Gästinnen willkommen, auch mit Adlerin
Während meiner Lesereise zum 8. März wurde ich gleich zweimal - in Mainz und in Linz an der Donau - gefragt, ob es das Wort “Gästin” wirklich nicht gebe. Die Fragerinnen waren von Männern belehrt worden, ihr Wunsch, außer “Gästen” auch noch “Gästinnen” einzuladen, sei nicht nur blöd und total überflüssig, sondern zeuge überdies von Unkenntnis der deutschen Sprache und Grammatik.
Ich sagte ihnen, erstens könnten sie im Prinzip sowieso reden wie sie wollten, das sei ja gerade das Lustige und Kreative an der feministischen Sprachkritik. Ihr Wunsch zeuge von einem schön empfindsamen Sprachgefühl, denn die feministische Grundregel lautet: “Eine Frau wird nicht mit einem Maskulinum bezeichnet.”
Und da der Mond eine Frau ist, heißt sie auf Feministisch und in allen anderen zivilisierten Sprachen eben die Mondin, La lune, la luna usw.
Mein Lieblingsbeispiel ist folgender Ausspruch einer Freundin über ihre Frau: “Beatrix ist meine ruhende Polin.”
Aber selbst wenn wir mal die Grammatik als Argument gelten lassen wollen, lagen bezüglich der “Gästin” eher die Frauen richtig als die vorlauten Männer: Das Wort ist keine feministische Verirrung, sondern gehört sozusagen zum Urgestein der deutschen Sprache – schon im Grimmschen Wörterbuch wird es ausführlich behandelt, mitsamt vielen Belegen aus dem Mittel- und sogar Althochdeutschen. Hier eine polizeiliche Verlautbarung aus Alt-Nürnberg:
das kein burger oder burgerin, gast oder gestin in diser stat Nuremberg .. peteln sol.
Sehr schön ist dieser Beleg auch wg. seiner fleißigen Anwendung der Doppelform (wie aus dem feministischen Lehrbuch – wenn es sich auch leider nur um ein Verbot handelt. Bei Verboten machen die Herren schon gerne deutlich, daß auch die Frauen gemeint sind.)
Und was ist nun mit den Adlerinnen?
Die gehören inhaltlich auch hierhin; ich wurde auf der Lesereise auch nach ihnen gefragt, und nach Falkinnen. Da das aber eine längere Geschichte ist, behandle ich sie beim nächsten Mal. Für heute möchte ich nur noch einmal bekräftigen: Benutzen Sie so viele Feminina wie Sie können. Die Mondinnen, Adlerinnen und Gästinnen werden sich geehrt und respektiert fühlen. Gar nicht zu reden von den ruhenden Polinnen!
Liebe Luise, schön, wieder von Dir zu lesen!
Herzliche Grüße von Rafaela
(Wir haben uns zuletzt in Zülpich gesehen, bei dem Modul der AM im Dezember vor ein zwei Jahren, oder drei?)
Rafaela Schmakowski on 03/11 at 12:07 AM
ich liebe die feministische sprache, wortspiele regen zum nachdenken an.
danke frau pusch.
Cleo on 03/11 at 09:36 AM
Es mag wohl “der” Falke sein, aber in English ist eine Falcon immer weiblich, der männliche Falke ist ein Tiercel, weil er um ein Drittel kleiner ist, als seine dominante Partnerin. Bei Adler ist es ebenso - sie (Adlerin?) herrscht und er macht was sie will um an Nachwuchs zu kommen. Dies ist häufig der fall unter Raubvögel. Wahrscheinlich macht das diese Gattung für mich so sympathisch:-)
Alison on 03/11 at 06:03 PM
Am Freitag habe ich im tschechischen Rundfunk ueber die feministische Linguistik gesprochen und wollte, dass die Interviewerin mich hostka (Gaestin) nennt; sie hat das fuer sie so schoen klingendes Wort gleich einigemal mit Begeisterung verwendet. Ja, das ewig Kreative zieht uns heran! Liebe Gruesse von Jana aus Budweis
Jana on 03/13 at 09:10 PM
Ha, sehr schoen. Nur weiter so. Gefaellt mir. Ick empfehle sie von jetzt an weiter.
Haken on 03/17 at 12:32 AM
Wieder eine wunderbare Anregung mehr das Femininum zu benutzen. Vermutlich werde ich überhaupt in meinen Lektionen grundsätzlich auf die weibliche Form von Arbeiterinnen, Managerinnen, Architektinnen und Handwerkerinnen umstellen. Etwas mehr Feminismus täte in der Baubranche bei Führungskräften sowieso not!
Danke Frau Pusch für die Gästin und den Beleg dafür!
Dürr
Duerr on 03/25 at 04:21 AM












