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Caroline von Brandenburg-Ansbach
geboren am 1. März 1683 in Ansbach
gestorben am 1. Dezember 1737 in London
Gemahlin von Georg II., englische Königin
275. Todestag am 1. Dezember 2012
Caroline von Brandenburg-Ansbach, die erste Hannoveranerin auf dem englischen Thron, muss eine beachtliche Persönlichkeit gewesen sein. Obwohl nur »Queen Consort« (Königsgemahlin), nahm sie großen Einfluss auf die englische Politik und verschaffte sich selbst und der in England anfangs gar nicht beliebten Welfendynastie Respekt.

Geboren 1683 im mittelfränkischen Ansbach als Prinzessin aus einer Nebenlinie des Hauses Hohenzollern, kam sie als 13-jährige Waise nach Berlin, wo sie von ihrer Patin, der aufgeschlossenen Kurfürstin Sophie Charlotte, eine ausgezeichnete Ausbildung erhielt. Dort lernte sie u.a. den Philosophen Leibniz kennen, mit dem sie auch später als englische Königin noch einen regen Briefwechsel unterhielt.
Mit 22 – sie war intelligent und charmant, blond, blauäugig und pummelig, kurz, eine äußerst begehrte Partie – heiratete sie in Herrenhausen Georg August, den Enkel der Kurfürstin Sophie von Hannover, die zugleich englische Erbprinzessin war. Die Verbindung war ungewöhnlich – obwohl häufig Opfer seiner unkontrollierten Wutausbrüche, verhielt Caroline sich stets loyal zu ihrem Ehemann, während er seiner bewunderten Gattin seitenlange Liebesbriefe schrieb (»nichts in meinem Herzen ist dir verborgen«), in denen er sie detailreich Anteil nehmen ließ an seinen außerehelichen Affären. Ihre dynastischen Pflichten erfüllte Caroline vorbildlich, zwischen 1707 und 1724 brachte sie neun Kinder zur Welt, von denen sieben überlebten.

1714 kam die große Wende in ihrem Leben: Georg Augusts Vater wurde als Georg I. auf den englischen Thron gerufen, Caroline war damit erste Dame des Landes, da der König seine geschiedene Ehefrau in Deutschland zurückließ. Engagiert verschrieb sie sich der neuen Aufgabe. Im Gegensatz zu Mann und Schwiegervater, die der Sprache des von ihnen beherrschten Landes kaum mächtig waren, lernte sie fließend Englisch. Besonders ihr diplomatisches Geschick war gefragt – in einem jahrelang schwelenden Konflikt zwischen Georg I. und seinem Sohn (der zeitweise zur Verbannung des Thronfolgerpaares aus dem Londoner St. James Palast geführt hatte) versuchte sie zu vermitteln, 1720 gelang es ihr mit Hilfe von Robert Walpole, dem Premierminister, die Aussöhnung herbeizuführen.
1727 starb – wenig betrauert von seinen Untertanen – Georg I., und Caroline, inzwischen 44 Jahre alt, wurde an der Seite ihres Mannes zur Königin gekrönt. Sie konnte ihren Vertrauten Walpole im Amt halten, und gemeinsam mit dem Premierminister bestimmte sie die englische Politik der kommenden zehn Jahre – eine Zeit, in der das Land in keinen der europäischen Konflikte verwickelt war und der koloniale Einfluss in Nordamerika und Indien ausgedehnt wurde.
Obwohl ihr etwas tumber Ehemann kein Verständnis für ihre geistigen Interessen hegte, unterstützte sie Literaten (u.a. Voltaire) und Künstler (ganz besonders, gemeinsam mit ihrer hochmusikalischen Tochter Anna, den Komponisten Händel). Besonders bedeutsam war ihre Rolle als Förderin des sich im 18. Jahrhundert entwickelnden englischen Gartenbaustils – für verschiedene Residenzen (Richmond Lodge, Kensington Gardens und Hampton Court) gab sie umfangreiche Baumaßnahmen und Neugestaltungen der prächtigen Gartenanlagen u.a. bei dem bekannten Architekten William Kent in Auftrag.
Auch im privaten Umfeld verstand sie, sich durchzusetzen. Die Beziehungen des Königs zu seinen Mätressen hatte sie mehr oder weniger unter Kontrolle – so war z.B. Henrietta Howard, langjährige »maitresse en titre«, zugleich ihre Kammerfrau. Und auch in der Konkurrenz zu ihrem wenig regierungstauglichen Erstgeborenen, Friedrich Ludwig, behielt sie die Oberhand: Wenn immer Georg II. sich zu seinen häufigen, langen Besuchen in Hannover aufhielt, bestimmte er Caroline zur Regentin und nicht – sehr zu dessen Verbitterung – seinen ungeliebten Sohn.

Im Sterben war sie so diszipliniert wie im Leben. Jahrelang litt sie im Geheimen unter schrecklichen Unterleibsschmerzen, wahrscheinlich Folgen eines Nabelbruchs bei der Geburt ihres letzten Kindes. Mit 54 starb sie – nachdem die Ärzte noch eine hoffnungslose Operation (ohne Betäubung!) vorgenommen hatten. Georg II. trauerte heftig und lange, er überlebte seine Königin um 23 Jahre. Seite an Seite sind sie in der Westministerabtei beigesetzt.
Andrea Schweers
Quellen (Internet)
1 Britannica Online Encyclopedia: Caroline of Brandenburg-Ansbach, or Karoline von Brandenburg-Ansbach (queen of Great Britain).
2 Morley, James: Richmond Lodge & the early development of Richmond Gardens.
3 Kensington Gardens – The Queen’s gardens. The Royal Parks, Department of Culture, Media, and Sport.
4 Wikipedia: Caroline von Brandenburg-Ansbach.
5 Wikipedia (engl.): Caroline of Brandenburg-Ansbach.
Quellen (gedruckte Medien)
Panzer, Marita A. (2001): Englands Königinnen. Von den Tudors zu den Windsors. Regensburg. Pustet. ISBN 3-7917-1749-9.
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Quennell, Peter (1940): Caroline of England. An Augustan portrait. New York. Viking Press.
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Weiterführende Literatur
Arkell, Ruby Lillian (1939): Caroline of Ansbach, George the Second’s queen. London, New York [etc.]. Oxford University Press.
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Borman, Tracy (2007): Henrietta Howard. King’s mistress, queen’s servant. London. Jonathan Cape. ISBN 978-0-224-07606-7.
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Greenwood, Alice Drayton (1909): Lives of the Hanoverian queens of England. London. George Bell and Sons.
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López-Vidriero, María Luisa (2005): The polished cornerstone of the temple. Queenly libraries of the enlightenment. London. British Library (The Panizzi lectures, 2004). ISBN 0-7123-4907-3.
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Mitchell, Laurel Drushel (1985): Path to a throne. A reappraisal of Caroline of Ansbach. Thesis (M.A.). Northwestern State University of Louisiana.
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Plaidy, Jean (1968): Queen in waiting. (=Caroline, the queen). New York. Putnam, 1985 (The Georgian Saga Series, 2). ISBN 9780399131011.
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Van Der Kiste, John (1997): King George II and Queen Caroline. Stroud. Sutton. ISBN 0-7509-1321-5.
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Wilkins, W. H. (1901): Caroline, the illustrious Queen-Consort of George II. and sometime Queen-Regent a study of her life and time,. London, New York [etc.]. Longmans Green.
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Bildquellen
Worldroots.
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