Ausdruck von: http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/audre-lorde

Audre Lorde

US-amerikanische Dichterin und Aktivistin
geboren am 18. Februar 1934 in New York, New York
gestorben am 17. November 1992 in Christiansted, St. Croix, U.S. Virgin Islands
15. Todestag am 17. November 2007


“Ich bin schwarz, lesbisch, Feministin, Kriegerin, Dichterin, Mutter.” So beschrieb Audre Lorde die vielfältige Identität, aus der ihr Leben und Schreiben Kraft und Richtung bezog. Durch ihre das Leben genau beobachtenden und befragenden Gedichte und Essays wurde Lorde zu einer der wichtigsten Theoretikerinnen der Frauenbewegung der 70er und 80er Jahre. Eine Kultfigur für junge Feministinnen jeglicher Hautfarbe, lehrte sie uns damals neue Denkweisen, die uns heute als selbstverständlich gelten. Vor allem wies sie uns auf die Notwendigkeit hin, über unsere Unterschiede nachzudenken und zu sprechen, damit sie nicht trennende Kluft bleiben, sondern eine Quelle der Kraft und tieferen Verbindung werden.

Audrey Geraldine Lorde war die Tochter von ImmigrantInnen aus Grenada, die sich in Harlem niederließen. Die katholischen Schulen, die sie besuchte, waren eine Erziehung im Anders-Sein, brachten Audre (wie sie sich selbst nannte) neue Erfahrungen als Schwarze im weißen Amerika. Um ihre Gefühle auszudrücken, schrieb sie Gedichte.
Lorde studierte 1954–59 am Hunter College und lernte in Greenwich Village die Kultur der schwulen Bars kennen, die sie in ihrem “mythobiographischen” Buch Zami (1980) beschreibt. Während der 60er Jahre arbeitete sie als Blibliothekarin, heiratete und bekam zwei Kinder. Die Ehe wurde geschieden, und Lorde lebte bis an ihr Lebensende mit Frauen. Sie veröffentlichte Gedichte und engagierte sich in der BürgerInnenrechts-, Antikriegs- und Frauenbewegung.

1968 ging Lorde als “poet in residence” ans Tougaloo College, Mississippi. Diese Erfahrung bestärkte sie in ihrer Überzeugung, daß Dichtung kein überflüssiger Luxus sei, sondern notwendig zum Überleben. Mit anderen Aktivistinnen engagierte sich Audre Lorde für Frauen in Südafrika und gründete einen Verlag von und für farbige Frauen (Kitchen Table: Women of Color Press). Sie lehrte am Hunter College der City University of New York, wo sie 1987 den Thomas–Hunter–Lehrstuhl innehatte. 1991 bis 1993 war sie Poet Laureate des Bundesstaates New York. Durch Workshops und Seminare, die sie in Berlin abhielt, spielte Lorde beim Beginn der afrodeutschen Frauenbewegung auch eine Rolle.

1977 bis 1979 schrieb sie – als eine der ersten aus der Perspektive einer afroamerikanischen Lesbe – über ihre Erfahrung mit Brustkrebs (The Cancer Journals, 1980; Krebstagebuch 1994). Sie wollte Kraft und Wissen aus ihrem Leiden schöpfen und weitergeben, wie sie auch in dem 1988 erschienenen A Burst of Light (Lichtflut) über den Sinn des Leberkrebses nachdachte, der ihr schließlich das Leben nahm.

Zitate:

“The master’s tools will never dismantle the master’s house.” (Das Werkzeug des Meisters wird niemals das Haus des Meisters niederreißen.)

“When I dare to be powerful – to use my strength in the service of my vision, then it becomes less and less important whether I am afraid.” (Wenn ich es wage, kraftvoll zu sein - meine Stärke im Dienst meiner Vision einzusetzen, dann wird es immer weniger wichtig, ob ich Angst habe.)

“I have come to believe over and over again that what is most important to me must be spoken, made verbal and shared, even at the risk of having it bruised or misunderstood.” (Ich bin zu der Überzeugung gekommen, wieder und wieder, daß das, was mir am wichtigsten ist, ausgesprochen, in Worte gefaßt und mit anderen geteilt werden muß, auch auf die Gefahr hin, daß es dabei entstellt oder mißverstanden wird.)

“The struggle with cancer now informs all my days, but it is only another face of that continuing battle for self-determination and survival that black women fight daily, often in triumph.” (Der Kampf gegen den Krebs bestimmt nun alle meine Tage, aber es ist nur eine andere Seite des fortgesetzten Kampfes um Selbstbestimmung, den schwarze Frauen jeden Tag kämpfen, oft siegreich.)

Joey Horsley

Audre Lorde in der Deutschen Nationalbibliothek

Busch, Alexandra & Dirck Linck. Hg. 1999 [1997]. Frauenliebe - Männerliebe: Eine lesbisch-schwule Literaturgeschichte in Porträts. Frankfurt/M. Suhrkamp.

Dictionary of Literary Biography. 1978ff. Detroit. Gale Research Company.

Lorde, Audre. Zami: Eine Mythobiographie. Berlin. Orlanda.

Lorde, Audre. 1984. Sister Outsider. Essays and Speeches. Trumansberg, NY. Crossing.

Lorde, Audre. 1988. Lichtflut. Berlin. Orlanda.

Lorde, Audre. 1994. Die Quelle unserer Macht. Berlin. Orlanda.

Lorde, Audre. 1994 [1980]. Auf Leben und Tod: Krebstagebuch. [=The Cancer Journals.]. Aus d. am. Engl. von Renate Stendhal. Berlin. Orlanda.

Lorde, Audre. 1996 The Audre Lorde Compendium: Essays, Speeches and Journals. Einleitung Alice Walker. London. Pandora.

Lorde, Audre. 1997. The Collected Poems of Audre Lorde. New York. Norton.