Herr Koma kommt: Der Frauenmord in Winnenden
Stellen Sie sich vor, ein junger Deutscher erschießt an einer deutschen Schule elf Menschen, zehn davon “mit Migrationshintergrund”, sieben weitere MigrantInnen schießt er krankenhausreif.
Oder: In den USA stürmt ein Weißer in die Schule und erschießt zehn Schwarze und einen Weißen. Weitere sieben Schwarze schießt er krankenhausreif.
Glauben Sie, über das Motiv der Taten hätten Deutschland oder die USA auch nur eine Minute lang gerätselt?
Nein - zu Recht wäre extremer Fremden- bzw. Rassenhass vermutet worden, von den Medien, den Behörden, der Bevölkerung und der Polizei.
Der Massenmörder von Winnenden hat an der Schule acht Schülerinnen und einen Schüler erschossen, sieben weitere Schülerinnen hat er krankenhausreif geschossen. Aber alle reden nur von den getöteten oder verletzten Schülern. Tim Kretschmer hat auch drei Lehrerinnen ermordet. Die wurden auch immer korrekt als Lehrerinnen bezeichnet. Wäre ein Lehrer dabei gewesen, hätten wir gehört, der Täter habe neun Schüler und drei Lehrer getötet.
Streng eingehalten werden die Regeln der deutschen Männersprache: Ein einziges männliches Wesen macht jede noch so große Gruppe von Frauen und Mädchen zu einer männlichen Gruppe. Acht Schülerinnen und ein Schüler sind zusammen neun Schüler. (Die Schülerinnen wurden auch nicht ermordet, sondern nur getötet.) Über den Massenmord in Erfurt heißt es in Wikipedia (16.3.2009): “...erschoss der 19-jährige Robert Steinhäuser zwölf Lehrer, eine Sekretärin, zwei Schüler und einen Polizisten.” Tatsächlich erschoss Steinhäuser nicht nur eine Frau: Zehn seiner sechzehn Opfer waren Frauen: acht Lehrerinnen, eine Schülerin, eine Sekretärin.
Die Sprachregelung hilft mit, das Offenkundige nicht wahrzunehmen zu müssen: Alle sind vollkommen ratlos und fassungslos, es fehlen ihnen die Worte. Die Frage nach dem Warum treibt alle um, auch heute noch, zwei Tage nach dem Frauenmord. Und da werden besonders gern Johannes Raus Worte zum Massenmord in Erfurt zitiert: “Wir sollten uns eingestehen: Wir verstehen diese Tat nicht. Wir werden sie - letzten Endes - auch nie völlig erklären können.”
Was ist denn daran so schwer zu verstehen? Ist nicht Gewalt von Männern gegen Frauen, bis hin zum Mord, alltäglich bei uns und weltweit?
Manche, aber viel zu wenige Männer, ein paar Sozialpsychologen und Männerforscher, haben schon etwas begriffen von dem, was Feministinnen seit Jahrzehnten umtreibt: Es gehört zur männlichen Identität, Frauen zu dominieren, sich ihnen überlegen zu fühlen. Frauen, die Männern die Stirn bieten (z.B. Feministinnen), Mädchen, die Jungen zurückweisen und/oder überflügeln (z.B. in der Schule), Frauen und Mädchen also, die die männliche Hegemonie in Frage stellen und das zarte männliche Ego verletzen, gehören bestraft. Nur so kann die Geschlechterhierarchie wiederhergestellt und die beschädigte männliche Identität repariert werden - im Extremfall durch den Tod.
Der Frauen- und Mädchenhass des Tim Kretschmer drückt sich deutlich in seiner Tat aus. Er hat nicht “wild um sich geschossen”, wie die Medien immer wieder berichteten, er hat seine weiblichen Opfer gezielt mit Kopfschuss ermordet.
Für mich fast noch erschütternder als der Massenmord ist die völlige Blindheit all derjenigen, die über ihn berichten und über die Natur dieser Tat und ihr Motiv rätseln. Als läge das Motiv nicht klar auf der Hand: Frauenhass, Männlichkeitswahn.
Erschütternd deshalb, weil damit die nächsten Massenmorde programmiert sind, denn eine vernünftige Prävention setzt zuallererst eine korrekte Analyse des Tatmotivs voraus. Eine solche Analyse findet nicht statt, es wird rumgenebelt in einem unfassbaren Ausmaß.
Oder eben auch wieder nicht unfassbar, sondern vorhersagbar. Aber ich hätte doch gedacht, nach über 40 Jahren Frauenbewegung wären die Zuständigen und die Öffentlichkeit schon etwas weiter, aufgeklärter.
Aber in den Medien war wieder mal Alice Schwarzer die einzige, die den Mord und sein Motiv auf den Punkt brachte - auf einen Punkt übrigens, den sie seit dem Mord an Angelika B. in Köln 1991 immer wieder betont: Frauenhass ist ein Politikum wie Fremdenhass und gehört genau so streng geahndet, ja strenger, ist Frauenhass doch viel weiter verbreitet. Er ist, wie gesagt, völlig alltäglich. Hier geht’s zum Schwarzer-Artikel.
Eines wird durchaus zugegeben, es lässt sich ja auch nicht verheimlichen: Dass die Amokläufer alle männlich sind. Und mit diesem widerwilligen Eingeständnis hat es sich dann aber auch schon. Da wird nie weitergefragt: Wieso denn nur Jungen und Männer? Was machen wir falsch bei der Erziehung von Jungen, was uns bei Mädchen anscheinend mühelos gelingt? Was können Jungen von Mädchen lernen?
Eben. Das ist der Punkt. Jungen sollen und wollen von Mädchen nichts lernen. Das wäre nämlich unter ihrer Würde. Sie würden dadurch ja - zu Mädchen, es bestünde jedenfalls die Gefahr. Und nichts ist in unserer Herrenkultur schrecklicher für einen Jungen.
Aus den so abgerichteten Jungen werden unsere Männer - die, die wir zu Hause haben und die in Politik, Medien und Wirtschaft. Sie haben kein Interesse und wohl auch nur selten das Rüstzeug, dem wahren Motiv dieses Verbrechens und all der anderen alltäglichen Männerverbrechen an Frauen auf den Grund zu gehen. Hier kommt ein wenig Nachhilfe von Rolf Pohl, Sozialpsychologe an der Uni Hannover:
Zur männlichen Identität gehört das unbewusste Bedürfnis, sich aufzuwerten, indem Frauen abgewertet werden. Sich als einzelner Mann von dieser Konstruktion abzugrenzen ist sehr schwer. Die Ambivalenz gegenüber Frauen prägt sich dem kleinen Jungen ein - und erfährt immer wieder Nachprägungen.
Interviewer: Die Abwertung von Frauen gehört fest zur männlichen Identität?
Wenn man sich anschaut, was in unserer Gesellschaft als männlich gilt, dann finden sich immer wieder zwei dominante Merkmale: zum einen eine Hierarchie innerhalb der Männergruppe - Status- und Rangkämpfe sind für eine männliche Identität sehr wichtig. Und zum anderen die Abgrenzung zur Weiblichkeit, die alle Männer in ihrer Überlegenheit miteinander vereint.
Auf RTL gab der Psychologe Gebert heute früh zum besten, was er für den Grund hält, dass Tim Kretschmer gezielt Frauen und Mädchen ermordet und angeschossen hat: Nein, sagte er, das sei wohl nicht gezielt gewesen. “Jungs werfen sich blitzschnell untern Tisch, während Frauen zur Salzsäule erstarren und nicht wissen, was sie machen sollen.” Selber schuld, die dummen Frauen.
So lange die Mehrheit auf diesem Niveau der Reflexion verharrt, werden Männer weiter Gewalt ausüben, gegeneinander, vor allem aber gegen Frauen.
Aber schuld daran ist niemand, es ist und bleibt ein Rätsel, und wir sind alle fassungs-, rat- und sprachlos.
Oder noch besser, wie oben: Die Frauen sind schuld. Wie hieß doch der vereinbarte Code-Spruch zur Ankündigung des Grauens: “Frau Koma kommt!”
(Dank an Brigitta Huhnke für einen hilfreichen Email-Austausch und die Hinweise auf den Pohl-Artikel und das RTL-Interview mit Gebert. Dank an Evelyn Thriene für den Hinweis auf den Artikel von Alice Schwarzer.)
Über das Thema Jungengewalt und ihre gängige sprachliche Verunklarung als “Jugendgewalt” habe ich schon vor einem Jahr eine Glosse geschrieben: “Busch, Beauvoir und böse Buben”. Sie finden sie hier.
Inzwischen (16.3.09) hat die Medienwissenschaftlerin Dr. Brigitta Huhnke die ersten fünf Tage der Berichterstattung zum Mädchen- und Frauenmord in Winnenden analysiert: Ihren Artikel “Fünf Tage MedienGAU: Der Mädchen- und Frauenmord in Winnenden” finden Sie hier.
Der zweite Teil ihrer Untersuchung ist nun auch online: Ein Interview mit dem Pornografieforscher und Kommunikationswissenschaftler Robert Jensen, betitelt: “Am Ende angekommen: Pornografie und männliche Normalität”. Jensen appelliert an seine Geschlechtsgenossen, angesichts zunehmender profitgetriebener und verrohender Pornografisierung der Kultur ihre Humanität einzuklagen und zu verteidigen.
“spalten statt versöhnen” oder? hier wird eine welt gemalt, die es so nicht gibt. als würden die bösen männer schon als kleine killer auf die welt kommen, die nur darauf aus sind frauen umzubringen oder zu verachten.
wer erzieht denn die kleinen sprösslinge? und wenn das motiv des killers wirklich war frauen zu töten, warum nur? und ist er dann nicht eigentlich eher opfer als täter, weil die welt ihn zu diesen frauenbild geformt hat?
ich finden den text jedenfalls sehr eklig und ist nicht besser als die bild-zeitung.. und am ende auch noch mit dem rtl-psychologen zu kommen, ich bitte sie.
lg
das papierschiff
Papierschoff on 03/13 at 08:36 PM
Liebe Luise,
diese Glosse - nein: Artikel - werde ich einem “Sexualpsychologen” senden, der heute Nachmittag zum Thema Kinderpornografie von “fehlgeleiteten Menschen und Personen” schwadroniert hat, und den ich darauf aufmerksam machte, dass das zu über 90 % MÄNNER sind. Meine Grundfrage lautete: Was ist das für ein Tabu, welches das Wort MÄNNERGEWALT umgibt. Wer schafft es und wer hütet es?
Sie wissen es alle! ALLE, ohne Ausnahme! Und die Folge der Abwertung von Frauen und Kindern erfahren wir in diesen Tagen gleich Dutzendweise!
Ich werde Deine Glosse auch im Lehrerzimmer aufhängen. Mal sehen, wie lange die Herren diese konstruktive Subversion verkraften!
Duerr on 03/13 at 09:01 PM
Danke, liebe Luise, daß endlich mal nicht - wie überall in den Medien - um den heissen Brei herumgeredet wird.
Bei der Gelegenheit - ich finde es überhaupt abstossend, daß gerade junge Männer großen Gefallen an Gewaltdarstellungen empfinden - ob in entspr. Computer-Videospielen, in div. Filmen/DVD`s oder auch i.d. Musikszene, bis sie gänzlich abgestumpft sind.
Frau muss nur mal eine Videothek besuchen - erschreckend ist das große Potenzial an Gewalt- und Horrorfilmen. Ständig werden hier Gewaltszenarien vorgelebt - Opfer sind überwiegend Mädchen/Frauen, die entweder vergewaltigt, gejagt oder ermordet werden. Frau könnte auf die Idee kommen, daß die `Macher`(meistens Männer) hier ihre Frauenfeindlichkeit zum Besten geben - Botschaften , die Überlegenheit und Vormachtstellung gegenüber dem weiblichen Geschlecht dokumentieren sollen?
Gleiches gilt für die Pornographie, Kinderpornographie- eine Menschenrechtsverletzung.
Unverständlich ist mir auch, wie der Vater von Tim in seinem Haus ein derartiges Waffenlager mit 4.ooo Schuss Munition besitzt. Braucht mann das, um sich wohler, sicherer, dominanter zu fühlen - um mit Waffen männliche Macht und Stärke zu demonstrieren? Der Vater scheint mir keine positive Identifationsfigur für seinen Sohn gewesen zu sein.
Warum können Jungen nicht von Mädchen lernen, ohne fürchten zu müssen, in ihrer “Jungen-Männerwelt” mit den tradit. Strukturen v. Herrschaft, Autorität, Kontrolle als `Versager, Opfer` verlacht und ausgeschlossen zu werden?
Es scheint den VÄTERN nicht zu gefallen, deshalb wird wie üblich die Schuld bei den Frauen gesucht. Einerseits werden Verbrechen und Gewalt bekämpft, andererseits wird männliche Gewalt in der Medienwelt als Nervenkitzel zur Unterhaltung bis zum Erbrechen und bis zum Koma vorgelebt.
Anne on 03/13 at 09:17 PM
Es scheint, “das Papierschiff” hat diese Glosse gar nicht gelesen. Denn sie “malt eine Welt”, die es leider doch gibt, aber nicht eine, wie Papierschiff sie darstellt. Luise Pusch behauptet gar nicht, wie Papierschiff unterstellt, dass “die bösen männer schon als kleine killer auf die welt kommen,” sondern, dass die gängige Männlichkeitsideologie sie dazu hinleiten kann. Jedenfalls lernen sie, Frauen und Mädchen zu dominieren, mit oder ohne Gewalt. Und Pusch erkennt durchaus, dass die “so abgerichteten Jungen” auch “Opfer” sind.
Ein aktuelles Beispiel aus Amerika für die allgemeine Unwilligkeit, Gewalt gegen Frauen zu erkennen und zu verurteilen war heute (13.3.2009) im Boston Globe zu lesen: als Popsänger Chris Brown seine Freundin, Popsängerin Rihanna, krankenhausreif zusammenschlug, meinten fast 50% aller befragten TeenagerInnen, sie sei daran schuld.
http://www.boston.com/news/local/massachusetts/articles/2009/03/13/many_boston_teens_surveyed_say_rihanna_is_at_fault_for_assault/
Joey Horsley on 03/13 at 11:36 PM
aber es kommt so rüber, als würde es nur einen feind geben, den bösen mann. es wird oft verallgemeinert und mit billigen argumenten “argumentiert”.
dieser artikel mag zwar als gegenpol seine berechtigung haben, hat aber wie schonmal gesagt, für mich dann nicht mehr wert als ein bild-zeitungs-artikel.
nur ein paar punkte die ich kritisiere:
-ohne näheres zu wissen wird auf ein motiv geschlossen. vorallem ist von einem allgemeinen frauenhass die rede.
-es wird von einer tat auf alle männer geschlossen, bzw. damit der ganze frauenhass aller männer “bestätigt”..
-man kommt mit “rtl-experten” und regt sich darüber auf..
-es wird die frage nach dem warum gestellt, sogar die erziehung angesprochen.. das 90% der “erzieher” / lehrer frauen sind wird übersehen.. (was nicht heist das sie daran schuld sind, aber es ist definitiv nicht hilfreich)
-alle amokläufer sind männlich.. quatsch, sind sie nicht. aber viele… die selbstmordrate von männern ist auch höher als die von frauen und warum?
-die nächsten massenmorde sind vorprogrammiert.. was ist das den für eine polemik?
-“Jungen sollen und wollen von Mädchen nichts lernen. Das wäre nämlich unter ihrer Würde.” da kann man gar nicht genug kotzen wie man müsste..
kommt doch mal aus eurem weltbild raus… wir brauchen mehr menschlichkeit, weniger weiteren blinden hass… man könnte denken ihr gehört einer religion an… der feminismus kann aber doch nicht dazu dienen mehr hass zu erzeugen. weniger ideologie, mehr menschlichkeit und nicht eine andere geschlechterverachtende gesellschaft. weg damit, weg mit den geschlechtern, hin zu “wir sind menschen”.
papierschiff on 03/13 at 11:57 PM
Ich kann nur sagen:
DANKE FRAU PUSCH -> sie haben mir, und jedem normaldenkenden Menschen aus dem Herzen gesprochen!
Ricky D. on 03/14 at 12:44 AM
Ach, Herr Papierschiff,
Welche Sorte Mensch macht die “Werte”, die gelten und setzt sie durch, meist mit Gewalt?
Welche Sorte Mensch hat die Religionen geschaffen, die die Machterhaltung durch Morden, Kriege und den Femizid der Hexenverfolgung inkl. ökonomische Macht seit 2000 Jahren samt den “wunderbaren” Werten durchsetzt?
Welche Sorte Mensch nimmt den Frauen und Kindern wertvollste Ressourcen weg, nur um eine Maschinerie aufzubauen, die wiederum zu 90 % Frauen und Kinder tötet? (Ich meine das Militär - damit Sie nicht wieder verdrängen können!)
Welche Sorte Mensch regierte die Welt seit 5000 Jahren?
Welche Sorte Mensch sitzt wegen Gewaltverbrechen zu 97% - 98% in Strafvollzugsanstalten?
Ich geben Ihnen Recht, wenn Sie mir die folgende Frage beantworten können: Wer beschützt die Frauen und Kinder vor ihren Beschützern?
Duerr on 03/14 at 01:21 AM
aber schert man damit nicht alle männer ziemlich über einen kamm? woran liegt das? doch nicht daran, dass männer von natur aus böse was auch immer sind. und wer trägt dann daran die schuld?
und wenn 50% der welt (die frauen) nicht gegen all den mist wehren, die männer verzapfen, tragen dann denn nicht auch alle menschen diesen msit mit?
ich weiß nicht warum sie hinaus wollen, aber.. es klingt wirlich so, als würde nsie daran glauben ,dass das böse im manne steckt und sie diesen ausrotten wollen. ich slbst hab damit klein problem, aber es erscheint mir als eine sehr kranke vorstellung die welt in gut und böse, in frau und mann zu unterteilen.
ihre letzte frage finde ich sehr seltsam. das gesetz sollte es tun und die gesellschaft sollte es schaffen das sowas so selten wie nötig vorkommen muss.
das papierschiff
Papierschiff on 03/14 at 01:47 AM
Ja, genau so ist es, liebe Luise, streng eingehalten werden die regeln der deutschen männersprache - wie es die medien zum frauenmord an `schülern` beweisen - frauen werden wieder unsichtbar gemacht. Wenn in diskussionen gerechte sprache thematisiert wird, zeigen sich hier deutlich männliche abneigung, hämische bemerkungen und frauenfeindlichkeit.
`Menschlichkeit` - ach ja, häufig ein fremdwort für die `herrenkultur` - wird männliche dominanz und frauenverachtung jederzeit deutlich sichtbar in pornografie, kinderpornografie, prostitution, sex. gewalt, gewalt gegen frauen und kinder, kriege und terror etc. Die `herrenkultur` hat sich von anbeginn durch unmenschlichkeit und barbarei ausgezeichnet.
Zum schulversagen (lt. faz-net) `deutlich ist, daß besonders jene jungen, die ein abwertendes frauenbild mit sich herumtragen, an `mama-taubheit` leiden: sie lassen sich von frauen generell nichts sagen und gefallen sich besonders in präpotentem macho-gehabe.”
Wie menschenverachtend die herrenkultur zur vorbereitung von kriegseinsätzen handelt, zeigt Clifton Hicks, der als irak-kriegsveteran sich bei `iraque veteran against the war` engagiert auf die frage nach der bedeutung von killerspielen f.d. verhalten von soldaten:
“Ich glaube, dass gewalthaltige computerspiele eine rolle spielen f.d. kampfeinstellung. Jedem soldaten wurde das computerspiel `american army` übergeben. Die jungen soldaten werden angehalten, diese spiele als vorbereitung f.d. kriegseinsatz zu spielen. Diese spiele legen denk- und handlungsmuster an, die das empfinden verändern. Man hat nicht mehr das gefühl, einen menschen getötet zu haben. Offenbar ist es nicht gewollt, dass wir uns fragen, was für ein mensch das war, wen er zurücklässt und ob es sich hätte vermeiden lassen können, ihn zu töten.”
Der amerik. militärpsychologe Dave Grossmann dokumentierte die negative wirkung von gewaltdarstellungen im fernsehen u. v.d. computer-games auf kinder in seinem buch `wer hat unseren kindern das töten beigebracht`.
Das nur etwas abschweifend zur wertevermittlung - und wer vermittelt uns diese..? Welch zivilisatorischer fortschritt.
Vielen dank für den so zutreffenden aufsatz `herr koma kommt`.
Amy on 03/14 at 03:06 AM
@amy.. stimmt ja, genauso schlimm wie das spielen ist das fernsehen, und der rockn roll… und sowieso, diese jugend, furchtbar..
zu der wortwahl.. das interesante ist ja, dass wir eigentlich vor etwa 10 jahre da schon weiter waren… da war ein _innen verbreiteter… wer da wohl wieder versagt hat :(
papierschiff on 03/14 at 03:12 AM
@papierschiff glaubt frau könne nicht alle männer in einen topf werfen und als gewalttäter hinstellen?
sie spielen mit der
“verallgemeinerung, der verallgemeinerung”
ich sage : ja - frau kann es !
denn auch männer haben die möglichkeit, die wahrheit auszusprechen und sich gegen ihre gewalttätigen artgenossen aufzulehen, sich mit frauen zu solidarisieren, so wie frauen es ja auch für männer tun.
wie wäre die tat von tim k. in den medien dargestellt bzw. getextet worden, wenn eine frau/mädchen die täterin gewesen wäre und mehrheitlich gezielt auf männliche menschen geschossen hätte ?
Frau Pusch könnte uns hier sicher behilflich sein den umkehrfall darzustellen.
zum schluß sei gesagt herr @papierschiff:
am feminismus ist bis heute noch kein einziger mann gestorben - umgekehrt sieht es schon anders aus !
Ricky D. on 03/14 at 08:33 AM
@rick d.
wenn du alle männer in einen topf wirfst, kannst du auch alle “nicht feministischen frauen” in einen topf werfen, die genauso nicht von einem “frauenmord” sprechen. aber stimmt, die sind natürlich alle opfer der bösen männer und können sich etwas getrauen. 90% der menschen in D ist das was hier gefordert wird total egal, und die sind trotzdem glücklich.
und sei mir nicht böse, aber ich kenne genügend männer die ich als feministin bezeichnen würde, nicht alles männer sind “frauenkiller” wie hier aber sugeriert wird.
ich hab keine ahnung wie die nachricht getextet werden würde, wenn eine frau mhrere männer abgeknallt hätte. aber ich denke sowas wie “amoklauf, mädchen erschießt 16 schüler”. denn das geschlecht spielt bei so einer tat erstmal(!) keine rolle. bei der suche nach dem motiv sollte man es aber berücksichtigen, aber nicht so pseudowissenschaftlich, und erst recht nicht damit den allgemeinen frauenhass aller männer gegenüber frauen zu begründen / unterstützen.. wie gesagt, spalten statt versöhnen scheint mir hier das motto gewesen zu sein.
wenn solche artikel wie dieser die shcon jetzt oft sehr zweifelhaften vorkommenden frauenbilder noch verstärkt, hat dieser artikel mit seinen teil daran, dass die wut größer auf frauen wird und damit eventuell auch an einer nächsten gewalttat. und ich sags nochmal, in dem artikel geht es nicht mehr um feminismus, sondern eher um noch einen keil zw. frau und mann zu treiben.
was wird hier damit bezweckt? das alle männer in sich gehen und plötzlich aufwachen? das alle frauen, denen solcher feminismus egal ist plötzlich aufwachen und auf männer losgehen? ich verstehs einfach nicht. es ist ja richtig, dass sachen angeprangert werden, aber dann doch bitte nicht so billig, seriöser und mit weniger hass gegenüber ein geschlecht. ansonsten ist der hier propagierte feminismus genauso zum kotzen wie das existierende patriarchat. nein, eigentlich noch mehr zu verachten, weil “sie” es ja eigentlich besser wissen müssten, reifer sein müssten. tja… da muss man wohl auf den feminismus 2.0 warten…
papierschiff on 03/14 at 11:34 AM
Sehr geehrtes Papierschiff,
der zitierte Psychologe ist kein RTL-Angestellter, der mal eben zwischen zwei Tassen Kaffee die neuesten Schlagzeilen zusammentackert, sondern Professor (also wissenschaftlich anerkannt und in der Lehre tätig) und insofern ist es schon von Bedeutung, was er für Thesen aufstellt.
Wenn das Motiv des Tim K. nicht ein Problem mit Frauen sein soll, dann würde mich mal eine alternative schlüssige Erklärung zur erschagenden Mehrheit der weiblichen Opfer interessieren. Ansonsten ist das reflexhafte Abstreiten nur eine argumentative Nebelbombe. Ablenken vom eigentlichen Problem, hauptsache die Feministinnen haben nicht recht.
Wenn ein Großteil der ErzieherInnen und LehrerInnen Frauen sind, und das geändert werden soll, ist es wohl an den Männern, sich für diese Berufe zu interessieren. Als Hauptschullehrerin kann ich mir aber vorstellen, wo da der Haken ist: Niedrige Bezahlung und geringe gesellschaftliche Anerkennung. Wenn das nur wenige Männer machen wollen, dann bleibt der Status quo eben bestehen.
Dass Männer von Natur aus böse sind, unterstellt niemand. Diese Behauptung allerdings anderen zu unterstellen, ist eine weitere Ablenkung von den eigentlichen Punkten, nämlich dass die Jungen wie in der Originalglosse erwähnt, “abgerichtet” werden.
Als Sahnehäubchen sind dann auf einmal die Frauen Schuld an der immer noch teilweise vorliegenden Ungleichbehandlung, weil sie sich nicht wehren. Das ist schon mehr als perfide. Zudem, wenn sich aber doch Frauen wehren, indem sie sich kritisch zur aktuellen Berichterstattung äußern, ist das schon wieder “eklig” und “BILD-Niveau”. Wie frau es macht, ist es falsch, hauptsache ein Mann muss nicht hinterfragen, ob es an der Zeit ist, die Gesellschaft zu verändern.
caroona on 03/14 at 11:38 AM
ach stimmt ja, nen titel macht die ausage von jmd. besser. schonmal geschaut was der alles für blöde kommentare abgelassen hat? sorry, aber das ist schon zum teil ziemlich quatsch.
nur ein paar zitate: “Frauen, die XXL-Taschen lieben, sind meist ein wenig chaotisch” bei bild der frau, oder “Die Körpersprache ist ausschlaggebend dafür, welchen Eindruck wir hinterlassen” (hui, das lernt man im 1. semester psychologie)
und sein schwerpunkt: Schwerpunkte heute: Finanzpsychologie, Verwaltungspsychologie, Wirtschaftspsychologie. Als Experte/Gutachter zu Fragen der Werbewirkung, des Konsumentenverhaltens etc. regelmäßig für das Fernsehen und verschiedene Printmedien tätig.” hui….
im gegensatz zu die mase ich mir nicht an nach ein paar tagen ohne genauere informationen (außer den opfern) über das motiv des täters zu urteilen. ich glaube(!) nicht, dass dieser anteil zufällig zustande gekommen ist, aber daraus einen hass auf frauen herzuleiten?
wie gesagt, ich hab nichts gegen den feminismus und dieser hat auch in all seinen forderungen recht. nur das was hier geschrieben wurde hat doch nichts mehr mit feminismus zu tun, tendiert eher zur ideologie..
natürlich müssen die männer die sein, die mehr in die “erziehungsberufe” strömen. und du benennst sogar das problem: annerkennung und finanzieller status. und da bewegt sich ja leider erst langsam etwas. wobei wir mehr männer in diesen berufen brauchen die ohne derartige gründe diesen beruf machen wollen und gleichzeitig brauchen diese berufe allgemein eine deutliche gesellschaftliche aufwertung. aber das steckt wohl noch in jeden so drin “erziehung kann man doch so nebenbei machen”, was aber definitiv nicht so ist…
hast du schonmal in den bereich gearbeitet? da machen sich am ende die frauen das leben selbst schwer. schick mal als elternteil dein kind mit nem rosa t-shirt in den kindergarten, oder lass den bub mal ne puppe als spielzeug mitbringen, die tochter als ritter zu fasching gehen.. die wird nicht nur von den kids ausgelacht, sondern sogar von den erzieher_innen. und genau da trägt frau genauso “mitschuld” an der miesere. ich will nicht sagen, dass die frauen schuld an allem sind, das wäre totaler quatsch, schlißlich ist mann der, der sich zum teil sehr assi benimmt. aber dort könnte deutlich mehr richtung ablegung der rollenklischees passieren. arbeite selbst in diesen bereich und das ist eigentlich nicht mehr lustig, was dort “abgeht”...
aber es werden alle männer von natur aus böse hingstellt, bzw. die zu bösen fähig sind. und so aussagen wie “es lässt sich ja auch nicht verheimlichen: Dass die Amokläufer alle männlich sind” -wem dient das, noch dazu, dass es falsch ist.
es ist wie gesagt richtig die berichterstattung zu hinterfragen und zu kritisieren. und es gibt ja auch punkte in diesem artikel denen ich zustimmen könnte. aber es gibt eben auch punkte, die man einfach hätte weglassen können, zu viel interpretation, zuviel unwissen, zuviel verknüpfungen die nicht existieren, zuviele verallgemeinerung. und da sind wir halt wieder bei dem bild-niveau.
und nochmal. was bezeckt dieser artikel, außer noch mehr hass zu erzeugen? was? wohl doch einfach nur “spalten statt versöhnen”. und das bringt uns nicht voran, spalten hat noch nie zu einem friedlichereren leben geführt. aber ach…
natürlich brauchen wir eine neue gesellschaft und die aktuelle muss von frau und mann hinterfragt werden. aber das wird hier gar nicht getan. wo ist der sinn?
Papierschiff on 03/14 at 12:32 PM
danke, ihr Lieben alle - Duerr, Anne, Joey, Ricky, Amy und Caroona - für Eure engagierten, nachdenklichen, klugen Kommentare. Lasst Euch von dem Papierschiff nicht ablenken. Das Wochenende ist zur Erholung da.
lfp on 03/14 at 01:26 PM
@lfp..
schade, dass sie auf meine beiträge nicht geantwortet haben und meine beiträge als ablenung deklariert haben. aber um einen dialog / austausch / vorankommen schien es ihnen sowieso nicht zu gehen…
schade und traurig, und führt dazu, dass die leute, die nicht genauso denken wie sie (was wohl mehr als 90% aller menschen sind..) ihre gedanken eher als spinnerei abtun, als drüber nachzudenken.
irgendwie traurig und gleichzeitig erbärmlich. und sowas nennt sich feministin.. da hab ich zum glück aber auch schon andere kennengelernt.
lg
das papierschiff
Papierschiff on 03/14 at 01:33 PM
Wenn er 10 Schüler und 3 Lehrer getötet hätte, würden sie auch auf die Idee kommen, einen “Männerhass” zu diagnostizieren? Ich denke nicht. Insofern ist ihr Einstieg in den Artikel hier genauso wieder auf den Artikel anwendbar.
Schöne Polemik aus der anderen Ecke - mehr aber auch nicht. Auf die “bösen Männer” einzudreschen ist leider genauso monokausal argumentiert wie die “bösen Computerspiele” verantwortlich zu machen.
Ich habe eine ganz gewagte These zu dem Amoklauf: Wenn der Vater nicht zig Waffen und tausende Schuss Munition zuhause gehabt hätte, dann wäre niemand zu Schaden gekommen. Eine wahnwitzige und provokante Behauptung, nicht?
Raventhird on 03/14 at 04:15 PM
Danke, liebe Luise Pusch für den prompten Kommentar zu dem erschütternden, aktuellen Geschehen. Ob Glosse oder nicht, alle aufgeführten Argumente sind auch Fakten, die für sich sprechen, Dem kann ich mich nicht nur nicht verschließen, es ist mir auch aus dem Geist und dem Herzen gesprochen.
Ich bezeichne mich nicht als Feministin, ich bin Tochter, Mutter und Großmutter. Ich habe auch einen Sohn und einen Enkelsohn und fabelhafte Schwiegersöhne. Trotzdem kann ich die Augen nicht vor den realen Verhältnissen verschließen. Ich brauche nur eine Zeitung aufzuschlagen oder den Fernseher anstellen und die Demonstration von Männergewalt wird mir von morgens bis in Nacht vor Augen geführt. Und das Aufrüsten hat noch nicht aufgehört.
Natürlich wehren sich die Frauen schon dagegen (siehe auch in diesem Blog). Aber nicht durch einen manifesten Männerhass, wie Papierschiff uns weismachen will. Wenn ich mich im Alltag so umsehe, stelle ich oft genug fest, es werden immer noch schneller „Männerschutzvereine“ gegründet, als sich Frauen miteinander verschwestern.
Übrigens ist das Einebnen der Geschlechterunterschiede nicht unbedingt die Lösung. Mädchen sind Mädchen und werden Frauen und Jungen sind Jungen und werden Männer und das bitte in gegenseitiger Achtung, Anerkennung und Respekt.
Leider herrscht daran nach wie vor ein empfindlicher Mangel in der Medienlandschaft sowie im gesellschaftlichen Umgang und ich glaube nicht auf weiblicher Seite.
Stephanie
Stephanie on 03/14 at 04:19 PM
und jetzt mal aus dem Bauch heraus:
die von der Natur dem Menschen beigefügte Aggressivität ist bei beiden Geschlechtern in gleichem Maße vorhanden sozusagen nicht geschlechtsspezifisch.
Das zeigten u.a. Berichte über Misshandlungen in der Familie, denn da kommen beide Geschlechter gleich schlecht weg. Dunkelziffern eingerechnet.
Ich weiß wovon ich schreibe.
Es liegt weiter in der Natur unserer marktwirschaftlich orientierten Gesellschaft, dass der/die Stärkere, Klevere und Skrupellosere in der Verteilung der materiellen Werte, die Nase vorn hat. Das ware Glück in der Marktwirtschaft ist nun mal zu besitzen und entsprechend zu sein
und in der, z.Z. männlich dominierten Zeit,
erhält die maskuline Aggressivität staatliche Unterstüzung sozusagen.
In von Besitzstreben orientierten Familien wird diese Eigenschaft erst innerhalb der eigenen vier Wände weiter gegeben, später dann solidarisch, gemeinschaftlich in der Schule usw..
Das heißt also: Es liegt in der Hand der jeweiligen Gesellschaftsordnung das immer vorhandene menschliche Aggresionspotential duch unbedingte Gleichstellung und Gleichbehandlung beider Geschlechter in Schach zu halten.
Und wie es da gerade aussieht wissen wir.
msy on 03/14 at 05:56 PM
Um es vorweg zu nehmen: Ich bin fest davon überzeugt, dass Tim K. seine Schwester gerächt hat oder Wut auf das Umfeld seiner Schwester hatte.
Aber davon ab: Früher war es für nicht so attraktive Männer erstrebenswert, sich durch schulische Bildung aufzuwerten und als Preis der Pein eine vernünftige, sprich attraktive Frau mit Verstand, zu bekommen. Heute treffen wir auf unattraktive Frauen, die sich durch ihre Bildung aufwerten und kategorisch gleichgestellte Männer(genauso klug, genauso “attraktiv”) aussortieren, da sie trotz aller Gleichberechtigung nach dem Besseren streben. Mr. Right muss gut aussehen, vorzeigbar sein, Status bringen. Wer Frauen nicht weiterbringt, wird aussortiert. Gruppendynamisch. Diejenigen, die Frauen nicht weiterbringen, bringen auch ihre männlichen Geschlechtsgenossen nicht weiter, da sich die Solidarität unter Männern in den Kinderschuhen befindet. Schlägt eine Frau einen Mann kommt es zum Handgemenge. Dann kommen zwei Familienhelden(männlich) hinzu und prügeln den Mann zu Boden.
Markus on 03/14 at 07:44 PM
Irgendwie ist der artikel albern.
Mädchen haben sehr selten Probleme mit nähe,weil sie irgendwie immer fummeln können wenn sie wollen.
Denn frauen sind halt grundsätzlich bisexuell.
Männer dagegen sind grundsätzlich heterosexuell,können also ab eine bestimmten alter streicheleinheiten nur bekommen wenn sie einen sex partner haben.
stefan on 03/15 at 04:56 AM
danke stefan und markus für diese wunderbaren unsinnigen beiträge, preise werden später verliehen, das komitee berät noch
petra on 03/15 at 01:08 PM
Vielden Dank für diesen wunderbar geschriebenen Artikel, der weit über alles hinausgeht, was die BILD je verzapft hat! Als ich die Aussage dieses RTL-Psychologen durchgelesen habe, fragte ich mich, wie er überhaupt in der Lage war, eine solche Verdrehung der Tatsachen vor so vielen Zuschauerinnen zu äußern: der Täter kann wohl kaum wild um sich geschossen und gleichzeitig mit gezielten Kopfschüssen seine Opfer gerichtet haben.
kurukurushoujo on 03/15 at 01:17 PM
Ich habe Luise Puschs Artikel mit großem Interesse gelesen und glaube, daß sie in recht hat mit ihrer Annahme, Tim K. habe aus Frauenhaß hauptsächlich Schülerinnen und ausschließlich Lehrerinnen ermordet. Die Frage ist allerdings, was bei ihm diesen Haß ausgelöst hat - und das wissen wir noch nicht. Es macht aber tatsächlich viel mit der Macho-Kultur zu tun haben, von der auch unsere Gesellschaft immer noch bzw. wieder mehr beeinflußt wird (und die sich sicherlich auch in den von Tims Vater gesammelten Gewehren und riesigen Munitionsvorräten manifestiert).
In diesem Zusammenhang muß ich aber auch “unserem” vielgeschmähten Papierschiff zustimmen: es sind nicht allein die Männer daran schuld, sondern in weiten Teilen genauso die Frauen, die sich nicht nur nicht gegen Männergewalt, Frauenhaß und vor allem die verbreiteten Männer- und Frauenbilder wehren, sondern sich auch noch selbst unterstützen und weiterverbreiten. Warum eigentlich finden so viele Frauen große uns starke, besonders mächte oder sogar gewalttätige Männer attraktiv und tun wirklich nette, sanfte häusliche und anderweitig positiv veranlagte Männer als langweilig, als Softies, gar als “unmännlich” ab? (Und wundern sich dann, wenn sie von ihrem tollen, männlichen Kerl verprügelt werden - und wenn die den miesen Typen endlich losgeworden sind, haben sie nicht etwa aus ihrem Irrtum gelernt, sondern suchen sie sich den nächsten tollen, männlichen Kerl, von dem sie dann, was ja nicht selten vorkommt, wieder verprügelt werden…) Ich kann so viel Dummheit wirklich nicht begreifen.
Papierschiff sprach außerdem an, daß schon im Kindergarten die gängigen Rollenmuster gelernt und den Kindern eingeprägt werden und daß, wer davon abweicht, mit Spott rechnen muß. Ganz genau hier liegt das Problem - schon kleinen Kindern wird eingeimpft, wie sie sich als Junge bzw. als Mädchen zu verhalten haben. Und man muß such ja nur mal Webeprospekte für Kinderbekleidung oder Spielzeug ansehen - Kleidung für Mädchen ist - was in den letzten Jahren auch noch immer schlimmer zu werden scheint - fast nur noch rosa oder kräftig pink, Kleidung für Jungen eher in dunklen Blau-, Grün-, Oliv- oder Grüntönen. Für Mädchen bestimmtes Spielzeug besteht hauptsächlich aus Dingen wie Barbie, Baby Born oder Schminkköpfen (!), womit die Mädchen schon mal darauf vorprogrammiert werden, sich zu dummen, oberflächlichen Gänsen zu entwickeln und irgendwann Mutter zu werden. Spielzeug für Jungs hingegen hat oft mit Technik (für die Mädchen ja angeblich sowieso unbegabt sind oder sich zumindest nicht interessieren) oder eben mit Gewalt zu tun - da gibt es dann muskelbepackte Kriegerfiguren oder Roboter, die ebenfalls aussehen, als hätten sie viele Muskeln, und phantasievolle Waffen. Und somit ist ja schon mal klar, in welche Richtung die Jungs dressiert werden sollen. Ich finde das krank. Aber alle machen es mit, und man kann sich ja auch kaum dagegen wehren, da die Kinder durch die Werbung und andere Kinder so beeinflußt sind, daß sie das für ihr jeweiliges Geschlecht bestimmte Zeug ebenfalls haben wollen.
Eigentlich hatte ich mal gedacht, wir wären schon weiter. Ich frage mich wirklich, was der Kampf der Frauenbewegung eigentlich gebracht hat, wenn ich mir die ganzen bescheuerten Klischees über Männer und Frauen ansehe und -höre, die von den Medien und besonders von sogenannten “Comedians” immer wieder verbreitet und von der mehrzal der Menschen unkritisch belacht und vermutlich für wahr gehalten werden. Ich könnte kotzen, wenn ich so einen Mist wie “Männer können nicht zuhören und Frauen nicht einparken” höre. Quatsch, kann ich da nur sagen. Ich kenne viele Beispiele (einschließlich ich selbst und mein Mann), die das Gegenteil beweisen. Wir sollten alle endlich aufhören, solche schwachsinnigen Vorurteile zu pflegen. Und ich stimme Papierschiff außerdem zu, wenn er schreibt, daß wir aufhören sollten, alle Menschen immer in Männer und Frauen aufzuteilen (ich habe es schon immer gehaßt, in solche Schubladen gesteckt zu werden), sondern daß wir jeden zuerst einmal als Menschen ansehen sollten, mit eigenen, individuellen Neigungen und Fähigkeiten, die von seinem oder ihrem Geschlecht unabhängig sind.
In einem Punkt muß ich aber Luise Pusch ausdrücklich zustimmen, nämlich darin, daß es in unserer Gesellschaft leider immer noch für Jungs und Männer als unwürdig gilt, Eigenschaften zu haben, die allgemein als “weiblich” gelten (wobei ich mich frage, wer eigentlich festgelegt hat, was “männlich” und was “weiblich” ist und ob man nicht diese blödsinnige Einteilung, zumindest was die zugeordneten Eigenschaften, Interessen und Fähigkeiten angeht, auch endlich mal abschaffen sollte). Anders herum gilt das allerdings nicht im gleichen Maße. Warum wohl wird es (zum Glück) inzwischen allgemein akzeptiert, wenn Frauen Kleidung tragen, die traditionell als “männlich” gilt, während ein Mann in sogenannter “Frauenkleidung” (dann auch gern abwertend als “Fummel” bezeichnet) immer noch meistens eine lächerliche Figur ist?
Katja on 03/15 at 06:19 PM
Huch… beim nachträglichen Lesen habe ich eben doch noch etliche Tippfehler entdeckt. Peinlich… Und sorry! (Ich hoffe, es ist trotzdem verständlich)
(“mächte” sollte z.B. natürlich “mächtige” heißen)
Katja on 03/15 at 06:25 PM












