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Angelina Grimké

geboren am 20. Februar 1805 in Charleston, South Carolina
gestorben am 26. Oktober 1879 in Hyde Park bei Boston, Massachusetts

US-amerikanische Abolitionistin und Feministin


Angelina Grimké und ihre Schwester Sarah, Pionierinnen der Bewegung gegen die Sklaverei, waren die ersten, die den Zusammenhang zwischen der Unterdrückung der Frau und der Versklavung schwarzer Menschen im patriarchalischen System erkannten. Durch ihre Schriften und ihre Auftritte als Rednerin und Publizistin war Angelina nicht nur von ausschlaggebender Bedeutung in der AbolitionistInnen-Bewegung, sondern sie half auch späteren Generationen von Frauen, sich als emanzipierte, gleichberechtigte Bürgerinnen zu verstehen.

Angelina war die letzte von vierzehn Kindern einer angesehenen sklavenhaltenden Familie aus Charleston in Süd-Carolina. Schon als junges Mädchen entwickelte sie einen leidenschaftlichen Haß auf die Greuel des Sklavensystems. Unbeirrt und unermüdlich versuchte sie, ihre Familie und alle ihre Bekannten von ihrer Sicht zu überzeugen. Als sie 1829 endlich einsehen mußte, daß sie als Einzelne dieses System nicht ändern konnte, verließ sie ihre Heimat und zog nach Philadelphia, wohin ihre dreizehn Jahre ältere Schwester Sarah schon 1821 aus religiösen Grunden geflohen war.

Philadelphia, damals die wichtigste Stadt Amerikas, war auch Zentrum der fortschrittlichen Quäker, die Frauen geistige und geistliche Ebenbürtigkeit garantierten. Die konvertierte Sarah wollte zuerst Predigerin werden. Früher noch als Sarah war Angelina von ihrer Berufung zur Abolitionistin überzeugt. Sie fing an, sich durch Lektüre und Vorträge über das Thema zu informieren, und schrieb in einem Brief an den radikalen Abolitionisten William Lloyd Garrison: “This is a cause worth dying for.” (“Für dieses Anliegen lohnt es sich zu sterben.”) Als Garrison den Brief ohne ihr Wissen veröffentlichte, wurde sie von ihrer Familie und ihrer Gemeinde scharf kritisiert, aber sie weigerte sich, ihre Worte zuruckzunehmen.

Stattdessen schrieb sie das Pamphlet “An Appeal to the Christian Women of the South” (Ein Appell an die christlichen Frauen des Südens, 1836), in dem sie die Frauen in den sklavenhaltenden Bundesstaaten aufrief, gegen das unchristliche System zu protestieren. Diese Schrift einer Tochter aus einer angesehenen christlichen Südstaatenfamilie erregte Aufsehen und hatte zur Folge, daß Angelina ihrer Familie, ihren FreundInnen und der Quäkergemeinde entfremdet und aus der Stadt Charleston verbannt wurde. Die unerschrockene junge Frau, jetzt aktives Mitglied der “American Women Against Slavery”, ging konsequent ihren Weg und verfaßte als Manifest für deren Treffen 1837 einen Aufruf an die Frauen in den “sogenannten freien Staaten”, ihre eigene Mitverantwortung zuzugeben und selbst gegen dieses System aufzutreten.

Sarah Grimké verließ die Quäker wieder, weil sie Schwarze diskriminierten und begann, mit Angelina gegen die Sklaverei zu reden und zu schreiben. Sie schilderten zuerst vor kleinen Gruppen von Frauen, bald aber auch vor großem gemischtem Publikum die Grausamkeit der Sklaverei aus eigener Anschauung. In einem Jahr sprachen sie in 88 Versammlungen vor mehr als 40 000 Menschen. Vor allem Angelina war eine begabte Rednerin, die das Publikum bewegte und begeisterte.

Aber Sarah und Angelina mußten auch für ihr eigenes Recht kämpfen, sich als Frauen überhaupt eine politische Meinung zu bilden und sie öffentlich, auch vor Männern und nicht nur in kleinen Nähzirkeln, zu vertreten. Die berühmtere Angelina wurde als unweiblich, moralisch verworfen und teuflisch verschrien und “Devil-ina” (statt Angel-ina) geschimpft.

Angesichts der wachsenden Begeisterung der Frauen Neu-Englands fühlten sich die Männer in geistlichen Kreisen von den Auftritten und Ideen der Grimkés in ihrer Autorität bedroht und tadelten in einem 1837 herausgegebenen Hirtenbrief die Aktivitäten der Schwestern, die zu einem “Gefahrenherd geworden [sind], der gegenwärtig dem weiblichen Charakter großen und dauernden Schaden zuzufügen droht.” Als Antwort auf diese scharfe und weit verbreitete Attacke verfaßte Sarah ihre Briefe über “Die Gleichheit der Geschlechter und die Lage der Frauen” (1838), worin sie die biblischen Argumente der Kirchenmänner für die Unterordnung der Frau völlig demolierte und damit die Forderungen der heutigen Frauenbewegung vorwegnahm.

Angelina hatte sich schon 1837 in öffentlichen Briefen an die konservative Catherine Beecher mit diesem Thema auseinandergesetzt: “The investigation of the rights of the slave has led me to a better understanding of my own.” Sie verlangte für Frauen das Recht auf Mitgestaltung der Gesetze, unter denen sie leben mußten. Ein Höhepunkt in Angelinas Karriere als Rednerin kam, als sie 1837, als erste Frau in der Geschichte des Landes, vor einer gesetzgebenden Versammlung sprach und dem Parlament von Massachusetts eine Petition mit 20 000 Unterschriften von Frauen gegen die Sklaverei vorlegte.

Nach der Heirat Angelinas mit dem gemäßigten Abolitionisten Theodore Weld zogen sich die Schwestern allmählich aus dem öffentlichen Leben zuruck. Aber noch im Alter engagierten sie sich für die Rechte der Frauen: 1870 marschierten sie durch einen Schneesturm, um zu wählen und dadurch das Männer–Stimmrecht gerichtlich verhandel- und damit angreifbar zu machen.

Joey Horsley

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