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Dorothy Allison

also available in English

geboren am 11. April 1949 in Greenville, South Carolina

US-amerikanische Schriftstellerin
60. Geburtstag am 11. April 2009


Dorothy Allison will mit ihrem Schreiben die Welt verändern. Ihre literarisch hochangesehenen Romane, Erzählungen und Essays stellen die Welt des “poor white trash” dar, die Welt der verachteten armen Weissen im amerikanischen Süden, vor allem der oft von Männern brutalisierten Frauen und Mädchen. Allisons autobiographischer Erstlingsroman Kuckuckskinder (2002 = Bastard Out of Carolina, 1992) kam auf die Shortlist für den National Book Award, wurde verfilmt und in mehr als 12 Sprachen übersetzt. Die lesbische Aktivistin und Feministin engagierte sich in den 80er und 90er Jahren unerschrocken in den Debatten der Frauenbewegung: sie trat für umstrittene Formen lesbischer Sexualität ein und für ärmere Frauen und Arbeiterinnen gegen den Hegemonialanspruch der überwiegend bürgerlichen Frauenbewegung.

Dorothy war die uneheliche Tochter einer 15-jährigen Kellnerin und Wäscherin. Als sie fünf war, heiratete ihre Mutter einen erfolgslosen Handelsreisenden. Er mißbrauchte seine Stieftochter acht Jahre lang, bis sie sich endlich gegen ihn behaupten konnte. Positive Figuren ihrer Kindheit und Jugend waren ihre Großmutter und ihre Tante, beide starke Frauen und blendende Geschichtenerzählerinnen.

Erst als Dorothys SchulkameradInnen und Lehrerinnen anfingen, sie trotz der beschämenden Armut wegen ihrer hohen Intelligenz zu schätzen und zu fördern, sah sie eine Möglichkeit, ihrem trostlosen Dasein zu entkommen. “Da sie Armut und Hoffnungslosigkeit nicht als mein unvermeidliches Schicksal ansahen, fing auch ich an, mir eine andere Zukunft vorzustellen.”

Allison gewann ein Stipendium an das Florida Presbyterian College und studierte dann Anthropologie an der New School of Social Research in New York. Während des Studiums entdeckte sie die Frauenbewegung, lebte in einem Frauenkollektiv, las feministische Schriften und arbeitete als Freiwillige in einem Frauennotruf.

Seit ihrer Jugend von Frauen angezogen, schrieb und redigierte Allison für frühe feministische und lesbische Zeitschriften wie Quest und Conditions. Ihre Gedichtsammlung The Women Who Hate Me (1983) entsetzte angepaßtere Feministinnen durch ihre Bejahung sonst verpönter Formen der Sexualität wie S/M und Butch-Femme-Rollen. Sie war Mitbegründerin der Lesbian Sex Mafia, einer Selbsthilfegruppe für Lesben und andere Frauen mit alternativen Sexualpraktiken oder Identitäten. 

Allisons weitere Schriften – ein Band Erzählungen (Trash, 1988, 2002), der Essayband Skin: Talking About Sex, Class, and Literature (1994), die Memoiren Zwei oder drei Dinge, die ich sicher weiß (2002, 1995) und ein zweiter Roman Heimkehr nach Cayro (1999 = Cavedweller 1998) – haben ihren literarischen Rang bestätigt und ihr viele Preise eingebracht. Allison lebt mit ihrer langjährigen Partnerin und ihrem Sohn in Kalifornien.

(übersetzt von Joey Horsley und Luise F. Pusch. Wir empfehlen auch die wesentlich ausührlichere englische Originalversion (oben rechts auf die US-Flagge klicken). Viele Zitate von Dorothy Allison finden Sie dort.)

Sarah K. Horsley

Werke
(Die für deutsche LeserInnen wichtigsten Quellen sind mit *** gekennzeichnet.)

***Allison, Dorothy. 2002 (1992). Kuckuckskinder: Roman (= Bastard Out of Carolina). Aus d. am. Engl. von Christine Popp. München. Goldmann

Allison, Dorothy. 1994.  Skin : talking about sex, class & literature. Ithaca, N.Y. : Firebrand Books.

***Allison, Dorothy. 2002 (1995). Zwei oder drei Dinge, die ich sicher weiß. Aus d. am. Engl. von Angelika Felenda. München. Goldmann

***Allison, Dorothy. 2001 (1998). Heimkehr nach Cayro: Roman. (= Cavedweller). Aus d. am. Engl. von Sabine Lohmann

Allison, Dorothy. 2002 (1988). Trash. Stories. New York. Plume.

Literatur, Interviews

Brandt, Kate. 1993. “Dorothy Allison: Telling Tales, Telling Truths,” in Happy endings: lesbian writers talk about their lives and work. Tallahassee, Florida. Naiad Press. S. 9-18.

Domina, Lynn. 2000. “Allison, Dorothy,” in American Women Writers: A Critical Reference Guide from Colonial Times to the Present. Hg. Taryn Benbow-Pfalzgraf. Vol. 1. 2nd ed. Detroit. St. James Press. S. 23-24.

“Dorothy Allison.” 2008. Contemporary Authors Online. Reproduced in Biography Resource Center. Farmington Hills, Mich. Gale.

“Dorothy (E.) Allison.” 1996. Feminist Writers. St. James Press,.
Reproduced in Biography Resource Center. Farmington Hills, Mich.: Gale, 2008.

“Dorothy Allison.” 1997. Gay & Lesbian Biography. St. James Press.
Reproduced in Biography Resource Center. Farmington Hills, Mich. Gale, 2008.

***Imbrie, Ann E. 2002. “Allison, Dorothy E.” glbt: An Encyclopedia of Gay, Lesbian, Bisexual, Transgender, and Queer Culture. Hg. Claude J. Summers. Zuletzt aktualisiert am 9.5.2005. Zuletzt eingesehen am 10.5.2008.

Keehnen, Owen. 1994. “Literary Heroine: Talking With Dorothy Allison.” glbt: An Encyclopedia of Gay, Lesbian, Bisexual, Transgender, and Queer Culture. Zuletzt eingesehen am 10.5.2008.

***Olander, Renée. 2002. “A Conversation with Dorothy Allison.” AWP – The Writer’s Chronicle. Zuletzt eingesehen am 10.5.2008.