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Dora Maar

geboren am 22. November 1907 in Paris
gestorben am 16. Juli 1997 in Paris

französische Fotografin und Malerin


Dora MaarAvril 2003 – Moi, Dora Maar

Sie war, erinnert sich der Kunstsammler und Galerist Heinz Berggruen, „in allen Höhen und Tiefen ihres von Tragik getränkten Lebens ein Teil des Planeten Picasso“. Berühmt geworden war Dora Maar in der Tat als Picassos inspirierende Muse, sein Modell, seine Geliebte. Aber als die beiden sich 1936 in Paris im Café Deux Magots kennen lernten, war Dora Maar bereits eine etablierte Künstlerin mit starken politischen Überzeugungen. Sie hatte den Höhepunkt ihrer künstlerischen Laufbahn erreicht, ihre Fotografien waren zu Emblemen der surrealistischen Bewegung geworden, sie selbst eine der schillerndsten Figuren des Surrealismus.
Caws 2000 – Les vies de Dora Maar

Sie hatte mit Brassaï ausgestellt, mit dem sie sich Anfang der 30er Jahre eine Dunkelkammer teilte, war befreundet mit André Breton, Henri Cartier-Bresson, Jean Cocteau, Man Ray und hatte eine stürmische Liebesbeziehung mit Georges Bataille hinter sich. Nachdem sie 1937 Picassos Arbeit an Guernica fotografisch dokumentiert hatte, hörte Dora Maar, die ab 1926 in Paris Fotografie und Malerei studiert hatte, auf zu fotografieren. Sie malte wieder. 1944 stellte sie ihre Stillleben in der Galerie Jeanne Bucher aus. Es sei ihr gelungen, schrieb Brassaï damals, „sich von Picassos machtvollem Einfluss freizumachen“.

Lord 1993 – Picasso and Dora

„Ich bin nicht Picassos Mätresse gewesen. Er war nur mein Meister“, kommentierte Maar ihre Beziehung zu Picasso Jahre später. Diese war immer schwierig gewesen. Als sie ihn kennen lernte, war Picasso mit Marie-Thérèse Walther liiert, deren gemeinsame Tochter Maya gerade ein Jahr alt. Diese Ménage à trois hielt sie aus, aber Picasso traf 1943 die 40 Jahre jüngere Françoise Gilot, und als er sich 1946 schließlich von ihr, Dora Maar, trennte, erlitt sie einen Nervenzusammenbruch und erholte sich erst nach Aufenthalten in der Psychiatrie, einer zweijährigen Psychoanalyse bei Jacques Lacan und der Hinwendung zu religiöser Mystik von diesem Trauma.

Caws – Picasso's Weeping Woman

Zum Abschied hatte ihr Picasso ein Haus in der Provence geschenkt. In Ménerbes verbrachte sie ihre Sommer, im Winter lebte sie in Paris, zurückgezogen, malend, Stillleben, Landschaften. 1957 stellte Berggruen in Paris ihre Landschaftsbilder aus, weitere Ausstellungen folgten, die letzte zu Lebzeiten 1995 in Valencia war ihrem Lebenswerk gewidmet.

Dujovne Ortiz – Dora Maar

Zum Schluss war Dora Maar zu einem Pflegefall für das Sozialamt geworden. Dort hatte niemand die leiseste Ahnung, von welchen Schätzen sie in ihrer Wohnung umgeben war. Ihr Nachlass – Arbeiten von Picasso sowie Fotos und Gemälde aus ihrem eigenen Atelier – brachte bei einer Versteigerung nach ihrem Tod rund 67 Millionen Mark ein.

Susanne Gretter


Quellen

Lord 1998 – Picasso und Dora Maar

Caws 2000 – Dora Maar


Caws, Mary Ann (2000): Dora Maar. Die Künstlerin an Picassos Seite. Berlin: Nicolai.


Lord, James (1998): Picasso und Dora Maar. Eine persönliche Erinnerung. Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verl. (Fischer, 13798).


Bücher mit Werken Dora Maars

Baldassari, Diefenbacher 2006 – Picasso, Dora Maar

Beyeler, Ciuha 2006 – Eros in der Kunst


Baldassari, Anne; Diefenbacher, Christine (2006): Picasso, Dora Maar. Das Genie und die Weinende. Ausstellungskatalog. Paris: Flammarion.


Beyeler, Ernst; Ciuha, Delia (2006): Eros in der Kunst der Moderne. Ausstellungskatalog. Ostfildern: Hatje Cantz.

Haenlein 1977 – Künstlerphotographien im XX

Bouqueret 1998 – Les femmes photographes


Bouqueret, Christian (1998): Les femmes photographes. De la nouvelle vision en France, 1920-1940. Ausstellungskatalog. Paris: Marval (Collection Années, 30).


Haenlein, Carl-Albrecht (1977): Künstlerphotographien im XX. Jahrhundert. Ausstellungskatalog. Hannover: Kestner-Gesellschaft (Katalog / Kestner-Gesellschaft, 1977,4).

Schirmer (Hg.) 2006 – Frauen sehen Frauen

Haenlein 1979 – Dada


Haenlein, Carl-Albrecht (1979): Dada. Photographie und Photocollage. Ausstellungskatalog. Hannover: Kestner-Gesellschaft (Katalog / Kestner-Gesellschaft Hannover, 1979,3).


Schirmer, Lothar (Hg.) (2006): Frauen sehen Frauen. Eine Bildgeschichte der Frauen-Photographie von Julia Margaret Cameron bis Inez van Lamsweerde. Mit einem Essay von Elisabeth Bronfen. München: Schirmer Mosel.

Thérond (Hg.) 2001 – Surréalisme

Schneede (Hg.) 2005 – Begierde im Blick


Schneede, Uwe M. (Hg.) (2005): Begierde im Blick. Surrealistische Photographie. Ausstellungskatalog. Ostfildern-Ruit: Hatje Cantz.


Thérond, Roger (Hg.) (2001): Surréalisme. Paris: Éd. du Chêne.


Weiterführende Literatur

Berger 2000 – Liebe macht Kunst

Avril 2006 – Dora Maar


Avril, Nicole (2006): Dora Maar – Picassos geheimnisvolle Muse : der Roman ihres Lebens. Aus dem Franz. von Christiane Landgrebe. Bergisch Gladbach: BLT.


Berger, Renate (2000): Liebe macht Kunst. Künstlerpaare im 20. Jahrhundert. Köln: Böhlau.

Förster 2003 – Dora Maar

Dujovne Ortiz 2005 – Dora Maar


Dujovne Ortiz, Alicia (2003): Dora Maar. Prisonnière du regard. Paris: Librairie générale française, 2005 (Le livre de poche, 30425).


Förster, Tania (2000): Dora Maar. Picassos Weinende. Hamburg: Europ. Verl.-Anst., 2003 (eva-Taschenbuch, 243).

Voß 2007 – Dora Maar und Pablo Picasso

Mössinger, Picasso 2002 – Picasso et les femmes


Mössinger, Ingrid; Picasso, Pablo (2002): Picasso et les femmes. Ausstellungskatalog. Köln: DuMont.


Röhrig 2010 – Mätressen und FavoritenRöhrig, Anna Eunike (2010): Mätressen und Favoriten. Ein biografisches Handbuch. 1. Aufl. Göttingen. MatrixMedia. ISBN 978-3-932313-40-0.
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Voß, Ursula (2007): Dora Maar und Pablo Picasso. Frankfurt am Main: Insel Verlag (Insel-Bücherei, 1298).