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Elisabeth von Thüringen

deutsche Wohltäterin und Heilige

geboren am 7.  Juli (?) 1207 in Sàros-Patak, Ungarn
gestorben am 17. November 1231 in Marburg

(mutmaßlich) 805. Geburtstag am 7. Juli 2012


Sie war nicht so sanft, wie die Heiligenbilder glauben machen wollen, es sei denn, sie wusch Kranke oder salbte Aussätzige. Nicht nur gegen sich selbst, sondern auch im Umgang mit ihrer angeheirateten thüringischen Verwandtschaft, ihren Bediensteten und ihren Untertanen, sogar mit engsten Vertrauten konnte sie fordernd und hart sein, wenn sie glaubte, es gehe um ihr eigenes oder anderer Menschen Seelenheil.

Die Furcht vor der höllischen Verdammnis wurde ihr schon in der Kindheit von der mittelalterlichen Kirche eingepflanzt und hat ihr kurzes Leben – aus heutiger Sicht erschütternd – geprägt. Mit vier Jahren wurde die ungarische Prinzessin nach Eisenach geschickt, weil sie dem ältesten Sohn des thüringischen Landgrafen versprochen war. Nach dessen Tod warb sein Bruder Ludwig um sie, und zwar in wirklicher Zuneigung, welche die beiden späteren Eheleute innig verband, bis Ludwig starb. Aus dieser glücklichen Ehe gingen drei Kinder hervor, deren Erziehung Elisabeth aber anderen Menschen überließ, als sie beschlossen hatte, ihr Leben ganz den Armen und Kranken zu widmen.

Schon während ihrer Ehe ließ sie unterhalb der Wartburg ein Hospital errichten, in dem sie sich auch selbst um die Kranken kümmerte. Entgegen der legendenhaften Überlieferung vom Rosenwunder war Ludwig keineswegs dagegen, sondern nahm Elisabeth gegen die Kritik seiner in ihrem Adelsstolz verletzten Verwandten in Schutz. Folglich wurde sie nach seinem Tod aus der Wartburg verdrängt: Ihr unstandesgemäßes Leben in ärmlichster Kleidung und bei magerster Nahrungsaufnahme sowie ihr „unmöglicher Umgang“ mit Bettlern brüskierte ihre Verwandtschaft, um so mehr, als sie durchaus im Grunde forderte, es ihr um Gottes willen gleich zu tun.

Für die letzten drei Jahre ihres Lebens siedelte sie nach Marburg über, wo sie ein weiteres Hospital gründete und sich mit den Vertrauten, die sie begleitet hatten, den Hilfebedürftigen widmete. Auch hier wie schon in Eisenach bestimmte ihr Beichtvater Konrad von Marburg, unbarmherziger Richter all ihrer Denk- und Handlungsweisen, wesentlich ihr Tun. Um ihre Demut zu „fördern“, entzog er ihr die Gegenwart ihrer Freundinnen. Dafür, weil sie ihr Witwengut an Bettler verteilte, statt es kirchengemäß zu verwalten, ließ er sie seinen geballten Zorn spüren. Aber ihre tiefe Frömmigkeit beeindruckte nicht nur ihre leidenden Mitmenschen, sondern auch ihn: Als erster beantragte er ihre Heiligsprechung, die bereits vier Jahre nach ihrem Tod erfolgte; sie starb völlig entkräftet an einer Lungenkrankheit.

Mechthild Winkler-Jordan

Koch, Ursula. 1998. Elisabeth von Thüringen. Die Kraft der Liebe. Gießen. Brunnen Verlag.

Lang, Justin (Essay) und Loose, Helmuth-Niels (Fotos). 1995. Elisabeth von Thüringen. Eine Bildbiografie. Freiburg. Herder.

Müller, Ulrich & Werner Wunderlich (Hg.). 1996. Herrscher, Helden, Heilige: Mittelalter-Mythen, Bd. 1. St. Gallen. UVK Verlagsgesellschaft.

Reber, Ortrud (2006): Elisabeth von Thüringen. Landgräfin und Heilige. Eine Biografie.


Reber, Ortrud. 2006. Elisabeth von Thüringen. Landgräfin und Heilige. Eine Biografie. Regensburg: Pustet.