Schluß mit der Duldungsstarre
Berit, Angelika, Juanita und ich saßen kürzlich mal wieder gemütlich im Restaurant bei Flammkuchen und Bier; diesmal feierten wir das Erscheinen von Die Eier des Staatsoberhaupts. Berit hatte mir Stoff für die nächste Glosse mitgebracht - ein verrücktes Wort, das sie eben erst kennengelernt hätte: Duldungsstarre.
Uns schwante nichts Gutes, wir konnten uns schon allerlei Unschönes denken. Frau ist ja nicht weltfremd. Wir alle kennen den Rat “Augen zu und an England denken”, den viktorianische Mütter ihren Töchtern für die Hochzeitsnacht mitgaben.
Berit zog einen Zettel aus der Tasche und las vor: “Die Duldungsstarre bezeichnet einen Zustand vor allem weiblicher Säugetiere ... während der Begattung durch das Männchen. Dabei verharrt das Weibchen in einer für die Penetration günstigen Stellung, bis der Geschlechtsakt vollzogen ist. Beim Schwein wird die völlige Apathie durch ein Duftdrüsen-Sekret des Ebers ausgelöst.” (aus Wikipedia)
Das erinnerte uns fatal an sogenannte “Date Rape Drugs” - “Drogen, mit denen die Opfer hilflos bzw. willenlos gemacht werden, sodass sie nicht imstande sind, sich einem Geschlechtsverkehr zu widersetzen. Oftmals können sie sich nicht mehr erinnern, was geschah. Die Drogen sind normalerweise farblos, ohne Geruch oder Geschmack und können somit leicht ohne das Wissen des Opfers in Getränke gemischt werden.“ (zitiert nach www.drogen-wissen.de)
Also von den Ebern haben die Unholde sich das abgeschaut.
Ich hatte auch ein neu gelerntes Wort beizusteuern, Gattenekel, geprägt von Thomas Mann und quasi das Pendant zur Duldungsstarre. Manns Schwester Julia war morphiumsüchtig, und sie brauchte die Droge anscheinend, um ihren Gattenekel zu überwinden und ihre Duldungsstarre selbst herbeizuführen. Als auch das nicht mehr half, brachte sie sich um. Dazu Thomas Manns Sohn Golo in seinen Erinnerungen: “Wenn [in dem Roman ‘Lotte in Weimar’] ... im inneren Monolog Goethes die Schwester Cornelia an ‘Gattenekel’ leidet, so litt Julia auch daran, und wer den Hofrat Löhr kannte, mag es begreifen. Ihre Neigung zum Morphium ... kam von daher; was der Bankier nur zu oft von ihr wollte, konnte sie ohne das erlösende Gift nicht prästieren.”
Deutliche Worte, wie wir Frauen sie aus Männermund höchst selten vernehmen. Wahrscheinlich waren Mann Vater & Sohn nur deshalb dazu fähig, weil sie als Schwule die „ehelichen Pflichten/Freuden“ selber skeptisch sahen.
Arme Julia. Armes Schwein. Aber Julia noch mehr - anders als die arme Sau nahm sie dem Ekelgatten sogar noch die Arbeit der Narkotisierung ab.
Also Mädels: Schluß mit der Duldungsstarre. Augen auf, und an uns selber denken! Und gegen Gattenekel hilft zuverlässig eine Scheidung.
Matriarchal lebende Frauen haben offensichtlich weder eine Duldungsstarre noch Gattenekel nötig. Eine Duldungsstarre nicht, weil sie nur mit Männern jeweils für eine Nacht zusammengehen, wenn sie selber leidenschaftlich entflammt sind, den Gattenekel nicht, weil sie keine patriarchale Ehen kennen. Auch unsere nächsten Verwandten, die weiblichen Bonobos, leben fern dieser Begriffe und lieben nur dann und welche sowie wen sie wollen.
Gudrun Nositschka on 04/13 at 04:58 PM
Ach. liebe Luise, ich fürchte, hier lachen wir nur, damit wir nicht weinen müssen… Die Frage, weshalb denn früher leidenschaftliche Frauen ihren Männern gegenüber einen Gattenekel entwickeln, stellen sich - wieder einmal - nur die Frauen. Den meisten Männern ist das egal, darum haben Prostituierte eine solche Nachfrage und finden Gummipuppen Absatz. Mann will bedient werden, bzw. sich wenigsten bedarfsweise bedienen können. Da hilft tatsächlich nur Trennung - und: Männer sind grundsätzlich nur zugelassen (in den eigenen vier Wänden und im Bett) - wenn überhaupt - zur Lusterzeugung. Frau spart sich unendlich viel Geld für Runzelkosmetika und andere Trösterchen…
Duerr on 04/13 at 09:53 PM
Sehr viel schwieriger, der Duldungsstarre und dem Gatten-Ekel zu entkommen, haben es die vielen zwangsverheirateten Mädchen, Frauen nicht nur aus
kulturfremden Gesellschaften, die keine oder weniger Rechte auf ein selbstbestimmtes Leben haben, als Eigentum der Männer betrachtet, misshandelt werden und dem Gatten-Ekel jederzeit sexuell zu Willen sein müssen. Im schlimmsten Fall scheuen diese Ekel
nicht vor einem `Schwestermord` zurück.
Im Jemen hat jetzt erstmals ein achtjähriges! Mädchen die Scheidung von ihrem 3ojährigen Ehemann eingereicht. Zwangsverheiratet, geschlagen, sexuell belästigt, so sieht das Schicksal vieler junger Frauen z.B. im Jemen aus. Mehr als 5O Prozent der Mädchen zwischen 7 und 9 Jahren werden dort zwangsverheiratet. Eine Schande!
In Afghanistan gibt es eine erschreckend hohe Bereitschaft z. Selbstmord, gerade junger Frauen.
Selbstverbrennung ist die häufigste Methode, um der psychischen und physischen männl. Gewalt i.d. Familien zu entkommen. An erster Stelle d. Welt liegt der Iran b.d. Selbstmordrate von Frauen.
Unbemannte Lebensfreude - Eheverweigerung bzw. Eheflucht - gute Gründe gegen Duldungsstarre/Gattenekel.
Bei dem Begriff `Duldungsstarre` aus dem Tierreich erinnere ich mich an das Fernhaltesystem automatischer Tierabwehr, um z.B. Hündinnen vor der Penetranz der Rüden, die ganzjährig auf der Balz sind, zu schützen. :-(
Auch gegen Unholde gibt es noch einige gute Abwehrsysteme, um diese Unholde vor starken Frauen erstarren zu lassen.
Anne on 04/15 at 09:19 PM
Liebe Luise Pusch,
mein Anliegen hat nur entfernt mit der Duldungsstarre zu tun (wobei ich wiederum gehört habe, dass die Sau keineswegs duldet sondern zu multiplen Orgasmen fähig sei - wobei ich mich fragte, wie mann das herausgefunden haben will?!) Frauen dulden ja auch andere Dinge als nur Ehegatten. So dulde ich es beispielsweie klaglos, dass auf Amazon, wo ich voll nachösterliche Freude das neue Buch bestellen wollte, nur “Luise Pusch (Autor)” bekannt ist. Schade. Ich hätte gerne noch weitere Bücher von “Luise Pusch (Autorin)” bestellt.
Es tut mir furchtbar leid (für Amazon). Ihre herzhaften Glossen haben mein Weltbild verändert. Ich fühle mich nur noch gemeint, wenn ich auch gemeint bin, und verzichte auf das Mitgemeint-Sein. Was ja auch so eine Art Duldungsstarre ist, das sich mitgemeint-fühlen.
Aber wo bestelle ich nun das Buch von “Lusie Pusch (Autorin)”? Egal. Ich dulde eben, dass meine geschätzte Autorin sprachlich zum Mann gemacht wird, ich dulde es, damit ich sie überhaupt lesen kann. So wie viele Frauen die Ehe nur dulden, um überhaupt leben zu können.
Schwierige Sache, das. Ich werde eine Buchhändlerin finden, die die Autorin Luise Pusch führt, und dort ihr neues Buch kaufen. Ganz nach dem Motto: Schluss mit der Duldungsstarre!
Es grüßt
Eine Undine
Undine on 04/18 at 08:56 AM











