Menstruella und Menstruator
Aus Wir machen uns unsere Sprache selber: Ein Feminar. Neunundvierzigste Lektion.
Ich lese gerade ein faszinierendes Buch über Menstruationspolitik von Chris Bobel, Direktorin des Women’s Studies Program an der Universität von Massachusetts in Boston. Das Buch trägt den Titel New Blood: Third-Wave Feminism and the Politics of Menstruation (Rutgers University Press, 2010). Bobel erzählt darin von “menstrual activists” wie der “Roten Brigade”, die Front machen gegen die Gefahren “weiblicher Hygieneprodukte” (FemCare), als da wären: Dioxinvergiftung, Mikrowunden, Pilzinfektionen, Endometriose, toxisches Schocksyndrom sowie der endlose Abfall, den Herstellung und Entsorgung von Einmalprodukten verursachen.
Das Buch ist so neu, dass es noch nicht übersetzt wurde - ich bezweifle auch, dass es ins Deutsche übersetzt werden wird, weil es bei uns (noch?) keine Menstrual-Aktivistinnen gibt. Oder habe ich da wieder was nicht mitgekriegt? Ich lasse mich gerne aufklären.
Wenn es aber übersetzt würde, bräuchte es dazu eine sehr kreative Übersetzerin. Das fängt mit dem Wort “FemCare” an. Auf meiner Lieblings-Übersetzungsseite Linguee finde ich als deutsche Entsprechung “Damenhygiene”. Wo ich grad mal dabei war, habe ich natürlich gleich nach den männlichen Pendants “Männerhygiene” und “Herrenhygiene” geforscht - aber die Wörter gibt es anscheinend nicht. Dass Männer so unreinlich sind, dass für spezifisch männliche Hygiene nicht mal ein Wort existiert, ist schon beklemmend, besonders wenn wir an den Gebärmutterhalskrebs denken, den die Papillomaviren an ihrem unhygienischen Stöpsel bei Frauen verursachen.
Die Dame verdankt der Damenhygiene-Industrie die Damenbinde. Der Herr aber trägt statt einer Herrenbinde seinen Binder. Die Sprache rund um die “weibliche Hygiene” ist voller Absurdität. Schon vor 28 Jahren musste ich in meiner allerersten Glosse feststellen: “Die Menstruation ist bei jedem ein bisschen anders” (Zitat Tamponreklame). Und vor 30 Jahren machte ich in einem Linguistikseminar eine Umfrage zu Sprache und Menstruation, mit Fragen wie:
“Welche Ausdrücke benutzt du / deine Freundin / deine Mutter für den Tampon / die Menstruation, undsoweiter?”.
Folgendes kam heraus:
Für den Tampon sagten manche “Stöpsel”, eine Schweizerin “Bölzli”.
Für die Menstruation: “Ich habe meine Tage / meine Regel / Periode / Monatsblutung.” Wir stellten dazu fest, dass diese Ausdrücke wie Sätze über Krankheiten klingen: “Ich habe Durchfall / Parkinson / meine Tage / Migräne”. Eine sagte: “Ich blute.” Das fand sie ehrlich und klar, besser als diese weichgespülte FemCare-Sprache von den kritischen Tagen.
Meine Mutter sagte voller Selbstverachtung: “Ich habe mein Gedöns” - fast so negativ wie das englische “the curse” (der Fluch). Das Wort “Gedöns” hörte ich dann jahrzehntelang nicht mehr, bis unser damaliger Ministerpräsident, der spätere Bundeskanzler Schröder, am Tag nach seinem Amtsantritt Frauenpolitik als Gedöns bezeichnete und das niedersächsische Frauenministerium abschaffte.
Das Wort, das mich in Bobels Untersuchung am meisten faszinierte, ist “menstruator”. So werden Menschen genannt, die “menstruieren” bzw. “ihre Tage haben”. Von “to menstruate” = menstruieren. Ich gehöre nicht mehr zu diesen Menschen, auch Schwangere, viele junge Sportlerinnen und magersüchtige Frauen nicht, wohl aber viele Männer (Transmänner). Dachten wir früher schlicht und altenfeindlich “Ich blute, also bin ich Frau”, so gilt diese Gleichung heute noch weniger als früher.
Für deutsche Ohren klingt “Menstruator” nach “Terminator” und also geradezu grotesk. “Die Menstruatorin?” Auch daneben.
Brauchen wir überhaupt eine Bezeichnung für eine Frau bzw. Person, die “ihre Tage hat”?
Eine schreibende Frau ist eine Schreiberin, eine lesende Frau ist eine Leserin, ähnlich haben wir Verkäuferinnen, Käuferinnen, Fahrerinnen, Malerinnen, Boxerinnen und Managerinnen. Warum haben wir kein Wort für eine Frau, die menstruiert? “Die Menstruiererin”??? Wir können es natürlich bilden und benutzen, aber komisch ist es schon, weil abgeleitet aus “der Menstruierer”, der wenig sinnvoll wirkt, queering the binary hin oder her. Ähnlich seltsam wie “der Wöchner” und “der Lesbier”.
Nach längerem Grübeln fiel mir “Menstruella” ein, abgeleitet aus “menstruell”, wie in “prämenstruelles Syndrom” (PMS).
Obwohl entschieden postmenstruell, werde ich jetzt ganz promenstruell weiter in dem spannenden Buch lesen. Nächste Woche werde ich dann mehr über Menstruationspolitik als Schnittstelle zwischen zweiter und dritter Frauenbewegung wissen und hier eventuell kundtun.
liebe leserinnen dieses artikels, hier ein kleiner hinweis, der mir zum thema einfällt: es gibt müllsparende und wie ich glaube (habe sie selbst noch nie ausprobiert) praktische so genannte ‘mooncups’ für alle menstruellas: http://de.wikipedia.org/wiki/Menstruationstasse oder . in einem normalen drogeriemarkt gibt es sowas noch nicht, da ist die tamponlobby wohl zu groß, aber die dinger muss man ja nicht jeden monat kaufen, frau kann sie im internet bestellen.
Steffi on 08/08 at 03:28 PM
liebe luise - du bist nicht nur hin- sondern auch sehr mitreissend :-) und bringst wieder etliche feministische vorsorgeregeln an die frau!
männerhygiene kennt die suchmaschine nicht, nur unter männl. hygiene rät google zur `sexualhygiene` , ein wenig `kondominantes verhalten`. hinzu natürlich seitenweise vorstellungen zu `männerDüften` - doch damit lassen sich syndrome, probleme, symptome übertünchen ...
aber bleibt wieder rund um die verhütung, die schwangerschaft, die hygiene, die vorsorge, die impfung (schon mit 12 jahren), die gesundheit alles an den frauen hängen?
besorgniserregend ist, lt. umfrage hat die jugend zu mehr als 80 prozent z.b. von chlamydien-infektionen nie etwas gehört. mio frauen sind mit sexuell übertragbaren krankheiten, infektionskrankheiten, aids geschlagen - risikofaktor mann!
sogar die zigaretten-werbung warnt mit dem hinweis “rauchen kann tödlich sein.” gleiches gilt für ungeschützten sex, ungenügende männl. hygiene. frauen sind doppelt betroffen, zu viele hygiene-produkte mit chemischen zusätzen machen krank, wirken nicht nur im unterleib zerstörend.
und ein tampon bzw. eine tamponella kann beim einverleiben neben TSS lästig und schmerzhaft sein.
die heutige sexualisierte, kapitalistische porno-konsum-gesellschaft führt zur abstumpfung, eine schwächung von empathie und einfühlungsvermögen und nur noch zur eigenen bedürfnisbefriedigung. sexueller leistungsdruck in cliquen führt viele mädchen zu ungewollten, frühen sex. handlungen.
NEIN zu sagen, scheint nicht mehr gewünscht? letztendlich ist sie die Dumme! kaum dem kindesalter entwachsen, müssen sich mädchen schon mit der pillen-einnahme anfräundinnen, impfen lassen. promiskuität, S/M-praktiken, pornographie wird als zeitvertreib, vergnügen suggeriert. seitensprungkontakte, swinger-clubs, sex-urlaub sollen den alltag versüssen. wir tendieren selbst zum konsumartikel, zu unsicherheit, mangelndes selbstwertgefühl (menstruella), körperl. unbehagen, schönheits-operationen, mode-jugend-wahn durch den zwang zur anpassung, konformität.
überhaupt frau sollte besser frühzeitig “fraulenzen” mit liebevoller hinwendung zur ihrer natürlichkeit, zur frau .. so kann auch u.a. endlich schluß sein mit seinem ewigen schnorrgasmus, dem spermasochismus , den bruchstellen aus der herrenkultur und, und, und.
wow, hoffentlich erfahren wir bald mehr über die menstrualpolitik als schnittstelle zwischen zweiter und dritter frauenbewegung. in zeiten von mode-jugend-schönheitswahn und im konsum-porno-sex-rausch à la sex-and-the-city-bedürfnisse, sex sells zeigen sich gerade heute eine menge baustellen…
danke und llg Anne
Anne on 08/08 at 04:18 PM
Liebe Luise,
durch die Busenfreundinnen (http://www.busenfreundinnen.net), die Frauen endlich zu passenden BHs verhelfen und dadurch viel für ihr Wohlbefinden, z.B. zur Befreiung von Komplexen, Rücken- und anderen Beschwerden tun, habe ich sehr viele Informationen zu Mooncups (Links, Erfahrungsberichte usw.) erhalten und benutze sie seit einiger Zeit mit großer Begeisterung: Wenn frau sich mit der Handhabung vertraut gemacht und das passende Modell gefunden hat, ist es eine echte Befreiung.
Liebe Grüße
Almut
Almut on 08/08 at 10:14 PM
Hallo,
bei der Frage nach einer deutschen Vertreterin für “menstrual Aktivismus” muss ich sofort an Charlotte Roche denken - nicht nur wegen “Feuchtgebiete”, sondern weil die Frage nach Körperkult und damit einhergehend auch Hygiene ja bereits zu Anfang ihrer Viva-Karriere wichtig war (sie rasierte sich anfangs nicht unter den Achseln, was zu Turbulenzen führte).
Damit hätte ein Verlag, der sich für die Übersetzung entscheidet, doch keine schlechten Chancen auf dem Markt, oder?
Viele Grüße
Stephanie
Stephanie on 08/09 at 07:36 AM
weniger schönes bzw. typ. frauenabwertendes gibt die geschichte/abgerglauben über die menstruation herr:
“f.d. jüdische/christl. kirche war die
Menstruella unrein und wurde von jeglichen rituellen handlungen ausgeschlossen.”
und lustig geht es weiter (kulturgeschichte über die menstruation) “in der vergangenheit haben sich hauptsächlich männer m.d. wissenschaftl. bedeutung über die M. beschäftigt. für sie war der männliche kollege stets der ausgangspunkt der überlegungen und die frau das wesen, das von diesem abwich. häufig wurde sie auch als unfertiger mann angesehen. und aus diesem kontext heraus wurde die M. als etwas abnormales interpretiert , das auf die vermeintliche minderwertigkeit der frau hinweist.”
nicht nur die frage des körperkults, des vorgegebenen opt. frauenbildes wurde von den feministinnen der 70iger frauenbewegung kritisch hinterfragt, heftig bekämpft - sie haben sich frühzeitig gegen das damalige twiggy-modell (stöckchen) aufgelehnt, protestiert. und die kapital. marketingstrategien in werbung , medienwelt durchschaut .
ich wundere mich, wie sich junge frauen heute unpolitisch geben, fremd/bestimmen, manipulieren lassen. und sich dem diktat der mode-/sex-porno-industrie kritiklos unterwerfen - die übernahme dieses diktats auch noch als ihre freie entscheidung definieren. das frauenbild wird mehr zur kommerz. `ware` stilisiert. das selbstwertgefühl auf das äussere erscheinungsbild gepoolt - sei sexy, sei knackig, sei modisch perfekt, komplett durchgestylt, nackt/unbehaart bis ins kühle grab. von Ess-störungen, magersucht, zwangshandlungen, schönheits-operationen u.v.m. lässt sich in dieser globalisierten welt viel kapital schlagen.
dafür ernten die und wie sie gerne genannt werden `altfeministinnen` häufig häme oder werden diffamiert (siehe J.Seeliger zum artikel über A. Schwarzer, taz) - ich würde sagen, die kritik vieler `femi-omis` ist auch heute angebracht und aktuell wie zuvor. feminismus altert nicht.
feminismus soll `sexy` sein - nur, wenn frau unter den begriff `sexy` googelt ,zeigt sich das reinste lockmittel für männer - die frauenkörper wie üblich als mittel zum zweck. es zeigt wie junge frauen in model-castings-shows, sex-and-the-city-vorgaben sich unbedingt sexy geben sollen. hier wird bewusst ein frauenbild geschaffen, an dem ganze industriezweige sehr gut verdienen, denn mann braucht frischfleisch , junge kundinnen, junge `Ware`.. nun, und auch hier ist die `menstruation samt menstruella` eher fehl am platz? für ihren kampf um unabhängigkeit, gegen die herrenkultur hat frau allzeit viel bluten müssen.
http://www.sozialismus.info/?sid=918
Anne on 08/09 at 01:59 PM
Schöner Text… Eine Passage war mir dann aber doch zu “altfeministisch”:
“Dass Männer so unreinlich sind, dass für spezifisch männliche Hygiene nicht mal ein Wort existiert, ist schon beklemmend”
Besser:
“Dass Männer vom Patriarchat derart unhygienisch zugerichtet werden, dass für spezifisch männliche Hygiene nicht mal ein Wort existiert, ist schon beklemmend”
Es ist ja weniger Faulheit, als vielmehr die Tatsache, dass gepflegte Männer z.B. oft mit homophoben Attacken konfrontiert sind.
Der Ekelbaron on 08/09 at 08:23 PM
Wie im Post schon angemerkt verdanken wir das Wort “Damenhygiene” wohl der Werbung, die kein analoges Wort “Herrenhygiene” braucht, weil Männer nicht nach Mondphasen blaue Flüssigkeit in Tampons hinein absondern (also der Werbung zufolge tun die Frauen das zumindest…).
Warum man daraus schließen mag, dass Männer es mit der Hygiene weniger genau nehmen, das wird mir wohl ein Rätsel bleiben. Weiter geht es dann auch hier in den Kommentaren mit dem Ekelbaron, der die Trennung zwischen gestyltem Äußeren und Hygiene nicht so recht hinbekommt. Man(n) kann sich morgens im Bad auch waschen ohne sich hinterher einen metrosexuellen Style aufzulegen. Das ist im Prinzip die Achselhaardebatte, da würden nicht nur Feministinnen sich wundern bis ärgern, wenn man sagen würde, Frauen mit Achselhaaren seien unhygienisch.
Sprache in der Werbung an sich ist ein interessantes Phänomen. Auch die Adjektive sind bemerkenswert: Produkte für Frauen sind oft “weich” und “sicher”, Produkte für Männer “präzise” und “stark”. Noch schlimmer wird es nur beim Männerfernsehen, also bei Schwerlasttransportdokus oder kriegsverherrlichender Ami-Propagandafilmchen auf DMAX. Da bekomme ich spontan Lust auf etwas Applied Linguistics – Wörter zählen. :-)
DrNI on 08/10 at 09:21 AM
Oh doch, liebe Luise. Es gab bereits in den 1970er Jahren “Menstrual-Aktivistinnen”, die in der damaligen Courage zum “gemeinsamen Bluten und mehr” aufgerufen haben. Diese seinerzeit blutjunge Bewegung hat ihr Monatsspektrum später um tagespolitische Ereignisse erweitert ...
Grüße Adele
adele meyer on 08/10 at 12:09 PM
Apropos “Busenfreundin”, Almut ... was ist eigentlich das Pendant zur “Busenfreundin”?
“Sackkumpan”?
Klaus on 08/11 at 09:29 AM
Hallo,
daß Männer es mit der Hygiene weniger genau nehmen, zeigt eine britische Studie. Demnach hatten brit. Wissenschaftler ca. 2oo.ooo Menschen in den Waschräumen von Autobahnraststätten beobachtet. Händewaschen nach den Klo-Gängen wird bei vielen Herren gaaanz klein geschrieben. Das Ergebnis, die Frauen waren doppelt so rein.
Gut, dass das (auch sprachlich) nicht unsichtbar bleibt.
Da Männer täglich mehrmals mit der (ungewaschenen) Hand in den offenen, freigelegten Schritt abtauchen, mag frau gar nicht weiter überlegen? So werde ich denen zukünftig noch die Hand zur Begrüssung reichen wollen? :-(
Und der kopulationsfreudige Herr als Überträger nicht nur von Papilloma-Viren könnte mit der kont. Benutzung von Kondomen seinen hygienischen Anteil leisten. Auch hier braucht er erneut Hilfe, denn häufig liegt mann mit dem Griff zur passenden Kondom-Grösse falsch - eine Nummer kleiner wäre effektiver, hygienischer.
`Herrenhygiene` greift erst, wenn er ernsthaft erkrankt ist. Dann zeigt auch die Werbung den Herren-Hyiene-Slip mit Innentasche zur Fixierung einer Penistasche bei leichter Inkontinenz zum Tragen - die Werbung preist sogar Hygiene-Höschen für Herren an .
Aber Hygiene und Körperkult passen doch zusammen. Die (körperl.) Unvollkommemheit der Frau wird ihr von den Medien/Mode/Machern vorgegaukelt. Nicht nur im Intimbereich möge sie sich durch aufwändige Operationen oder schmerzhafte Piercing-Eingriffe aufstylen.
Die Achselbehaarung gilt inzwischen als unhygienisch. Erwünscht die totale Bein- sowie Intimrasur (u.a. ein Grund der zunehmenden Akzeptanz von Pornographie?)so gelten unrasierte (junge) Frauen, die nicht im Barbie-Mode-Trend liegen, als unhygienisch . Brust, Bauch, Hüfte, Oberschenkel, Oberarme, Füsse gefallen nicht mehr, müssen verjüngt, gestrafft, hygienisch umgebaut werden. Poppig muss es auch im Gesicht zugehen - Lifting, Korrekturen bis zur Unkenntlichkeit .
Und unter “Ehehygiene” rühren heutzutage die Macher die Werbetrommel für eine eher abtörnende Spielwiese an Fun-/Folter-Factory , da kann es einer eh geschlecht werden..
Amy on 08/11 at 02:36 PM
@Klaus: Wenn Sie als Mann das nicht wissen?! Ich finde solche Kommentare, freundlich gesagt, entbehrlich.
Almut on 08/11 at 03:12 PM
@ Klaus
“Busen” steht gleichsam für das Innerste, die Seele des Menschen. Da sind Sie in der Sackgasse. Ich glaube kaum, daß ein ” Sack ” dazu befähigt ist.
Übrigens Google verweist beim “Sackkumpan” gleich auf den “Saufkumpan” ... irgendwie passend zum Testogesteuerten, nicht wahr?
Amy on 08/11 at 04:30 PM
@Amy: Naja, Vorhandenheit von Wörtern und die Realität – das Wort “Männerhygiene” ist ungebräuchlich, also gibt es keine Männerhygiene? Demzufolge müssten wir dauernd trinken, weil wir im Deutschen kein Wort für “nicht durstig” haben?
Was die Studie angeht, so würde ich gerne das Original lesen. Ich meide zum Beispiel nach Möglichkeit öffentliche Toiletten, weil ich sie mir meist zu dreckig sind. Es ist also die Frage, ob Besucher einer Autobahnrastätte eine repräsentative Stichprobe der Bevölkerung darstellen oder nicht.
DrNI on 08/11 at 04:39 PM
@klaus
Das Pendant zu “Busenfreundin” ist der “Busenfreund”. Die empfindsamen Männer der Goethezeit lagen nicht nur gern am Busen der Natur, sondern schluchzten auch öfters am Busen eines Freundes. Das Grimmsche Wörterbuch meldet zu Ihrer Frage:
BUSENFREUND, m. sodalis: und du, sein busenfreund? GÖTHE 14, 188; sein ältester, liebster gefährte, sein busenfreund. FR. MÜLLER 2, 201.
BUSENFREUNDIN, f.
hier grüszt mich meine ländliche natur,
die busenfreundin meiner jungen jahre.
SCHILLER 247a.
Eine echte Frau als Busenfreundin war anscheinend gar nicht so üblich, die musste frau wohl erst erfinden mitsamt den frauenfreundlichen Möglichkeiten, die sich daraus ergaben, inkl. BH-Firma gleichen Namens.
lfp on 08/11 at 05:26 PM
@ DrNI
Diese Untersuchung wurde öffentlich durchgeführt -ja und wer weiss, wie es in unbeobachteten Momenten - in den eigenen vier Wänden, im Büro etc. - wohl aussehen mag ?
Die Toiletten von grösseren Autobahnraststätten sind überwiegend gut geführt - weil sie häufig beaufsichtigt werden und die Benutzerinnen bezahlen müssen.
Verbundenheit von Wörtern und Realität - da denke ich an den Begriff `Sitzpinkler` - dieser Begriff ist alltäglich, nur die wenigsten Männer halten sich daran.
Amy on 08/11 at 05:40 PM
@lfp
Sprache einst und heute:
“Beschämt sei, wer schlecht darüber denkt.”
“Busenfreund”:
1.) Freundin eines Männerbündlers, der sich auf Grund seiner Ideologie weigert, “nicht erwähnenswerte Frauen” geschlechterspezifisch anzusprechen.
2.) Konsument gewisser Magazine.
3.) Wie lösen wir das im Transgenderbereich auf?
Busenfreund ist m. E. genauso veraltet wie “Der Mann zieht seinen ‘Rock’ an und geht in die Kneipe”
Irgendwie gefällt mir Amys “Saufkumpan”.
Persönliches Vorurteil: Während sich Frauen am Busen ihrer besten Freundin ausheulen, heulen sich Männer beim Kumpel an der Theke aus!
klaus on 08/12 at 09:13 AM
@Amy: Journalismus-typisch liefert der Fokus nur wenig Anhaltspunkte, nicht mal die Namen der Autoren. Naja, Recherchieren hab ich gelernt, also hier das Original: http://ajph.aphapublications.org/cgi/content/short/99/S2/S405 (15$ weiter dann auch der Text, oder man ist Mitglied einer Hochschule, die einen entsprechenden Zugang hat.)
Zweck der Studie war nicht, die Dreckigkeit von Männern nachzuweisen, sondern die Effektivität von “Botschaften”, die die Menschen zum Händewaschen aufrufen sollten. Händewaschen bezog sich dabei ausschließlich auf das Waschen der Hände mit Seife. Das Waschen ohne Seife wurde nicht erfasst, also de facto als Nicht-Waschen gezählt.
Als Baseline diente die “Seifenwaschrate” ohne die auf einem Display angezeigten Botschaften. 31,7% der Männer benutzten Seife, bei den Frauen waren es 65,1%. Das heißt bei der “dreckigen” Gruppe sind auch die dabei, die sich die Hände ohne Seife waschen. Also die Leute, die nicht unhygienisch sein wollen, aber vielleicht über Hygiene besser aufgeklärt werden müssen.
Die Autoren bezeichnen ihre Studie als das erste solche Experiment-Design, d.h. von einer gesicherten Erkenntnis kann hier nicht gesprochen werden.
Und in welcher Studie steht nun, dass Männer nicht sitzpinkeln?
DrNI on 08/12 at 03:10 PM
Zum Thema Frauen, Männer und Reinheit bzw. Reinlichkeit:
Ausdrücke wie “reine Jungfrau” und “unbefleckt” (unbefleckte Empfängnis)” zeigen, dass Männer glauben, Verkehr mit einem Mann mache die Frau unrein. In vielen Kulturen gilt sie danach als “gebraucht” und “verdorben”.
Folglich betrachtet der Mann sein eigenes Sperma als “unrein”, denn nur durch “Unreines” kann etwas verunreinigt werden. In der Regel “besudelt” nur das Sperma anderer Männer die Frau, oft aber auch das eigene, wenn der “Verkehr” vor der Hochzeit oder sonstwie gegen patriarchale Regeln verlief. Dann wird die Frau von ihrem Benutzer als unrein verstoßen.
Es scheint, dass Männer noch viel aufzuarbeiten haben.
lfp on 08/12 at 04:29 PM
@ DrNI
und mit der effektivität von botschaften wurden auch gleich die unhygienischen fälle aufgedeckt.
ausserdem, was hygiene betrifft, geht es mir vordergründig um den hygien. urstand - wenn ich mich mal deutlich ausdrücken darf -,also um den direkten männl. handkontakt zu seinem häufig unhygienischen geschlechtsteil, sprich penis, vor und nach dem toilettengang. das mehrmals am tag - und wenn 2/3 der probanden auf handseife etc. pp verzichten, wird`s mir gruselig bei dem gedanken zur `handreichung` - göttinseidank habe ich es fast ausschl. mit frauen zu tun.
zum sitzpinkeln einfach mal selbst googeln ...aber ein netter auszug:
“psychologisch betrachtet: überspitzt könnte man sagen, als die männer vor vielen jahren noch patriarchen waren, die frauen hingegen am häuslichen herd sassen und ihre männer anbeteten, war die männliche dominanz unangetastet. heute bleiben dem mann nur noch zwei dinge übrig, zum einen eine gewisse körperliche überlegenheit, zum anderen das privileg, seine blase im stehen zu entleeren.” zitat eines professors, der ein wenig licht in dieses dunkle männerkapital bringen will.
ansonsten will ich dieses traurige thema beenden - dass mann seine begriffsstutzigkeit wiederholt unter beweis stellen muss, ist schon traurig genug.
Amy on 08/12 at 05:02 PM
@Amy: Ich stimme Dir zu, die Diskusdsion ist zu beenden. Wer nämlich einem Kritiker in einer Diskussion Begriffsstutzigkeit vorwirft hatte von vornherein keinen Meinungsaustausch sondern ein Beharren auf seiner festgelegten Meinung vor.
DrNI on 08/12 at 08:33 PM
” ...ein Beharren auf Seiner festgelegten Meinung - wie gut Sie sich doch kennen.”
Amy on 08/12 at 09:08 PM
@Amy
These: “Wer sich zu viel mit Seife wäscht, schädigt das eigene Immunsystem und die natürliche Schutzschicht des Körpers. Damit provoziert er/sie Allergien!”
Unhygienisch, seifenlose Stehpinkel-Mechaniker leiden weniger unter Allergien, als hygienisch, Seifen verbrauchende Sitzpinkel-Friseurinnen.
Die Leute die sich davor gruseln, den durch Seife unverfälschten Geruch und Geschmack ihres Gegenübers wahrzunehmen, sind m. E. Opfer der Werbeindustrie und haben einen wesentlichen, menschlichen Instinkt verloren.
Interessant ist, dass Mädchen weniger unter Allergien leiden als Buben. Mit der Entdeckung der Seife überholen Frauen die Männer. Im Alter, wenn die Männer im Krankenhaus fest eingeseift werden, übernehmen die Männer wieder die Allergie-Führung.
http://www.welldone.at/welldone_deb/upload/3006_AMZ_Allergiebericht.pdf
Bzgl. “unhygienischen geschlechtsteil”
Im Urin ist nur eine geringe Bakterienkonzentration. Diese Bakterien sind für gesunde Menschen in der Regel harmlos und nicht pathogen.
Klaus on 08/13 at 09:00 AM
Das Dogma der kath. Kirche von der Unbefleckten Empfängnis Mariens hat nichts mit der vermuteten Unreinheit des Spermas zu tun, sondern dass bereits Maria in der Gebärmutter ihrer Mutter Anna von der Erbsünde in einem göttlichen Akt auf ihre spätere Berufung erlöst werden musste. Schauen wir uns diese Erbsünde genauer an sehen wir vordergründig zwar den Ungehorsam von Adam und Eva, in Wirklichkeit hatte Eva aber die Bedeutung ihrer eigenen schöpferischen Potenz (mit Adam zusammen) dank ihrer Menstruation erkannt. Also musste Maria eine Frau ohne Befleckung durch die Menstruation werden, (wohl ohne Eierstöcke?) um das reine Gefäß für den reinen göttlichen Spermienerguss darbieten zu können, um dann den Klon Gottes zu gebären. Unglaublich? Dann empfehle ich mal wieder “Gyn/Ökologie” von Mary Daly.
Gudrun Nositschka on 08/15 at 11:52 PM
@Gudrun
Unglaublich!! Das ist ja als Gedankengebilde noch verrückter, als ich bisher angenommen hatte.
Was soll man da noch dazu sagen?! Offenbar hatten es die Machthaber recht gut angestellt, durch abstruse Theorien ihre “Überlegenheit” zu sichern.
else on 08/16 at 03:47 PM
Von “Andersrum und Immerschief”, die Oldenburger Lesbenchörin, gibts einen wunderschönen Menstruationssong namens “Im Lichte der Mondin”, zu singen nach der Melodie: Im Frühtau zu Berge wir ziehn, falera
Hier der Text:
Im Lichte der Mondin wir ziehn, femina
Wir wollen auf dem Berge menstruier’n, femina
://
Welche will denn singen, wenn wir die Tampons schwingen?
Kommt mit, und versucht es doch auch einmal
Mein Schwämmchen saugt besser als deins, femina
und wenn du keins mehr hast, dann nimm doch meins, femina
://doch hinter Ahornrinden, da findest du Moosbinden,
komm mit, oder liebst du Camelia? ://
Beim “Praemenstruellen Syndrom”, femina,
da fühle ich mich ständig unter Strom, femina
://ich könnte Bäume fällen, die Mondin laut anbellen,
komm mit, lass die Krämpfe zuhaus, femina ://
Die Windeln und die Watte sind daheim, femina
wir stopfen uns jetzt einfach nichts mehr rein, femina
(wahlweise: wir wollen jetzt freie Frauen sein)
://wir bluten in die Erde, auf das was wachsen werde,
purzel zu der Wurzel deiner selbst, femina://
Ist doch wunderhübsch, nicht wahr?!
Das beste Mens-Buch aller Zeiten find ich immer noch Luisa Francias “Drachenzeit”.
Welche sich nicht (mehr) über den Abfall, den Herstellung und Entsorgung von Einmalprodukten, ärgern will, kann bei http://www.kulmine.de
Stoffbinden, Mooncups u.a. ordern.
Ich persönliche bevorzuge den ganz normalen Badeschwamm aus der Drogerie - selbst für die passende Größe zuschneiden, vor dem Verwenden in einer Essig-Wasserlösung einweichen (das desinfiziert), mit klarem Wasser abspülen und schon fertig zum Gebrauch! Kein Abfall, keine toxischen Bestandteile usw usf. Sehr empfehlenswert!
menstruellende Grüße,
Irmgard :-)
Irmgard on 08/18 at 02:25 PM
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