Schland und die Vulvazela

Das Fußballspiel verleitet anscheinend zum Wortspiel. Vor vier Jahren schon wurde aus Heines bitterem Versepos “Deutschland - ein Wintermärchen” über unser “hölzern pedantisches Volk” ein “Sommermärchen” und schließlich Sönke Wortmanns “Deutschland - ein Sommermärchen”. Mit Recht wurde der Kuschelfilm bald umgetauft in “Im Bett mit Ballack” oder “…mit Poldi” - Madonna lässt grüßen.

In diesem Sommer nun kamen wir aus der Wortspielerei gar nicht mehr raus. Es fing an mit der australischen Fußballmannschaft, den “Socceroos”, wie Kangaroos. “Serbien muss sterbien” hieß es vor dem Spiel gegen Serbien, ein böser Spruch aus dem ersten Weltkrieg - und damals wie heute ein Eigentor.

Laut Spiegel werden “wir” nun “Integrationsweltmeister” statt Fußballweltmeister - was auch total daneben ist, denn die Mannschaft aus Schland ist trotz der Spieler mit Migrationshintergrund weder deukisch noch deukanisch.

Frauenbild“Schland”, die Kurzform für “Deutschland”, verbreitet sich derzeit rasant. Die krude Mischung aus “Schlamm” und “Schmand” scheint das deutsche Gemüt zu überzeugen und passt auch zu “Germs” (Keime), der Kurzform für “Germans”. Der Song “Schland o Schland” wurde auf Youtube über eine Million mal angeklickt, und schon gibt es eine Webseite schland.de, die Schland-T-Shirts mit den schländischen Farben Schwarz-Rot-Sonnig verkauft.

Auf die Frage, wie es zu “Schland” kommen konnte, erfährt frau, dass das Wort auf Stefan Raab zurückgeht, der schon 2002 aus dem Gebrüll in den Fußballstadien nur “Schland! Schland!” heraushören konnte.

Plausibler scheint mir die Erklärung dieses bloggenden Sprachbeobachters: “Der durchschnittliche Fußballfan ist stark alkoholisert und benutzt Geheimsprache. “Flur” steht für “Wieviel Uhr ist es?” “Eishockey?” steht für “Alles okay?” und “schland” für “Deutschland”.

Wir sollten die Anregungen der Alkis dankbar aufnehmen und andere lästige, überlange Wörter ebenfalls gesundschrumpfen bzw. gesupfen:

Bereits gut etabliert sind:

AlkoholikerInnen > Alkis
AmerikanerInnen > Amis
Auszubildende > Azubis
Deutsch-Englisch > Denglisch
Deutschtürkisch > deukisch
Hartz-IV-EmpfängerInnen > Hartzis
Öffentliche Verkehrsmittel > Öffis
Ostdeutsche > Ossis
Professionelle > Profis
ProfessorInnen > Profs
Rehabilitation > Reha
Studierende > Studis
Weblog > Blog
Westdeutsche > Wessis

 

Neuschöpfungen:

Bundespräsident > Bupräsent
BürgerInnensteig > Bürsteig > Bürste
Deutschafrikanisch > deukanisch
Evangelisch > evisch (währt am längsten)
FußballspielerInnen > Fubis
FußgängerInnen > Fugis
FußgängerInnenzone > Fugizone
GästInnenzimmer > Gäzi
Homo-Ehe > Ho-Ehe > Höhe
Katholisch > kalisch

Die überbordende “Vulvazela” fällt dagegen völlig aus dem Rahmen, aber das raumgreifende Pendant zu den verschämten Vagina-Monologen sollte hier nicht übergangen werden.

Eigene Kreationen bzw. Kreonen bitte unten im Kommentarfeld (Komfel) eintragen.

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# | Luise F. Pusch am 07/11 um 02:57 PM

Wer hätte geahnt, dass du eine so begeisterte und gutinformierte Fubl-fan bist?! Als Ami schätze ich deine Wortspielerei, pardon, Wortspei sehr!

Danke für die Toglo (tolle Glosse), und schöso (schönen Sonntag)!

Joey

Joey Horsley  on  07/11  at  03:52 PM

und ich dachte Schland kam von der Verbindung “Deutschland” und “Schande” weil sie nicht Weltmeister sind, sondern “nur” Dritte.

Alison  on  07/11  at  05:33 PM

wow, mir fällt nur ein wort für `vuvuzela` ein = penikoer (penisköcher) - sollte dieses lärmende pot/ente männl. unding zukünftig die heimischen   fubl-fan in den fubl-stadis krönen, bitte ich um o-stöpis (ohrstöpsel) für all die vulvazelas  
(*&*)
ich kann mich nur anschliessen - obige `toglo` wieder meistalich - supra!!

wie ich gelesen habe, macht die kuduzela (horn der anti-böcke) (antilopenböcke) der vuvuzela konkurrenz. in ländlichen gebieten werden m.d. klang des kudu-horns versammlungen oder schlachten einberufen. dies sei der echte song der savanne, denn im chor geblasen, erinnern die kudus an eine herde trompetender elefantis - passend zum männl. gemüt und sicherlich auch demnächst im schland der drittbesten fubls überall zu hören? 

hoffentlich werden unsere fußballerinen in 2o11 ohne tröten und penikoer erneut weltmeista ...
dann gibt es sicherlich für die trainerin endlich das verdiente buvkreuz / bundesverdienstkreuz , grusel…

llg

Anne  on  07/11  at  06:08 PM

wow, mir fällt nur ein wort für `vuvuzela` ein = penikoer (penisköcher) - sollte dieses lärmende   männl. unding zukünftig die heimischen fubl-fans in den fubl-stadis frönen,  helfen für genervte nur noch o-stöpis (ohrstöpsel). 
ich kann mich anschliessen - obige `toglo` ein meistawerk…

wie ich gelesen habe, macht die kuduzela (horn der antilopenböcke) der vuvuzela konkurrenz. in ländlichen gebieten werden m.d. klang des kudu-horns versammlungen oder schlachten einberufen. dies sei der echte song der savanne, denn im chor geblasen, erinnern die kudus/vuvus an eine herde trompetender elephanten - doch irgendwie passend zu all den grölenden und lärmenden zweibeinern. die wilden vorgänger kamen übrigens aus china - dort wurde angeblich das fußballspielen vor ca. 3ooo jahren erfunden als soldatendrill. gerne liess mann auch die köpfe der gefallenen gegner spielerisch von mann zu mann rollen.

in 2o11 dürfen nun die dt. fußballfrauen ihren weltmeista-titel verteidigen - die idee einer vergabe des bundesordens f.d. erfolgreiche trainerin und etliche silberne lorbeerblätter für das starke frauenTeam durch den bundespräsent kam den herren 2007 natürlich nicht?

übrigens das gestrige fubl-endspiel empfand ich scheußlich angesichts der zahlreichen hässlichen fouls und gekas (gelbe karten)- wenig meisterlich ...   

llg Anne

Anne  on  07/12  at  04:07 AM

Auch wenn ich mit Fussball nullkommanix am Hut habe - eben grad, weil so himmeltraurig viel Quatsch gequatscht wird - halte ich an der notwendigen Entschleunigung fest und weigere mich standhaft, diese US-amerikanische Unsitte des alles Abkürzens mitzumachen. Wörter wie: Eierschalensollbruchstellverursacher, bundesländerübergreifend, Laubwälderoberförstereiaufsicht usw. sind regelrechte Erholungsnahräume im Geschwafelschwall von Vielrednern, die mit Vorliebe vor lauter Schnellredezwang halbe Wörter verschlucken, wie “Liebe Mitbürger und Mitbürger, liebe Genosen und Genossen”, sodass der begründete Verdacht aufkommen muss, dass die Typen wohl mal gestottert haben?
lg Dürr
PS: Apropos Fussball: Weisst Du, liebe Luise, dass die Schweiz Weltmeister ist? Nein? Schliesslich hat sie als einzige Mannschaft die Spanier besiegt….! ;-)

Dürr  on  07/12  at  09:11 AM

aus aktuellem Anlaß: ICE für integrierten Kocheintopf oder integrated cooking eintopf

Susanne Horst  on  07/12  at  12:07 PM

Ach Luise,
jetzt kennen wir uns schon so lange und ich dachte Fußball ist überhaupt nicht dein “Ding”
Aber du bist ja, was die Themenvielfalt betrifft, kaum zu irgendeiner Schata (Schandtat) NICHT bereit.
Da ich sowieso sehr schreibfaul bin, würde mir diese
Schreibweise sehr entgegen kommen, allerdings ist frau da wohl vor Miss-verständnis-sen, noch so’n schickes Wort, nicht gefeit;o)

Ich umarme dich

Jacqueline  on  07/12  at  02:37 PM

Dankeschön, wieder eine best-of-Glosse, Sprachwissenschaft kann heiter sein! Schland mit Schwein, Po und Klo: Im Halfi ein lahmer Löwe ... Lag`s am Müll im Pub?
Ilse

Ilse  on  07/13  at  04:04 PM

@Dürr:
Ich mag lange Wörter hin und wieder auch gerne - meine Empfehlung bezog sich vor allem auf die allseits angefeindeten feministischen Wortschöpfungen wie “FußgängerInnenzone” und “BürgerInnensteig”. Da kann der allgemeine Trend zur Stummelsprache sinnvoll genutzt werden. Selbstverständlich muss es dann im Singular heißen “die/der Studi, Alki, Fugi, Fubi” usw.
Damit die Glosse nicht zu lang und langweilig würde, habe ich diese Erläuterungen alle weggelassen und stattdessen andere Kurzformen aufgeführt. Aber Kern meiner Empfehlung war der elegante Ersatz für “FußgängerInnenzone” und dergl.
Die Vulvazela aber müsste Dir wohl zusagen? Diese fembionale Erfindung von Joey wollte ich anderen Fembionistas nicht vorenthalten.

lfp  on  07/13  at  04:46 PM

“Vulvazela” eine tolle Erfindung, so passend ins Hexikon? Danke!
Die kritisierte sog. `Unsitte` des Abkürzens kann doch sehr praktisch sein, da kurz und bündig. 

Ebenso im Fußball wird sie als Fingersprache (österr. Stummerlsprache) von den SR und SRA (Schiris) perfekt in Szene gesetzt ;.)
Sogar die zumeist männlichen Zuschauer zeigen mit Gebrüll durch den erhobenen Zeigefinger, dass Tore gefallen sind. 
Die Fußballweltmeisterschaftsendspielfernsehnicht guckerInnen können hier sogar noch etwas Neues erfahren.
http://www.horizonte.com/zoom.php?fussball-schiedrichter.jpg

Prima Neuschöpfungen - Frau ist hier im Blog auch feministisch immer auf der ` Höhe` ;.) 

lg Amy ( eine FemBio - Fan )

Amy  on  07/14  at  07:21 PM

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Hedwig Dohm