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Cordelia Edvardson

geboren am 1. Januar 1929 in München
gestorben am 29. Oktober 2012 in Stockholm

deutsch-schwedisch-israelische Journalistin und Schriftstellerin


Das Schicksal von Cordelia Edvardson wurde im Gestapo-Hauptquartier besiegelt und in ihrem späteren autobiographischen Roman Gebranntes Kind sucht das Feuer ergreifend dargestellt. Nazi-Rassengesetze zerstörten ihre Kindheit und veränderten schon früh ihr Leben.

Cordelia Edvardson, Tochter der Schriftstellerin Elisabeth Langgässer, wurde 1929 in München unehelich geboren. Aufgewachsen in Berlin im streng katholischen Elternhaus ihres Stiefvaters, fühlte sie sich schon als Kind als Außenseiterin. Um die Zahlung von Alimenten abzusichern, wurde auf ihrer Geburtsurkunde der Name ihres jüdischen Vaters eingetragen, was sich als verhängnisvoll erweisen sollte.

Nachdem Cordelia als jüdisches Kind schon früh antisemitischen Schikanen und Demütigungen ausgesetzt war, versuchte ihre Familie den Nazi-Rassengesetzen durch eine Adoption nach Spanien zu entgehen. 1943 wurde aus ihr Cordelia Garcia-Scouvart. Aber die Nazis entdeckten den Adoptionsantrag.

Um ihre Mutter vor der Anklage des Hochverrats zu retten, nahm Cordelia wieder die deutsche Staatsbürgerschaft an und unterschrieb Dokumente, die ihre Mutter entlasteten. Kurze Zeit später wurde Cordelia mit einem Judentransport erst nach Theresienstadt und weiter nach Auschwitz deportiert, wo sie als Bürokraft für den KZ-Arzt Dr. Mengele die Selektionen protokollieren musste.

1945 wurde Cordelia Edvardson durch das Internationale Rote Kreuz gerettet. In Schweden fand sie ein neues Zuhause. Erst 1946 erfuhr Elisabeth Langgässer von ihrer Tochter, und 1949, ein Jahr vor Langgässers Tod, kam es in Bergzabern zu einem ersten Wiedersehen.

Edvardson verdiente in Schweden ihren Lebensunterhalt als Journalistin und brauchte 40 Jahre, um ihre traumatischen Erlebnisse in dem Roman Gebranntes Kind sucht das Feuer (Bränt barn söker sig till elden) zu verarbeiten, der 1984 auf Schwedisch und 1986 auf Deutsch erschien, noch im selben Jahr sieben Auflagen erlebte und den Geschwister-Scholl-Preis erhielt.

Während des Jom-Kippur-Krieges 1974 übersiedelte Edvardson nach Israel, das für sie zur Wahlheimat wurde - gebranntes Kind sucht das Feuer. Sie galt als streitbar, weil sie die israelische Siedlungspolitik scharf kritisierte. In Die Welt zusammenfügen (Viska det till vinden) (1989) schreibt sie über eine Lesereise durch die Bundesrepublik, das Verhältnis von Deutschen und Juden, über Israel und den traumatischen Konflikt mit seinen arabischen Nachbarn.

Gedichte hatten ihr geholfen, den Horror der Konzentrationslager zu überleben. 1991 erschien Jerusalems leende (Jerusalems Lächeln, 1993), ihr erster Gedichtband.

Cordelia Edvardson starb am 29. Oktober 2012 in Stockholm, wohin sie 2006 zurückgezogen war.

Anne Beck

Edvardson, Cordelia. 1986 [1984]. Gebranntes Kind sucht das Feuer [= Bränt barn söker sig till elden]. Aus d. Schwed. von Anna-Liese Kornitzky. München; Wien. Hanser.

Edvardson, Cordelia. 1989. Die Welt zusammenfügen [=Viska det till vinden]. Aus d. Schwed. von Jörg Scherzer u. Anna-Liese Kornitzky. München; Wien. Hanser.

Edvardson, Cordelia. 2004. “Die Schändung”, Faz.Net 5.2.2004

Edvardson, Cordelia. 1993 [1991]. Jerusalems Lächeln: Gedichte [=Jerusalems leende: dikter]. Aus dem Schwed. von Anna-Liese Kornitzky. München; Wien. Hanser.

El–Akramy, Ursula. 1997. Wotans Rabe: Elisabeth Langgässer, ihre Tochter Cordelia und die Feuer von Auschwitz. Frankfurt/M. Neue Kritik.

Seiler, Thomas. 2006. “Im Leben verschollen”: Zur Rekontextualisierung skandinavischer Gefängnis- und Holocaustliteratur. Heidelberg. Winter.