Männer mit Damenbart und fläumige Frauen
Antje-Katrin Kühnemann muß frau gesehen haben - die Moderatorin der „Sprechstunde“ im Bayerischen Fernsehen ist nicht nur sehr beschlagen, sondern auch noch komisch. Seit Jahrzehnten steht sie unverrückbar auf der Seite der ZuschauerInnen, denen sie partout die neuste und beste Information zukommen lassen will, und wenn die von ihr vorgeladenen Experten darüber den Verstand verlieren! Da Frau Antjes Interviewpartner meistens Chefärzte sind, ist es nicht ohne Reiz zu verfolgen, wie Frau Doktor sie streng aber freundlich abfragt und ihre Prüflinge artig Rede und Antwort stehen. Wenn die Herren Experten die erwünschte Antwort nicht gleich bringen, hilft sie mit Stichworten nach, denn daß sie schon alles weiß, was sie da abfragt - darüber läßt sie uns nie im Zweifel.
Neulich gab es wieder ein medizinisches Allerlei bei Frau Doktor, eine sogenannte Magazinsendung. U.a. wurde auch unerwünschte Körperbehaarung abgehandelt.
Drei kostspielige, teils auch langwierige und schmerzhafte Methoden zur Entfernung der unerwünschten Behaarung wurden vorgeführt, und Frau Antje schloß mit dem nützlichen Rat: “Wer sehr leidet - wie das bei einem Damenbart der Fall sein kann - der sollte mit seinem Arzt sprechen, und dann kann der verordnen, und dann zahlen auch die Kassen.”
Gibt es denn auch Männer mit Damenbart? Ich war schon fast eingeschlafen, aber Kühnemanns seltsame Wortwahl weckte mich wieder auf - Berufsrisiko einer feministischen Linguistin.
Früher war auf Tampon-Beipackzetteln “die Menstruation bei jedem ein bißchen anders”, auch werden wir oft beim Frauenarzt, ja sogar bei der Frauenärztin mit “der Nächste bitte” aufgerufen, aber daß hier einer mit seinem Arzt sprechen soll, wenn er unter seinem Damenbart leidet, finde ich irgendwie noch abgedrehter.
Ich begann dann über das seltsame Wort “Damenbart” nachzudenken. Eine Freundin schrieb mir neulich zu meiner Glosse “Damen auf der Documenta”, weshalb sogar ich nun von “Damen” statt “Frauen” spräche. Ich schrieb ihr, ich hätte es nur wg der Alliteration und Assonanz getan, und es solle nicht wieder vorkommen. Und nun dieser “Damenbart” - aber ich habe das Wort nicht erfunden, Gertrud.
Die altägyptische Königin Hatschepsut, von der neulich überall die Rede war, wäre für einen “Damenbart” wahrscheinlich dankbar gewesen. Da er ihr nicht beschieden war, mußte sie sich einen ankleben; sie trug einen sog. “Zeremonialbart”, um ihre Würde als Pharao zu betonen.
Frau Antje selbst sieht so aus, als würde sie alles tun, um der Welt das Aussehen zu bieten, das gerade gefragt ist: hauchdünn und faltenfrei. Sonst hätte sie ja vielleicht auch raten können: “Wer sagt denn, daß eine Frau keinen Bart haben darf? Oder sonstige Körperbehaarung, oder eine Glatze? Mutter Natur ist einfalls- und abwechslungsreich; wir sollten ihr nicht immer ins Handwerk pfuschen, schon gar nicht, wenn das wehtut und kostet.”
So ähnlich dachte wohl auch Frida Kahlo. Über sie lese ich bei Wikipedia:
Die mexikanische Malerin Frida Kahlo hat ihren “kleinen Bart” bei Selbstporträts stets mitgezeichnet, was als Zeichen verstanden werden kann, dass ein Oberlippenflaum gerade bei dunkelhaarigen Frauen alles andere als ein Makel ist, sondern im Gegenteil sogar zur Schönheit der Person beitragen kann. Fläumige Frauen werden von vielen Männern als besonders “rassig” geschätzt.
Was Wikipedia nicht verrät: Frida wurde auch von Frauen sehr geschätzt, und umgekehrt. Vielleicht nicht so sehr, weil sie „rassig“ oder „fläumig“ war, sondern einfach liebenswert.
Liebe Luise,
Früher pflegte ich zu sagen: Wenn Männer die Oberschenkel rasieren, rasiere ich meine Unterschenkel…
Dann kam ich ins Alter, in dem einem gewisse frauenängstliche Männer Haare auf den Zähnen bescheinigen. Na ja, wer sagt denn, dass frau den Lady-shave nicht zum Zähneputzen benutzen kann??
Und im Uebrigen vermute ich bei gewissen Herren, welche einen Frauenbart bekritteln, nichts als etwas Neid....
Danke für den Schmunzler!
Duerr on 08/05 at 08:34 PM
Liebe Anita,
behalten Sie bloß Ihre Haare auf den Zähnen, und pflegen Sie sie liebevoll. Getreu dem bekannten Motto: Der schönste Schmuck einer Frau sind ihre Haare - auf den Zähnen.
lfp on 08/05 at 09:31 PM
Metrosexuelle Männer rasieren ihre Beine - es wird langsam zu Mode. Zuerst suggerieren sie uns Frauen diesen Blödsinn - dann haut es die Werbeindustrie den Männer noch aufi, damit sie einschlägige Produkte kaufen…
Alison on 08/06 at 10:34 AM
Ja, warum darf frau keinen bart haben oder sonstige körperbehaarung - es wäre doch schön gewesen, wenn Antje-Katrin Schünemann darauf hingewiesen hätte, daß diese kl. launen der natur bei frauen nicht unbedingt psych. leid verursachen müssen.
So bleibt nur wieder die leidige, schmerzhafte und teure kosm. prozedur mit risiko und ohne hundertprozentigen erfolg.
`No body is perfect - ich bleibe so wie ich bin` - zu keiner zeit hatte die perfektion des äußeren erscheinungsbildes einen so hohen stellenwert wie in der gegenwart - besonders i.d. modewelt. Alles krankmachende zwänge, die nur scheinbar bei vielen selbstbewußtsein fördern.
Natürlichkeit und charme sind viel anregender. So gibt es inzwischen gegen den schönheitswahn den `Club der Hässlichen`- wobei gibt es hässliche menschen? doch nur hässliche wesenszüge und verhaltensweisen, gesellschaftl. jugend- u. schönheitswahn - falsche ideale.
Danke f.d. glosse
llg anne
anne on 08/06 at 04:09 PM
Vielen Dank, wieder was gelernt, aber vorher frage ich lieber nach: fläumig - das Wort gibt es? Und wenn ja, was bedeutet es? Ich finde das schöne Wort Schnurrbart viel schöner und auch angebrachter. Damen mit Ziegenbart habe ich noch nicht gesichtet, und Haare haben kein Geschlecht - oder doch? Also können wir uns auch die Unterscheidung in männliche und weibliche Schnurrhaare sparen. Lassen wir unsere Schnurrhaare, wo sie sind. Katzen sollte man tunlichst nicht die Schnurrhaare stutzen, sie nehmen das sehr übel. Ich weigere mich daher, dieses seltsame ‘fläumig’ in meinen Wortschatz aufzunehmen, und plädiere für ‘schnurrige Frauen’ und ‘schnurrige Männer’. Hm, das schnurrt nach mehr, oder? Rrrrrr :)
Undine on 08/13 at 12:15 PM
Dankeschön für den Text :-). Endlich mal was anderes als das ewige “das macht *man* doch weg” oder “das sieht doch bei einer Frau nicht schön aus”.
Ich bin selbst eine seeeehr haarige Frau. Es kostet mich immer noch ziemlich viel Mut zu mir zu stehen, so wie ich bin, ohne mir Schmerzen zuzufügen.
Danke für den Rückenwind!
Loewin
PS: Anbei der Link zu meinem Blog, dort geht es um Frauen, ihre Haare und meine eigenen Erfahrungen.
Loewin on 03/26 at 03:29 PM
Vielen Dank für diesen Beitrag!! Ich bin der Meinung auch Frauen können einen Bart tragen. Ich lasse mir selbst den Bart wachsen und wer möchte kann mal in meinen Blog schauen wie es mir damit ergeht. Wünsche allen Frauen, die zu ihrem Bart stehen möchten viel Mut und Kraft das zu tun. Je mehr Frauen einen Bart haben, um so normaler wird es sein. Liebe Grüße Marianna
http://fraumitbart.wordpress.com
Marianna on 11/02 at 03:42 PM













