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Aung San Suu Kyi

geboren am 19. Juni 1945 in Rangun, Burma

burmesische Friedensnobelpreisträgerin (1991)
Bürgerrechtlerin, Freiheitskämpferin, Oppositionsführerin, Menschenrechtsaktivistin
65. Geburtstag am 19. Juni 2010


“The Lady” wird die Oppositionspolitikerin in ihrer Heimat Burma (heute: Myanmar) genannt - wegen ihrer würdevollen Ausstrahlung, ihrer zarten Figur und eleganten Kleidung und der Blume, die sie stets im Haar trägt.

Das Schicksal Aung San Suu Kyis wurde weltweit erst bekannt, als sie 1991 den Friedensnobelpreis für ihren gewaltfreien Kampf für Demokratie und Menschenrechte in Burma bekam. Da stand sie bereits zwei Jahre unter Hausarrest mit beinahe totaler Isolation. Die Ehrung kann sie nicht persönlich in Empfang nehmen, ohne Gefahr zu laufen, nie wieder in ihre Heimat zurückkehren zu dürfen.

Suu Kyi war durch das Schicksal ihres Vaters Aung San geprägt. Der General kämpfte erfolgreich für Burmas Unabhängigkeit von englischer Kolonialherrschaft, wurde aber 1947 kurz vor dem Ziel Opfer eines Attentats. Er wäre Burmas erster frei gewählter Präsident geworden.

Zu dem Zeitpunkt ist Soo Kyi erst zwei Jahre alt. Ein Leben lang interessiert sie sich aber für ihn und sein Wirken. Die Mutter Khin Kyi ist an dieser Verehrung nicht ganz unschuldig, denn sie prägt den Kindern ein, das besondere Erbe des Vaters zu achten.

Aung San Soo Kyi erhält ihre Schulbildung in Indien, wo ihre Mutter als erste weibliche Botschafterin Burmas wirkt. Dort lernt sie an den besten Schulen und schließt Freundschaft mit Indira Gandhi und deren Söhnen Rajiv und Sanjay. Zunächst studiert sie in Delhi Politikwissenschaft, später in Oxford Philosophie, Politik- und Wirtschaftswissenschaft. Sie arbeitet in New York bei der UNO und mit ihrem Mann, dem Tibetologen Michael Aris, in Bhutan. Die beiden haben zwei Söhne.

Während Suu Kyi in Kyoto und in Indien lehrt und forscht - auch über die jüngste burmesische Geschichte sowie die Rolle ihres Vaters - wird Burma unter dem brutalen Diktator Ne Win von der Außenwelt abgeschottet.

Suu Kyis Leben ändert sich völlig, als sie 1988 zu ihrer todkranken Mutter nach Burma zurückkehrt - mitten in politische Unruhen hinein: auf den Straßen demonstriert das Volk für demokratische Reformen. Burmas “zweiter Kampf für Unabhängigkeit” (Aung San Soo Kyi) beginnt.

Die Bürgerrechtlerin kann als Tochter ihres Vaters nicht gleichgültig zusehen, wie sie sagt, wird politisch aktiv und bald zur Symbolfigur. Trotz Bedrohung durch Waffengewalt und Versammlungsverbot reist sie im Wahlkampf für die von ihr mitgegründete Nationale Liga für Demokratie, NLD, durchs Land und predigt unerschrocken zivilen Ungehorsam. Ihren grandiosen Wahlsieg im Frühjahr 1990 ignoriert die politische Führung jedoch und verhaftet, foltert und tötet viele Oppositionelle; Aung San Suu Kyi wird unter Hausarrest gestellt.

Doch so schnell ist sie nicht mundtot zu machen. Durch einen zehntägigen Hungerstreik erzwingt sie die Zusage, dass ihre MitstreiterInnen in der Haft gut behandelt werden.

FrauenbildIm Juli verleiht ihr das europäische Parlament den Sacharow-Preis und im selben Jahr erhält sie für ihren gewaltlosen Kampf für Menschenrechte den Friedensnobelpreis - die Welt wird auf ihr Schicksal und das ihres Landes aufmerksam.

Nach sechs Jahren wird ihre Gefangenschaft unter strengen Auflagen erstmals aufgehoben und sie kann ausländische JournalistInnen empfangen. Zwei Jahre später ist sie wieder in Haft. Die Isolation erträgt die Buddhistin nur durch strenge Disziplin, mit Meditation, Nähen, Gymnastik, Klavierspiel und Sprachenlernen (Französisch und Japanisch).

Ihr Gesundheitszustand verschlechtert sich während der langen Gefangenschaft rapide, vor allem wegen der verheerenden Ernährung, denn sie nimmt kein Geld von den Machthabern an. Trotzdem lehnt sie jedes Angebot der Militärjunta ab, zu deren Bedingungen das Land zu verlassen. Um Burma in seinem Freiheitskampf treu zu bleiben, verzichtet sie sogar darauf, ihren todkranken Mann und ihre Söhne wiederzusehen. 1999 stirbt Michael Aris an Krebs.

Seit Mai 2003 ist Burmas Hoffnungsträgerin wieder unter Hausarrest.

Cornelia Heuer

Aris, Michael. Hg. 1991. Aung San Soo Kyi, Trägerin des Friedensnobelpreises 1991. München. Heyne.

Aung San Soo Kyi. 1991. Freedom from Fear and other Writings. Hg. Michael Aris. London. Penguin.

Aung San Suu Kyi. 1999. Der Weg zur Freiheit: Gespräche mit Alan Clements [=The Voice of Defiance]. Erg. durch Gespräche mit U Kyi Maung und U Tin Oo. Aus dem Engl. von Udo Rennert. Bergisch Gladbach. Bastei-Lübbe.

Kerner, Charlotte. Hg. 1997. Madame Curie und ihre Schwestern: Frauen, die den Nobelpreis bekamen. Weinheim. Beltz & Gelberg.

Klein, Edwin. 1995. “The Lady triumphs”, Interview in: Vanity Fair, Oktober 1995.