über 80 % der stalker sind männlich. 80 % der stalking-opfer sind weiblich - etwa die hälfte der stalking-opfer werden vom Ex-partner verfolgt.
Prima hinweise übrigens zu “Auf ewig war ich dein” - danke!!
Dass es anders sowie weniger gefährlich zugeht, kann ich auch bei anderen frauen bestätigen - zu meinem lesbenkreis gehören einige “Exe”, wozu ich auch zähle. Ein wenig muss frau schon über ihren schatten springen. Dennoch sehr bereichernd/wohltuend eine schwesterliche frauengemeinschaft , die sich gegenseitig respektiert und unterstützt. Ein schönes lebensgefühl, auch mal im alter mit immer mehr (gleichgesinnten) frauen zusammen zu sein….
Anne on 10/26 at 09:28 PM
Zur Aussage “Wenn Frauen einen Freund verlieren oder ihm den Laufpass geben (müssen), stellen sie ihn normalerweise nicht im Internet bloß, sind sie eher traurig als rachedurstig.” folgender Hinweis: Seit ein paar Jahren gibt es die in den Medien viel besprochene Website DontDateHimGirl.com (DDHG). Zehntausende Männer werden mit Namen und Foto und mit Klassifizierungen wie “Sexual Offender” oder “Sexual Predator” aufgelistet. Bettina Gayk, Pressesprecherin der NRW-Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit, sagte schon 2006 zur Netzwelt: “In Deutschland wäre eine solche Seite nicht zulässig.” So sicher bin ich mir da nicht; und in Foren und Social Networks wird denunziert ohne Ende, ohne dass sich Datenschützer dafür gross interessieren. Zudem werden in Deutschland abertausende illegale Blogs betrieben, nämlich geschäftsmässige Blogs (d.h. Blogs mit regelmässigen Posts) ohne Impressum. Gerade in NRW gibt es jede Menge davon. Wir sollten Denunziationen im Web grundsätzlich verurteilen, ob sie Frauen oder Männer betreffen.
Oliver on 10/30 at 07:04 PM
@ papierschiff
“Hass-porNO-kultur via Rammstein”
Inzwischen wurde ein weiteres Rammstein-album aufgrund des durch die ministerin van der Leyen geführten bundesministeriums als jugendgefährdend indiziert.
Grund sind in “liebe ist für alle da” die verbreitung ekliger darstellungen von sado-maso-praktiken und das animieren zu ungeschütztem geschlechtsverkehr - ferner geht es im detail der band um den song “Ich tu dir weh” und das eklige cover, wo eine nackte frau von 5 männern drangsaliert und mit einem beil bedroht wird.
Auch dieser text von Rammstein ist voller abscheulicher gewaltfantasien und frauenhass , den ich hier nicht verlinken möchte.
Anne on 11/06 at 07:43 PM
@anne … ich halte nicht viel von der von ihnen genannten Ministerin, da sie schon auf mehreren gebieten gezeigt hat, dass sie von der Materie keine Ahnung hat.
es wurde auch nicht ein weiteres von rammstein indiziert, sondern das erste.
bitte nehmen sie doch ihre wertungen raus. und sado-maso-praktiken als eklig zu bezeichnen… nein, mein ding ist es nicht, aber mit eklig hat das nichts zu tun.
und am ende wenn es so ausgeht hat es doch funktioniert. oder sind sie der meinung, dass man derartiges komplett verbieten solle?
ich finde es schon bedenklich wenn kinder mit sowas in kontakt kommen, weiß auch nicht die genauen hintergründe des textes. jedoch fällt mir schon beim drüber fliegen über den text auf, dass es mehr ist als nur “alle frauen sind scheiße” etc…
am ende spielte rammstein schon immer mit “tabu-themen” und dem “verbotenen” und ehrlich gesagt im grunde finde ich das gut. probleme hätte ich wenn die texte wirklich ausschließlich frauenverachtend wären bzw. derartige werte auch vermitteln wollen. in interviews etc haben sie sowas aber nicht vermittelt.
das papierschiff, was dafür bestimmt wieder haue bekommt.
papierschiff on 11/06 at 11:31 PM
Rammstein spielte immer mit dem verbotenen? - es ist richtig, dass musikern mit ihren frauenverachtenden texten grenzen gesetzt werden. Texte wie ” Ich tu dir weh “, in der mit üblen gewaltfantasien eine frau gequält wird mit stacheldraht im harnkanal, bisse, tritte, stumpfe säge ... und führ` dir nagetiere ein ... ich tu dir weh, tut mir nicht leid, hört wie es schreit ..” sind dermassen verroht, abgestumpft und bezeichnend dafür, dass den herstellern mit dem kick nach immer neuen anreizen jedes mittel recht ist. Gleiches gilt für die diversen porno-rapper, die erniedrigung und vergewaltigungen von frauen sowie in ihren video-clips gewalttätige sexualpraktiken verherrlichen.
Eine verhöhnung gegenüber den vielen weiblichen opfern von (sexueller) gewalt.
Wir frauen sollten uns wehren, protestieren und diesen männern die rote karte zeigen.
Anne on 11/08 at 10:49 PM
Luise, dass beruhigt mich. So ein Vorgaenger an Joeys Seite waere deiner nicht wuerdig.
Alison on 11/09 at 01:15 AM
Eine wichtige Frage ist, wie wir mit Gewalt in der Kunst umgehen sollen (so gut oder schlecht diese sein mag). Die Texte von de Sade sind auch voller Gewaltphantasien. Ich persönlich habe grosse Mühe mit ihnen. Aber ich glaube nicht, dass wir sie verbieten sollten.
Oliver on 11/09 at 10:14 AM
Die Frage ist aber auch, ob einiges von de Sade nun unbedingt Kunst ist und nicht doch eher Pornographie. Strittige Fragen gehören vor eine Kommission etwa wie die Ethik-Kommission. Diese Kommission müsste vor allem - anders als die meisten sog. Expertenkommissionen - geschlechterparitätisch besetzt sein.
Susanne Kappeler hat schon vor 23 Jahren in “Die Pornographie der Darstellung” (=The Pornography of Representation) Entscheidendes gegen die ständige Ausrede der Kunstfreunde, man dürfe doch um Himmels willen Kunst nicht verbieten wg ein paar bigotten alten Damen, die an allem Anstoß nehmen, vorgebracht. Dass die Grenze zwischen Kunst und Pornographie bisweilen schwer zu ziehen ist, ist kein Grund, sich vor der Entscheidung zu drücken und “freie Meinungsäußerung” zuzulassen no matter what. In unserer Kultur regiert ja auch sonst kein hilfloses Entweder-Oder, sondern es wird sorgfältig abgewogen und abgestuft. Z.B. leistet sich der Staat bei jedem Verbrechen ein aufwändiges Verfahren, um eine gerechte Lösung für alle Beteiligten zu finden. Warum nicht auch bei “Kunst”, die die Hälfte der Bevölkerung verhöhnt, beleidigt und sich an der Vorstellung ihrer möglichst grausamen Ausmerzung berauscht?
lfp on 11/09 at 10:56 AM
hier noch ein ganz interessanter(heist nicht ich habe genau diese meinung) artikel:
“Wann wird aus Kunst Pornographie?”
den link kontte ich nicht posten, wegen “blacklist blabla”. mann muss unter freitag.de gehen und dann unter kultur. schade.
@lfp.. vielleicht können sie das ja an meinen letzten beitrag anfügen?
papierschiff on 11/09 at 12:45 PM
Danke an @ lfp auch f.d. hinweise zu Susanne Kappeler ” Pornographie - die Macht der Darstellung “
Mit dem weiblichen blick frage ich mich, was hat De Sade mit seinen sexuellen ausschweifenden männerfantasien voller sadismus und gewalt gegen frauen eigentlich noch mit kunst zu tun? Gleiches gilt für die porno-rapper und andere männl. sexisten, die sich künstler nennen.
Wir sollten nicht wegschauen, verharmlosen, ignorieren, sondern endlich einmal hinterfragen, wieso z.b. gerade weibliche menschen (die 52 % der weltbevölkerung ausmachen) ständig zielscheibe sind von männl. dominanz, sex. ausbeutung sowie sex. /gewalt/fantasien - nicht nur in der pop-musik-szene - häufig auch i.d. virtuellen und medien-welt.
“Die kultur, wie wir sie kennen, ist das selbstbild des patriarchats.” Wurden und werden nicht gerade frauen hunderttausendfach fixiert und bewertet als beliebige `objekte ` in kunst, mode, film, werbung, gesellschaft rein nach männl. vorstellungen?
Orgi - ein porno-rapper - manche seiner texte wurden indiziert, sagt “seine texte seien inspiriert von seiner eigenen geilheit. Wenn er geil ist, schreibt er f..texte. Geil sein bedeutet für ihn f..wollen. Er behauptet, frauen macht sex mit mehreren männern spass etc.pp.
Diese üblen burschen mit ihren häufig frauenverachtenden texten nennen sich künstler (lt. taz “es war immer viel von f.. die rede und davon, dass die frau das maul halten soll - auch von schwänzen in hälsen und kotze auf schwänzen ...) und somit vermitteln diese sog. künstler auch jungen menschen bewusst ein völlig verkehrtes frauenbild.
“Der konsum von einfacher pornografie hat auswirkungen auf das geschlechterrollenbild, die verbreitung von pornografie senkt die hemmschwellen. Viele jugendliche halten sexistische anmache für normal und glauben, sie müssten darauf cool reagieren ...”
Anne on 11/09 at 04:55 PM












