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Amalie Sieveking

geboren am 25. Juli 1794 in Hamburg
gestorben am 1. April 1859 in Hamburg

deutsche Philanthropin und Sozialarbeiterin


Vor rund 150 Jahren hatte eine Hamburger Bürgerin eine ... Idee. In den Berichten der Hamburger Armenärzte war immer wieder die Rede von rachitischen Kindern, die aus ihren dunklen Hinterhauswohnungen zu wenig an die frische Luft kamen ... Kinderwagen waren für arme Leute unerschwinglich. Amalie Sieveking ließ also Kinderwagen anfertigen und… [beauftragte] arbeitslose Männer…, gegen Entgelt Kinder auszufahren. »Wir erreichten dadurch einen dreifachen Zweck: für die Kleinen geschah… das Zweckmäßigste…, einem armen Mann war die Gelegenheit gegeben, täglich einige Schillinge zu verdienen, und der Mutter wurden endlich freie Stunden verschafft.« (Renate Wilke)

Amalie SievekingDiese unkonventionelle Verknüpfung mehrerer Anliegen – z. B. der Einsatz für die Belange von Frauen, praktische Hilfe zur Selbsthilfe und die Verwirklichung des Gebots der Nächstenliebe – ist typisch für Sieveking. Die meisten ihrer heute so selbstverständlich erscheinenden Ideen zur Sozialarbeit hat sie aus ihren eigenen Erfahrungen entwickelt.

1809 ist sie mittellose Vollwaise. Eine Berufsausbildung ist für eine »höhere Tochter« undenkbar (ihre beiden Brüder allerdings können studieren), und so geht die Siebzehnjährige zu einer verwitweten Verwandten, um deren schwerkranken Sohn zu pflegen.
Nach dessen Tod sieht sie einerseits das Elend in ihrer französisch besetzten Heimatstadt und andererseits, dass auch ihr das Leben einer unerfüllten und missachteten »alten Jungfer« droht. So ruft sie »Frauen und Jungfrauen« zur Fürsorgetätigkeit, später auch zur Pflege Cholerakranker auf. Ihr Appell bleibt ungehört. Kurzerhand nimmt die Senatorentochter allein den Dienst in der Klinik auf – obgleich Krankenpflege zu ihrer Zeit nur von niederem, ungeschultem Personal ausgeübt und dementsprechend gering geachtet wurde –, und ihr Einsatz hat Erfolg.

Amalie SievekingMit wachsendem evangelischem Engagement nutzt sie das Potential der unterforderten und unselbständig gehaltenen Frauen von Stand für ihren ausschließlich aus Frauen bestehenden und von Frauen geleiteten (»Das Bedürfnis, einen Mann an die Spitze des Ganzen zu stellen, wird von uns… nicht empfunden«) weiblichen Verein für Armen- und Krankenpflege, aber auch für die Berufs- und Arbeitsbeschaffung, für den Bau von Wohnungen und Kliniken.

Ihre Kindheit empfand Amalie Sieveking als eher unfroh, den Hausunterricht als ungenügend und trocken, entdeckt aber bei sich eine natürliche pädagogische Begabung: von 1813 bis zum Tode ist sie eine begeisternde Erzieherin junger Mädchen. Über 30 Jahre lang arbeitet sie, als Frau!, auch an ihren theologischen Veröffentlichungen.

Text zum 200. Geburtstag aus dem Kalender »Berühmte Frauen 1994«

Swantje Koch-Kanz


Quellen

Kuessner, Theodor (1986): Die Erweckungsbewegung in Hamburg im Spiegel der Briefe, Tagebücher und theologischen Schriften Amalie Sievekings.
Hamburg. Wittig. (Arbeiten zur Kirchengeschichte Hamburgs, 16) ISBN 3-8048-4305-0.
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Poel, Emma (1860): Denkwürdigkeiten aus dem Leben von Amalie Sieveking, in deren Auftrage von einer Freundin derselben verfaßt.
Vorwort von Johann Hinrich Wichern. 2., revidierte Auflage. Hamburg. Agentur des Rauhen Hauses. (Lebensbilder aus der Geschichte der Inneren Mission, 12)
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Salomon, Alice (1936): Amalie Sieveking.
In: Salomon, Alice: Heroische Frauen. Lebensbilder sozialer Führerinnen. Zürich, Leipzig. Verlag für Recht und Gesellschaft. S. 102–139.
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Suhr 1990 – Amalie Sieveking oder Ein WegSuhr, Ulrike (1990): Amalie Sieveking oder Ein Weg in die Selbständigkeit.
In: Walter, Karin (Hg.): Sanft und rebellisch. Mütter der Christenheit – von Frauen neu entdeckt. Freiburg im Breisgau, Basel, Wien. Herder. ISBN 3-451-21861-5. S. 101–116
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Wilke, Renate (1981): Fortschrittliche Konservative: Amalie Sieveking.
In: Schmidt-Biesalski, Angelika (Hg.): Lust, Liebe und Verstand. Protestantantische Frauen aus 5 Jahrhunderten. Gelnhausen, Berlin, Stein. Burckhardthaus-Laetare-Verlag (Laetare-Frauenprogramm). ISBN 3-7664-0103-3. S. 56–84
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Weiterführende Literatur
Hinweis: Dies sind keine Literaturempfehlungen, sondern die zum Thema erschienenen Titel – ohne Wertung unsererseits.

Bunsen, Christian Carl Josias von (1842): Elisabeth Fry an die christlichen Frauen und Jungfrauen Deutschlands. Als Anhang ein Vortrag von Amalia Sieveking.
Horn bei Hamburg.
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Härtel, Klaus-Dieter (1980): Sie zeigen uns den Weg. Leitbilder 2.
Giessen. Brunnen-Verlag. (ABC-Team Werkbücher, 838) ISBN 3-7655-2838-2.
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Haug 1982 – Sie fanden den Weg

Heidenreich, Grolle 2005 – Wegbereiter der Diakonie

Hildebrandt 2005 – Immer gegen den Wind

Haug, Martin (1958): Sie fanden den Weg. Neun Frauenschicksale.
Stuttgart. Calwer Verlag; Calwer. 1982. ISBN 3-7668-0084-1.
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Heidenreich, Ulrich; Grolle, Ingeborg (2005): Wegbereiter der Diakonie. Johann Wilhelm Rautenberg, Amalie Sieveking.
Bremen. Edition Temmen. (Hamburgische Lebensbilder, 18) ISBN 3-86108-057-5.
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Heinrich, Uwe (1984): Glaube und soziale Frage bei Amalie Sieveking.
Examensarbeit. Hamburg. Universität.
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Hildebrandt, Irma (2005): Immer gegen den Wind. 18 Hamburger Frauenporträts.
München. Piper. (Serie Piper, 4349) ISBN 978-3-492-24349-0.
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Koch, Katrin (2000): Das Bild der Frau im Lebensentwurf und dem öffentlichen Wirken von Amalie Sieveking.
Abschlussarbeit. Heidelberg. Universität – Diakoniewissenschaftliches Institut.


Schmidt-Schell, Erich (1982): Gottes Liebe ging durch Hamburgs Strassen. Aus dem Leben von Amalie Sieveking.
Lahr-Dinglingen. Verlag der St.-Johannis-Druckerei Schweickhardt. (Palmzweig) ISBN 3-501-12123-7.
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Sieveking, Amalie (1823): Betrachtungen über einzelne Abschnitte der Heiligen Schrift.
Hamburg.
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Sieveking, Amalie Wilhelmine (1827): Beschäftigungen mit der heiligen Schrift.
Hamburg. Perthes u. Besser.
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Sieveking, Amalie (1843): Die Holsteinische Küche. Neuestes, vollständiges und auf wirkliche Erfahrung gegründetes Kochbuch für Hausfrauen und Köchinnen.
Hamburg. Verlag der Hamburg-Altonaer Buchhandlung in St. Pauli.
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Sieveking, Amalie Wilhelmine (1850): Aufruf an die christlichen Frauen und Jungfrauen Deutschlands.
Sonderdruck. Hamburg. Langhoff.
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Sieveking, Amalie Wilhelmine (1854): Arbeit der Frauen in Vereinen für Armen- und Krankenpflege. Ein Briefwechsel zweier Freundinnen.
Berlin. Hertz.
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Sieveking, Amalie Wilhelmine (1855): Unterhaltungen über einzelne Abschnitte der heiligen Schrift.
Leipzig. Mayer.
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Sieveking, Amalie Wilhelmine (1856): Vermächtniss für meine jungen Freundinnen, zunächst für Diejenigen, welche mich von Angesicht kennen.
Leipzig. Mayer.
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Teske, Martin (1995): Frauen gestalten die Welt. Roswitha von Gandersheim, Hildegard von Bingen, Elisabeth von Thüringen, Katharina von Bora, Christiane Erxleben, Amalie Sieveking, Bertha von Suttner, Rosa Luxemburg.
Lüneburg. Jansen. 2000. ISBN 3-928954-36-9.
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Weigelt, Horst (Hg.) (1980): Gotthilf Heinrich von Schubert und Amalie Sieveking in ihrem Briefwechsel.
Sonderdruck. Erlangen. Verlag Universitätsbund Erlangen-Nürnberg.
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Wierk, Silke (1993): Das Frauenbild und die Initiativen der Amalie Sieveking.
Examensarbeit Theologie. 2 Bände. Hamburg. Universität.
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Bildquellen

DHM
Wikimedia Commons
NDR

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