Er kommt aus seines Vaters Schoß
Zu Weihnachten war ich bei meiner Familie in Gütersloh. Meine Schwester hatte ein Krippenspiel geschrieben und seit dem Herbst mit den KonfirmandInnen eingeübt. Es sollte als Teil des Gottesdiensts am Heiligabend uraufgeführt werden. Da wollte ich natürlich nicht fehlen.
Es waren ganz kurze Szenen, dazwischen bekam die Gemeinde viel Zeit zum Singen. Die Liedtexte wurden mit einem Beamer groß an die Wand geworfen, so dass alle leicht mitsingen konnten, auch wenn sie, wie ich, die Texte längst vergessen hatten.
Plötzlich hörte ich mich also singen
„Er kommt aus seines Vaters Schoß und wird ein Kindlein klein,
er liegt dort elend, nackt und bloß in einem Krippelein.“
Während die Gemeinde unbeirrt weitersang, fragte ich mich mißmutig: „Er kommt aus seines Vaters Schoß“?? Was soll das denn heißen? Noch nie war mir dieser Unsinn aufgefallen. Und wie oft schon hatte ich ihn wiederholt, wenn wir zu Weihnachten um das Klavier herumstanden und mit meiner Mutter die alten Lieder sangen.
Im Krippenspiel war gerade vorgeführt worden, wie Maria sich schwanger zur Volkszählung nach Bethlehem geschleppt hatte und sie und Joseph nur deshalb noch einen Platz in einem Stall ergattert hatten, weil sie hochschwanger war. Sie gebar das Jesuskind in dem Stall und legte es in eine Krippe. „Er kommt aus seines Vaters Schoß“ - von wegen, er kam vielmehr eindeutig aus seiner Mutter Schoß, nicht einmal die Bibel lässt da Zweifel aufkommen.
Ich googelte später ein wenig herum und fand heraus, dass Text und Musik des Liedes „Lobt Gott, ihr Christen allzu gleich“ (Evang. Gesangbuch 27) von einem Zeitgenossen Luthers stammen, dem Lehrer und Kantor Nikolaus Herman aus dem Erzgebirge (ca. 1500-1561). „Seine Lieder, als deren Zielgruppe er vornehmlich die von ihm unterrichteten Kinder betrachtete, veröffentlichte er 1560 unter dem Titel Die Sonntagsevangelia über das Jahr in Gesänge verfasset für die Kinder und christlichen Hausväter.“ (Wikipedia)
Aha, die Kinder und christlichen Hausväter also. Hausmütter sind nicht gefragt. Das erklärt doch schon mal, wie Nikolaus Herman, wahrscheinlich ein Vorvater von Eva Herman, dazu kam, die Muttergottes auszublenden und ihr Kind „aus seines Vaters Schoß“ kommen zu lassen.
Nun bedeutet “Schoß” im Deutschen ja (mindestens) zweierlei:
[1] die beim Sitzen durch Unterleib und Oberschenkel gebildete Körperpartie
[2] gehoben für den weiblichen Unterleib
(Wiktionary)
Das Englische hat für diese beiden sehr verschiedenen Bedeutungen zwei Wörter parat: lap und womb.
Zugegeben, das Jesuskind wird gerne als Laptop, auf dem Schoß sitzend, dargestellt, aber auch da meist auf dem Schoß Mariens.
Das Jesuskind direkt aus dem Schoß des Vaters kommen zu lassen, war wahrscheinlich eine Spitze des frischgebackenen Protestanten Herman gegen den katholischen Marienkult. Oder einfach eine der vielen kolossalen Lügen, Big Lies (wie Mary Daly sie nannte), der kirchlichen Patriarchen.
An den Schoß des Vaters musste ich wieder denken, als ich eine Woche später die 25. Folge der TV-Serie „In Treatment“ sah. Kate, die Frau des Therapeuten Paul, beschwert sich in einer gemeinsamen Sitzung bei seiner Supervisorin Gina, dass Paul immer alles analysiere. Sie aber könne und wolle das nicht. „Wenn ich ein Kind gebäre, dann möchte ich, dass er da ist und meine Hand hält, aber ich will nicht über meine Gefühle reden. Es ist auch ganz unmöglich zu beschreiben, wie es sich anfühlt, ein Kind zu gebären. Eine Freundin hat einmal gesagt, nimm einen Schirm, stoße ihn in seinen Arsch, spann ihn auf und zieh - dann wird er schon verstehen.“
Beide Frauen lachen schallend. Paul kann gar nicht mitlachen. Offenbar will er lieber nicht wissen, wie es sich anfühlt, wenn das Kind wirklich aus seines Vaters Schoß kommt.
Und hier ein Erklärungsversuch, warum Männer phantasieren, sie würden Kinder bekommen - aus einem männlichen Schoß: Er liegt in der Kargheit ihrer sexuellen Grunderfahrung.
Die weibliche und die männliche Erfahrung sind nämlich grundverschieden. Forschungen haben ergeben, dass das Lustempfinden der Frau dreimal so stark ist wie das des Mannes. Das weibliche Potenzial in der Sexualität hat eine ganz andere Reichweite als die des Mannes, wie die Fähigkeit zu multiplen Orgasmen und die weibliche Anatomie mit mehreren Lustzentren (Klitoris, Vagina, G-Punkt) offenbaren. Daraus kann unschwer geschlossen werden, dass die Erfahrungswelt der Frau von einer ganz anderen Intensität erfüllt ist als die des Mannes, denn sexuelle Lust ist nicht nur einfach irgendein Bestandteil eines ganzheitlichen Lebens, sie bestimmt zutiefst unsere Gefühlswelt und unser Bewusstsein. Die kärgliche sexuelle Erfahrung der Männer könnte ein Grund sein, warum sie erhebliche Probleme mit einer ausgewogenen Gefühlswelt haben. Sie sind ständig auf der Suche und wissen nicht wonach.
Während der Höhepunkt des Mannes mit einem kleinen Moment vorbei ist, wirkt das Lustempfinden der Frau nach. Die Frau ist es, die in der Sexualität und mit den Folgen von Empfängnis, Schwangerschaft und Geburt den gesamten Zyklus des Lebens, das heißt das Lebensprinzip selbst, durchläuft: von der Erfahrung des sich Öffnens, der Hingabe, dem Kulminationsgeschehen und dem Erschaffen und Austragen neuen Lebens, ein kompletter Kreislauf –auch in energetischer Vollendung. Die Frau ist eingebunden ins Prinzip von Werden und Vergehen, eine weibliche Urerfahrung. Der Mann nimmt daran kaum teil. Sein kurzes sexuelles Vergnügen hat in seinem Sein wenig Nachhaltigkeit.
Das Wissen um den Zyklus des Lebens trägt jede Frau in sich, auch die kinderlose. Andernfalls würden kinderlose Frauen, die ein nicht-eigenes Kind auf den Arm bekommen, nicht mit mütterlicher Liebe reagieren.
Die Unterschiedlichkeit des sexuellen Erlebens von Frau und Mann spiegelt sich in der unterschiedlichen Sprache, die die Geschlechter für die Sexualität verwenden. Fülle und Kargheit finden darin ein unverwechselbares Dokument.
Evelyn on 01/03 at 09:12 AM
[...Zugegeben, das Jesuskind wird gerne als Laptop, auf dem Schoß sitzend, dargestellt, aber auch da meist auf dem Schoß Mariens. ...]
und ich roll mich bei dem Satz ab. Wie soll ich das Bild je wieder aus meinen Kopf bekommen beim Anblick meines Lappis ;-)
Danke!!!
schamanca on 01/03 at 02:24 PM
kämen die niedlichen kleinen aus dem schoß des vaters, gäbe es mit sicherheit keine überbevölkerung - so sind die geburtslasten weiblichen menschen vorbehalten. der egoismus vieler väter in der gier nach sexueller befriedigung bedeutet/e für viele frauen (ungewollte) zwangerschaften, häufig bis zu 2o, vorgesehen als gebärmaschinen. frauenhass pur zeigt sich mir in der bibelstelle `...ich werde sehr vermehren die mühsal deiner zwangerschaft, mit schmerzen sollst du kinder gebären - nach deinem mann wird dein verlangen sein, er aber wird über dich herrschen…`, die lüge von der erbsünde.
ja, wie sähe wohl diese bibelstelle aus, wäre der mann die heldin all der zwangerschafts-geburtslasten? gar nicht daran zu denken, wie häufig infolge von körperlicher gewalt und nötigung die lieben kleinen das licht der welt erblick(t)en, überhaupt nicht zur fräude der armen mütter.
halleluja, die schirmattacke wäre evtl. ein probates mittelchen für all die unholde:-( , die im namen des `väterlichen herrn` nicht nur aus abrahams schoß stammen. http://www.fembio.org/biographie.php/frau/frauendatenbank
Anne on 01/03 at 03:44 PM
am 4. Adventssonntag erlebte ich eine Predigt darüber, dass Joseph endlich mal “equal time” gewidmet müsse….. kotze kotze
Rachel on 01/03 at 03:58 PM
@ Evelyn zur Mütterlichkeit
“Der Mütterlichkeit muss die Speckschicht der Idealität , die man ihr angeredet hat, genommen werden” Hedwig Dohm zum Mythos Mutterliebe als Naturtrieb. Aber das ist ein anderes Thema.
Wenn ich da z.B. an das Mutterkreuz denke, frage ich mich, wem zuliebe so manche Mütter/Väter
die große Kinderschar produziert haben?
Was noch so alles dem väterlichen Schoß entspringt / gefunden unter `Security Pants`, gleich sicher wie in Abrahams Schoß, grusel…
http://img519.imageshack.us/img519/8996/securepants6rp.jpg
Amy on 01/03 at 04:56 PM
@Amy
Ich widme mich in meinem Statement keiner soziologischen Analyse, und sei sie von Hedwig Dohm, sondern einer weiblichen Grunderfahrung, die übrigens auch mit der unentwegten männlichen libidinösen Weltverunreinigung nichts zu tun hat -also nichts mit von Männern zugefügtem Leid!
EVelyn on 01/03 at 06:59 PM
Halloo @ Evelyn - auch eine interessante Info zum weiblichen multiplen O von Amy ;-)
Forschen am Höhepunkt
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2005/0727/wissenschaft/0002/index.html
Amy on 01/03 at 10:43 PM
2.jänner war badesonntag, ich fuhr mit meiner enkelin ins thermalbad, das überfüllt war. während die kleine sich im becken delektierte, beobachtete ich einen (vermuteten) jungen vater, der ebenso wie ich auch, die beine hoch gelagert, im liegestuhl lag. auf seinem schoß saß ein etwa sechsjähriges mädchen, spielte mit ihm sehr nett wechselseitiges händekltaschen, sie bewegte sich dabei lebhaft. plötzlich fiel mir auf, dass er das kind zurechtrückte. sie war vorher auf seinem unterbauch gesessen, er setzte sie sich nun tiefer, ich sah es von der seite, er setzte sie sich direkt auf´s geschlecht, fuhr mit dem bewegten spiel fort. ich fragte mich selbstkritisch, was ich nun da schon wieder unterstellte, war angewidert, leider wie gelähmt und weit davon entfernt zu reagieren.
(wie viele katastrophen brachte nicht der schoß des vaters?)
:-(
Bridge on 01/03 at 10:51 PM
@ Bridge
ähnliches hat sich 2o1o an einem baggersee abgespielt - durch die zivilcourage einer familie, die als zeugin unbehagen zeigte und die polizei alarmierte, konnte ein einschlägig vorbestrafter sextäter entlarvt werden.
die dunkelziffer ist sicherlich sehr hoch, und die meisten sexuellen übergriffe ereignen sich im familienkreis oder im näheren sozialen umfeld. häufig suchen sich die pädophilen gezielt alleinerziehende mütter als partnerin aus, um auf diesem weg an die kinder heranzukommen. pädoverbrecher treten nicht als unsympathische monster auf, sondern sind mit allen wassern gewaschene täter, die gezielt - oft über monate - auf ihr ziel hinarbeiten.
http://www.e110.de/index.cfm?event=page.detail&cid=1&fkcid=1&id=51576
Anne on 01/04 at 12:12 AM
Obwohl nicht mehr christlich verbandelt, sind wir familiär doch auch weihnachtlich am Lieder singen und Geschenke verbreiten.
Erst vor kurzem ist mir aufgefallen, dass auch die ganze Weihnachtsgeschichte nur so vor männlichen Akteuren strotzt: Josef, das Jesuskind, der Ochse, der Esel, der Herbergsvater, die Hirten (allesamt m.), die Heiligen Drei Könige.
Ach Du meine Güte - alles Männer, fast wie in der heuten Politik.
Ehrenrettung: immerhin gebiert eine Frau (nicht wie oben erwähnt), nämlich Maria den Sohn.
Und außerdem sind auch die Engel, wie auf dem beschriebenen Schal androgyn.
Ja geht denn das immer so weiter??
Adi Hübel
Adi Hübel on 01/04 at 04:23 PM
Liebe Luise,
“Er kommt aus seines Vaters Schoß”... das ist wirklich sehr drollig für heutzutage, und verwunderlich, dass ein derartiger Satz von den braven Gläubigen weiterhin gesungen werden muss!
Das steht im Gegensatz zu anderen Liedern wie:
“Es ist ein Ros’ entsprungen,
Aus einer Wurzel zart”.
Gottvaters Schoß und die zarte Wurzel, das passt wie die Faust aufs Auge! Erklärbar ist es nur über den bekannten Gedankengang: Jesus hatte keinen leiblichen Vater und war also Gottes Sohn. Seine Mutter war eine Jungfrau, das von Gott gemietete Wirtstier. Der Schoß einer Jungfrau zählt nicht, deshalb hat Gott dieses Mägdelein auf SEINEN Schoß gesetzt, um durch SIE zu gebären, eine uralte Tradition biblischer Zeiten: Rahel bekam auch einige Söhne mehr auf diese Art, die von anderen Frauen auf ihrem Schoß geboren wurden.
Richtig wäre also: AUF seines Vaters Schoß!
Der Kantor will von Gebären nichts wissen und seine christlichen Hausväter auch nicht, und deshalb ist Gottvater gemeint, der keine Menses hat und gleichzeitig zeugt und gebiert wie die ägyptischen Götter. Das ist im Ansatz schon die uralte Idee des Neides auf das Einzige, was Männer eben doch (noch?) nicht können.
Wir könnten unseren Abt fragen, was er von diesem Postulat hält, nur gibt es das Wort “Schoß” im Französischen nicht, wir müssten “Bauch” sagen. Da würde er davon laufen, wie meistens, wenn wir mit ihm reden wollen, und rufen, das sei ketzerisch.
Das sind Geschichten aus der griechischen Heidenwelt, wo Zeus die Athena aus dem Kopf geboren hat. Ein riesiges Gehirn gebiert Gedanken, weil es eben keinen Schoß hat! Gottvaters Schoß ist eine Kopfgeburt des Kantors und für die Marienverehrung glattweg eine Obszönität.
Beste Grüße von
Lena Vandrey.
Lena Vandrey on 01/04 at 04:51 PM
@Adi
Ich möchte nochmals darauf hinweisen, dass Engel nicht androgyn sind, sie haben lediglich kein biologisches Geschlecht - versteht sich: Es handelt sich um klar weibliche oder klar männliche Energien. Sorry, aber ich mag es nun einmal nicht, wenn alles durcheinandergebracht wird und niemand mehr eine wahrheitsgetreue Vorstellung hat.
Evelyn on 01/04 at 08:41 PM
@Amy
Ich stimme - entsprechend der Literaturangabe im Blog - dieser These zur Orgasmusforschung zu: “Der männliche Blick diktiert die Sichtweise.” Elisabeth Lloyd, Indiana University. Schließlich ist unsere ganze Forschung davon geprägt, sogar Frauen schließen sich ihr an. Die genannten Erklärungsversuche im Artikel sind ansonsten abenteuerlich. Ich stimme diesem Satz deshalb nicht zu: “Weibliche Lust als verschwenderische Geste der Natur? Vieles spricht dafür. Denn anders als der Mann braucht die Frau den Orgasmus nicht zur Fortpflanzung.”
Es geht beim weiblichen Orgasmus nicht um Verschwendung (rein patriarchale Ausdrucks- und Sichtweise), sondern um einen Grundbestandteil weiblichen Seins: die weibliche Lusterfahrung. Diese ist ein Wesensmerkmal unserer energetischen Existenz und damit unseres energetischen Potentials. (Ich hoffe, alle im Blog haben schon davon gehört, dass wir nicht nur einen physischen Körper haben, sondern auch einen Energiekörper, der von den Chakren strukturiert ist.) Ohne die weibliche Lusterfahrung geht hier auf diesem Planeten rein gar nichts. Sie ist kein “verschwenderischer Zusatz”, sondern existenzerhaltend, denn die weibliche Lusterfahrung schenkt Leben, wie auf einer anderen Ebene die Fortpflanzungsfähigkeit biologisches Leben ermöglichst. Wer sich näher mit der Bedeutung befassen möchte, findet einen interessanten Zusammenhang zwischen weiblicher Genitalverstümmelung und der ruinösen Lebensweise in wirtschaftlicher Hinsicht in Afrika. Mehr dazu bei der sprituellen Meisterin MARIA, unter http://www.puramaryam.de (Stichwort “Beschneidung” suchen).
Der angegebene Artikel aus der BERLINER ZEITUNG hat mich trotz der Verdienste der Wissenschaftlerin Elisabeth Lloyd wieder daran erinnert, wie defizitär und rudimentär unsere Forschungslandschaft ist, die die Grundlagen menschlicher Existenz immer noch nicht zur Kenntnis nimmt. Das ist “alte Forschung”, die im Nebel stochert, aber nicht “Forschung der neuen Zeit”. Tragisch, was dort über die Frauen verbreitet wird!
Evelyn on 01/04 at 09:09 PM
@Lena
Es gibt ja nicht umsonst das schöne Wort “Kopfgeburten” für die allseits noch herumspukenden patriarchalen Phantasmen - ein Imaginäres, das wirklich der Vergangenheit angehört!
Evelyn on 01/04 at 09:13 PM
liebe lena, niemand MUSS, wie du sagst, diese lieder singen. Ich empfehle den manchen vielleicht aus einer sept.-nummer der ZEIT bekannten Sam Harris mit seinem kl. amüsanten buch v. 2008: Brief an ein christl. Land (Bertelsmann), u.a. von Richard Dawkins wärmstens empfohlen…
herzlichen gruß, sabine
sabine on 01/05 at 01:31 PM
@ Evelyn
Ich finde die Überlegungen von Elisabeth Lloyd recht plausibel und logisch, dass die Frau den Orgasmus zur Fortpflanzung nicht dringendst benötigt. Ob es sich dabei um eine `verschwenderische` Geste der Natur handelt, sei dahingestellt - sehr `verschwenderisch` meine ich geht die Natur mit den männlichen Spermien um - da gibt es eine Menge `MitläuferInnen`, die nach freudvoller, getaner Arbeitsleistung freudlos entsorgt werden :-(
Elisabeth Lloyd versteht ihr Buch als eine reine Fallstudie über die angebliche Objektivität wissenschaftlicher Erkenntnis (lt. Artikel) .
Immerhin ist die O-Fähigkeit für uns Frauen eine wunderbare Einrichtung von Mutter Natur, auf keinen Fall überflüssig. Hier wird sie sicherlich an uns Frauen in besonderer Weise gedacht haben; zumal das `ErstBeste` Sexualorgan immer noch zwischen unseren beiden großen Ohren thront? Ein spannendes Thema!
Die Wissenschaft kann irren , ebenso sehe ich nicht unbedingt im Spirituellen/Esoterik die (alleinige) Wahrheit…
Noch zur Info zum obigen Thema:
Auch Ludolf von Sachsen (1300-1378) Dominikaner, dann Kartäuser in Straßburg, kommentierte das Evangelium nach Lukas `Auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut` wie folgt (Jesus, herausgetreten aus dem Schoß des Vaters):
`O Jesus, Sohn des lebendigen Gottes, nach dem Willen des Himmlischen Vaters bist du, unter Mitwirkung des Heiligen Geistes herausgetreten aus dem Schoß des Vaters, wie der Fluss, der lautlos aus dem Paradies der Freuden hervorquillt. Du hast die Tiefen unserer Täler geschaut, du hast die Niedrigkeit deiner Magd gesehen, du bist hinabgestiegen in den Schoß einer Jungfrau und hast dort in einer Empfängnis , die sich dem beschreibenden Wort entzieht, menschliches Fleisch angenommen. usw. usw.” (gefunden in Zeitzubeten)
Wenig Schmeichelhaftes auch über das Märchen von der Auferstehung Jesu, Zentrum des christlichen Glaubens, entsprungen religiöser (fanatischer) Männerfantasien , an die sich heute noch mit aller Macht nicht nur die kirchlichen Patriarchen klammern - Machthunger macht/e erfinderisch.
http://www.bibelkritik.ch/bibel/g6.htm
Hier soll dieser väterliche Schoß geheiligte Geborgenheit symbolisieren, so wie Papst Benedikt XVI. inzwischen die Konvertiten aus der Anglikanischen Kirche (treue Fundamentalisten) mit offenen Armen in den Herrenschoß Roms empfangen/aufgenommen hat.
Dort Frauen zur Ordination zuzulassen, bedeutete für sie der Rubikon (Welt-Online, 29.12.2010/ Anglikaner kehren zurück in den Schoß Roms)
Amy on 01/05 at 09:25 PM
@ Amy et al.e: “...unter Mitwirkung des Heiligen Geistes herausgetreten aus dem Schoß des Vaters, wie der Fluss, der lautlos aus dem Paradies der Freuden hervorquillt.” Dieses neue zitat klärt einiges auf: Das patriarchale denken jener zeiten basiert auf der auffassung vom “samen des menschen”, wie schon oft von L.P. angeführt (und wie es noch Leonardo da Vinci lehrt), dass sperma aus fertigen homunculi besteht, die des weiblichen schoßes bedürfen wie eines ackers oder eines brutkastens - in die er “hinabsteigt” wie in “tiefen der täler” oder die “niedrigkeit einer magd”, hier ausnahmsweise, weil der aufnehmende schoß der “einer jungfrau war” - um seinesgleichen dort auszureifen: “der fluss der freuden” als ejakulat für den jungfräulichen schoß legt den ursprung des gottessohns in die pollution der göttlichen selbstbefriedigung: Das ist der schoß des herrn! Dieses denken reicht bis in unsere zeit, wir erfreuen uns an den schönen weihnachtsliedern, nichtsahnend wie obszön sie sind. Der “männliche schoß” gebiert aber auch gefährlicheres, weil er sich da durchaus militant für seine früchtchen hervortut - in der neuen väterrechtsbewegung, auch sie beansprucht einen männlichen schoß - mit bracchialer / oft gewalttätiger geste: wann je, ich kenne kein bild! in der ikonografie, saß je ein kind auf dem schoß des mannes - es wäre denn abgeschmackt. Die heiligen Christophoren, Josefs, Antoni - sie tragen das kind auf den schultern, im arm, führen es an der hand! Der schoß des vaters ist ein schändliches imitat, ein atavistisches konstrukt von (un)wissenden potentaten für unwissende abhängige.
Bridge on 01/05 at 11:38 PM
@Amy
Es gibt keine Esoterik mehr, schon lange nicht. All das Wissen, das ich mir erlaube hier anzuführen, ist frei zugänglich - für jedefrau und jedermann. Wer behauptet, die weibliche Lust sei eine Verschwendung der Natur, hat von der Natur nichts verstanden: Von der Natur des Menschen!
Evelyn on 01/06 at 09:26 AM
info - falls es interessiert - zur `kopfgeburt`!
Anne on 01/16 at 02:26 PM
Liebe Luise,
Ich habe eine Perle für Dich gefunden! Sieh Dir das einmal an:
“So ungerecht die Natur auch ist, in ihrer Bosheit, die Männer blind zu machen, wenn sie lieben: Sie gleicht diese Ungerechtigkeit aus, indem sie den Glanz der Frauen, der die Männer einst geblendet hat, ziemlich früh erlöschen lässt und indem sie die alten Damen zwingt, mit den Jahren die zweifelhafte Hilfe der Friseure, Masseure und Chirurgen in Anspruch zu nehmen, damit die verfallenen Brüste, Bäuche, Wangen und Schenkel wieder eine halbwegs annehmbare Form bekommen. Als eine Art von aufgebesserten Gipsfiguren sinken die einstmals schönen Frauen ins Grab. Die Männer aber, die weise genug waren, nicht an ihnen zu sterben, werden von der Natur belohnt: Bekleidet mit der Würde des Silbers und der nicht minderen Würde der Gebrechlichkeiten gehen sie in den Schoß Gottes ein.”
Und von wem ist das? Von unserem großen JOSEPH ROTH, dem Freund der Damen! Unglaublich, aber wahr!
Lena Vandrey on 02/21 at 11:24 PM
ja @ lena vandrey - gut, dass du daran erinnerst - ich habe es völlig vergessen - das und noch einiges mehr an misogynen darbietungen findet frau in roths
“triumpf der schönheit” - anhand einer fiktiven erzählung und einer fiktiven weibl. person hat er in seinem männlichkeitswahn versucht s/ein negatives frauenbild auf alle frauen zu übertragen..
diese lektüre ist nur insofern zu empfehlen, damit sich jede frau ein bild über diesen misogynisten machen kann.
Anne on 02/23 at 05:56 PM
schlichte gedanken zum schoß machte sich natürlich auch herr goethe:
mann, gold, weiblicher schoß (faust)
“euch männern gibt es zwei dinge / so herrlich und groß / das leuchtende gold / und der weibliche schoß / das eine verschaffet / das andere verschlinget / drum glücklich , wer beide zusammen erringet.”
und
“für euch sind zwei dinge / von köstlichem glanz / das leuchtende gold / und ein glänzender schwanz / drum wißt euch, ihr weiber / am gold zu ergetzen / um mehr als das gold / noch die schwänze zu schätzen.”
einfach goldig! ob er dabei wohl auch an seinen schwanz gedacht hat?
da gibt`s noch den begriff “schoßfall” - rückerbschaft -
“das kind fällt wieder in der mutter schoß”
der mütterliche schoß bezeichnet eltern und großeltern. das sprichwort redet von der verlassenschaft eines kindes und sagt, dass sie nach dem tode des kindes den eltern wieder zufalle. daher hiess früher das erbrecht der eltern auch schoßfall. nach dem römischen recht haben die leiblichen geschwister eines kindes nach dessen tod gleiches recht am erbe mit den eltern.” (internet)
Anne on 02/23 at 10:55 PM









