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Clara Zetkin

geboren am 5. Juli 1857 in Wiederau, Sachsen
gestorben am 20. Juni 1933 in Archangelskoje bei Moskau

deutsche Politikerin, Sozialdemokratin
75. Todestag am 20. Juni 2008


„Dann Clara Zetkin mit ihrer ungeheuren Schaffenskraft und ihrer leicht hysterischen Begeisterung, aber ich habe sie sehr gern“, erinnert sich Friedrich Engels in einem Brief an Laura Lafargue, Marx’ Tochter, an Zetkins Auftritt beim Internationalen Arbeiterkongress in Zürich 1893. 1891 war die Sozialistin, Kommunistin, Feministin und Pazifistin nach dem Tod ihres russischen Lebensgefährten Ossip Zetkin mit ihren beiden acht- und neunjährigen Söhnen aus dem Pariser Exil nach Deutschland zurückgekehrt. In Stuttgart übernimmt sie 1892 die Herausgabe der sozialdemokratischen Frauenzeitung Die Gleichheit, für die sie bis 1917 verantwortlich ist. Sie setzt sich für das Recht der Frauen auf Erwerbstätigkeit und für ihre gewerkschaftliche Organisierung ein. Denn mit Frauen, die „den Reichtum ihrer Gefühle in einem Fingerhut oder in einem Kochtopf“ gefangen halten, lässt sich keine Revolution machen. Sie kämpft für das Frauenwahlrecht und die Abschaffung des § 218. Auf ihre Initiative finden ab 1900 parallel zu den Parteitagen Frauenkonferenzen statt, und als dies 1910 von der sozialdemokratischen Führung unterbunden wird, erfindet sie den Internationalen Frauentag.

Clara Zetkin: Münzen, Banknote und Medaille

„Sie spricht wie eine Frau, der außerordentliche Umstände die Kenntnisse und Fähigkeiten eines Mannes gegeben haben, wie eine geniale Frau ... Sie ist einfach die in hohem Grad vollendete Erscheinung der neuen Frau ... die Frau, die dem Mann gleich ist“, schrieb Louis Aragon, der sie 1912 in Basel beim Internationalen Sozialisten-Kongress erlebt. „Die Frau dem Mann gleich“? „Stell Dir vor, Clara hätte ihr Mandat schon und säße mit Rosa im Reichstag! Da würdet ihr erst was erleben ... lächerlich!“ schrieb Victor Adler 1910 höhnisch an Kautsky.

Clara Zetkin auf Briefmarken

Als die SPD-Fraktion am 3. August 1914 die Kriegskredite bewilligt, tritt Clara Zetkin aus der Partei aus und gründet mit Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und anderen 1917 die USPD. 1920 tritt sie der KPD bei und wird Mitglied des Reichstags. „Im Geist“ von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, die im Januar 1919 ermordet worden sind, will sie „unter den Massen und mit den Massen arbeiten und kämpfen.“ Aber die sektiererische Politik der KPD, die der SPD „Sozialfaschismus“ vorwarf, und die zunehmende Stalinisierung der Komintern machten eine Zusammenarbeit der beiden großen Arbeiterparteien unmöglich. Geschwächt, fast blind appellierte die Alterspräsidentin am 30. August 1932 im überfüllten Reichstag, in dem die Naziabgeordneten in SA- und SS-Uniform dominierten, an „die Einheitsfront aller Werktätigen, um den Faschismus zurückzuwerfen“. Ihr Appell blieb ohne Echo.

Susanne Gretter


Quellen

Badia, Gilbert (1994): Clara Zetkin. Eine neue Biographie. Berlin: Dietz.

Dornemann 1957 – Clara Zetkin

Ettinger 1990 – Rosa Luxemburg

Zetkin 1971 – Zur Geschichte der Proletarischen Frauenbewegung


Dornemann, Luise (1957): Clara Zetkin. Ein Lebensbild. Berlin: Dietz.


Ettinger, Elżbieta (1986): Rosa Luxemburg. Ein Leben. Aus dem Engl. von Barbara Bortfeldt. Bonn: Dietz, 1990.


Zetkin, Clara (1971): Zur Geschichte der Proletarischen Frauenbewegung Deutschlands. Frankfurt am Main: Roter Stern.


Weiterführende Literatur

Bauch (Hg.) 1949 – Clara Zetkin


Bauch, Anneliese (Hg.) (1949): Clara Zetkin. Leben und Lehren einer Revolutionärin. Berlin: Dt. Frauenverl. (Bücherei der deutschen Frau).


Bauer, Karin (1978): Clara Zetkin und die proletarische Frauenbewegung. Berlin: Oberbaumverl.


Drabkin, Jakov S. (1988): Die Aufrechten. Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Franz Mehring, Clara Zetkin. Aus dem Russischen von Ines Mietkowska-Kaiser und Gerhard Kaiser. Berlin: Dietz Verlag.


Evans, Richard J.; Sebald, W. G. (1979): Sozialdemokratie und Frauenemanzipation im deutschen Kaiserreich. Berlin: Dietz (Internationale Bibliothek, 119).

Hardel 1964 – Das Mädchen aus Wiederau


Hardel, Lilo (1964): Das Mädchen aus Wiederau. Kinderbuch über Clara Zetkin. Mit Illustrationen von Bernhard Nast. Berlin: Kinderbuchverl.

Hervé (Hg.) 2007 – Clara Zetkin oder


Hervé, Florence (Hg.) (2007): Clara Zetkin oder: Dort kämpfen, wo das Leben ist. Berlin: Dietz Vlg Bln.


Honeycutt, Karen (1975): Clara Zetkin. A left-wing socialist and feminist in Wilhelmian Germany. Ann Arbor, Mich.: Univ. Microfilms.

Klaßen 2003 – Mädchen- und Frauenbildung im Kaiserreich


Klaßen, Angela (2003): Mädchen- und Frauenbildung im Kaiserreich 1871 – 1918. Emanzipatorische Konzepte bei Helene Lange und Clara Zetkin. Würzburg: Ergon-Verl. (Spektrum Politikwissenschaft, 25).

Puschnerat 2003 – Clara Zetkin


Puschnerat, Tânia (2003): Clara Zetkin. Bürgerlichkeit und Marxismus. Eine Biographie. Essen: Klartext-Verl. (Veröffentlichungen des Instituts für Soziale BewegungenSchriftenreihe A, Darstellungen, 25).


Reetz, Dorothea; Zetkin, Clara (1978): Clara Zetkin als sozialistische Rednerin. Leipzig: Verl. für die Frau.


Richebächer, Sabine (1982): Uns fehlt nur eine Kleinigkeit. Deutsche proletarische Frauenbewegung 1890-1914. Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verl. (Fischer-Taschenbücher, 3724).

Weiland 1983 – Geschichte der Frauenemanzipation in Deutschland


Weiland, Daniela (1983): Geschichte der Frauenemanzipation in Deutschland und Österreich. Biographien – Programme – Organisationen. Düsseldorf: Econ-Taschenbuch-Verl. (ETB, 10025 : Hermes-Handlexikon).


Zetkin, Clara (1913): Karl Marx und sein Lebenswerk! Vortrag, gehalten anläßlich seines 30. Todestages in fünf Orten des Niederrheins ; mit einem Anhang Literatur über Marx und von Marx. Elberfeld: Molkenbuhr.

Zetkin 1929 – Erinnerungen an Lenin


Zetkin, Clara (1929): Erinnerungen an Lenin. Wien: Verl. für Literatur und Politik.


Zetkin, Clara (1933): Die imperialistischen Kriege gegen die Werktätigen – die Werktätigen gegen die imperialistischen Kriege. Moskau, Leningrad: Verl. Genossensch. ausl. Arbeiter in der UdSSR.


Zetkin, Clara (1955): Über Literatur und Kunst. Zusammengestellt und herausgegeben von Emilia Zetkin-Milowidowa. Berlin: Henschel.


Zetkin, Clara (1957): Ausgewählte Reden und Schriften. 3 Bände. Berlin: Dietz.


Zetkin, Clara (1957): Über Jugenderziehung. Berlin: Dietz.


Zetkin, Clara (1971): Zur Intellektuellenfrage. Aus dem Referat auf dem 5. Kongress der Kommunistischen Internationale, 7. Juli 1924. Kiel: Rote Zelle Jura.


Zetkin, Clara (1974): Zur Theorie und Taktik der kommunistischen Bewegung. Leipzig: Reclam (Geschichte und Kultur, 549).


Zetkin, Clara (1977): Für die Sowjetmacht. Artikel, Reden und Briefe, 1917-1933. Berlin: Dietz.


Zetkin, Clara; Duncker, Käthe; Borchardt, Julian; Hohendorf, Gerd (1960): Die Erziehung der Kinder in der proletarischen Familie. Quellen zur Pädagogik der deutschen Arbeiterbewegung aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg. Berlin: Volk u. Wissen (Erziehung und Gesellschaft).


Zetkin, Clara; Hohendorf, Gerd (1983): Revolutionäre Bildungspolitik und marxistische Pädagogik. Ausgewählte Reden und Schriften. Berlin: Volk und Wissen (Pädagogische Bibliothek).

Zetkin, Koch 1911 – Kunst und Proletariat


Zetkin, Clara; Koch, Hans (1911): Kunst und Proletariat. Vortrag, gehalten am ersten Künstlerabend des Bildungsausschusses der Stuttgarter Arbeiterschaft. Stuttgart: Verlag des Bildungsausschusses.


Zetkin, Clara; Pieck, Wilhelm (1934): Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Franz Mehring. Den Führern des Spartakusbundes und Gründern der Kommunistischen Partei Deutschlands. Moskau, Leningrad: Verlagsgenossenschaft Ausländischer Arbeiter in der UdSSR.