Ausdruck von: http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/annette-von-droste-huelshoff
Annette von Droste-Hülshoff
geboren am 10. Januar 1797 auf Schloß Hülshoff bei Münster
gestorben am 24. Mai 1848 in Meersburg
deutsche Dichterin und Komponistin
215. Geburtstag am 10. Januar 2012

Annette von Droste-Hülshoff, die einzige Schriftstellerin, die in keiner deutschen Literaturgeschichte fehlt und eine der wenigen Frauen, deren Porträt einen deutschen Geldschein zierte, kämpfte ein Leben lang gegen die Erwartungen ihres Standes und ihrer Familie, die literarische Leistungen, gar von einer Frau, nicht ernstnahmen und öffentliches Auftreten grundsätzlich ablehnten. Drostes eigene Ambivalenz ihrer weiblich-ständischen und ihrer dichterischen Rolle gegenüber prägt fast all ihre Arbeiten und trägt sehr zu ihrer heutigen Wirkung bei. Die mikroskopisch genau beobachteten Bilder ihrer Naturlyrik und Balladen vermitteln in ihren oft geheimnisvollen, schauerlichen Stimmungen, mit ihren Spiegelbildern und DoppelgängerInnen psychologische Einsicht in die Gespaltenheit des modernen Menschen. Die geniale Kriminalerzählung Die Judenbuche verweist auf die Unsicherheit aller Erkenntnis. Der Gedichtzyklus Das geistliche Jahr gilt als wichtigstes Werk der religiösen Dichtung im 19. Jahrhundert. Aber auch diese Gedichte sind geprägt von Zweifeln, die höchst modern anmuten: »Mein Wissen musste meinen Glauben töten!«

Das ländliche Leben auf Schloss Hülshoff und im Rüschhaus war trotz Gesellschaften, Vorlesen und Musizieren oft einsam und langweilig; ständig war jemand krank und musste gepflegt werden. Annette war zeitlebens selbst oft krank. Literarische Anregung und Ermutigung bekam sie von FreundInnen in Münster, Köln und Bonn, darunter Frauen wie Johanna und Adele Schopenhauer. Die Freundschaft mit dem fast 18 Jahre jüngeren Levin Schücking war entscheidend für ihre schöpferische Entwicklung. In den Monaten, die sie 1841-42 bei ihrer Schwester Jenny in Meersburg am Bodensee verbrachten, spornte er die Dichterin an, Die Judenbuche abzuschließen und mehr als 50 Gedichte (darunter über ein Dutzend Balladen) zu schreiben. Droste war zutiefst enttäuscht, als er Meersburg verließ und ein Jahr darauf heiratete. Sie starb 1848 mit 51 Jahren. Ihr Ruhm stand noch ganz am Anfang.
(Der Text wurde 1996 verfasst.)
Joey Horsley
Quellen
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Droste-Hülshoff, Annette von (1978-2000): Werke, Briefwechsel. Historisch-kritische Ausgabe. Herausgegeben von Winfried Woesler. 28 Bände. Tübingen. Niemeyer.
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Maurer, Doris (1982): Annette von Droste-Hülshoff. Ein Leben zwischen Auflehnung und Gehorsam. Biographie. Bonn. Keil. ISBN 3-921591-22-8.
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Morgan, Mary E (1984): Annette von Droste-Hülshoff. A biography. New York. Lang (American University Studies. Series 1: Germanic languages and literature, 23). ISBN 0-8204-0036-X.
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Röbling, Irmgard (1988): Heraldik des Unheimlichen. Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848). Auch ein Portrait. In: Brinker-Gabler, Gisela (Hg.): 19. und 20. Jahrhundert. München. Beck (Deutsche Literatur von Frauen, 2). ISBN 3-406-33021-5. S. 41–68.
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Shafi, Monika (1993): Annette von Droste-Hülshoff. In: Hardin, James; Mews, Siegfried (Hg.): Nineteenth-century German writers to 1840. Detroit. Gale Research (Dictionary of literary biography, 133). ISBN 0-8103-5392-X. S. 49–60.
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