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Constance Mayer-La Martinière

geboren am 9. März 1775 in Chauny, Picardie
gestorben am 26. Mai 1821 in Paris

französische Malerin
190. Todestag am 26. Mai 2011


Am 27. Mai 1821, morgens um 11 Uhr, verabschiedete sich die 46jährige Malerin Constance Mayer-La Martinière besonders herzlich von ihrer Schülerin Sophie Duprat. Dann nahm sie ein scharfes Messer und schnitt sich die Kehle durch, während einige Räume weiter ihr langjähriger Lebensgefährte, der berühmte Maler Pierre Paul Prud’hon, ahnungslos an einem Bild arbeitete. Mit diesem grauenvollen Selbstmord endete ein besonders erschütterndes Kapitel aus dem endlos erscheinenden Fortsetzungsroman “Die Frau an seiner Seite”.

Constance Mayer war eine vielversprechende junge Künstlerin gewesen. Mit 21 begann sie regelmäßig an den Pariser Salonausstellungen teilzunehmen, vor allem mit Porträts und Selbstporträts. Fünf Jahre später wechselte sie von ihrem bisherigen Lehrer, Jean-Baptiste Greuze, zu Prud’hon. Für den etwa 17 Jahre älteren Künstler war das sich entwickelnde Lebensarrangement ausgesprochen nützlich: Mayer kümmerte sich um seine fünf Kinder, deren Mutter wegen “skandalösen Verhaltens” in eine geschlossene Anstalt eingeliefert worden war. Sie stellte der Familie ihr nicht unerhebliches Vermögen zur Verfügung und schuf mit Charme, Taktgefühl und Hartnäckigkeit wichtige Kontakte zu zahlungskräftigen AuftraggeberInnen (u.a. Kaiserin Josephine), so daß der geschäftsuntüchtige Maler bald zu einem der bekanntesten seines Genres wurde. Vor allem aber stellte sie ihre eigene künstlerische Produktivität ganz in den Dienst seines Erfolgs. Sie arbeiteten im selben Stil und an denselben Themen - lyrische Porträts und gefühlvolle allegorische Darstellungen (Liebe verführt die Unschuld, Vergnügen und Reue folgen). Die Zuordnung ihrer Werke ist bis heute schwierig, denn Mayers Bilder wurden nicht selten als “echte Prud’hons” gehandelt, da sie dann mehr Geld brachten.

Bei all dem wahrten sie die Form - beide hatten in der Sorbonne ein Atelier mit Wohnung zur Verfügung, so konnten sie als “Lehrer” und “Schülerin” dicht beieinander leben, ohne ihren Ruf zu gefährden. Woran die Idylle zerbrach, läßt sich nur vermuten - Angst vor der Zukunft, weil das Kultusministerium die Ateliers gekündigt hatte? Enttäuschung, da Prud’hon keine Anstalten machte, sie zu heiraten? Oder die bittere Erkenntnis über ihr “unterdrücktes Talent” (Germaine Greer)? Der Maler trauerte heftig um seine Gefährtin, stellte für den Salon von 1822 eine Retrospektive ihres Werks zusammen und starb, wie es heißt, an gebrochenem Herzen im folgenden Jahr.

Constance Mayers bekanntestes Bild, “Der Traum vom Glück” (1819), gehört dem Louvre. Es zeigt vielleicht auch ihren persönlichen Glückstraum: eine ganz in helles Licht getauchte junge Familie - die schlafende Frau und ihr Kind vom Mann zärtlich gestützt - gleitet auf einem Kahn, dem Boot des Lebens, über glänzendes Wasser, von einer kräftigen Fortuna und einem nackten Cupido gerudert.

Andrea Schweers