“Die fröhliche Landfrau” von Robert Schumann

Aus Wir machen uns unsere Sprache selber: Ein Feminar. Vierzehnte Lektion

Über die neue Dating-Show der ARD “Ich weiß wer gut für dich ist” schreibt die HörZu: “Junges und Frisches genießt Priorität im Ersten, wie Ilka, einer von elf Singles ….

“Ilka der Single” - klingt schon komisch.

“Fragen Sie den Coach”, heißt eine Kolumne in der FAZ zum Wochenende, und der Coach heißt Sonja Streit.

Diese Übernahmen aus dem Englischen sind im Original alle geschlechtsneutral, werden im Deutschen aber automatisch männlich, egal wie unsinnig das sein mag. Der Babysitter z.B. - ist fast immer ein Mädchen oder eine Frau. Dito der Teenager - daß Teenager Mädchen sind, ist so selbstverständlich, daß die weibliche Form “Teenagerin” nicht mal existiert, anders als etwa bei der Managerin. Auch der Vamp kommt mir eher weiblich vor, über den Freak und den Nobody ließe sich diskutieren…

Aus einem Podcast über Mikomoto, den japanischen Erfinder der Perlenzucht, erfuhr ich, daß “Perlentaucher” fast immer Perlentaucherinnen sind - offenbar können Frauen unter Wasser viel länger die Luft anhalten.

Frauen werden durch Vermännlichung unsichtbar gemacht, unsere Tätigkeiten, Leistungen und Fähigkeiten werden den Männern zugeschrieben und durch Metaphorisierung (wie im Falle des populären Web-Portals “Perlentaucher”) wird die feindliche Übernahme fortgesetzt: Männer produzieren einen Haufen Feuilletons, darunter gibt es sogar ein paar Perlen, und die bringt uns “der Perlentaucher” zuverlässig nach oben, zur Kenntnis. - Natürlich kennen wir das alles schon bis zum Abwinken; dennoch ist es wichtig, sich die Einzelfälle klar zu machen und dies und das parat zu haben, wenn wieder die alte Frage kommt “Habt Ihr nichts Wichtigeres zu tun als ewig an der Sprache rumzukritteln?!”

Praktischer als kritisieren und diskutieren ist jedoch zügig feminisieren: Wenn wir die/der Abgeordnete haben, ist die/der Coach, die/der Teenager, die/der Babysitter, die/der Single nur logisch und eindeutig die bessere Entsprechung des Originals.

Zum Abschluß eine schöne Anekdote von dieser Spielwiese. Bei einem unsere letzten Telefonate erzählte Joey, sie habe jetzt den Cellopart in einem Klaviertrio übernommen, und da sie alle sehr aus der Übung seien, spielten sie zum Aufwärmen erstmal “The Happy Farmer”. “Und was ist das?” fragte ich - dann dämmerte es mir: Sie spielen den “Fröhlichen Landmann” von Schumann (welche Klavierschülerin kennt nicht diesen Ohrwurm) in einer Bearbeitung für Klaviertrio.

Ich prustete los, verstand erst gar nicht wieso - aber irgendwie fand ich “The Happy Farmer” für den ehrwürdig-biederen “Fröhlichen Landmann” aus meinen Kindertagen unwiderstehlich komisch.

“The Happy Farmer” ist aber nicht nur komisch, sondern vor allem schön englisch neutral, genau wie coach, babysitter, single, teenager, pearl diver.

Gut möglich, daß englischsprachige Kinder sich eine fröhliche Landfrau vorstellen, wenn sie “The Happy Farmer” klimpern.

Luise F. Pusch am 03/31 um 12:23 PM | Druckversion

Trotz “neutraler” englischer Ausdrücke sind wir in den USA leider auch noch allzu männlich vorprogrammiert. Wenn frau das Wort “farmer” hört, ob fröhlich oder düster, kommt zuerst das bärtige Modell in den Sinn, bis frau sich feministisch besinnt und tiefer denkt. Die deutsche Sprache hat vielleicht sogar einen Vorteil darin, dass sie den kleinen Unterschied markieren und bewußt machen kann, wenn sie nur gerecht angewendet wird. Danke, Luise!

joey  on  03/31  at  01:49 PM

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Hedwig Dohm