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Elisabeth Bergner
geboren am 22. August 1897 in Drohobycz/Galizien
gestorben am 12. Mai 1986 in London
österreichisch-englische Schauspielerin und Regisseurin
25. Todestag am 12. Mai 2011

Mit 88 Jahren – ein Jahr nach ihrer letzten Hörspielarbeit, etwas mehr als zwei nach ihrem letzten Film – war aus der femme enfant und zugleich der femme fatale der Goldenen Zwanziger Jahre eine „charmante und gelegentlich auch abgründige alte Dame geworden“. Noch in dieser Beschreibung der Person Elisabeth Bergners ist die Faszination spürbar, die schon die Rollengestaltung der neunzehnjährigen Schauspielerin in Zürich als Ophelia (neben Moissi), als Wedekinds Lulu oder – als wichtigste ihrer vielen Hosenrollen – Shakespeares Rosalinde so unverwechselbar machte: im Leben wie auf der Bühne entzog sie sich jeder interpretierenden Festlegung, zog mit ihrer Lebensintensität Männer wie Frauen, Kollegen und Theater- wie Filmpublikum in ihren Bann und ließ doch keine einengende Nähe zu, war zwar Die Bergner und doch nicht zu fassen. Oft wurde sie portraitiert, Berühmtheiten widmeten ihr Gedichte, Literaten und Kritiker ließen sich zu emphatischen Umschreibungen ihrer Kunst, ihres Wesens hinreißen, Zeitungen veröffentlichten intensive Portraitstudien – jedoch kaum einmal eine Privataufnahme von ihr.
Auf ihre Weise hat sie „den Weg von emanzipatorischen Gedanken zur realisierten Emanzipation“ gelebt, hat vieles angeregt, sich selten gefügt: weder Brecht noch Shaw z.B. und sicher nicht den Ansprüchen aller „Liebschaften“ (die reisten ihr nach, wohin auch immer sie zog ). Intuition und Improvisieren: Ensemblespiel ist tatsächlich nicht ihre Sache gewesen. Und die lange Ehe mit dem Regisseur von mehr als der Hälfte ihrer 22 Filme, Paul Czinner, war „die schönste Freundschaft ihres Lebens“.
Nach ihrem Debüt in Innsbruck 1915 kamen Engagements nach Zürich, Wien, München und der Hauptstadt Berlin. Neben ihrem Theaterspielen entstand zwischen1924 und 1941 fast alljährlich ein Film (die populärsten: Der Geiger von Florenz, Ariane, Der träumende Mund). 1933 kehrt sie von Dreharbeiten in England nicht wieder nach Deutschland zurück, arbeitet für Bühne und Film und weicht nach Kriegsbeginn in die USA aus (Zusammenarbeit mit Brecht und Auden); trotz knapper Finanzen setzt sie sich weiter intensiv für Verfolgte und für Kinderhilfswerke ein, ermöglicht vielen die Emigration.
Über Albert Einstein findet sie zur Christian Science: mit Lesungen von Schnitzlers Fräulein Else und aus der Bibel besucht sie 1949 Deutschland, gestaltet eine mehrmonatige Tournee in Israel. Erst 1954 spielt sie wieder in Berlin, später in Düsseldorf; besonders Kiltys Geliebter Lügner (nach dem Briefwechsel Stella Patrick Campbells mit Shaw; ab 1959) dürfte ihr insgeheim eine diebische Freude gemacht haben. Von 1968 bis 1983 auch Fernseharbeit in England und Deutschland.
Swantje Koch-Kanz
Quellen
Bergner, Elisabeth (1978): Bewundert viel und viel gescholten. Unordentliche Erinnerungen. München: Goldmann, 1981 (Goldmann, 3980).
Dick, Jutta (1993): Jüdische Frauen im 19. und 20. Jahrhundert. Lexikon zu Leben und Werk. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt (rororo-Handbuch, 6344).
Völker, Klaus (1990): Elisabeth Bergner. Das Leben einer Schauspielerin ; ganz und doch immer unvollendet. Berlin: Ed. Hentrich (Beiträge zu Theater, Film und Fernsehen aus dem Institut für Theaterwissenschaften der Freien Universität Berlin, 4).
Weiterführende Literatur
Asper, Helmut G. (2002): Etwas Besseres als den Tod … Filmexil in Hollywood ; Porträts, Filme, Dokumente. Marburg: Schüren (arte Edition, 2).
Bolbecher, Siglinde; Kaiser, Konstantin (1993): Unsere schwarze Rose Elisabeth Bergner. Wien: Historisches Museum der Stadt Wien (170. Ausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien).
Bronnen, Arnolt; Kleinschmidt, Harald (1967): Begegnungen mit Schauspielern. 20 Porträts. Berlin: Henschel.
Eloesser, Arthur (1927): Elisabeth Bergner. Charlottenburg: Williams.
Fechter, Paul (1950): Große Zeit des deutschen Theaters. Gestalten und Darsteller. Gütersloh: Bertelsmann (Das kleine Buch, 4).
Felix, Jürgen (Hg.) (2002): Flucht durch Europa. Schauspielerinnen im Exil 1933 – 1945. Marburg: Schüren (Augen-Blick, 33).
Firner, Walter; Adalbert, Max; Ihering, Herbert (1932): Wir und das Theater. Ein Schauspielerbildbuch ; mit 40 Portraitstudien in Kupfertiefdruck nach Originalaufnahmen. München: Bruckmann.
Hochholdinger-Reiterer, Beate (1999): Vom Erschaffen der Kindfrau. Elisabeth Bergner – ein Image. Wien: Braumüller (Blickpunkte, 7).
Hoeppner, Klaus; Jatho, Gabriele (2007): City Girls. Frauenbilder im Stummfilm. Berlin: Bertz und Fischer (FilmHeft).
Lorant, Stefan (1928): Wir vom Film. Das Leben, Lieben, Leiden der Filmstars. München: Kolf, 1986.
Meyerinck, Hubert von (1967): Meine berühmten Freundinnen. Erinnerungen. Düsseldorf: Econ.
Müller, André (1979): Entblößungen. Interviews. München: Goldmann (Goldmann-Taschenbuch, 3887).
Omasta, Michael (Hg.) (2003): Carl Mayer, Scenar(t)ist. Ein Script von ihm war schon ein Film. „A script by Carl Mayer was already a film“. Enthält: Tödliche Wahrheit oder raffinierte Täuschung. Die Frauen in den Filmen Elisabeth Bergners von Anne Jespersen. Wien: SYNEMA.
Orbanz, Eva (1983): Elisabeth Bergner. Berlin: Stiftung Deutsche Kinemathek (Exil, 1).
Pross, Steffen (2000): In London treffen wir uns wieder. Vier Spaziergänge durch ein vergessenes Kapitel deutscher Kulturgeschichte nach 1933. Frankfurt am Main: Eichborn. (Inhaltsangaben und Rezensionen zu diesem Buch: http://www.perlentaucher.de/buch/2963.htm)
Riess, Curt (1956): Das gab’s nur einmal. Das Buch der schönsten Filme unseres Lebens. Gütersloh: Bertelsmann Lesering.
Seifener, Christoph (2005): Schauspieler-Leben. Autobiographisches Schreiben und Exilerfahrung. Frankfurt am Main: Lang (MeLis, 3).
Splanemann, Frank (1999): Von Fritz Kortner bis Curt Bois (Historische Aufnahmen der Reinhardt-Bühne, 2). Düsseldorf: Patmos. 1 Audio-CD.
Trapp, Frithjof (1999): Handbuch des deutschsprachigen Exiltheaters 1933 – 1945. München: Saur.
Wendtland, Karlheinz; Wendtland, Helga (1994): Sämtliche deutsche Spielfilme von 1929-1945. Künstlerbiographien A – K. Berlin: Verl. Medium Film (Geliebter Kintopp).






















